Urheberrecht: Essay von Richard Malka

"Autoren ohne Hemd auf dem Leib"

Richard Malka, der Anwalt des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo", geißelt in einem Essay die Urheberrechtspolitik der Europäischen Kommission. Sie legalisiere den Diebstahl geistigen Eigentums und ebne den Weg in ein "kulturelles Inferno". Der Text, der in Brüssel und Frankreich bereits Wellen geschlagen hat, liegt nun auf boersenblatt.net erstmals in deutscher Übersetzung vor.

Malkas streckenweise polemischer Essay ("La gratuité, c'est le vol. 2015: La fin du droit d'auteur") bezweifelt zunächst die "ökonomische Notwendigkeit" der derzeit geplanten Novelle der europäischen Urheberrechts-Richtlinie. Die Anpassung des Urheberrechts sei längst vollzogen.

Der Autor greift den von Julia Reda (Die Piraten, Mitglied des Europa-Parlaments) verfassten sogenannten Reda-Report mit den Worten scharf an, sie, "gerade mal 28 Jahre alt", wische "ein komplettes Regelwerk zum Schutz des Urheberrechts" mit "leichter Hand" hinweg. Der Bericht beinhalte "derart extreme Vorschläge, dass die Kommission selbst dann noch vergleichsweise konziliant erscheinen dürfte, wenn sie den Internetgiganten den Schlüssel zur europäischen Kulturindustrie und zur Urhebervergütungsregelung in die Hand drückte".

Der Reda-Report wurde, wie Malka schreibt, am 9. Juli 2015 vom Europäischen Parlament angenommen, "nachdem es dessen gröbste Auswüchse beschnitten hatte". Malka sieht eine Gefahr in einigen der von der EU-Kommission und vom Parlament angedachten Urheberrechtsausnahmen:

  • Wenn künftig Bibliotheksnutzer im Rahmen der E-Book-Leihe ohne Limit Titel ausleihen dürften – wer solle dann noch E-Books kaufen, geschweige denn die Printversion.
  • Wenn Nutzer künftig die Möglichkeit hätten, im Rahmen des Text und Data Mining (TDM) Inhalte aus großen Datenbanken zu kopieren, um anhand dieser Daten Forschung zu betreiben oder neue Inhalte zu kreieren, würde künftig kein Verleger mehr Geld ausgeben, um solche kostenintensiven Tools überhaupt noch zu erstellen.
  • Wäre die Verbreitung digitaler Werkauszüge zu Unterrichtszwecken künfitg erlaubt, zöge dies eine Lawine nicht vergüteter Kopien nach sich; dies wäre eine unlautere Konkurrenz zum verlegerischen Angebot.
  • Der von den Urheberrechtsreformern favorisierte, in den USA gängige Begriff des "Fair Use" solle zwangsimportiert werden, kritisiert Malka, habe aber im europäischen Rechtssystem nichts verloren.

Malka befürchtet, dass sämtliche geplanten Urheberrechtsausnahmen (im Juristendeutsch: "Schranken") "zu Millionen freier Downloads und zur Verbreitung unzähliger kostenfreier Digitalkopien führen könnten. Dies würde nicht nur die europäische Kulturindustrie erheblich schwächen, sondern Europa zum Jagdrevier übermächtiger Akteure machen.

Das drastische Fazit des Charlie-Hebdo-Anwalts: "Am Ende wird die Verlagslandschaft ausgeblutet zurückbleiben, werden die Autoren ohne ein Hemd auf dem Leib dastehen."

Den kompletten Essay können Sie am Ende der Meldung herunterladen (siehe Download-Link).

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3 Kommentar/e

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  • Mathias Schindler

    Mathias Schindler

    Ich möchte mich beim Börsenverein dafür bedanken, dass er die Übersetzung des Textes in die Wege geleitet hat. Ich finde es sehr wichtig, dass ein Text mit dem Kampfruf "Gratis ist Diebstahl" auch in deutscher Sprache gratis zum Download angeboten wird.

  • IF

    IF

    "Wenn künftig Bibliotheksnutzer im Rahmen der E-Book-Leihe ohne Limit Titel ausleihen dürften – wer solle dann noch E-Books kaufen, geschweige denn die Printversion."

    Will jemand behaupten, dass die (Print)bibliotheken der Untergang des Buches sind oder waren? Ich kann die Logik nicht nachvollziehen und halte Weltuntergangsrethorik für unangemessen.

  • Stoiber

    Stoiber

    @IF: Mit Verlaub, der Vergleich hinkt ein wenig, da von physischen Büchern eben nur so viele ausgeliehen werden können, wie in der Bibliothek verfügbar sind. Versuchen Sie mal die aktuelle Shortlist in einer Berliner Stadtteilbibliothek auszuleihen. Fällt bei eBooks die Ausleihschranke weg, kann sich dort jeder beliebig kostenlos versorgen. Natürlich kauft dann kein Mensch mehr eBooks. In Dänemark gibt es ein solches Gesetz seit 2-3 Jahren, dort bieten viele Verlage mittlerweile gar keine eBooks mehr an, weil sie damit ohnehin nichts verdienen und die Verkäufe der gedruckten Ausgaben stark zurückgegangen sind.

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