Umfrage im Buchhandel

Ratgeber, Geschenkbuch, Humor: Wohin gehören die Mischformen?

Sachbuch, Comedy, Roman und Geschenkbuch: der klassische Ratgeber tritt heute immer mehr in Mischformen auf. Wann passt ein Buch für den Buchhandel in die Warengruppe Ratgeber? Welche Kriterien muss ein Ratgeber erfüllen? Und wo werden die Mischformen einsortiert? Eine Umfrage im Sortiment.

Dieter Dausien, Buchladen am Freiheitsplatz, Hanau:

Der Genremix ist ein allgemeines Phänomen, das mich nicht glücklich macht, weil ich gerne meinen Laden gut strukturiere, was auch den Kunden entgegenkommt. Ein Ratgeber sollte eine Anleitung oder ein Denkanstoß zu einem bestimmten Thema sein. Er sollte klar im Sachbuch verortet sein und nicht beispielsweise zu Belletristik hin tendieren. Bei Mischformen wäre für mich bei der Einordnung der Autor entscheidend. Bei Hirschhausen beispielsweise tendierte ich klar zum Sachbuch und weniger zum Humor bzw. Comedy. Wenn ein klassischer Comedian dagegen auch mal Lebenstipps gibt, dann würde ich ihn weiterhin zum Humor einordnen.

Peter Peterknecht

Peter Peterknecht © Axel Heyder

Peter Peterknecht, Buchhandlung Peter Peterknecht, Erfurt:

Ratgeber sind ein sehr weites Feld, weshalb ich Ratgebern auch eher skeptisch gegenüber stehe. Wir haben die eigentliche Warengruppe nur als Präsentation bei den Ratgebern für Lebenslagen. Dazu kommen Bereiche wie Ernährung, Lebenshilfe, Partnerschaft & Glück, Kinderratgeber und Zufriedenheit. Da müssen Titel von Thema genau hineinpassen. Außerdem trennen wir in allgemeine und fachliche Ratgeber. Bei Medizin geht es um Medizin und bei Wirtschaft um Wirtschaft. Bücher wie die von Herrn Hirschhausen ordnen wir dagegen klar in den Bereich Humor ein, die Gebrauchsanleitungen von Piper, die Reiseberichte sind, bleiben trotzdem im Bereich Reise.

Ulrike Dahmen, Buchhandlung Rosalux, Tübingen:

Mit klassischen Ratgebern kann ich nur wenig anfangen und besonders allergisch werde ich, wenn irgendwelche Prominente ihre Bekanntheit nutzen, um anderen Menschen Ratschläge zu geben. Für mich definierten sich Bücher, bei denen man sich Rat holen und etwas fürs Leben lernen kann, etwas anders. Ein Beispiel ist „Wie soll ich leben?: oder Das Leben Montaignes in einer Frage und zwanzig Antworten“ ein Titel, aus dem man sehr viel Lebensweisheit ziehen kann. Das Gleiche gilt „Philosophie des Traums“ von Türcke, da lernt man über den Menschen sehr viel. Ich verzichte zudem auf klassische Reiseführer und setzte auf literarische Reiseführer. Sie sehen, man braucht eigentlich keinen Ratgeber im üblichen Sinn.

Susanne Gaukel

Susanne Gaukel © privat

Susanne Gaukel, Buchhandlung Lesart, Lohmar:

Wir handhaben das sehr pragmatisch und versuchen, den Titel immer da einzusortieren, wo ihn der Kunde sucht. Wir haben keine eigene Abteilung „Ratgeber“. Es gibt eine Abteilung Esoterik und Spiritualität, dort kommt alles hin was zu diesem Thema passt, egal ob das eine persönliche Lebensgeschichte oder ein Sachbuch über Buddhismus ist. Wenn ein Comedian etwas zum Thema Lebenshilfe schreibt, kommt er auch in diesen Bereich – es muss immer thematisch passen.

Martina Lange-Heidenreich

Martina Lange-Heidenreich © Joerg Dieckmann

 Martina Lange-Heidenreich, Buchhandlung Blume, Oerlinghausen:

Wo ein Buch eingeordnet wird, hängt davon ab, wer es verfasst hat. So würde ich Hirschhausens „Wunder wirken Wunder“ beim allgemeinen Sachbuch in der Rubrik lebendige Sachgeschichte einordnen und nicht zu den Ratgebern stellen. Das gilt auch, wenn beispielsweise ein Comedian Lebensratschläge gibt, die kommen in die Abteilung Humor. Das sind aber Titel, die ich eher selten einkaufe. Der Bereich Ratgeber ist bei uns eher wenig frequentiert. Die Einordnung in diesen Bereich erfolgt daher ziemlich streng: Ein Ratgeber muss einen praktischen Nutzen haben und er muss Dinge enthalten, die der Leser auch umsetzen kann.“

Ingolf Engler

Ingolf Engler © privat

Ingolf Engler, Buchhandlung Engler, Delitzsch:

Gerade Bestseller mit prominenten Autoren sind oft schwer einzuordnen. Diese kommen aber bei uns eher auf den Tisch oder in Sonderauslagen. Man kann sie aber, wenn das Thema passt, auch in den Bereich Lebenshilfe einordnen. Ratgeber, die ihren Schwerpunkt mehr auf den Unterhaltungswert legen, kommen entsprechend auch in den Bereich Humor. Bei klassischen Ratgebern geht es für mich um einen ernsthaften Ansatz in Bereichen wie Natur oder Gesundheit.

Christine Friedlein

Christine Friedlein © privat

Christine Friedlein, Buchhandlung Friedrich, Kulmbach:

Es ist allgemein schwierig geworden, Titel in bestimmte Warengruppen einzuordnen. Da sind oft Interpretation und Improvisation gefragt. Ratgeber im engeren Sinne müssen Informationen zu bestimmen Themen enthalten, bei denen der Leser etwas tun oder erfahren möchte. Mischformen empfinde ich als eine wunderbare Angelegenheit, weil diese auch Verbindungen schaffen und ihre Zielgruppe ansprechen. So sind Sportratgeber oft in einer eher lockeren Sprache geschrieben, die die Klientel anspricht. Und wenn es jemand doch konservativer haben möchte, gibt es immer noch Ausweichmöglichkeiten. Gewisse Titel wie Lebenshilfe von Comedians kommen bei mir erst gar nicht in die Buchhandlung. Bestseller wie Hirschhausen werden zunächst offensiv präsentiert und kommen dann in den Bereich Gesundheit, Lebenshilfe, Körper-Geist-Seele.

Harald Butz

Harald Butz © privat

Harald Butz, Kurt Heymann Buchzentrum, Hamburg

Wann ein Buch in die Warengruppe Ratgeber passtP Wenn es den Verfassern gelingt, profundes Fachwissen allgemein verständlich darzustellen. Das sind die unverzichtbaren Voraussetzungen für einen Ratgeber. Anders gesagt: Der Ratgeber vereint die Inhalte eines Fachbuches und bedient sich der Qualitäten eines Sachbuches. Je nach Ausrichtung der Mischform wird der Ratgeber zum Grenzgänger, d.h. er kann sowohl im Ratgeber-Segment als auch in der Abteilung Sachbuch, Comedy, Roman und Geschenkbuch präsentiert werden.


Am Donnerstag, 5. Oktober, erscheint das 74 Seiten starke Börsenblatt Spezial Ratgeber!

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