Weltempfänger 29 - Winter 2015

Löwensucher, Tigermythen und ein Tennismatch

In der Winterausgabe des Weltempfängers steht Eka Kurniawans Roman "Tigermann" (Ostasien Verlag) über Mythen, Liebe und Hass auf Platz 1 – damit zeigt sich das diesjährige Gastland Indonesien auch nach der Frankfurter Buchmesse noch literarisch präsent.

Führt den Weltempfänger im Winter an

Führt den Weltempfänger im Winter an © Ostasien Verlag

Die Jurorin Katharina Borchardt schreibt über den "Tigermann": "Ein junger Mann geht los und beißt einem Nachbarn die Kehle durch. Ein Tiger würde ihn ihm wohnen, erklärt er anschließend. Kurniawan verbindet auf scharfsinnige Weise westjavanische Tigermythen mit moderner Psychologie. Ein enormer Wutroman, der sich seinem brennenden Kern kreisend nähert, ihn aber erst auf der letzten Seite tatsächlich erreicht. Man bleibt schockiert zurück."

Die Neuübersetzung des Romans "Die weite Sargassosee" von Jean Rhys landet auf Platz 2. Der Roman beleuchtet den Konflikt zwischen Schwarz und Weiß und das Dazwischen, das Kreolische in der Karibik, fasst die litprom-Mitteilung zusammen. Platz 3 nimmt die weltumspannende südafrikanische Familiengeschichte "Der Löwensucher" von Kenneth Bonert ein. Auf Platz 4 folgt Ivan Vladislavić mit "Double Negative" (A1 Verlag), einer Reflexion des Übergangs Südafrikas von einem Apartheitsregime zur Regenbogennation. Sonia María Cristoff schildert in ihrem Roman "Lasst mich da raus" (Berenberg-Verlag) die Tücken eines Schweigejahres in einem argentinischen Provinzmuseum (Platz 5). Álvaro Enrigue (Mexiko) entführt den Leser mit "Aufschlag Caravaggio" (Blessing; Platz 6) auf eine Tennispartie zwischen zwei Künstlern − der spanischen Barockdichter Francisco Gómez de Quevedo und der Maler Caravaggio −, die eigentlich eine Reise durch die Welt der Geschichte in die Moderne ist, so litprom. Abgerundet wird die Bestenliste durch die umfassende Anthologie "Afrika im Gedicht" (Offizin Schweiz), in der Al Imfeld Lyrik ab 1960 aus allen Regionen zwischen Südafrika und Ägypten zusammengetragen hat.


Für eine Übersetzung ins Deutsche empfiehlt Jury-Mitglied Claudia Kramatschek einen Roman von Sahar El-Mougy (Ägypten): "Noon" (Dar al-Shuruq, 2008). Ihre Begründung: "Sahar El Mougy, Dozentin für englische Literatur an der Universität Kairo, schildert – beginnend mit dem 11. September 2001, endend mit dem Skandal in Abu Ghraib 2003 – in provokanter, da freizügiger Weise die Lebenswege dreier Frauen, die inmitten einer patriarchalen Gesellschaft auf die eigene Freiheit und Unabhängigkeit bestehen.

Hier finden Sie die komplette Weltempfänger-Liste (inklusive Jury-Urteile).

Die Bestenliste Weltempfänger ist eine Initiative von Litprom − Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika.

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