Wirtschaftspressekonferenz des Börsenvereins

"Das Buch hält sich nicht nur, sondern es wächst"

Börsenvereinsvorsteher Gottfried Honnefelder bescheinigt dem Buch eine positive Zukunft. Bei der Wirtschaftspressekonferenz des Börsenvereins, auf der heute in Frankfurt die Branchendaten des Jahres 2007 vorgestellt wurden, sagte der Vorsteher: "Das Buch war immer von Kassandra-Rufen begleitet, dass es mit ihm zu Ende wäre." Genau das Gegenteil sei aber der Fall. Im vergangenen Jahr habe das Wachstum der Branche bei 3,4 Prozent gelegen, der Umsatz mit Büchern sei auf rund 9,58 Milliarden Euro angestiegen.

Wirtschaftspressekonferenz

Wirtschaftspressekonferenz © Nicole Hoehne

Mittlerweile gebe es 984 Millionen Bücher und Druckerzeugnisse in Deutschland – Tendenz steigend. Fast 100000 Titel wurden allein im vergangenen Jahr auf den Markt gebracht. "Das Buch kann sich gegenüber den neuen Medien also sehr gut behaupten", betonte Karl-Peter Winters, Vorsitzender des Verleger-Ausschusses im Börsenverein.

Als Gewinner des Wachstums im stationären Buchhandel nannte Heinrich Riethmüller, Vorsitzender des Sortimenter-Ausschusses, die großen Filialisten. Gemeinsam mit dem Konzernbuchhandel würden diese mittlerweile rund 20 Prozent des gesamten Buchhandelsumsatzes erwirtschaften. Der Marktanteil der Top 5 habe 2007 bei 24 Prozent gelegen. Im Jahr 2000 bewegte sich dieser Wert noch bei 13 Prozent. "Offensichtlich werden die größeren Buchhandlungen den Kundenwünschen besser gerecht", resümierte Riethmüller.

Eine Prognose, wie sich die Umsätze der Buchhandlungen und Verlage in diesem Jahr entwickeln werden, wollten die Branchenexperten nicht abgeben.

Die kompletten Branchendaten des Jahres 2007 finden sich in "Buch und Buchhandel in Zahlen 2007". Die Broschüre (132 Seiten, 39,50 Euro) kann bei der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels bestellt werden. Telfon: 069/1306-255, E-Mail: vertrieb@mvb-online.de.



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25 Kommentar/e

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  • schmitz

    schmitz

    Offensichtlich werden die größeren Buchhandlungen den Kundenwünschen besser gerecht“, resümierte Riethmüller.
    Self-fullfing-prophecy nennt man das wohl auf Neu-deutsch.
    Erst übernimmt man oder zwingt kleinere Mitbewerber zur Aufgabe und verkauft uns das dann als Kundenwunsch.
    Ein zweifelhaftes Resüme eines Sortimenter-Vertreters,
    der auch uns kleine Sortimenter vertreten soll.

  • O.G

    O.G

    Herr Riethmüller hat Recht, aber auch wieder Unrecht.

    Die Großfilialisten werden nur teilweise den Kundenwünschen gerecht. 1a Lage und massiver Einsatz von hartem Euro, die allgegenwärtige Verdrängung (kaum 100 meter von einem kleinem Sortimenter aufzumachen, das ist die schlaue Ausnutzung des bekanntheitsgrades des kleinen Sortimenters) Oder einfach Aufkaufen (Reinlaufen, Pistole auf die Brust, Geld hinlegen fertig)

    Die Kleinen Sortimenter glänzen durch.... nichts, keine Gegenwehr, bei Warenwirtschaft Schaum vor dem Mund kriegen, sich gegen Neuerungen vehement Wehren als ginge es um den eigenen Kragen. (Nicht alle sind so, es gibt durchaus Ausnahmen, Gell?)

    Erst wenn der Kleine sich entstaubt und gas gibt in Richtung Zukunft, ein paar Kleinigkeiten noch beachtet, erst dann kriegen die Großfilialisten Hitze.

    Bis dahin geht die Verdrängung weiter.

  • Riethmüller, Heinrich

    Riethmüller, Heinrich

    Zur Klarheit zu meiner Bemerkung auf der Pressekonferenz des Börsenvereins doch noch ein paar Anmerkungen. Tatsache ist einfach, ob man das begrüßt oder nicht, dass sich das Kaufverhalten der Buchleser in den letzten 10 Jahren geändert hat: Der Trend geht immer mehr zur Selbstbedienung, Kunden möchten eine möglichst große Auswahl und die Lage der Geschäfte wird immer wichtiger. Dies zu erkennen fällt eigentlich nicht schwer, die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Und diesen Trend haben (leider) Internetbuchhandel und die Konzernfilialisten a la Thalia und Katholische Kirche mit Weltbild früher erkannt, vielleicht auch in Gang gesetzt, als kleinere, selbständige Buchhändler, die nicht die Kapitaldecke zur Expansion haben. Nichts weiter habe ich gesagt und höre trotzdem auch nicht auf zu wiederholen, dass der Unabhängige Buchhandel meiner Ansicht dennoch gute Chancen hat, wenn er sein Geschäft professionell betreibt. Dazu kennen wir alle jeder Menge Beispiele. Es ist nicht die Frage ob klein oder groß, die die Grundlage für Erfolg ist, sondern ob man professionell und wirtschaftlich arbeitet. Dass auch bei den Buchhandels-Giganten die Bäume nicht in den Himmel wachsen, kann auch jeder sehen.

  • Jörg Jahn-Meyer

    Jörg Jahn-Meyer

    Nach fast fünf Wochen schriftlicher Abstinenz und intensiver Beobachtung und Analyse auf diesem kleinen "Schlachtfeld der Eitelkeiten" melde ich mich wohl denn auch mal wieder zu Wort.

    Vorab ein herzliches Hallo an den O.G :-) Leider verwickelt mich das Schulbuchgeschäft ein wenig in Arbeit zur Zeit, was aber (allen anderen zum Trotze) nicht signalisieren sollte, dass ich, nur zu dieser Saison, die aufgrund der großzügigen Rabatte seitens der Schulbuchverlage und deren Weitergabe im Rahmen von Schulbestellungen sonst nichts zu tun hätte. Jedoh nun zur Sache:
    Herr Schmitz stellt in der Aussage von Herrn Rietmüller fest, dass es sich um ein zweifelhaftes Resümee eines Sortimenter-Vertreters handelt, der auch uns kleine Sortimenter vertreten soll. Prinzipiell ist diese Erkenntnis schon berechtigt. Herr Schmitz hat mit dieser Erkenntnis jedoch nur leicht an der Oberfläche gekratzt, wie ich mit meiner Lotto-Rubbel-Marke die ich mir einmal in der Woche gönne. Die Frage ist eher: Hat sich überhaupt schon einmal jemand für die kleinen Sortimenter eingesetzt?
    Also eine kleine retrospektive Analyse: Die "Presse" beklagt hier und anderswo allwöchentlich den Untergang von kleinen Buchhandlungen. "Wie schön doch dort alles gewesen sei" und "Das Personal war stets zu vorkommend" und "Im Zuge der Geschäftsaufgabe hat Buchhändler X keinen Ausweg mehr gesehen seine Buchhandlung an den Filialisten Y abzugeben, weil der ja soviel Kompetenz besitzt."
    Auf der anderen Seite genügt schon ein Sekretärinnenwechsel oder eine neue Putzfrau bei einem Filialisten oder einem Verlag als "Bringer" für eine tägliche Schlagzeile.
    Auf einem ganz anderen "Schlachtfeld" geben sich kleine Buchhändler in Realitysoaps die Blöße um sich wirtschaftlich ganz Deutschland "nackt" zu zeigen. Schon allein die Teilnahme an der an anderer Stelle beschriebenen Reality-Soap-Teilnahme stellt eine an alle kleinen Sortimenter dar. Hier wird man einerseits aus den eigenen Reihen bloßgestellt und die Medien (jeder weiß wer bibliophil als Schwesterunternehmen von VOX sein "Darsein" fristet) haben ein "AHA-JETZT-HABEN-WIR-EUCH-KLEINEN-MAL-EINEN-
    SPIEGEL-VORGEHALTEN-ERLEBNIS".
    Der Konsument spielt an diesem Untergang auch fleißig mit, weil er überhaupt nicht mehr über die Transparenz den Buchmarktes aufgeklärt ist. Wie in Umfragen bewiesen, ist er sich nicht darüber bewusst, dass Bücher überall gleich viel kosten müssen und lässt sich durch riesen Bücherstapel eher blenden als durch einen guten und individuellen Service.
    Herr Riethmüller stellt in Nr. 3 fest, dass "Internetbuchhandel und die Konzernfilialisten à la Thalia und Weltbild Dinge früher erkannt haben als kleinere selbstständige Buchhändler. Das ist wohl wahr Herr Riethmüller. Jedoch hat man sie diese Dinge erkennen lassen. Die Gewerkschaft, die Wettbewerbshüter, die Verlage haben sie immer weitermachen lassen, ohne mal das "Stopp-Händchen" zu heben.
    Herr Riethmüller attestiert und kleinen unabhängigen Buchhandlungen jedoch gute Chancen wenn wir professionell arbeiten. Ich bin der festen Meinung, dass dies JEDE kleine unabhängige Buchhandlung macht. Gegenfrage: Wozu würde ich sie dann noch offen halten?
    Den letzten Satz von Herrn Riethmüller kann ich jedoch überhaupt nicht mit ihm teilen. Um ehrlich zu sein (auch wenn ich studiert habe) verstehe ich ihn nicht einmal! Natürlich wachsen bei den Buchhandels-Giganten die Bäume in den Himmel. Diese Bäume werden nämlich von der Parfüm-Mutti finanziert oder die katholische Kirche hat vielleicht ihre Händchen mit im Spiel. Ob da nun eine Filiale mal querschlägt, oder ob sie nicht wirtschaftlich arbeitet fällt da gar nicht mehr ins Gewicht. Man kennt doch den Spruch: "Wenn man einmal am fallen ist, ist auch immer jemand da, der einen wieder auffängt."
    Abschließend bleibt hier also festzustellen, dass wir uns mal wieder am Anfang eines nett polarisierenden Sommertheaters befinden!
    Aber jetzt noch zu O.G., den ich in den letzten Wochen wegen erhöhten Arbeitspensums so arg vernachlässigte.
    Ich hoffe es geht dir gut und du warst so fleißig wie ich auch :-)
    Du sprichst von keiner Gegenwehr. Das trifft es voll auf den Punkt! Bei den Filialisten schauen sie zu, bei der BAG enthalten sie sich, weil einem von den Vorständen und Würdenträgern immer wieder das Wunder der Ehrenamtlichkeit vorgehalten wird. Somit hat man erreicht, dass man wenigstens nicht schief angeschaut wird. Nichtsdestotrotz: Das Ding ist vorbei und geschaukelt und wird wohl wieder gut. Gut wie alles immer gut wird! Warenwirtschaft ist meiner Meinung nach individuell zu sehen. Der alte Jahn-Meyer hat bei sich (aufgrund der Übersichtlichkeit der Buchhandlung) den Überblick, was er hat und haben will und hatte. Gewisse bei größeren kleineren Buchhandlung ist eine WAWI unerlässlich! Neuerungen müssen und können sein. Nach meinem zweiten Jahr in dem ich meine Buchhandlung besitze konnte ich jedes Jahr eine zweistellige Umsatzsteigerungsrate feststellen. Jedoch muss der kleine Buchhandel von der Schiene abspringen, dass Bücher das NONPLUSULTRA sind, jedoch auch individuell seinen eigenen Weg finden. Der Weg in irgendeinen Verband kann da nicht immer der richtige Weg sein. Neue Ideen und Vertriebsmodelle müssen da schon her. Für den einen kann es der Internetabsatz sein, muss es aber nicht. Der Andere bezaubert wieder mit Lesungen und außergewöhnlichen Aktionen. Da ich originär aus der Bildungsschiene komme, habe ich an meine beiden Buchhandlungen eine Schule für Schüler- und Erwachsenenbildung angegliedert. Die fängt zeitliche "Buchschwachstellen" ab und ermöglicht mir immer wieder Synergiegeschäfte auf dem Gebiet von Lehr- und Lernliteratur.
    Kurzum: Mit ein wenig Kreativität und Kratzbürstigkeit kann der kleine Buchhändler seine Niesche finden und sich auch in dieser behaupten. Nur ein allgegenwärtiges Allheilmittel für alle Kleinen, das gibt es nicht.
    So nebenbei: Für 39,95 Euro gibt es schon einen Brockhaus in einem Band und der hat 1043 Seiten mehr und man hat was fürs Leben!
    Also: Heididei, auf nach Shanghai!

    Jörg Jahn-Meyer
    Inhaber The Book Buchhandlung Stolzenau
    Inhaber The Book Buchhandlung Liebenau

  • Fred Weizenkeim

    Fred Weizenkeim

    Tja, Herr Schmitz, dummerweise haben Sie jetzt Herrn Jahn-Meyer wachgeküsst..

  • Gilbert

    Gilbert

    Ein Hallo an alle,

    wie schön - es gibt wieder Kommentare in epischer Länge ;-)!
    Ich möchte gern zwei Anmerkungen in den Raum stellen.

    1. "Ob da nun eine Filiale mal querschlägt, oder ob sie nicht wirtschaftlich arbeitet fällt da gar nicht mehr ins Gewicht. Man kennt doch den Spruch: "Wenn man einmal am fallen ist, ist auch immer jemand da, der einen wieder auffängt."" - Diese Aussage von Herrn Jahn-Meyer ist nicht ganz richtig. Gerade bei uns Filialisten steht die Wirtschaftlichkeit einer Filiale an erster Stelle - denn wie Sie immer richtig schreiben, der Parfüm Multi möchte eine ordentliche Rendite.

    2. "Der Konsument spielt an diesem Untergang auch fleißig mit, weil er überhaupt nicht mehr über die Transparenz den Buchmarktes aufgeklärt ist."
    Dem Kunden kan es doch letztendlich egal sein, wo er seine Bücher und Medien bezieht. Hauptsache er findet die Auswahl, das Ambient und den Service den er möchte. Und alle 3 Dinge finden viele bei den Filialisten. Und das ist aus Kundensicht auch legitim. In diesem Forum wird der Leser/Kunde oft als unmündiger Bürger dargestellt, der sich von schicken Läden und hohen Stapeln in seiner freien Kaufentscheidung manipulieren lässt. Natürlich wollen die Filialisten ein Einkaufserlebnis schaffen und zum Mehrkauf anregen. Aber wer das nicht möchte kann es auch bleiben lassen. Lassen Sie den Kunden selbst entscheiden.

    MfG

  • Gerold

    Gerold

    Ja, trotz Schulbuchgeschäft ist immer noch Zeit, lange, viel zu lange Kommentare zu schreiben.
    Kann man Herrn Jahn-Meyer nicht wieder in den Schlaf küssen? Für hundert Jahre?

  • O.G

    O.G

    Hallo Gilbert,

    Wirtschaftlichkeit bei den Filialisten besteht darin den Mitarbeitern zu wenig Gehalt zu bezahlen und in den viel zu großen Läden viel zu wenig Mitarbeiter zu beschäftigen die für den kargen Lohn der für einen zum Leben nicht reicht für 3 Arbeitet.

    Die Rendite erhöhen heißt Verlage in den Schwitzkasten nehmen damit die die Konditionen nach oben korrigieren, Palettenweise zu Remitieren ( Der MA Markt kriegt die Bücher garnicht mehr weg)

    Mag sein das die Kunden die Auswahl der Filialisten gut findet, mehr nicht, der Vorteil hängt am seidenen Faden ( Zumindest für die Filialisten)

    Die Filialisten bekommen NUR über eine Marketing maschinerie und unterschwellige Werbebotschaften (Die bekanntlich auch erzieherisch oder zumindest als meinungs verändernd die Kunden beeinflusst - Stichwort "Geiz ist Geil")
    und exorbitante 1a Lagen Geld und Leute in die Läden.

    Der Kunde kann nicht frei entscheiden, solange Sie ihn wie ein Kind im Süsswarenladen (Hussel?) ständig anfüttern. Sie Manipulieren den Kunden.

    Sie bieten im übrigen kein besonderen Service an, zumindest nichts was ein kleiner Sortimenter nicht kann.

  • Jörg Jahn-Meyer

    Jörg Jahn-Meyer

    Ja man kann ihn in den Schlaf küssen, denn dann hätte er Nr. 7 nicht lesen brauchen. P.S. Um 00.33 Uhr habe ich übrigens Freizeit. Es handelte sich nicht um 12.33 Uhr. Und in den Schlaf küssen kenn ich gar nicht. Klingt erotisch interessant. Bin ich sehr für offen :-)

    Jörg Jahn-Meyer
    Inhaber The Book Buchhandlung Stolzenau
    Inhaber The Book Buchhandlung Liebenau

  • Bettina

    Bettina

    Lieber Herr Jahn-Meyer,
    auch mir gehen Ihre langen Komentare auf die Nerven.
    Selbst wenn es etwas nützen würde, in den Schlaf küssen würde ich Sie nicht.
    Valium ist besser. Aber Humor haben Sie.
    Aber denken Sie daran, in der Kürze liegt die Würze!

  • Michael Latta

    Michael Latta

    Werte Damen und Herren,

    ich muss doch sehr bitten. Über was Sie sich hier alles streiten. So viel aufgestauter Frust? Bleiben Sie doch fachlich. Über die Länge der einzelnen Kommentare zu meckern (solange sie kein Spam sind - und meiner Meinung nach sind sie es nicht) ist doch wirklich kindisch. Wenn Ihnen der Inhalt der Kommentare nicht passt, dann lesen Sie sie nicht. Ich hingegen lese gerne und mit Interesse was JEDER hier schreibt und ermutige im speziellen Hernn Jahn-Meyer weiterhin seine Meinung hier kund zu tun. Ich kann viele Informationen/Standpunkte aus ihnen herauslesen. Es wäre doch viel produktiver wenn Sie auf diese eingingen, anstatt inhaltlos über den Verfasser zu schreiben. Mir dünkt unsere ganze Branche hat die meisten Schwierigkeiten nicht wegen dem zunehmenden Einfluß des Internets, E-Books oder gar Fillialisten, sondern weil nie einfach nur über das wichtigste gesprochen werden kann, ohne das es persönlich wird.(Und nicht gehandelt wird).
    Um zum Thema zurück zu kommen...
    zu 8)"Sie bieten im übrigen kein besonderen Service an, zumindest nichts was ein kleiner Sortimenter nicht kann."
    Das ist doch mal ein Punkt, den man genauer betrachten sollte. Viele Kunden haben ganz unbewusst das Gefühl in einer großen Filliale bekommen sie auch automatisch den besseren Service. DAS muss man angehen. (Vielleicht mit einer größeren Aktion vieler Sortimenter mit dem Börsenverein zusammen?!)
    Und noch eine Sache in punkto Image der kleinen Buchhandlungen: Ich hatte ein sehr schockierendes Erlebnis. In einem Beisammensein mit belesenen und gebildeten erwachsenen Menschen kam mit meinem Beruf auch die Sprache auf kleine Buchhandlungen. Da wurde mir von diesen Menschen vereinzelt mal wieder bestätigt, was ich schon hier und da mitbekommen habe: Sie fühlen sich durch die Buchhändler und in der Atmosphäre in ihren Läden "irgendwie dumm". (Und das von vielen gebildeten Menschen - eine z.B. ehemalige Lektorin). Wenn das so weiter geht, wird es böse enden.

    Fazit: Lassen Sie uns doch solche Dinge diskutieren und schauen was sich da machen lässt. Keine unsinnigen Zankereien, wir haben doch alle ein gemeinsames Ziel!

    Mit freundlichen Grüßen

    Michael Latta
    Auszubildender im kleinen Sortiment.

  • Jörg Jahn-Meyer

    Jörg Jahn-Meyer

    Sehr geehrter Herr Latta!

    Mein Respekt für diesen überaus qualifizierten und gleichauf kritischen Beitrag. Ein paar Berichte weiter las ich über die Bedeutung der Auszubildenden im Buchhandel. Von Zeit zu Zeit komme ich mit Auszubildenden aus dem Buchhandel auch mal ins Gespräch. Ausnahmslos alle zeigen kreative Ideen, sind engagiert, serviceorientiert, blicken in die Zukunft und zeigen inhaltliche Ansätze die dem starren Manager- und Funktionärswasserkopf (egal ob beim Filialisten, im Verlag oder beim Börsenverein) endlich einen Denkanstoß geben sollten. Und zwar einen positiven Denkanstoß!
    Betrachtet man das Engagement der 1. Auszubildendenparlamentes bei den Buchhändlertagen in Berlin, so sollte es für alle auf der Hand liegen, dass die Auszubildenden möglichst sofort gleiches Mitrederecht in jedem Gremium bekommen, wie es auch die "erwachsenen" Buchhändler haben. Frische Ideen, neue Perspektiven kommen aus der Jugend hervor!
    Die gedanklichen Konstruktionen des Herrn Latta las ich auch schon an anderen Stellen und kann diesen nur eine erhöhte Sachlichkeit, Kreativität und Engagement attestieren.

    Es ist klar, dass in diesem holden Blog (wenn man ihn denn so bezeichnen darf) ein großes Aufeinandertreffen von persönlichen Animositäten vorliegt. Gewiss jeder fühlt sich auf den "Schlips" getreten. Jeder hat seine Meinungen und Eindrücke. Der eine diskutiert sie länger aus wo der andere wieder am meckern ist, dass sie zu lang geraten. Da les`ich doch das meine Kommentare zu lang wären. Das kann schon sein. Kürzer werden sie wohl eher nicht werden. Da unterstelle ich lieber Faulheit zu lesen :-)
    Aber ich war mit Herrn Latta noch nicht fertig. Glauben Sie wirklich, dass der Börsenverein die von Ihnen beschriebene Aktion (in der eine Servicegleichheit herbeigeschworen werden soll) unterstützt? Gegen die großen Filialisten? Ich denke wohl kaum! Das ist das gleiche als wenn ich fordere, dass der Börsenverein endlich mal eine Aktion zur Erklärung der Preisbindung in der Bevölkerung starten sollte.
    Wenn einer so eine Aktion durchführt, dann sind das wohl nur wir kleinen Sortimenter. Und das nicht unbedingt zusammen, sondern jeder individuell. Wir müssen unsere Kundinnen und Kunden über Preisbindung aufklären, wir müssen ihnen den Zustand unserer gesamten Buchhandelslandschaft aufzeigen. Wir müssen Sie über das Vorgehen der Filialisten aufklären. Jeder einzelne kleine Sortimenter soll und muss in seiner kleinen Welt Multiplikator werden. Zum Abschluss: Ich zanke eigentlich nicht. Vielleicht hab ich als Schriftsteller vielleicht auch manchmal ein wenig Ironie und Sarkasmus serienmäßig mit drin :-)
    Ich hoffe Bettina, das war nicht zu lang :-)

    Jörg Jahn-Meyer
    Inhaber The Book Buchhandlung Stolzenau
    Inhaber The Book Buchhandlung Liebenau

  • Sonja Lehmann

    Sonja Lehmann

    Liebes Buchhandelsvolk, ich finde es klasse wie lebhaft im Netz diskutiert wird. Auf manchen Verbandssitzungen fehlt diese Diskussion völlig, weil wir "Kleinen" manchmal aus Zeitmangel, Bequemlichkeit oder einfach wegen Aktivitäten vor Ort nicht anwesend sind. Zum Hauptthema möchte ich nur sagen: Wir kleinen Sortimenter haben eher das Ohr am Kunden. Wir verkaufen nicht immer Stapelware sondern gehen auf die Kundenwünsche individuell ein. Ich bitte auch einmal zu bedenken: Auch wir sind Konsumenten. Und ich hoffe wir handeln immer so, wir es von unseren Kunden erwarten. (Unterstützung der Wirtschaft vor Ort etc.)

  • Michael Latta

    Michael Latta

    Zu Ihrer Frage Herr Jahn-Meyer,
    ich glaube, dass, wenn eine nicht geringe Anzahl von kleineren Buchhandlung gemeinsam und geschlossen mit einem halbwegs ausgereiften Konzept beim Börsenverein vorstellig werden, der BöV sein Bestes tun wird. Immerhin ist er unsere Lobby. Wenn ich das richtig verstehe, bedeutet das, dass unsere Interessen auch seine sind. Dass was uns hilft, auch ihm hilft. Ihm bleibt im Grunde also gar nichts anderes übrig. Dafür müsste man allerdings geschlossen und mit einem klaren Ziel vor Augen (und mit einer Vorstellung, wie man dieses erreichen kann) auftreten. Solch ein Werbekonzept darf aber selbstverständlich kein Mitglied des BöV direkt oder indirekt angreifen (wie Sie Herr Jahn-Meyer oben geschrieben haben:"Gegen die großen Filialisten"). Es darf nur zum Ziel haben den kleinen Sortimenten zu helfen. Ich bin auch der Meinung, dass man den Menschen klar machen sollte, wie es um die Fillialisierung steht, welche Risiken sie birgt und welche Auswirkung sie haben wird und schon jetzt hat. Aber das kann nur jeder für sich tun (bzw. eine Gruppe gemeinschaftlich, wie die Werbeaktionsgruppe).

    Michael Latta

  • Gilbert

    Gilbert

    Jetzt muss ich hier einmal eine grundlegende Frage stellen.

    Warum eröffnet man ein Handelsunternehmen? Doch um damit Geld zu verdienen. Und im besten Fall gleichzeitig noch der Gesellschaft einen Nutzen zu stiften, oder?

    Wir diskutieren hier über besseren und schlechteren Service und darüber was der Kunde (manipuliert oder nicht?) nun eigentlich über unserer Branche wissen sollte....

    Fakt ist - er soll kaufen, um unsere Unternehmen am laufen zu halten.

    Ich bin Buchhändler und Betriebswirt. Vielleicht hat der BWLer in mir auch schon den BuchHÄNDLER "unterdrückt", aber wir tragen das Wort handeln nun mal sogar in unserer Berufsbezeichnung. Wir leben in einer Marktwirtschaft, in der Verdrängungswettbewerb zum Alltag gehört, sogar, um den Wirtschaftstheorien zu folgen, das Wachstum einer Wirtschaft am leben erhält. Wirtschaft verhält sich zyklisch und somit auch das Leben einer Branche.
    Das Bild unserer Branche hat sich geändert, aber ich finde es müßig jetzt einen oder mehrere Schuldige zu suchen und alles und jeden wieder auf früher und die damalige Struktur einzustimmem. Egal ob viele Sortimenter nun der Meinung sind, die Filialisierung im Buchhandel hält nur Schlechtes bereit - der Wandel ist da. Das Berufsbild hat sich geändert. Da sollte doch angeknüpft werden.........

    Ich werfe jetzt noch einen Aspekt in den Raum - ich bin überzeugt, dass durch die Filialisten auch Menschen in Buchhandlungen gehen und Bücher erwerben, die den Weg in kleine Sortimente nicht gefunden hätten - das meine ich völlig wertfrei. Dieser Punkt tauchte bisher hier noch nicht auf. Also ist vielleicht doch nicht alles schlecht.

    So, jetzt schreibe ich auch schon ganze Romane hier ;-).

    MfG

  • O.G

    O.G

    Lieber Gilbert,

    Sie gehen auf keine Argumente ein die Sie nicht entkräften können. Sie wollen mir doch jetzt nicht ernsthaft erzählen das wenn der Wandel schon mal mit den Ellbogen herbeigeführt wurde wir (DIe kleinen Sortimenter) jetzt damit Leben müssen?

    Was ich nicht verstehe ist was Sie mit Ihrer Aussage: "Warum eröffnet man ein Handelsunternehmen? Doch um damit Geld zu verdienen. Und im besten Fall gleichzeitig noch der Gesellschaft einen Nutzen zu stiften, oder?"

    Welchen Nutzen stiftet ein Filialist der seine Konkurrenz entweder aufkauft oder einfach mit dem Brecheisen (in unserem Fall dargestellt als Geld) aus dem Markt drückt?

    Ist der Nutzen vielleicht das die Mitarbeiter und Lieferanten eines Filialisten gegängelt und ausgeblutet werden das einige wenige Geld in ausreichendem Maße erwirtschaften können?

    Was wollen Sie uns mitteilen Gilbert? Wir sollen uns nicht anstellen? Wir sind ein Relikt ohne Zukunft? Ein Bwl´ler wird vage wenn er keine stichhaltigen Wirtschaftlichen Beweise erbringen kann um sein falsches Verhalten an einem Markt eloquent zu umschreiben. Kurzum: Er stottert. MIt dem Brecheisen in der Hand.

    Ich sage es gerne noch einmal: Der Filialist hätte gegen aufgeweckte kleine Sortimenter keine Chance, leider stehen diese sich selbst im Weg, verweigern oftmals den Austausch untereinander.

    Frau Lehmann hat das eigentliche Problem sehr gut erkannt.

    Dennoch finde ich Frau Lehmann denkt der Buchhändler Vorort nicht so wie seine Kunden, während der Buchhändler Beratung wichtig findet denkt der Kunde eher an Selbstbedienung?

  • Gilbert

    Gilbert

    Doch, lieber O. G. , ich meine Sie müssen jetzt damit leben und eine neue "Identität" für sich finden, um im Portfolio der verschiedenen Buchhandelstypen zu bestehen.

    Was mich mächtig stört ist, dass den Filialisten sämtliche Kulturaspekte abgesprochen werden. Thalia unterstützt in großem Maße Kindergärten, Schulen, Bibliotheken im Bereich der Leseförderung, bietet kulturelle Veranstaltungen an..... . Und das gepaart mit großer Auswahl, Ambiente und sehr gutem Service!. Und hat somit die gleiche Daseinsberechtigung, wie jeder andere Sortimenter auch. Das in diesem Fall Unternehmen dahinter stehen, die mit hohem finanziellen Mitteln einen Markt bearbeiten können und Erfolg haben zeigt doch ganz klar, dass der Markt für diese Veränderung offen ist und war. Somit gibt es auch kein falsches Verhalten am Markt.
    Und jetzt kommen Sie nicht wieder mit dem manipulierten Kunden. Ein Filialist hat die Möglichkeit dem Leser ein breites und tiefes Sortiment anzubieten - und eine Vielzahl Leser nutzen diese Möglichkeit!

    Noch ein Satz zu den Mitarbeitern: Die Mitarbeiter werden nicht gegängelt - die Anforderungen des Buchhändlers haben sich geändert bei den Filialisten. Das zu leugnen wäre falsch. Aber jeder fähige Mitarbeiter bekommt die Möglichkeit sich zu entfalten und tatkräftig einzubringen. Auch ein Filialist lebt von der Kompetenz seiner Buchhändler und diese Kompetenz findet bei Thalia statt.

    Ich sage nicht, dass Sie ein Relikt ohne Zukunft sind - aber sie sollten sich weniger Gedanken über die "bösen Filialisten" machen und mehr über eine veränderte Situation und Lösungsmöglichkeiten für sich selbst. Eine Buchhandelslandschaft ohne unabhängige Sortimenter wäre falsch - gebe ich Ihnen völlig Recht, aber das Einkaufsverhalten vieler Kunden und deren Wünsche haben sich geändert, was durch kleine Buchhandlungen nicht mehr in Gänze abgedeckt und befriedigt werden konnte. Also war es ein logischer Schritt, auf große Flächen zu gehen und das Buchhandelsbild zu erweitern.
    Und jetzt ist es an der Zeit, die kleinen Sortimente für die Zielgruppen aufzustellen, die diese Art von Einkaufserlebnis einer Großfläche vorziehen.

    Nicht mehr und nicht weniger.
    Und noch eine letzte Anmerkung - ich möchte Ihre Argumente nicht entkräften, da Sie keine objektiven Argumente bringen. Für Sie ist grundsätzlich alles in Zusammenhang mit Filialisten schlecht. Aus Ihrer Sicht vielleicht auch nachvollziehbar, aber leider nicht aus meiner.

    Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

  • Michael Latta

    Michael Latta

    Hallo,

    zu 17)
    "ich meine Sie müssen jetzt damit leben und eine neue "Identität" für sich finden, um im Portfolio der verschiedenen Buchhandelstypen zu bestehen"
    Das weiß ich nicht. Ich glaube nicht, dass man zwangsläufig eine neue Identität finden muss, aber unter Umständen die bisherige stärker ausprägen, bzw. sich der eigenen Stärken und Möglichkeiten wieder oder erstmals bewusst werden und sie herausheben. Nach Möglichkeit bewerben oder in Szene setzen. Es ist vielleicht ein Problem und eine Schwierigkeit, dass die "Großen" leicht ihre Aktionen bewerben können und viel Lärm machen, während die kleinen vor Ort und im Umkreis ungehört untergehen. Ich bin der Meinung, dass vor allem Werbung, gezielte und überzeugende Werbung, für viele genau das ist, was ihnen jetzt fehlt. Nur muss da sehr vieles angegangen werden. Die Scheu Geld auszugeben, weil der resultierende Gewinn ungewiss ist. Die Unwissenheit oder Unschlüssigkeit welche Werbung wann und auf wen ausgerichtet einzusetzen ist. Ob das alles überhaupt noch einen Sinn ergibt usw...

    "Aber jeder fähige Mitarbeiter bekommt die Möglichkeit sich zu entfalten und tatkräftig einzubringen."
    Das ist, meiner Meinung nach, ein bisschen weit aus dem Fenster gelehnt. Es ist nicht so, dass die Mitarbeit völlig unmündig auf ihrem Arbeitsplatz hin- und hergescheucht werden, aber so dolle is die Entfaltungsmöglichkeit auch nicht. ALLERDINGS ist das bei vielen kleinen Buchhandlungen ebenfalls der Fall, da viele Geschäftsführer sehr klare Vorstellungen davon haben, wie sie ihren Laden führen. Naja und mit der Zeit und der Routine verliert wohl jeder mehr oder weniger viel Flexibilität.

    "Ich sage nicht, dass Sie ein Relikt ohne Zukunft sind - aber sie sollten sich weniger Gedanken über die "bösen Filialisten" machen und mehr über eine veränderte Situation und Lösungsmöglichkeiten für sich selbst"
    Herr Gilbert, sie sprechen mir aus der Seele. Aber man merkt ja an dieser Diskussion wieder, dass sie zu schnell zu arg in die persönliche Schiene läuft und darin immer so lange gefangen ist, bis einer das letzte Wort hatte und alle schweigen ohne der eigentlichen Sache dienlich gewesen zu sein.
    Ich fühle mich an Herrn Mulzer erinnert, wenn ich die folgenden Worte jetzt sage:"Die Kommentarfunktion auf dieser Seite ist zwar eine nützliche und gute Sache, reicht aber nicht aus. Wenn wirklich etwas bewegt werden soll, brauch man eine direkte, geplante, antriebsschwangere und motivierte Diskussion auf einer geeigneteren Plattform."
    Ich bin gespannt wie das jetzt mit dem Azubi-Parlament weiterlaufen wird. Vielleicht gehen die Azubis ja mit gutem Beispiel voran und Sie können sich dann an ihnen orientieren wie so etwas aussehen kann. Aber das wird sich erst noch herausstellen.

    Hier noch eine Frage, da ich nicht ausreichend informiert bin. Gibt oder gab es ein Komitee, einen Arbeitskreis oder irgendetwas in der Art, der stellvertretend für die Buchhändler an Werbung für Image und Preisbindung arbeitet? Ich nehme ja an, dass der Börsenverein sehr wohl darüber unterricht ist, wie es um die kleinen steht, wie ohnmächtig sie sich fühlen usw... Da müsste dann ja schonmal irgendwas passiert, oder irre ich?

    Michael Latta
    Auszubildender im kleinen Sortiment

  • Jörg Jahn-Meyer

    Jörg Jahn-Meyer

    So was auch.... Da wollt ich dem Gilbert schreiben und da kommt mir der Latta schon zuvor.... Scherz beiseite:
    Gewiss, dieses Forum ist dafür gemacht, dass David und Goliath, kleiner Sortimenter und Filialist, Wirtschaftsethik und knallharter über Menschen gehender Wirtschaftler zusammentreffen. Das muss wohl so sein.
    Ich gehe also eher auf Herrn Latta ein, der mir neben O.G. als einziger würdiger, kreativer und interessanter Diskussionspartner erscheint!
    Natürlich können die Großen ihre Aktionen viel leichter bewerben. Im Gegensatz zu den kleinen Sortimentern steckt ja auch ein weitaus größerer finanzieller Spielraum, von Bonität vollkommen zu schweigen dahinter. Da kann man schon mal mit interner Absicht auf einem wettbewerbszweifelhafen Zweig stolzieren. Und wenn der Zweig bricht, dann zahlt man eben ein paar Tausend als Abmahngebühr. Das ist denen ihr Vorteil. Uns rafft das hin.
    Herr Latta berichtet völlig richtig über die Entfaltungsmöglichkeiten von Mitarbeitern. Was ist jedoch, wenn gerade diesen Mitarbeitern vorgeschrieben wird was und wie viel sie zu verkaufen haben, welche Verlage sie vielleicht eher ins Rampenlicht rücken sollen. Ich denke wir haben den Vorteil ganz nach rechts oder ganz nach links zu schauen. In den Filialen ist Mainstream der Dirigent der Dinge. Links und rechts; das werden wir kleinen immer gut können, weil wir eben unabhängig sind. Das Wort kommt nun mal nicht von irgendwo her!
    So mal nebenbei, auch wenn es eigentlich kein Nebenbei-Thema sein darf: Heut war ich auf der "Freisprechung" meiner Auszubildenden. Der Vize der IHK hat es in seiner Ansprache richtig getroffen. Er hat gesagt: "Gebt den Auszubildenden mehr Möglichkeiten sich in die täglichen Entscheidungen mit einzubringen." Sehr kluge Worte denen ich mich hier (auch wenn es nicht zu der o.g. Thematik passt) anschließen kann. So nebenbei.... Ein Fingerzeig von mir ein paar Etagen höher ;-)
    Ob es so einen Arbeitskreis gibt oder gab kann ich ihnen leider nicht beantworten. Vielleicht kann das jedoch der Börsenverein. Vielleicht schreiben Sie diesen mal an und teilen Sie dem Ihre Frage mit. Über eine entsprechende Information würde ich mich auch freuen.
    Und Ihre Idee, an einer Werbung oder Information zur Preisbindung und zum Erhalt der Buchkultur der kleinen und mittleren Sortimente zu arbeiten ist ein sehr sehr guter Vorschlag, den ich hier und an anderen Stellen auch schon anregte, aber von oben wird sich da wenig tun. Und stellen wir eins mal fest: Der Börsenverein weiss genau, wie es um die Kleinen steht. Schließlich bringen die ja auch die Mitgliedsbeiträge in die Kasse. Das wäre im Übrigen mal ein Anlass für ein kleines "Sommertheater". Wer ist mehr an den Einnahmen des Börsenvereins beteiligt? Die Filialisten oder die kleinen unabhängigen Buchhandlungen und die assoziierten Mitglieder. Eine Reizfrage die in ihrer Beantwortung sehr interessant wäre....
    Herr Latta fühlt sich bei Gilbert an Herrn Mulzer erinnert. Schön, dass sie Herrn Mulzer lesen! Herrn Mulzer müssen wir jedoch zu Gute halten, dass er im Kern analytisch sehr gute Ansätze liefert und auf dem antiquarischen Sektor sehr sachkundig ist. Diese Plattform wird es vielleicht geben. Die Zwerge werden langsam wach. Konzertierte Aktion oder gemeinschaftlich angedachter Druck wäre da ein Mittel. Mal sehen, was die Zeit bringt. Wir haben schließlich die Wahl unterzugehen oder objektiv agressiv ungemütlich zu werden.
    Wären ja mal ein paar Ideenansätze.
    Gruß aus Stolzenau

    Jörg Jahn-Meyer
    Inhaber The Book Buchhandlung Stolzenau
    Inhaber The Book Buchhandlung Liebenau

  • Michael Latta

    Michael Latta

    Verzeihen Sie, Herr Jahn-Meyer, was habe ich mir nur dabei gedacht ;-).
    Hier eine offene Frage an alle: "Was denken Sie denn über eine gemeinsame Werbekampagne der kleinen Sortimenter?" Denn ich mache mir nun einmal so meine Gedanken und irgendwie scheint mir, dass an soetwas kein Interesse besteht. Es kommt ja auf solche Vorschläge oder Denkansätze immer herzlich wenig Feedback. Oder ist es Angst vor Unannehmlichkeiten, die damit verbunden sein könnten (seien sie finzanzieller Art oder in Bezug auf Zeit- und Arbeitsaufwand). Ich nehme an, dass der BöV gar nicht anders kann, als eine solche Initiative in irgendeiner Weise zu unterstützen. Dass er das nicht tut, wenn einfach einer daherkommt und voll Elan und Überzeugung, aber ohne Rückhalt und Gemeinschaft, so etwas vorschlägt oder gar fordert ist mir klar. Wieso aber finden sich nicht wenigsten ein paar, die so etwas anpacken und auf denen man dann aufbauen könnte? Ein paar die mit gutem Beispiel voran gehen... Ich bin Azubi, noch hat mein Wort kein oder kaum Gewicht. Aber gerade die Inhaber hätten die Möglichkeit, das Stimmgewicht und das existenzielle Interesse in diese Richtung hin zu arbeiten.

    "Was ist jedoch, wenn gerade diesen Mitarbeitern vorgeschrieben wird was und wie viel sie zu verkaufen haben, welche Verlage sie vielleicht eher ins Rampenlicht rücken sollen"
    - Nun, das ist kontrovers. Werden die letzten Jahre nicht als "Pop-Years" bezeichnet? Nun ja, vieles entwickelt und orientiert sich stark am Mainstream. Aber das zu verurteilen steht mir nicht zu, auch wenn es meinen Geschmack oft beleidigt. Dass dieses Mainstream-Bedürfnis befriedigt wird, auch das ist (für mich) schwer zu verurteilen. WIE dies geschieht, damit bin ich nicht immer einverstanden. Worum es mir aber geht, ist folgendes: Ganz gleich wie man der Fillialisierung gegenübersteht, man muss lernen und erarbeiten wie sich die kleine Buchhandlung NEBEN den großen behaupten kann. Mancherorts funktioniert das ja tatsächlich und anderen Orts kann da mit Sicherheit auch noch was gemacht werden. Dafür nötig sind aber wahrscheinlich:
    - eine bessere Kommunikation aller BöV-Teilnehmer untereinander (vor allem eine andere Gesprächskultur! Ich war schon einige Male richtiggehend entsetzt über die Art und Weise wie in dieser Branche miteinander kommuniziert und umgegangen wird - man erwartet ja, gerade von Buchhändlern, eigentlich ein höheres Niveau und einen gewissen Stil). Mit Erfahrungsaustausch und etwas Zwischenmenschlichkeit könnte vielleicht schon viel gewonnen werden.
    - ein Aktionismus, der leider fast gänzlich fehlt. Ich habe schon sie viele Beschwerden gehört, aber ganz selten gesehen, dass jemand die Dinge wirklich anpackt und etwas MACHT.
    - und irgendwie könnte der Börsenverein mal etwas mehr Gesicht zeigen. Ich bin nicht informiert genug über die Aktivitäten des BöV (vor allem die der Vergangenheit), um mich der breiten Kritik an unserer Lobby anzuschließen. Jedoch fehlt mir sowohl Präsenz, als auch Stellungnahmen, bei den Stellung bezogen wird. Mir scheint vieles einfach ZU diplomatisch... Aber das ist wahrscheinlich auch sehr schwer, wenn man es 3 Parteien recht machen will. Trotz des Verständnisses fehlt mir aber etwas und das würde mich ärgern, wenn ich Beiträge bezahlen würde.

    "Gebt den Auszubildenden mehr Möglichkeiten sich in die täglichen Entscheidungen mit einzubringen." - "Ein Fingerzeig von mir ein paar Etagen höher" <- Ist damit der BöV gemeint? Dieser versucht es nun wenigstens (hoffentlich ernsthaft) mit dem Azubi-Parlament. Ich würde hier eher die Chef's ansprechen. Haben Sie doch mal etwas mehr Vertrauen in die Fähigkeiten Ihrer Azubis. Haben Sie etwas Mut ihren neuen Ideen etwas mehr Handlungsspielraum zu geben. Lassen Sie etwas frischen Wind aufkommen und die Segel in eine verjüngerte Zukunft setzen. So viel Potential wird verschwendet und unterdrückt.

    "Schön, dass sie Herrn Mulzer lesen!" - Ich sagte ja, dass ich alles von jedem hier gerne und mit Interesse lese. Und gerade Herr Mulzer ist des Lesens wert. Wie er schreibt ist zwar manchmal kontrovers aber wie Sie sagen, er hat teilweise sehr interessante Gedankengänge. Und vor allem: er motiviert auch andere Menschen Stellung zu beziehen und hier etwas aktiv zu werden. Das ist eine gute Sache. Und so wird es der Börsenblatt-Redaktion nicht langweilig ;-)

    Aber gut, bevor auch ich angepöbelt werde, wegen zu langen Beiträgen, mache ich hier Schluss.

    Etwas verständnislos aber mit freundlichen Grüßen verbleibt
    Ihr Michael Latta

    P.s.:
    Man merkt, dass Sie bei der Bundeswehr waren Herr Jahn-Meyer: "objektiv agressiv ungemütlich zu werden" - sehr schöne Formulierung! :-)

  • fred weizenkeim

    fred weizenkeim

    Geben Sie es zu, Herr Jahn-Meyer: Michael Latta ist Ihr Azubi!

  • Gilbert

    Gilbert

    Die Vermutung von Herrn Weizenkeim liegt nahe ;-).

    Ein Satz zu Herrn Jahn-Meyers Äußerung: "Ich gehe also eher auf Herrn Latta ein, der mir neben O.G. als einziger würdiger, kreativer und interessanter Diskussionspartner erscheint!"

    Nachdem mir vorgeworfen wurde, ich würde auf Argumente nicht eingehen, die mir nicht passen, spricht der o.g. Satz doch Bände. Er umschreibt genau die "Ignoranz" und Abwehr gegenüber anderen Meinungen, die auch in Ihrem Buchhandelsbild deutlich werden.
    Kleiner Sortimente = Kulturverfechter und Kundenfreund
    großer Filialist = Kulturvernichter/Mainstreamvertreiber und Servicewüste

    Ein Bild das oft nicht stimmt und ihre verschlossenen Augen zeigt. Wenn Sie nicht die Stärken Ihrer Mitbewerber anerkennen, können die kleinen Sortimenter auch keine ihrer Stärken dagegensetzen.



  • O.G

    O.G

    Lieber Gilbert,

    Ich habe festgestellt das Filialisten Kapital haben, und zwar ausreichend, ferner und hier ist der wichtigste Punkt: Sie können sich einfach mehr Leisten.

    Teure 1a Lagen, Werbe/ Marketing "Feldzüge" usw.

    Die Filialisten haben sonst nichts (nichts was ein Kleiner auch nicht hat) Geld ist Ihre Stärke.

    Meine Augen sind nicht verschlossen, ganz im gegenteil, und ja ich glaube das Filialisten Kulturvernichter sind, aber auch kleine Sortimenter sorgen mit Ihren Verfehlungen und Ihrer Arroganz ganz von selbst für Ihren Tod.

    Es gibt kein Schwarz/Weiß (Böser Filialist, guter Unabhängige) das habe ich in vielen Gesprächen (auch mit meiner Konkurrenz im eigenen Stadtteil) schmerzlich erfahren dürfen.

  • Gilbert

    Gilbert

    Lieber O.G.,

    wenn Sie Geld als einzige Stärke der Filialisten betrachten, sehe ich das als bedenklich an. Sie unterschätzen damit Ihren Wettbewerber.
    Aber ich glaube, dass wir in diesem Punkt nicht mehr zu einander kommen werden. ;-)

    Einen schönen Abend noch.

  • O.G

    O.G

    Lieber Gilbert,

    Nein, denke ich auch nicht, macht aber nichts ich denke es wäre möglich damit zu Leben. ;)

    Bis zum nächsten mal.

    • ...

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