re:publica 2015

Jugend surft

Ein Highlight der re:publica war die Session »Komm, ich erklär’ Dir mal das Internet«. Von Geraldine de Bastion mit jugendlichem Elan moderiert erzählten drei Schülerinnen und Schüler einem gebannt zuhörenden Auditorium, wie sie sich im Internet bewegen.

Die drei jungen Menschen auf dem Podium sind 16 Jahre alt und vielleicht nicht repräsentativ für ihre Altersgruppe. Valeria und Pauline schauspielern neben der Schule schon seit Jahren in Kino- und Fernsehfilmen, Joshua stammt aus einem, wie es heißt, sehr medienaffinen Elternhaus. Dennoch wird man aus ihrem Umgang mit dem Netz einige Rückschlüsse auf das Verhalten ihrer Generation ziehen können.

Smartphone & Social Media

In der sehr munteren und ausgesprochen unterhaltsamen Plauderei erklären die drei übereinstimmend, dass sie Smartphones bereits seit einigen Jahren besitzen und diese hauptsächlich zur Kommunikation mit Freunden nutzen. Dabei spielt WhatsApp eindeutig die Hauptrolle. Hierbei kommen viele Emojis zum Einsatz, mit denen sie ergänzend zum Geschriebenen ihre Gefühle zum Ausdruck bringen. Sie verwenden Emojis aber auch zur Kurzinformation. Facebook nutzen sie fast ausschließlich zur Kommunikation mit ihren Eltern und Lehrern oder als Nachrichtenkanal. Eine Fanseite haben sich die jungen Schauspielerinnen nicht eingerichtet, weil ihnen das Privatleben vorrangig ist. Auf die Frage, wo ihre Fans sie denn im Netz finden können, erntet die Moderatorin nur Schulterzucken und die Aussagen »Gar nicht« und »Müssen uns suchen«, schließlich den Hinweis auf Wikipedia.
Joshua zählt Snapchat zu seinen favorisierten Kommunikationskanälen. Geraldine de Bastion vermutet, dass nicht alle im Publikum die App kennen und bittet ihn, Snapchat zu erkären. »Ich kann’s nicht erklären«, sagt er zur Belustigung des Publikums. »Das einzige was ich Euch sagen kann ist, bitte macht es nicht. Ihr könnt Facebook haben. Bitte lasst Snapchat in Ruhe, bitte.«

Schulische Medienerziehung

Gefragt nach der Medienerziehung im Schulunterricht sind die drei schnell einer Meinung: Sie brauchen das nicht. Joshua wird im Unterricht seit drei Jahren in Word geschult »weil der Lehrer nicht mehr kann«. Pauline erklärt, dass es einen Schulfilter für das Netz gibt, so dass man im Unterricht nicht einmal auf Facebook gehen kann. Das Dilemma der schulischen Medienerziehung wird von den Dreien jedoch nicht als Manko empfunden. Sie erwarten sie einfach nicht in der Schule – auch, weil ihrer Meinung nach die Lehrer über zu wenig Kompetenz verfügen.

Fernsehen & Freizeit

Fernsehen ist für Pauline »so ein Nebending«. Sie sitzt dabei, wenn ihre Eltern fernsehen und packt Geschenke ein oder macht Schularbeiten. Valeria hat seit einem Jahr ein Fernsehgerät in ihrem Zimmer, anfangs neugierig geschaut aber in letzter Zeit überhaupt nicht mehr. Joshua erklärt kategorisch, dass Fernsehen für seine Generation tot ist. Stattdessen schauen die Drei YouTube oder Snapchat-Stories. Musik streamen sie auf Spotify, Napster, kaufen aber auch bei iTunes und ab und zu sogar DVD’s.
Nach etwa 40 Minuten werden Fragen aus dem Publikum zugelassen. Darin geht es um Pornos auf Smartphones, Nachrichtenkonsum und Zeitungslektüre (Pauline: »Ich hatte mir ’ne zeitlang mal vorgenommen Zeitungen zu lesen, aber ich komm’ einfach mit dem Falten nicht klar. Und deshalb hab’ ich’s dann gelassen.«) sowie Kommunikationsplattformen, von den die meisten Zuhörer nicht einmal die Namen kennen.

Die meisten Fragesteller wollen von den jungen Menschen Ratschläge für den Umgang mit ihren eigenen Kindern, viele haben offenbar den Eindruck, sich auf einer ethnologischen Exkursion zu befinden. Wer mag, kann sich die ganze Session auf diesem Video anschauen.

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