Zeit für Verlage, sich das Thema Podcast genauer anzuschauen?

Totgesagte leben länger: Audio im Netz boomt

Lange war es still um das Thema Audio im Netz und Podcast. Gerade Verlage haben sich nicht gerade als Treiber hervorgetan. Aber vielleicht sollte man die eigene Einstellung noch einmal überdenken, denn Audio im Netz boomt. STEFFEN MEIER

»Audios galten bestenfalls als Nischenmarkt; der Audio-Podcast als eine Zwischenlösung, solange es noch zu mühsam und teuer war, Videos im Netz zu laden. Inzwischen sind Podcasts wieder richtig hip geworden«. So schätzt Christian Jakubetz, Journalist, Berater und Dozent, die derzeitige Entwicklung ein. Dabei stützt er sich nicht auf subjektive Beobachtung, sondern eine Studie der ARD. Jakubetz: »Die Statistik zeigt, wie sehr Audios wieder zurückgekommen sind ins Netz. Im Jahr 2016 haben 40 Prozent der User mindestens einmal in der Woche Audios gehört. Das ist gegenüber 2015 ein Anstieg von immerhin sieben Prozentpunkten. Zugegeben, zum Thema ›Audio‹ gehört viel. Aber auch Podcasts, die beinahe schon ausgestorben geglaubte Gattung, ist wieder da. Nach der ARD-Studie hören inzwischen rund 1,3 Millionen Deutsche mindestens einmal am Tag Podcasts.«

Interessant dabei: Es ist vor allem ein jüngeres Publikum, das Podcasts spannend findet und goutiert. Jakubetz: »Sie sind es, die eigentlich verantwortlich sind dafür, dass wir inzwischen von einem Podcast-Boom sprechen können.«

Ein grundlegendes Problem für Podcast-Produzenten ist die Vermarktung, also das Monetarisieren mittels Inserentengeldern. Das sieht jedenfalls Heike Budrich, die internationale und nationale Unternehmen in der Unternehmenskommunikation berät, so: »Im Jahr 2015 wurde nur ein minimaler Anteil der Werbegelder in  Podcasts investiert. Laut dem PewResearchCenter betrug dieser gerade einmal 34 Millionen US-Dollars. Daher experimentieren Podcast-Produzenten mit unterschiedlichen Marketingansätzen, um Erlöse zu generieren. Ein Grund, den kleinen Hörprogrammen nur einen kleinen Teil vom Werbekuchen abzugeben, liegt wohl vor allem an fehlenden Kennzahlen für die Werbewirkung. Doch wie es aussieht, beschäftigen sich gerade mehrere Unternehmen damit, bessere Tools für die Produktion, Aussteuerung und für die Analyse und Vermarktung zu liefern.«

Christian Jakubetz wundert sich dennoch über die mangelnde Experimentierfreude deutscher Medienhäuser: »Obwohl sie so vergleichsweise einfach zu produzieren sind, gehen deutsche Medien außerhalb der Sender noch ziemlich zögerlich mit Podcasts um. Während in den USA der Podcast auch für Zeitungsredaktionen inzwischen zum journalistischem Standard geworden ist, gehören Zeitungs-Podcasts in Deutschland noch eher zur Ausnahme.« Und wie sieht es bei den Buchverlagen aus? Nicht besser, könnte man meinen.

Tatsächlich war im Dezember des letzten Jahres Bastei Lübbe respektive Lübbe Audio seit langem erstmals wieder ein deutscher (Buch)Verlag mit einem neuen Podcast unter dem Titel »Bücher! Der Lübbe Audio-Podcast« aktiv geworden.

Nun muss nicht zwingend jeder Verleger sofort zum Mikrofon greifen. Aber vielleicht schadet ein Blick auf die eigene Zielgruppe, vor allem die Jüngeren darunter, nicht. Und eine Analyse, ob sich diese statt aufwendiger, anbiedernder Werbung in sozialen Netzwerken vielleicht besser (und kostengünstiger?) über Podcasts erreichen lassen.

»Audio im Netz/Podcasts« ist auch Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe des digital publishing report, der Ende dieser Woche erscheint, mit Analysen, Berichten zur deutschen Szene und Podcast-Empfehlungen. Das digitale Magazin ist kostenlos erhältlich. E-Mail an info@digital-publishing-report.de schicken, fertig.

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