Sitzung des Verleger-Ausschusses

Positionsbestimmungen

Im Frankfurter Haus des Buches ist heute der Verleger-Ausschuss zu seiner turnusmäßigen Sitzung zusammengekommen. Themen waren die aktuelle Situation beim Urheberrecht, die Lobby-Arbeit, die VLB-Produktfamilie und der Jugendschutz bei E-Books.

Wie es mit dem VLB und VLB-Services weitergeht, trug MVB-Geschäftsführer Ronald Schild dem Verleger-Gremium vor. Das künftig in Eigenregie der MVB betriebene neue VLB solle im August 2015 live gehen, so Schild. Es vereine eine verbesserte Suchfunktion und eine attraktive Darstellung des Titelkatalogs mit einer einfachen, komfortablen Benutzeroberfläche. Die Migration der Bestandsdaten sei bereits angelaufen, begleitet von Tests, die alle Funktionalitäten des neuen Systems prüfen.

Schild unterstrich die Bedeutung der Datenqualität für die Funktionsfähigkeit und Akzeptanz des VLB. Die preislich begünstigten "Gold"-Meldungen von Verlagen, die alle Datenfelder – auch die "Thema"-Klassifikationen – ausgefüllt hätten, habe seit Beginn der Qualitätskampagne und dem damit verbundenen neuen Preismodell spürbar zugenommen. Das neugegründete Joint Venture von MVB und Newbooks Solutions, VLB-Services, werde Verlage dabei unterstützen, ihre Datenqualität zu verbessern und ihre Metadaten anzureichern.

Einen wichtigen Hinweis zu E-Book-Preisaktionen gab Schild den Verlegern mit auf den Weg: Diese müssen dem VLB künftig vier Wochen vorher gemeldet werden.

Armin Gmeiner (Gmeiner Verlag) berichtete den Kollegen vom aktuellen Stand beim Titelinformationssystem VLB-TIX: Die Pilotphase für die Herbstnovitäten werde am 27. Mai beginnen. Sandra Schüssel, Leiterin der Abteilung Produktmanagement bei der MVB, präsentierte die Nutzeroberfläche von VLB-TIX.


Allgemeine Wissenschaftsschranke in Sicht

Der Verleger-Ausschuss diskutierte anschließend mehrere Themen, die für die gemeinsame Lobbyarbeit des Verbands von Bedeutung sind – unter anderem die E-Book-Leihe in öffentlichen Bibliotheken, das Urhebervertragsrecht und die vom Gesetzgeber geplante allgemeine Wissenschaftsschranke. Börsenvereinsjustiziar Christian Sprang berichtete über laufende Urheberrechtsverfahren, die sowohl die Praxis der Verwertungsgesellschaften, Vergütungen an Verlage auszuschütten, in Frage stellen als auch den Urheberrechtsschutz im Bildungs- und Wissenschaftsbereich komplett aushebeln.

In einem Gespräch mit Bundesjustizminister Heiko Maas, dessen Haus an einem Gesetzentwurf für eine allgemeine Bildungs- und Wissenschaftsschranke (also einer Ausnahme vom Urheberrecht) arbeitet, sei angeklungen, dass geprüft wird, ob angemessene Lizenzangebote von Verlagen nicht generell Priorität vor Nutzungen unter Urheberrechtsschranken haben sollten.

Freiwillige Selbstkontrolle bei E-Books

Was zunächst wie ein verspäteter Aprilscherz klingt, wird E-Book-Produzenten demnächst zusätzliche Scherereien machen: Christian Sprang informierte die Verlegerrunde darüber, dass E-Books (wie CD-ROMs oder DVDs) unter den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag fallen. Im Gegensatz zu Büchern würden E-Books als Telemedien eingestuft, für die strengere Jugendschutzvorschriften gelten. Künftig müssten (noch zu benennende) Jugendschutzbeauftragte der Verlage Bücher – wie schon jetzt z.B. bei Filmen üblich – im Wege einer freiwilligen Selbstkontrolle einstufen und mit FSK 0, 6, 12, 16 und 18 kennzeichnen. Bei der Meldung ans VLB müsse diese Kennzeichnung in ein Pflichtfeld eingetragen werden, so Sprang. Bis spätestens 2017 müsse die neue Praxis umgesetzt werden. Eine pikante Note hat die FSK-Regel für E-Books mit eindeutig pornographischem Inhalt (bekanntlich ein stark nachgefragtes Segment): Sie dürfen künftig nur noch in geschlossenen Benutzerkreisen angeboten werden.

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12 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Ruprecht Frieling

    Ruprecht Frieling

    FSK für E-Books?

    Das ist wohl ein verspäteter April-Scherz.

  • Jens Bolm

    Jens Bolm

    Entweder eBooks sind Bücher oder Telemedien.

    Wenn sie Bücher sind, gilt Buchpreisbindung, aber kein schärferes Jugendschutzrecht
    Wenn sie Telemedien sind, kann Buchpreisbindung nicht gelten, aber meinetwegen das schärfere Jugendschutzrecht.
    Beides KANN nicht gleichzeitig der Fall sein!

  • Wölfchen Verlag

    Wölfchen Verlag

    Mehr als ein schlechter Aprilscherz!
    Wie will man das dann auf den Piratenseiten umsetzen? Es werden noch mehr Menschen sich ihre E-Books dort ziehen.
    Völliger Schwachsinn, FSK auf E-Book zu setzen. Unnötige Kosten für die Verlage, dazu der Verlust, weil sich Endkunden dann noch intensiver auf Illegale-Angebote stürzen.

  • Ludger Weß

    Ludger Weß

    Was ist denn ein eBook? Viele Ministerien und Firmen und auch der Bundestag bieten PDF-Dokumente zu Download an. Die lassen sich dann auf einem eBook-Reader lesen. Fallen die dann auch unter das Telemediengesetz? Wenn Deutschland schon juristisch korrekt ins digitale Zeitalter aufbricht, dann bitte konsequent.

  • C.Erpenbeck

    C.Erpenbeck

    Das ist ja wohl ein schlechter Witz. Aber mal im Ernst: Wenn das Ebook solcherart ganz eindeutig kein Buch mehr ist, dann ist auch jedes Argument für die Buchpreisbindung zum Teufel. Ist ja kein Buch ...

  • Tharaus

    Tharaus

    Selten wurde mit einer Regelung so am Buchmarkt vorbeilaviert. Es gibt in Bezug auf Ebooks riesige Problemstellungen: die Benachteiligung bei der Mehrwertsteuer, die Frage nach der Buchpreisbindung, der Missbrauch des Rückgaberechts über Amazon, die EBook-Piraterie.
    Und statt sich damit auseinanderzusetzen, öffnet man eine neue Baustelle. Mir ist schon bewusst, dass von vielen Seiten das Ebook nicht als sonderlich relevant wahrgenommen wird. Immerhin lag die Prozentrate der EBookverkäufe gegen die Druckausgaben 2014 nur bei etwas mehr als vier Prozent. Aber man sollte sich vielleicht auch mal bewusst machen, dass die Nischengenres inzwischen von den EBooks LEBEN und da Verkaufsverhältnisse von 4 Ebooks zu einem gedruckten Buch die Norm sind.
    Wenn man uns mit solchen Entscheidungen ins Knie schießt, bedeutet das am Ende nur, dass wir sehr genau überlegen müssen, ab wann sich die EBooks einfach nicht mehr rentieren und zum größeren Störfaktor werden. Denn die Piratenanbieter werden sich mit Sicherheit nicht an die FSK halten und damit für alle Jugendlichen zur unkontrollierten Anlaufstelle werden.
    Hinzu kommt übrigens: Wie möchten Sie die FSK denn bitte in Sachen Selfpublishing einbinden? Die großen Anbieter wie Amazon führen doch jetzt schon keinerlei Qualitäts- und Inhaltssicherung durch. Bedeutet das dann, dass die Verlage mit der FSK zu kämpfen haben, die SPs aber einen Freifahrtschein bekommen?

  • Bea Milana

    Bea Milana

    Aus: "Die Lesesucht" von 1821

    "Den verderblichsten Einfluß hat die Lesesucht auf die Jugend, teils weil in derselben das unerfahrene Herz am empfänglichsten für Eindrücke jeder Art, teils weil die Einbildungskraft ohnehin das Tätigste ihrer Seelenvermögen ist.
    Wirft dann ein unglücklicher Umstand, Schlechtigkeit der Bücherausleiher oder Verkäufer, Nachlässigkeit der Erzieher, Unachtsamkeit der Eltern, ein auf Sittenverderbnis berechnetes Buch, das Machwerk eines geilen Wollüstlings in ihre Hand, wird ihre Einbildungskraft mit unanständigen Vorstellungen, mit verschönernden Gemälden viehischer Triebe, mit Verzierungen des Verbrechens vertraut gemacht. Wer rettet dann das schirmlose Herz vor der vergifteten Phantasie?"

    Wohlan Ihr Herren Bürokraten und Schützer der Jugend, wenn FSK für ebooks gelten soll, dann bitte auch für books! Denn der Unterschied ist marginal.

    Diesen Text fand ich in einem tweet des Autoren Kai Mayer, der ihn bei Recherchen entdeckte.

  • Isabell

    Isabell

    Ich sitze kopfschüttelnd vor meinem Rechner. Sollte diese Einstufung gesetzlich festgelegt werden, wäre das das Ende des Selpulishing, denn keiner könnte sich die Veröffentlichungen mehr leisten. Um das korrekt durchzuführen, müssten mehrere Prüfer jeweils das ganze Buch lesen. Wie soll das bitte durchgeführt werden? Großartig, ganz großes Kino. Selfpublisher vom Markt, die Bücher bleiben natürlich, denn die sind keine kontrollpflichtigen Medien. Ebook werden unerschwinglich teuer. Autoren, die ihre Selbstständigkeit darauf aufgebaut haben, können sich schon mal nen anderen Job suchen. Und die schützenswerte Jugend? Die kauft einfach das Printbuch und surft in Piratenportalen. Applaus! Müssten dann nicht alle Forenbeiträge, alle Fanfictions, die man irgendwo laden kann, alle veröffentlichten Geschichten im Netz unter Jugendschutzkontrolle gestellt werden?

  • M. Gautsch

    M. Gautsch

    Der deutsche Überwachungsstaat erweitert jetzt sein Einsatzgebiet also auch auf die digitale Literatur, um sie auf Jugendgefährdung zu überprüfen. Wie fragwürdig ist ein System, das Neunjährige im Internet mit ein paar Mausklicks endlos Pornos konsumieren lässt und sich stattdessen Sorgen macht, ob die paar Kinder, die in ihrer Freizeit noch lesen, textlich geschädigt werden.

  • Alexandra

    Alexandra

    Diese Meldung klingt tatsächlich eher nach Schildbürgerstreich denn nach einer ernstzunehmenden Nachricht. Schon im Artikel oben gibt es gleich mehrere Dinge, die sich widersprechen.
    Zum einen soll die Alterskennzeichnung von eBooks ins VLB (Verzeichnis lieferbarer BÜCHER) eingetragen werden. Dann sind eBooks aber plötzlich gar keine Bücher (siehe Mehrwertsteuer), sondern Telemedien.
    Ja, was denn nun?
    Was ist mit eBooks, die gar nicht im VLB auftauchen? Dies betrifft nicht nur selbstverlegte Titel, sondern auch viele Titel von Kleinverlagen. Diese bleiben also weiterhin "kennzeichnungsfrei", oder wie? Und was ist mit Anbietern, die im Ausland sitzen, wie z.B. Amazon? Die müssen sich nicht an solche schrägen deutschen Ideen halten und bekommen damit einen erneuten Wettbewerbsvorteil gegenüber deutschen Anbietern wie der Tolino-Allianz.
    Ernsthaft?
    Ich sehe hier einen mehr als verzweifelt wirkenden Versuch der Buchhändler, ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen. Schließlich würden besonders beliebte Genres, deren Konsum sich immer stärker in Richtung eBook verlagert, vertrieblich benachteiligt durch eine solche Regelung, während man das haptische Produkt ganz uneingeschränkt in jeder Buchhandlung (und aber, Achtung, die Herren, auch bei Amazon! Pst!) kaufen kann.

    Nice try, würde der Engländer sagen, aber wie die FSM schon beim Thema INTERnet (es gibt halt kein GermanyNet, sorry) feststellen musste, lässt sich der Jugendschutz im digitalen Umfeld nicht mehr so einfach umsetzen. Die Anbieter verkrümeln sich einfach ins Ausland und stellen allen, auch deutschen Jugendlichen, Porno- und Gewaltvideos gratis zur Verfügung.
    In einer Zeit, in der jeder 10jährige mit einem Mausklick sämtliche Perversionen der Welt ansehen kann (nicht, dass ich das gutheiße, Gott bewahre), sollen ausgerechnet BÜCHER neuerdings wieder zensiert werden? Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich über diese Schnapsidee k... möchte. Sorry, aber vielleicht versucht man erstmal, die digitale Welt und die neuen Medien zu verstehen, bevor man so hilf- und wahllos mit den Armen rudert und um sich schlägt.

  • Veit Hoffmann

    Veit Hoffmann

    Um eins klar zu stellen: Dieser FSK-Ebook-Irrsinn ist keine Erfindung des Buchhandels oder gar der Sortimentsbuchhändler. Hier greifen staatliche Gesetzte und Regelungen, die es seit langem gibt und die bisher keine Beachtung gefunden haben. Wo kein Kläger, da kein Richter! Trotzdem gibt es diese Gesetzte und inzwischen hat der Staat sein Augenmerk eben auch auf Ebooks gerichtet. Wir Sortimenter haben damit genau so viel Arbeit, wie die Autoren, Verlage und Selfpublisher. Allein der rechtskonforme Umbau unserer Onlineshops wird uns ordentlich Geld kosten. Der schwarze Peter gehört hier also ganz klar nicht dem Sortiment oder der Buchbranche als Ganzem, sondern der irrwitzigen Gesetzeslage in Deutschland die hier innerdeutschen Handel erschwert und grenzüberschreitenden begünstigt.

  • TausendSchön

    TausendSchön

    Wurde in der hier reportierten Sitzung des Verlegerausschuss' nicht über die Zukunft von Libreka verhandelt und entschieden? Nur einen Tag später am 30.04. wird im Börsenblatt mitgeteilt, dass sich die MVB von Libreka trennt. Wo ist denn das Ende eines der teuersten und ambitioniertesten Projekte von Börsenverein/ MVB entschieden worden? Gab es denn keine Position des Verlegerausschuss' zu diesem Thema? Oder vergaß das Börsenblatt darüber zu berichten? Das Thema wurde 2006 vom Verlegerausschuss ausgehend politisch durchgesetzt und wird jetzt ohne dessen Stellungnahme wieder abgesetzt?

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