Thalia übernimmt Traditionshaus Wittwer

Weichen für die Zukunft gestellt

Thalia wird zukünftig die drei Standorte von Wittwer, Stuttgart Königstraße, Breuningerland Ludwigsburg sowie Breuningerland Sindelfingen, fortführen − als "Wittwer-Thalia". Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der Genehmigung des Bundeskartellamts.

Buchhandlung Wittwer, Filiale am Schlossplatz, Stuttgart

Buchhandlung Wittwer, Filiale am Schlossplatz, Stuttgart © Maike Reinhardt

Beide Vertragspartner haben Stillschweigen hinsichtlich der Vertragsbedingungen vereinbart, so die gemeinsame Presseinformation. Die Buchhandlung Wittwer, mit ihrem Stammhaus am Stuttgarter Schlossplatz, gehört zu den großen und traditionsreichen Buchhandlungen in Deutschland. Durch den Zusammenschluss mit Thalia stellt Wittwer die Weichen für die Zukunft, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung. Die Filialen werden künftig unter dem Label "Wittwer-Thalia" geführt.

"Durch die Digitalisierung und das geänderte Medienverhalten der Leser, bieten sich auch für alteingesessene Traditionshäuser wie Wittwer neue Möglichkeiten, wenn sie sich mit größeren Partnern zusammentun“, erklärt Konrad Martin Wittwer (63) anlässlich der Bekanntgabe des Zusammenschlusses mit Thalia. "Letztes Jahr haben wir unser 150-jähriges Firmenjubiläum gefeiert. Schon damals habe ich angekündigt, dass ich mich langsam aus dem operativen Geschäft zurückziehen werde. Wir haben uns in der Familie dafür entschieden, mit dem Generationenwechsel auch einen Wechsel des Geschäftsmodells vorzunehmen und sehen die besten Chancen für unser Vorhaben im Zusammenschluss mit Thalia. Auch der neue Name der drei Buchhandlungen 'Wittwer-Thalia' bringt das zum Ausdruck."

Thalia sei mit annähernd 300 Standorten [226 in Deutschland; 35 in Österreich und 32 in der Schweiz (Orell Füssli Thalia)] Marktführer im deutschsprachigen Sortimentsbuchhandel − in den letzten zweieinhalb Jahren habe es 18 Neueröffnungen und Übernahmen gegeben. Zahlreiche Service-Innovationen würden belegen, dass das Unternehmen ein zukunftsfähiges Konzept für den Buchhandel habe. Dabei sei Thalia offen für kreative und individuelle Lösungen bei Partnerschaften mit dem inhabergeführten Buchhandel.

Michael Busch

Michael Busch © Sascha Kreklau

"Wir freuen uns sehr, dass sich Familie Wittwer für die Zusammenarbeit mit Thalia entschieden hat und bedanken uns für das damit verbundene Vertrauen", sagt Michael Busch, geschäftsführender Gesellschafter von Thalia. "Im Südwesten sind wir bereits an 28 Standorten vertreten, darunter in Großstädten wie Darmstadt, Frankfurt, Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe oder Mannheim. Jetzt werden wir daran arbeiten, dass wir mit Wittwer-Thalia nicht nur die erste Adresse im Raum Stuttgart bleiben, sondern unsere Expansion in der Region erfolgreich fortführen."

Manuel Herder

Manuel Herder © Beatrix Dombrowski

Mehrheitsgesellschafter Manuel Herder, Verleger des Herder Verlags, ergänzt: "Für Thalia ist der Einstieg bei dem renommierten Traditionsbuchhändler Wittwer eine historische Chance, zudem verbindet uns eine über Generationen gewachsene, nachbarschaftliche und herzliche Beziehung. Stuttgart ist, wirtschaftlich und kulturell, eine der wichtigsten Landeshauptstädte im deutschen Sprachraum. Im engen Schulterschluss mit der Familie Wittwer an der Königstraße vertreten zu sein, ist für Thalia ein herausragender Schritt, um unser Engagement in der Region weiter auszubauen."

Die von Wittwer begonnene Neuordnung des Buchhandelsgeschäftes wird von Thalia, mit der Unterstützung des bisherigen Geschäftsführers Rainer Bartle (53), fortgeführt. Die Neuordnung sichere langfristig rund 100 Arbeitsplätze, schließt die Mitteilung. Im März hatte Wittwer für seine Buchhandlungen (Schlossplatz in Stuttgart, Uni-Buch Hohenheim, Uni-Buch Pfaffenwald sowie im Breuningerland Ludwigsburg und im Breuningerland Sindelfingen) die Zahl von 150 Mitarbeitern genannt − davon zusammen sechs in den Uni-Buchhandlungen (siehe Archiv), die Ende Juni geschlossen wurden.

In Baden-Württemberg ist Thalia derzeit mit 15 Filialen vertreten: Baden-Baden, Ettlingen, Freiburg, Heidelberg, Heidenheim, Karlsruhe (3x), Ludwigsburg, Mannheim (2x), Pforzheim, Rastatt, Ulm und Weil am Rhein. Mit den drei Wittwer-Standorten wären es künftig 18.

Update, 13. Juli:

Auf der Website des Bundeskartellamts ist in der heute aktualisierten Liste der "Laufenden Fusionskontrollverfahren" mit Datum vom 10. Juli vermerkt: "Tha­lia Uni­ver­si­täts­buch­hand­lung GmbH (D); Kon­trol­l­er­werb der Kon­rad Witt­wer GmbH Ver­lags- und Sor­ti­ments­buch­hand­lung (D)". Das Prüfverfahren beginnt nach Eingang der vollständigen Anmeldeunterlagen beim Bundeskartellamt.

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14 Kommentar/e

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  • Ein Buchhändler

    Ein Buchhändler

    So geht also der Konzentrationsprozeß in der Branche weiter: Wie hier - bei der Unwucht der Firmengrößen - von Partnerschaft gesprochen werden kann bleibt rätselhaft. War wohl die einzige Möglicheit für Wittwer weiter zu bestehen. Jetzt konkurrieren in Stuttgart nur noch die 3 Filialisten: Thalia, Hudendubel und Osiander. Was meint ihr, wer überlebt es?

  • Ein Leser aus dem Umland

    Ein Leser aus dem Umland

    Danke, endlich Thalia nun auch im Zentrum von Stuttgart. Jetzt wird die Vielfalt seit 1876 abgelöst von der Effizienz des großartigen Thalia Sortiments, dem bekannten Süßwarenhändler ohne Tankstelle. Gratulation an die Eigentümer des Wittwer, sie haben das Geschäft ihres Lebens gemacht. Man wird sicher bald sehen, was aus der Immobilie wird. Vielleicht bleibt ja noch Platz für einen Zeitschriftenkiosk mit Süßwarenabteilung.
    Welcher von den drei Großhändlern überlebt, ist völlig wurscht, denn die Langeweile in den Regalen ist überall die gleiche. Es lebe der Onlinehandel!!

  • Ein passionierter Leser

    Ein passionierter Leser

    Und wo kaufe ich jetzt meine Bücher? Diese Handelsketten bereiten einem passionierten Leser doch überhaupt kein Vergnügen. Aber warum setzten sich gerade diese Unternehmen am Markt durch, die am wenigsten Herzblut für und Ahnung von Büchern haben. Ich werde wohl den Trend nicht aufhalten können. Aber auf diesen ThaliaHugendubelOsiandereinheitsbrei habe ich keine Lust mehr und so werde auch ich wohl ab jetzt auch zu einem dieser Innenstadtverweigerer und Internetflüchtling.

  • Leo

    Leo

    Es gibt zum Glück ja auch noch die Stadtteilbuchhandlungen, die gute Arbeit und guten Service leisten. Zu Wittwer gehe ich nur, wenn es nicht anders geht. So gesehen ist mir das egal, ober der nun mit Thalia zusammen geht oder nicht.

  • Tom

    Tom

    Und natürlich lt. Börsenblatt wieder eine ganz positive Sache im deutschen Buchhandel! Nicht eine kritische Nachfrage!?

  • Martina Bergmann

    Martina Bergmann

    Es ist eine unternehmerisch nachvollziehbare Entscheidung. Warum sollte ein Familienunternehmen weiter persönlich haften für das kindergartenmäßige Endverbraucherverhalten? Passt mir dies nicht, passt mir das nicht, und dafür hab ich dann Amazon. Oder nerve den kleinen stationären Anbieter mit Herzblut-Gelaber.

  • Ein passionierter Leser

    Ein passionierter Leser

    Sehr geehrte Frau Bergmann,

    ich würde wirklich gerne Ihren Kommentar verstehen wollen. Leider gibt mir Ihr Text sowohl auf semantischer als auch auf syntaktischer Ebene Rätsel auf. Und Ihre Interpunktion verwirrt mich zusätzlich.

  • Leser

    Leser

    Ein solches Haus abzugeben ist eine große Entscheidung. Ob Thalia die bisherige Qualität des Sortiments erhält wird sich zeigen. Traurig ist dieser Verkauf in jedem Fall. Und der Name 'Wittwer-Thalia'wird in Stuttgart schwer zu etablieren sein.

  • Harald Kraft

    Harald Kraft

    Mit der Übernahme von Wittwer durch Thalia bleibt Wittwer weiterhin in
    Stuttgart in der Königstraße präsent.
    Durch eine völlig neue Konzeption in der Ausrichtung von Wittwer-Thalia (als
    neuer Name der bisher bestehenden drei Buchhandlungen von Wittwer) könnte
    sich Wittwer-Thalia mit einem effizienten Flair in Stuttgart ganz anders
    positionieren.
    Insgesamt gesehen sollte Wittwer-Thalia seinen bisherigen Kundenkreis
    weiter pflegen und erweitern, um dann mit Thalia gemeinsam auf Veränderungen am Buchmarkt zu reagieren.
    Die Buchhandlung Wittwer feierte ihr 150-jähriges Bestehen. Und vor allem
    aus dieser großen Tradition und Erfahrung heraus kann die Verbindung mit
    Thalia eine bessere Gestaltung in naher Zukunft bringen, um eben auch
    verschiedene Kundenkreise im Blick zu haben, denn der Bücherkauf sollte
    künftig auch eine Art von Erlebniskauf werden.
    Wittwer-Thalia kann also für Stuttgart in der Königstraße zu einer Überraschung
    für Bücher werden.

  • Noch ein Buchhändler

    Noch ein Buchhändler

    Mit dem Buchhandel gehts echt bergab. Am Ende bleibt nur noch entweder ganz gross ( es nur noch 2 Ketten geben und osiander und mayersche haben die Fusion ja schon ein Stück weit vorbereitet) oder kleine ganz ausgewählte Sortimente, die den Strukturwandel aufgrund ihrer geringen Kosten besser über stehen werden. Wer am Ende überlebt entscheidet wie immer der Kunde.

  • Reisender

    Reisender

    Das ist schade, vor allem für die kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sofern sie künftig an der kurzen Leine des zentralen Bestellsystems geführt werden und schade auch für die Kundinnen und Kunden, die die gut kuratierten Fachabteilungen zu schätzen wissen.
    Der Untergang des Abendlandes ist es aber gewiss nicht, denn wie Leo schon ganz richtig bemerkte gibt es in Stuttgart abseits der Königstraße eine erstaunlich bunte und vitale Buchhandelslandschaft, die es nun neu zu entdecken gilt!

  • Thomas Emig / Altlandsberger Buchhandlung & Antiquariat

    Thomas Emig / Altlandsberger Buchhandlung & Antiquariat

    Liebe Frau Bergmann, so sehr ich sonst Ihre Kommentare zu schätzen weiß - es spricht nicht von gutem Stil, einen Kunden, der Buchhändlern "Herzblut" bei der Arbeit zuspricht, mit "Gelaber" zu disqualifizieren. Es mag sein, daß die Entscheidung der Familie Wittwer wirtschaftlich nachzuvollziehen ist (wer wie ich leitende Mitarbeiter dieses Hauses kennt, kann dem nur zustimmen), trotzdem ist sie sehr bedauerlich. Der inhabergeführte Buchhandel ist offensichtlich selbst als größeres mittelständisches Unternehmen wirtschaftlich eigenständig nicht mehr überlebensfähig - das hat mit dem Rückgang der "Einkaufskultur" unserer aller Kunden ebenso zu tun wie mit der Änderung des Freizeitverhaltens; dazu gibt es ausreichend Studien. Ich persönlich betrachte den "Niedergang" des qualitativ hoch stehenden, experimentierfreudigen, innovativen, risikobereiten...(hier liessen sich noch beliebige Adjektive anfügen) mit Sorge und einer gewissen Traurigkeit; die Vielfalt leidet durch Konzentration - das ist eine alte BWL-Weisheit - und wenn dies auch durch unsere Kunden so wahrgenommen wird, kann uns das eigentlich nur recht sein.

  • Christoph Mäder

    Christoph Mäder

    Es sind wohl zu wenige, die den Wittwer-Service bezahlen. Sonst wäre es nicht zu diesem Schritt gekommen. Die breite Masse kauft bei Amazon, weil es soviel bequemer ist – und sie wird breiter. Übrigens zum Thema bezahlter Journalismus im Internet, wo sich in Deutschland kein Verlag traut, eine Paywall zu etablieren: in den USA haben es die großen Zeitungen geschafft, Paywalls durchzusetzen. Das Leben geht also doch weiter. Dort kann man 3 Artikel anklicken und ab dem 4. Artikel ist das Angebot für den Rest des Monats gesperrt. Es gibt immer Lösungen.

  • Vertriebler

    Vertriebler

    Der Buchhandel holt sukzessive, aber mit steigender Geschwindigkeit, das nach, was andere Branchen schon lange hinter sich haben. Wie in unserer Gesellschaft verschwindet die Mitte, es bleiben die "Kleinen" und die "Großen". Es spricht nicht wirklich für die Wirksamkeit der Preisbindung hinsichtlich des Erhalts der buchhändlerischen Vielfalt. Damit will ich die Preisbindung aber keinesfalls infrage stellen. Diese Entwicklung wird die Verlagsseite mehr und mehr unter Druck setzen. Immer größere Ketten mit einer immer breiteren Präsenz werden zu existenziellen Abnehmern für die Verlagserzeugnisse. Das war schon so, wird aber immer bedeutender. Für kleine und unabhängige Verlage wird es immer schwieriger, ihre Titel zu präsentieren. Auch auf Verlagsebene wird man vermutlich eine Beschleunigung bei Übernahmen erleben (müssen). Die Branche ist gewaltig in Bewegung...

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