Schmerzliche Eingriffe bei der Buch-Tocher von Migros

ExLibris schließt 43 Filialen

Auch wenn die Online-Umsätze des Schweizer Filialisten ExLibris um acht Prozent gestiegen sind: Aufgrund der Einbußen im stationären Geschäft, das in den vergangenen drei Jahren sowohl vom Umsatz als auch flächenbereinigt um ein Drittel zurückgegangen ist, sieht sich die Migros-Tochter gezwungen, 43 ihrer 57 Filialen noch in diesem Jahr zu schließen.

Eine der 14 Filialen, die bleiben wird: ExLibris in Aarau

Eine der 14 Filialen, die bleiben wird: ExLibris in Aarau © ExLibris

Von der Schließung betroffen sind 114 Stellen. Mit dem Kaufmännischen Verband (kfmv) und der Personalkommission als Sozialpartner hat ExLibris einen Sozialplan mit flankierenden Maßnahmen erarbeitet, um die Auswirkungen für die betroffenen Mitarbeiter abzufedern. Möglichst vielen Betroffenen soll innerhalb oder außerhalb der Migros-Gruppe eine Stelle vermittelt werden. Ex Libris bietet dazu eine interne Anlaufstelle. Zudem verlängert Ex Libris Weber zufolge die vertraglichen Kündigungsfristen. Mitarbeitern, die nach Ablauf der Kündigungsfrist keine neue Stelle haben, will ExLibris zusätzlich eine Entschädigung zahlen. Die "Transformation" ermögliche es aber, rund 215 Arbeitsplätze bei ExLibris "nachhaltig zu sichern", so Beat Zahnd, Leiter des Departments Handel im Migros-Genossenschafts-Bund.

Stark rückläufige Tendenz bei den stationären Läden

ExLibris habe "den Preiszerfall durch die Frankenstärke und den aggressiven Preiskampf der internationalen Online-Konkurrenz" zu spüren bekommen, teilte Luzi Weber, Mediensprecher des Migros-Genossenschafts-Bunds, heute mit. "Das Geschäft in den stationären Filialen hat seit Jahren eine stark rückläufige Tendenz. Für viele Filialen kommt erschwerend hinzu, dass längere Öffnungszeiten auch zu einem Kostenanstieg führten. Die bislang ergriffenen Maßnahmen, um dem fundamentalen Strukturwandel im Handelsmarkt zu begegnen, reichten nur teilweise aus", formuliert Weber. Das florierende Online-Geschäft habe die Einbußen bei den stationären Verkäufen nicht zu kompensieren vermocht.

Übrig bleiben nur 14 ExLibris-Filialen

Dass Bücher, Musik, Filme oder Games immer mehr online eingekauft werden, häufig auch bei internationalen Anbietern, "bekommen unsere Ladengeschäfte in aller Härte zu spüren", sagt Daniel Röthlin, Unternehmensleiter von Ex Libris. "Um weiterhin in Wachstumsbereiche investieren und als starkes Unternehmen in die Zukunft gehen zu können, müssen wir deshalb unser Filialnetz gesund aufstellen. Das ist leider nicht ohne schmerzliche Eingriffe möglich."
ExLibris habe das Marktpotenzial aller Standorte sorgfältig evaluiert und aufgrund der Standortfaktoren wie Kundennachfrage, Lage und Entwicklungsmöglichkeiten eine Gesamtbewertung vorgenommen. Als Ergebnis will ExLibris noch in diesem Jahr das stationäre Verkaufsnetz von heute 57 auf 14 Filialen reduzieren. Künftig wird es nur noch an folgenden Standorten ExLibris-Filialen geben:

  1. Aarau
  2. Basel Centralbahnplatz
  3. Bern Bahnhof
  4. Glattzentrum, Wallisellen
  5. Lenzopark, Lenzburg
  6. Lyss
  7. Pizolpark, Mels
  8. Rapperswil
  9. Sursee
  10. Illuster, Uster
  11. Wil SG
  12. Zürich Bahnhofplatz
  13. Zürich Limmatplatz
  14. Zürich Oerlikon

Das Unternehmen hat offenbar bereits im Laufe des vergangenen Jahres 11 Filialen geschlossen: Auf der Firmenwebsite wird für Anfang 2017 (Stand: 1. Januar) noch die Zahl von 68 Filialen in der deutschen Schweiz genannt.

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5 Kommentar/e

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  • Lorenz Borsche

    Lorenz Borsche

    Wie schon 2011 auf der Buchmesse in FfM vorausgesagt - denn ausgerechnet die Mutter Migros resp. deren damaliger Vorstand Bolliger hatte 2011 vehement für die Initiative gegen ein Buchpreisgesetz in der Schweiz getrommelt. 2012 im März war die Initiative erfolgreich. Und wie damals (2011) auf einer ironischen NZZ 2016 Fake-Website geschrieben, würde nur Amazon profitieren und Bolliger gehen müssen - hat nur ein Jahr länger gedauert. Recht zu behalten ist manchmal sehr traurig...

  • Manfred Keiper

    Manfred Keiper

    In der Tat, dies ist das Unternehmen, auf dessen Initiative die SchweizerInnen die Buchpreisbindung verloren haben. Dies Unternehmen fühlte sich im Markt gehindert dadurch. Es hat nicht geholfen, wie man sieht. Ich finde es aber mehr als fragwürdig, wenn ein Management "Sachzwänge", "Verhältnisse", "den Markt" verantwortlich macht für den Niedergang des Unternehmens (114 Entlassungen lassen sich schlecht anders titulieren!) statt die eigene Politik und/oder das Konzept. Damals wie heute hätte das Management vielleicht eher die eigenen Kompetenzen, die eigene Geschäftspolitik und das Geschäftskonzept auf den Prüfstand stellen sollen, und zwar rechtzeitiger.

  • if

    if

    Es ist natürlich bequem, die Öffnung der Buchpreise für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten verantwortlich zu machen. Dabei bleibt unbewiesen, dass das Unternehmen unter geltender Buchpreisbindung besser dasteen würde.

  • if not

    if not

    @if: Sie haben den Text aber schon gelesen, oder?

    ExLibris habe "den Preiszerfall durch die Frankenstärke und den aggressiven Preiskampf der internationalen Online-Konkurrenz" zu spüren bekommen, teilte Luzi Weber, Mediensprecher des Migros-Genossenschafts-Bunds, heute mit.

    Aggressiven Preiskampf kann es nur da geben, wo die Preisbindung wegfällt.

    Sicherlich spielen immer mehrere Faktoren eine Rolle. Aber wer die Sinnhaftigkeit der Buchpreisbindung negiert kann heutzutage fast nur noch Mitarbeitter von Amazon sein.

  • Max Fischer

    Max Fischer

    @if:
    Solange keine anderen Gründe für die Schwierigkeiten des Unternehmens genannt werden finde ich es schon zulässig, den Zusammenhang mit der Buchpreisbindung herzustellen.
    Bequem ist es im Trüben zu fischen und zu sagen es könnte auch andere Gründe geben ;-)

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