IT für Verlage

IT-Dienstleister machen sich Sorgen um ihre Verlagskunden

Die Ergebnisse der zweiten IT Dienstleister-Befragung durch Narses sind ein Weckruf für die Verlage

Die Ergebnisse der ersten Panel-Befragung, die Narses im April 2015 unter IT-Dienstleistern von Verlagen durchgeführt hat, deuteten es bereits an. Aber die Ergebnisse der nun abgeschlossenen zweiten Umfragerunde bringen es an Licht: Die Köpfe führender IT-Dienstleister von Verlagen machen sich Sorgen um ihre Kunden. Repräsentativ hierfür ist die folgende Antwort auf die Frage »Welche Motive werden Ihrer Meinung nach im kommenden Jahr die IT-Entscheidungen der Verlagskunden wesentlich beeinflussen?«:

»Mein erster Reflex war, mit ›Panik‹, ›Konfusion‹ oder ›hektischer Aktivismus‹ zu antworten – das ist aber natürlich etwas zynisch-zweckpessimistisch und steht für die Befürchtung, dass IT-Entscheider die Zeichen der Zeit nicht erkennen oder nicht in der Lage sind, die richtigen Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.«

Getrieben durch die Digitalisierung sehen die Dienstleiter die Verlage in einer sehr schwierigen Ausgangssituation:

  Für viele brechen traditionelle Erlöse so schnell und massiv weg, dass sie Schwierigkeiten haben, genügend Geld für notwendige Zukunftsinvestitionen zu erwirtschaften.

  Zukünftige Geschäftsmodelle und Erlöspotentiale sind ungewiss.

  Der Kostendruck wächst massiv.

  Viele Verlage müssen ihre in die Jahre gekommenen Systeme ersetzen – der Rückzug von SAP aus dem Mediengeschäft verstärkt den Druck gerade bei einigen großen Verlagshäusern – aber es fällt den Entscheidern schwer, sich auf eine Strategie festzulegen. Nicht wenige entscheiden erstmal gar nicht, obwohl man schon heute vieles richtig machen könnte.

  Andererseits ist klar, dass etwas geschehen muss und dass die Antwort auf die digitale Herausforderung ebenfalls nur eine digitale sein kann – aber welche?

Aus Sicht der Dienstleister verfolgen Verlage derzeit zwei Hauptstrategien:

Erstens Erlöse rauf, zweitens Kosten runter. Um die Erlöse zu steigern, rücken Verlage offenbar deutlich näher an den Endkunden heran – IT-Dienstleister stellen fest, dass CRM-Themen in Verlagen gerade Hochkonjunktur haben. Sollte sich diese Entwicklung verstetigen, kann dies schwerwiegende Folgen für das Verhältnis zum stationären Buch- und Einzelhandel bedeuten. Beim Thema Kostensenkungen zeigt sich ein erstes Dilemma:

1. Dilemma: IT-Kosten senken oder mit IT Kosten senken? Oder beides?

Für die befragten Dienstleister ist es völlig klar: Die meisten Medienhäuser produzieren Massengüter mit einem relativ niedrigen Preis. Um hier dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein, führt für sie an der Industrialisierung aller dafür geeigneten Prozesse eigentlich kein Weg vorbei. Aus Sicht der Befragten gilt dies für die Produktion, aber sicher auch für Vertrieb, Administration und Marketing.

Klar ist dabei auch: Ohne eine gute IT lassen sich die Industrialisierungs­potentiale nicht heben. Verlagsentscheider, die hier an der falschen Stelle den Rotstift ansetzen, riskieren, sich tief ins eigene Fleisch zu schneiden.

Und als wäre die Entscheidung nicht schon kompliziert genug, öffnet sich eine zweite Zwickmühle, denn auch die folgende Frage muss beantwortet werden:

2. Dilemma: Zukunftsfähigkeit der Gegenwarts-IT

Wie investiere ich in IT-Lösungen, die den IST-Zustand meines Betriebs optimieren und gleichzeitig flexibel an die teilweise noch unbekannte zukünftige Gestalt meines Geschäftsmodells angepasst werden können?

Eine Lösung wird nicht in den Extremen zu finden sein. Das eine Extrem ist die komplett einheitliche Plattform, über die alle Prozesse abgewickelt werden, koste es was es wolle und egal ob das System oder die Technologie dafür geeignet ist. Das andere Extrem ist der Best-of-Breed-Ansatz, der als ewige Baustelle mit hohen Betriebskosten verbunden ist. Gleichwohl haben die verschiedenen Anbieter hier durchaus Präferenzen.

Die Lösung kann wohl nur in einem ökonomisch wie auch technologisch sinnvollen Mittelweg liegen. Einer der Befragten formulierte es so:

»Nicht das allumfassende, gern ein wenig proprietär daherkommende ERP-System ist gesucht, sondern das System, das bestimmte Cluster von Geschäftsprozessen angemessen, einfach und schnell umsetzbar implementieren kann.«

Am Ende wird es entscheidend sein, eine Strategie und Architektur zu wählen, die beides leistet:

1. die gegenwärtigen Herausforderungen auf industriellem Niveau zu lösen, einschließlich Outsourcing und Cloud-Services und

2. über die Flexibilität zu verfügen, neue Geschäftsprozess-Module anzubinden oder zu integrieren.

Eine Analyse der Umfrageergebnisse kann auf blog.narses.de angefordert werden.

5 Kommentar/e

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  • Ingeborg Gollwitzer

    Ingeborg Gollwitzer

    Das geht nicht nur Verlage an, außer vielleicht Großmütter und Haustiere! Wer sich nicht schnellstens nach einer einer anpassungs- und ausbaufähigen IT Lösung umschaut , mit der er/sie sich auch persönlich vertraut macht, befindet sich über kurz oder lang mit einem lecken Kahn irgendwo auf der wogenden Welt. Auch wer früher mal selbst schwimmenkonnte, dem nutzt das jetzt nichts mehr.

    Auf alle kommen nun gewaltige Anstrengungen und Kosten zu - und wer jetzt nur den Rotstift zur Erkenntnisgewinnung einsetzt, kämpft künftig Jahr für Jahr immer nur kurz an immer neuen Katastrophen vorbei. (Wenn überhaupt.)

    Jetzt muss die interne Lösung gleichzeitig maßgeschneidert wie umweltkompatibel sein. Und die bekommt man nicht an der nächsten Straßenecke.

    Jetzt heißt es: Erstmal selbst wieder auf die Schulbank, bevor man dann mit Fachleuten ans Werk gehen kann.

    Jetzt türmen sich wahre Gewitterwolken gefüllt mit unaufhaltsamen Gegensätzlichkeiten über uns auf. Man tut gut daran, schnellstmöglich das innewohnende Prinzip als solches zu kapieren!

    Wer meint, heute sei seine die) Gegenwart, der irrt. Tatsächlich ist uns die eigentliche Gegenwart schon meilenweit voraus. Das größte Problem des 21. Jahrhunderts wird unser hinkender Gang sein.

    Ingeborg Gollwitzer .

  • Lektor

    Lektor

    Sehr geehrte Frau Gollwitzer,
    glauben Sie wirklich, daß Sie mit einer "maßgeschneiderten IT-Lösung" mehr Kunden finden? Von einer solchen profitieren nur die sogenannten IT-Berater. Das Geschäft und den Verkauf kurbeln Sie damit bestimmt nicht an, nur die unproduktive Verwaltung.

  • Ingeborg Gollwitzer

    Ingeborg Gollwitzer

    Nur eine tadellos funktionierende Verwaltung macht denen die Hände frei, die 'den Umsatz ankurbeln'.
    Warum wohl verschicken wir nur in Ausnahmefällen unsere Post mit Brieftauben ?? :)

    Glauben Sie mir, ich habe diese ganze Computerei von den allerersten Anfängen mitgemacht - so bekommt man ein Gefühl dafür, wie sich das alles aufbaut. Leider kenne ich sehr viele, die nicht einmal den inneren Aufbau ihrer eigenen EDV verstehen und gar nicht merken, wenn man nicht alles aus ihr herausholt bzw. dass oder wo sie hakt und alles ver/behindert. man muss wirklich - bei aller sonstig vorhandenen Geistesgröße - hier nochmal auf die Schulbank und sich nicht schämen, dass man soviel fragen muss.
    Im Übrigen: Computer erledigen im Grunde das Mühselige und eröffnen viele neue, ungeahnte Möglichkeiten ... Nur muss man wissen, wie ...
    Ingeborg Gollwitzer

  • Lektor

    Lektor

    Sehr geehrte Frau Gollwitzer,
    Computer erledigen das, was reine Routine ist, besser als wir, das bestreite ich gar nicht.
    Jedoch hat die Warenwirtschaft (= computergesteuerter Wareneinkauf) den Niedergang des Verlagswesens eingeleitet. Der Computer kann nur, weil er nicht intelligent ist, nach reinen Faktenzahlen gehen und führt automatisch zur Einschränkung des Sortiments. Der Vorteil des Ladens, der von einem qualifizierten Buchhändler betreut wird, wird damit ausgehebelt und sein Angebot wird willkürlich. Damit wird der Kunde zu Amazon getrieben.
    Mehr Kunden kommen mit der EDV also nicht, sondern eher weniger.

  • Aljoscha Walser

    Aljoscha Walser

    Die These, "die Warenwirtschaft habe den Niedergang des Verlagswesens eingeleitet" ist steil. Dafür hätte ich gerne einen Beleg.
    Ich halte das Gegenteil für zutreffend. Ohne IT keine Industrialisierung von Prozessen, die nur eine sehr geringe Wertschöpfung bieten. Aber auch bei komplexen Aufgaben, wie dem journalistischen Schreiben von Texten sind Maschinen erfolgreich auf dem Vormarsch.
    Als Berater habe ich selber KI (Künstliche Intelligenz)-Anwendungen gesehen, die komplexe Aufgaben deutlich besser, schneller und kostengünstiger bewältigen als die Menschen, die dieses Aufgaben bisher gelöst haben.

    • ...

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