Shared Reading jetzt auch in Berlin

Bücher helfen

Eine Idee aus Liverpool ist in Berlin angelangt. Shared Reading soll Menschen helfen, eine Sprache für das bislang Ungesagte zu finden. In Leipzig wurde die Unternehmung nun vorgestellt.

Eine ganz neue Art des Miteinander-Lesens hat in Liverpool im Jahr 2002 ihren Ausgang genommen. Initiatorin von Shared Reading ist Jane Davis (60) – aufgewachsen in Pubs, ihre Mutter ist an ihrer Alkoholsucht gestorben, und unter Leuten, die oft lieber und mehr miteinander trinken als reden. „Zusammen lesen, ist ein wundervoller Weg verbunden zu sein mit anderen Menschen. Das habe ich vermisst, und ich wusste es gar nicht“, sagt sie nun in Leipzig.

Es wurde das späte Lebensprojekt von Davis, unterschiedlichste Menschen zusammenzubringen, um über Bücher zu reden – und zunächst einfach nur Literatur auf sich wirken zu lassen. „Die Menschen haben oft keine Sprache, um ihre Gefühle auszudrücken“, hat sie gelernt. Die Literatur könne helfen, diese Sprache zu finden. Der Anfang bestehe oft nur darin, zuzuhören und offen zu sein für die Bücher. Unter Anleitung eines Facilitators (auf Deutsch Vermittler) spricht die Lesegruppe einmal wöchentlich über ein Shakespearedrama, ein Gedicht oder dicke Romane, wie Tolstois „Anna Karenina“.

Vor rund einem halben Jahr hat sich Carsten Sommerfeldt in Liverpool zum Facilitator ausbilden lassen. Und seit einigen Monaten bietet er zusammen mit Thomas Böhm Shared Reading in Berlin an. Beide sind Experten für Literaturvermittlung, Böhm war lange Leiter des Kölner Literaturhauses, Sommerfeld Pressechef beim Berlin Verlag und bei Droemer. „Ich habe viele Gespräche mit Autoren, etwa mit Margaret Atwood und Richard Ford darüber geführt, wie man Menschen für Literatur begeistern kann. Shared Reading ist ein ganz neuer Weg, für mich ist es der Königsweg vom Autor zum Leser“, sagt er in Leipzig. Es sei eine spannende Erfahrung für beide, für Schriftsteller und Leser. Autoren, die ein Shared Reading-Projekt begleiten, könnten erleben, wie ihre Literatur Menschen berührt.

Deutschland ist nach Dänemark, Belgien und den Niederlanden das vierte Land, in das sich das englische Shared Reading ausgebreitet hat. In Liverpool ist derweil aus Shared Reading längst ein kleines Unternehmen geworden – mit 140 Festangestellten und fast doppelt so vielen Freiwilligen. In Berlin stecken sie zwar noch in der Startphase, aber Carsten Sommerfeldt glaubt, dass sich das deutsche Shared Reading-Unternehmen hin zu einer ähnlichen Größe entwickeln könnte. Denn die Einsatzgebiete, die er für das gemeinsame Lesen sieht, sind vielfältig: Bildung, Gesundheit und Unternehmenskultur. Gemeinsam lesen am Arbeitsplatz – vielleicht bessert es ja bald tatsächlich das Betriebsklima.

Mehr Infos unter: www.shared-reading.de

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7 Kommentar/e

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  • Ulrike Müller

    Ulrike Müller

    Sehr, sehr interessant - möchte das Projekt (bin Buchhändlerin) hier im Raum Wuppertal installieren.
    Wer könnte mir Kontaktdaten geben?
    Danke für Ihre Mühe.

    U. Müller

  • Sabine Mallmann

    Sabine Mallmann

    Mich interessiert dieses Projekt sehr. Auch in der RP ist ein Artikel darüber erschienen. Ich wüßte gerne von Gleichgesinnten im Raum Düsseldorf, die auch Interesse haben, Shared Reading hier zu verbreiten.

  • Dagmar Wenzel

    Dagmar Wenzel

    Mich interessiert dieses Projekt auch sehr. Wo bekommt man weitere Informationen?

  • Lilly Heuer

    Lilly Heuer

    Was für eine wunderbare Idee, da hätte ich geradezu große Lust, das Shared Reading hier am Bodensee zu organisieren. Wir hätten dazu auch einen tollen Raum im Elfengrund.
    Wo und wie kann ich mich da informieren ??

  • Carsten Sommerfeldt

    Carsten Sommerfeldt

    Liebe Shared-Reading-Interessierte,
    ganz herzlichen Dank für Ihr Interesse an Shared Reading. Wir freuen uns natürlich, dass sie unsere Begeisterung teilen und sind zuversichtlich, ab Herbst die ersten Termine für die Facilitator-Ausbildung bekanntgeben zu können. In der Zwischenzeit können sie sich gerne auf http://www.shared-reading.de über den Gang der Dinge informieren oder unseren Newsletter abonnieren.
    Ganz herzlich,

    Carsten Sommerfeldt
    Böhm & Sommerfeldt | Literarische Unternehmungen
    http://www.shared-reading.de

  • Andrea Neumann

    Andrea Neumann

    Dieses Projekt sollte Verbreitung finden - kann man sich mittlerweile in Deutschland ausbilden lassen?
    Danke für Info

  • WiesoWeshalbWarum

    WiesoWeshalbWarum

    Wirklich ein phantastisches Projekt. Freue mich schon jetzt auf die Ausbildungsmöglichkeiten im Herbst und bin 100% dabei! Alles Gute und viel Erfolg den Initiatoren!

    • ...

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