Konditionen

Die Dinge beim Namen nennen

Beim Feilschen um Rabatte und Boni gehen Unternehmen an die Grenzen der Preisbindung – und darüber hinaus. Ein Blick durchs Schlüsselloch, mit drei Interviewpartnern, die lieber anonym bleiben.

© Nicole Hoehne

An dieser Stelle würden normalerweise Kurzbiografien unserer Gesprächspartner stehen. Das ist diesmal anders. Denn die drei erfahrenen Buchmenschen hatten den Mut zu einer Offenheit, die es angeraten sein ließ, dass sie selbst anonym bleiben. Wir bezeichnen sie mit ihrer beruflichen Funktion und durchweg in der männlichen Form. Das mehrstündige Gespräch fand im April in den Redaktionsräumen des BÖRSENBLATTS statt. Es heißt, die Verlage finanzieren mit enorm hohen Rabatten das Wachstum der Buchhandelsketten. Warum geben Sie den Forderungen nach? Vertriebsleiter: Wir haben doch gar keine Chance, mit den Großen wirklich auf Augenhöhe zu verhandeln. Unternehmen unserer Größenordnung werden zum Jahresgespräch in die Zentralen der Marktführer zitiert, worüber ich allerdings nicht unglücklich bin. Schließlich können wir dort unser Programm vorstellen, besprechen, was man werblich und aktionsmäßig gemeinsam machen kann. Bei den Terminen geht es aber nicht ums Schulterklopfen, sondern es wird immer aufs Neue in irgendeiner Form eine Verbesserung der Bezugsbedingungen erwartet. Zwischenbuchhändler: Im Übrigen leisten auch die Zwischenbuchhändler ihren Beitrag zur Expansion der Großen. Die Forderungen von Filialisten liegen so hoch, dass man durch Boni und Skonti fast drei Viertel der Handelsspanne verliert. Das kann nur ein Zuschussgeschäft sein! Aber es gibt anscheinend Lieferanten, die diese Forderungen erfüllen und so das Wachstum der Ketten mit unterstützen. Wenn die Barsortimente bei diesen Geschäften nicht wirklich verdienen – ziehen Sie dann bei den kleineren Verlagen, die von einer Barsortimentslistung abhängig sind, die Daumenschrauben an? Zwischenbuchhändler: Ich behaupte, dass wir mit allen unseren Kunden und Lieferanten gleichermaßen fair umgehen. Das ist vielleicht nicht immer zu unserem Vorteil, wenn es um Konditionen geht, die uns von Verlagen eingeräumt werden. Welche Rabatte räumen Sie den Großen denn ein? Vertriebsleiter: Thalia erhält von uns den Höchstrabatt von 50 Prozent. Darüber hinaus gibt es keine Vereinbarung. Das war früher anders. Da gab es 48 Prozent, einen fest vereinbarten Werbekostenzuschuss sowie einen Wachstums- und Remissionsbonus. In der Summe lagen wir deutlich über 50 Prozent. Diese Boni haben wir zugunsten eines höheren Rabatts gekappt, weil sie bei unserer Verlagsentwicklung ausuferten und außerdem zu viel Aufwand verursacht haben. Bei Osiander sind es 45 Prozent Rabatt. Zwischenbuchhändler: Sie geben also manchen Buchhändlern einen höheren Rabatt als dem Barsortiment!?Das ist ein klarer Verstoß gegen das Preisbindungsgesetz. Wird bei Verhandlungen schon einmal mit einer Auslistung gedroht? Vertriebsleiter: Nein, bisher weder seitens des Buchhandels noch seitens des Barsortiments. Buchhändler: Weil Sie brav machen, was man von Ihnen verlangt? Vertriebsleiter: Selbstverständlich habe ich schon Forderungen erfüllt, die unangenehm sind, die mir aber vor dem Hintergrund der Verlagsentwicklung bei diesem speziellen Kunden nötig erschienen. Sind 50 Prozent das Ende der Fahnenstange, oder ist da noch Luft nach oben? Vertriebsleiter: Bei Thalia würden wir aussteigen, wenn 51 oder 52 Prozent zur Debatte stünden. Im Moment verdienen wir noch etwas – sagen wir es einmal so. Ich bin allerdings der Meinung, dass Verlage sehr häufig an die absolute Schmerzgrenze gehen, um ihre Marktpräsenz zu sichern. Ansonsten ist bei 50 Prozent noch lange nicht Schluss. Man denke an Weltbild oder Amazon, da liegt die Messlatte eher bei 55 plus. Und Amazon verlangt zudem versandkostenfreie Lieferung. Trotzdem sind viele der großen Kunden noch rentabel, denn zum Beispiel sind die Remissionsquoten viel geringer. Bei Amazon haben wir 0,5 Prozent Remissionen. Eine Buchhandlung mit einem Umsatz von einer Million Euro kommt häufig auf eine Quote von 60 bis 70 Prozent. Zwischenbuchhändler: An solche Rabatte, schon gar nicht an die des Versandbuchhandels, kommt der Zwischenbuchhandel nicht ran. Von Rabatten über 50 Prozent können wir nur träumen. Buchhändler: Das ist eine verhängnisvolle Entwicklung, wenn Verlage solche Zugeständnisse machen. Sie erkaufen sich Präsenz und Wachstum durch hohe Rabatte, das wiederum bedroht langfristig auch ihr Überleben schwer. Wir steuern bewusst auf eine Situation zu, wo der Markt von wenigen Großkonzernen beherrscht wird, die ihren Lieferanten immer mehr abverlangen. Dabei leben wir schon jetzt in einem nicht gesetzeskonformen Zustand, und jeder weiß das. Warum bleibt dann ein lautstarker Protest aus? Zwischenbuchhändler: Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist niemand bereit, die Dinge beim Namen zu nennen. Aufgestellte Behauptungen müssten bewiesen werden. Das ist schwierig. Boni und Werbekostenzuschüsse stehen nicht auf der Rechnung. Und vermutlich kennen nicht einmal alle Mitarbeiter der großen Filialisten die Konditionen, sondern nur die obere Führungsebene. Vertriebsleiter: Manchmal entsteht der Eindruck, dass es in der Buchbranche ähnlich zugeht wie beim Doping im Radsport: Wer mit Missständen an die Öffentlichkeit geht, wird zwar Ruhm ernten. Im eigenen Umfeld seiner Großkunden und Verlagskollegen wird er aber zum schwarzen Schaf und auf ewig kein Bein mehr auf den Boden bekommen. Könnten die Verlage sich nicht zusammentun und überhöhten Forderungen gemeinsam widerstehen? Vertriebsleiter: Ich habe in dieser Hinsicht wenig Zutrauen in die Einigkeit der Verlage. Es müsste schon eine Art Letter of Intent geben, den alle unterzeichnen. Das wäre ein sehr interessanter Versuch, bei dem wohl einige Marktteilnehmer die Köpfe einziehen würden. Ich erinnere nur an Thalias Versuch, bei den Verlagen Zuschüsse für Umbaumaßnahmen einzufordern. Die Tinte unter den empörten Antwortschreiben war noch nicht trocken, da haben Verlage schon vieles erfüllt, was verlangt wurde. Beweisen kann ich das Ganze selbstverständlich nicht. Warum diese Heuchelei? Vertriebsleiter: Das weiß ich nicht. Selbst Kollegen, mit denen ich sehr lange und sehr gut bekannt bin, nennen keine konkreten Zahlen. Aber es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass die Zahlen nicht trotzdem ans Licht kommen. Sie stehen immer mal wieder auf dem Prüfstand. Zum Beispiel hat der DBH-Zusammenschluss mit ziemlicher Sicherheit ein Konditionengefüge offenbart, das Hugendubel so nicht erwartet hatte. Nach dem Zusammenschluss konnte Hugendubel ja sehen, welche Konditionen Habel und Weiland eingeräumt wurden. Bei Thalia und Buch & Kunst dürfte das übrigens ähnlich gewesen sein. Wie dynamisch haben sich in den letzten Jahren die Konditionenforderungen verändert? Vertriebsleiter: Bei Hugendubel waren und sind die Schritte extrem klein und lassen uns Luft. Die Sprünge bei Thalia waren allein durch die ausgehandelten Wachstumsboni wesentlich größer. Andere Ketten wie die Mayersche, Pustet oder Osiander arbeiten unserer Erfahrung nach weit weniger aggressiv. Können die großen Verlage offensiver in die Konditionenverhandlungen gehen als die kleineren? Vertriebsleiter: Meiner Meinung nach nicht. Wenn Konzernverlage behaupten, sie geben Thalia keine 50 Prozent und kommen auch mit ihren gesamten versteckten Gratifikationen nicht über diesen Wert hinaus, dann würde ich sagen, sie sind unehrlich. Wie wichtig sind denn die führenden Buchhandelsketten für die Verlage? Vertriebsleiter: Die Abhängigkeit ist sehr groß. Wenn wir mit unseren drei größten Kunden Amazon, DBH und Thalia über Kreuz wären, sie uns nicht mehr am Zentrallager listen würden, wäre unser Verlag in deutlichen Schwierigkeiten. Für einen Verlag ist es ein echtes Problem, wenn die 15 besten Kunden plus die Barsortimente 65 Prozent des Umsatzes erzielen. Der große Rest der Buchhandlungen ist also mit nur 35 Prozent Umsatzanteil dabei. Das ist allerdings das Dilemma der meisten Verlage. Wie entscheidend für Konditionen sind gute Kontakte? Vertriebsleiter: Gute Beziehungen haben zunehmend weniger Bedeutung. Trotzdem denke ich, dass man über den menschlichen Faktor zu einer guten und bezahlbaren Zusammenarbeit zu beiderseitigem Vorteil kommen kann. Allerdings herrscht zunehmend die Mentalität: Uns ist egal, was mit dem Geschäftspartner passiert. Hauptsache, ich komme mit dem Ergebnis nach Hause, das mir mein Chef vorgegeben hat. Da heißt es dann: Das ist noch nicht das Ergebnis, das ich mir vorgestellt habe. Wir müssen noch ein bisschen verhandeln. Lassen sich die Ketten für prominente Plätze in der Buchhandlung oder im Regal bezahlen? Vertriebsleiter: Wir haben das nie probiert, und es ist auch nie an uns herangetragen worden. Gehört habe ich es aber schon häufig. Listungen im Zentrallager beispielsweise kann man sich durchaus erkaufen, etwa durch eine Beteiligung an bestimmten Werbemitteln. Das leuchtet mir allerdings auch ein. Buchhändler: Die Entwicklung geht in diese Richtung: Wer bezahlt, erhält bessere Präsentationsmöglichkeiten. Zwischenbuchhändler: Andere Branchen machen das schon länger – das ist nicht immer vorteilhaft und schränkt die Möglichkeiten der Händler ein, die Produkte zu präsentieren, die sie für die besten halten. Auch hier profitieren wieder nur die größten Marktteilnehmer. Man muss ja nicht Fehler, die dort gemacht wurden, wiederholen. Verlage wie S. Fischer oder Random House haben angekündigt, dass sie Konditionen nicht nur am Umsatz, sondern am Engagement einer Buchhandlung bemessen wollen. Glauben Sie daran? Buchhändler: Uns hat noch niemand etwas in dieser Richtung angeboten. Die Standardsituation ist doch die, dass der Vertreter in sein Laptop schaut, wie viel Umsatz gemacht wurde und ob man sich noch in der richtigen Rabattkategorie befindet. Auch Dinge wie Beteiligung an Werbekosten, wenn ich in der Presse eine Anzeige schalte, werden von den Verlagen sehr defensiv behandelt. Es steht zwar im Preisbindungsgesetz, dass der Rabatt nicht allein am Umsatz gemessen werden darf, ich möchte aber eine Rabattstaffel sehen, die sich nicht am Jahresumsatz orientiert. Vertriebsleiter: Dazu muss ich etwas sagen: Wir hatten ein deprimierendes Ergebnis, als wir Buchhändlern, mit denen wir gut zusammenarbeiten, offensiv Jahreskonditionen angeboten haben: häufig 45 Prozent auf alle Bestellwege unter Streichung von Naturalrabatten. Die Reaktion war durchaus enttäuschend. Für das Sortiment eigentlich beschämend, weil ja pausenlos über diese Dinge geredet wird. Wenn die Konditionen für den kleineren und mittleren Buchhandel nicht auskömmlich sind – welche Wege sollten dann beschritten werden? Vertriebsleiter: Wir müssen sehen, dass die Branche geldwerte Vorteile für Buchhändler bietet, die sich nicht unbedingt in Rabatten widerspiegeln. Das können Partnermodelle der Auslieferungen sein mit gebündelten Rechnungen oder Ähnliches. Man muss doch nicht nur über Rabattpunkte reden. Gerade bei den Bezugskosten ergeben sich Chancen, die vom Sortiment oft gar nicht registriert werden. Hier wird von Buchhandelsseite zumeist nur die portofreie Lieferung genannt, obwohl die Bezugskosten durch Bündelungen stark reduziert werden können und das nicht nur zulasten eines Handelspartners. In manchen Städten unterstützen wir inhabergeführte Buchhandlungen auch, indem wir ihnen die gleichen Konditionen anbieten wie einem am Ort ansässigen Filialisten. Voraussetzung ist natürlich immer, dass wir mit dem Buchhändler gut zusammenarbeiten. Inwieweit verbessern sich durch eine Mitgliedschaft in einer Genossenschaft wie eBuch, LG Buch oder AUB die Konditionen? Buchhändler: Es ist schon sinnvoll, sich die Einkaufsgenossenschaften zunutze zu machen, um Rabatte zu bekommen, die man alleine nicht erhalten würde. Wenn ich daran denke, welchen Service wir bieten: Wir bringen Bücher zu den Kunden nach Hause, wir verschicken weltweit, bieten größtmögliche Kulanz bei Rücknahmen, machen Recherchen und vieles mehr. Dank Schul- und Fachbuchanteil arbeiten wir aber mit einer Gesamtmarge von nur 28 Prozent! Die Rechnung kann betriebswirtschaftlich eigentlich gar nicht aufgehen. Von auskömmlichen Rabatten sind wir weit entfernt. Vertriebsleiter: Umso erstaunlicher ist es, dass Buchhandlungen auf bestimmte Angebote nicht reagieren. Rabatt verkauft ja kein Buch. Wenn eine Buchhandlung über Jahre 70 Prozent unserer Bücher remittiert, dann muss ich sagen: Ihr verkauft unsere Titel einfach nicht – auch nicht mit einem Rabatt von 60 Prozent. Dann ist es doch besser, über das Barsortiment einzukaufen. Der Börsenvereinsvorsteher hat bei der Leipziger Buchmesse angekündigt, dass der Verband schon sehr bald eine Antwort auf die zunehmende Unterhöhlung der Preisbindung finden wird. Was erwarten Sie vom Verband? Vertriebsleiter: Diskutiert und gemutmaßt wird zumeist über Preisbindungsverstöße der Verlage. Ein Buchhändler, egal wie groß oder klein er ist, nimmt aber auch mit, was er kriegen kann. Denken wir an Mängelexemplare, Rabatte an Privatkunden etc. Schon lange wird von allen Seiten an der Preisbindung gesägt. Nicht nur vonseiten der Verlage. Zwischenbuchhändler: Der Verband sollte erst einmal vor der eigenen Haustüre kehren. Es gibt Gerüchte, dass großen Filialisten auch beim Bezug des VLB Sonderkonditionen eingeräumt werden. Das ist doch aber eine Frage des Mengenrabatts für ein nicht preisgebundenes Produkt. Buchhändler: Das Problem einer solchen Diskussion ist ja, dass sich zeigen könnte, dass die Preisbindung gar nicht so funktioniert, wie sie auf dem Papier steht. Wenn man dabei zu deutlich wird und die Verstöße öffentlich anprangert, muss man fürchten, dass die Politik reagiert und möglicherweise das Preisbindungsgesetz kassiert. Würden wir also, indem wir dieses Fass aufmachen, nicht das gefährden, was wir haben? Andererseits ist diese Doppelmoral sehr unbefriedigend und führt in die Sackgasse, weshalb wir den Zustand nicht so belassen sollten, wie er ist. Gespräch: Eckart Baier, Torsten Casimir, Holger Heimann, Christina Schulte DOI: 10.1391/BBL-Online.20080509-Konditionen-Debatte

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19 Kommentar/e

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  • AUB e.V. / Vorstand: Hartwig Bögeholz, Uwe Fischer, Lutz Herberg, Christian Röhrl

    AUB e.V. / Vorstand: Hartwig Bögeholz, Uwe Fischer, Lutz Herberg, Christian Röhrl

    Endlich, endlich wird im Bereich des Börsenvereins einmal ausgeprochen, was die Spatzen ohnehin längst von den Dächern pfeifen. Doch leider werden auch hier die verschiedenen Ebenen und damit die Verantwortlichkeiten durcheinandergeworfen. Aus Sicht von AUB e.V., des Zusammenschlusses der engagierten Sortimenter/innen, stellt sich die Problematik so dar:

    1. Wenn Filialisten dreiste Forderungen an Verlage stellen, ist dies nicht das Problem - das Problem liegt darin, daß viel zu viele Verlage darauf eingehen. Gebannt von den großen Absatzmengen haben sie sich in eine Richtung ziehen lassen, an deren Ende die Abhängigkeit von wenigen Großkunden stehen wird. Zu den genannten Zahlen können wir sagen, daß Filialisten nach unseren Informationen bis zu über 60% des Verkaufspreises als Rabatt erhalten. Dieser Wert setzt sich zusammen aus dem echten Rabatt, den echten WKZ, den als WKZ getarnten versteckten Rabatten, Frachtkostenbefreiungen sowie den Boni.

    2. Gemeinsam stehen indes Filialisten und Verlage, die auf deren Forderungen eingehen, in der Verantwortung für die Aushöhlung der Preisbindung. Weder das Remittenden- und Ramschproblem noch irgendwelche Nachlaßregelungen gefährden diesen Grundpfeiler unserer Branche, sondern niemand anderes als diese beiden Gruppen! Wenn die Politik die Preisbindung kippen wird, wissen wir, bei wir uns zu ´bedanken´ haben werden.

    3. Diese dramatisch gewandelten Bedingungen wollen viele Kolleg(inn)en im Sortiment einfach nicht wahrhaben. Die Harmoniesucht der Branche und der Hang zur Realitätsverleugnung sind schier unausrottbar. Daß bis auf wenige Ausnahmen, zu denen wir uns als AUB e.V. zählen, niemand auf die Barrikaden geht, ist anders nicht erklärbar. Nur deshalb kann der Börsenverein diese Problematik anhaltend bemänteln, nur deshalb kann der Sortimenterausschuß diese brennenden Fragen anhaltend ignorieren, nur deshalb können die anderen Gremien business as usual betreiben. AUB e.V. hat im vergangenen dem Verlegerausschuß einen Offenen Brief zu diesen Fragen übergeben ... und nie eine Antwort erhalten. Schon klar, daß unsere Forderungen nach einem Ende der versteckten Rabatte und nach einem Konditionenkorridor zwischen 40 und 50 Prozent dort nicht sehr willkommen sind. Daß wir beim Börsenverein als "aufmüpfig" bezeichnet werden, wenn wir die schlichte Einhaltung der Preisbindung auch in den Konditionenmodellen anmahnen, ist mehr als bezeichnend.

    4. Buchhandlungen, die in diesem Umfeld ihre wirtschaftliche (und sonstige) Unabhängigkeit bewahren wollen, müssen sich bewegen. Und zwar jetzt. Und zwar deutlich. Und zwar gemeinsam. Die Zeiten des "Ich kenne doch den Vertriebsleiter persönlich ... " sind vorüber. Deshalb hat AUB e.V. die einzig sinnvolle Folgerung gezogen und ein Verbundmodell geschaffen, das die Stärken eines bereits bestehenden Verbundes nutzt - wir müssen nicht alles neu erfinden, aufbauen und finanzieren. Gemeinsam mit der EK/servicegroup eG, einer Genossenschaft von über 2.000 unabhängigen Handelsunternehmen, nutzen wir die Erfahrungen, die alle anderen Branchen längst durchlaufen haben. Dort bauen wir mit den Buchhandlungen, die etwas bewegen wollen, den neuen Bereich Sortimentsbuchhandel auf, der Verlagen als Partner zur Verfügung steht - ob sie die Chance zu einem produktiven Miteinander erkennen werden?

    Es liegt auch in der Hand der Verlage, ob sich der Konzentrationsprozeß beschleunigt oder ob er durch enge Kooperation mit Unabhängigen Buchhandlungen verlangsamt werden kann. Ein erster Schritt dazu sind auskömmliche, sprich verbesserte Konditionen,
    die unsere Handlungsfähigkeit im scharfen Wettbewerb erhöhen. Gerade der Unabhängige Buchhandel ist auf eine breite Verlagslandschaft angewiesen und wird immer ein fairer Verhandlungspartner sein. AUB e.V. und EK/servicegroup eG stehen bereit, die Kompetenz von Handel und Verlagen sinnvoll und zum beiderseitigen Nutzen zusammenzuführen.

  • Thees Wullkopf

    Thees Wullkopf

    Es ist schon sehr schwer verdaulich, wenn man als Sortimentsbuchhandel erfahren muss, dass es gang und gebe ist, dass in den Nebenmärkten Bücher zu besseren Konditionen bei den Verlagen bezogen werden, als durch die Sortimenter selbst. Unser benachbarter Haushaltswarenhändler mochte es nicht glauben - ich muss es nun leider - dass er die Kochbücher, die er zu seinen Backöfen anbietet, zu deutlich günstigeren Konditionen bezieht, als wir.

  • Arthur Huber

    Arthur Huber

    Herr Wullkpf, ich muss Ihnen und wohl auch anderen Kollegen mitteilen, dass wenn ich eine diesbezügliche Kooperation für sog. unabhängige Buchhändler zum besseren Einkauf anbiete, sofort der Satz kommt: "Kein Interesse!"
    Hier hat nun sogar AMAZON bessere Konditionen mit 55% bei seinem Partnerprogramm und bietet nichts als seinen Shop an, das könnte die ALDIsierung des Buchhandels genannt werden!

  • Volker Gollenia

    Volker Gollenia

    Interessante Vorgehensweise. 3 anonym bleibende Gesprächspartner plaudern aus dem Nähkästchen. Aus den anonym getroffenen Aussagen wird ein Rückschluß auf das Verhalten der kompletten Branche und der Untergang der Preisbindung hergeleitet. Mal unabhängig davon, daß eine derartige Sensations-Heischerei journalistisch äußerst fragwürdig erscheint, ist die statistische Relevanz je eines Befragten pro Gruppierung (Buchhandel/Verlage/Barsortiment) lachhaft. Den Statements z.B. des Vertriebsleiters (Remi-Quote von 60 - 70 % seiner Erzeugnisse) kann man außerdem entnehmen, daß es sich offensichtlich um einen großen Publikumsverlag handeln muß. Wer was zu sagen hat, soll das offen und ehrlich tun - die anonyme Sudelei ist m.E. unerträglich und zeugt von wenig Rückgrat.

  • Buchhändler Brönge

    Buchhändler Brönge

    Ganz sicher ist das nicht "automatisch" auf die gesamte Branche zu übertragen, dennoch nehme ich an, dass diese Praxis üblich ist. Hinter vorgehaltener Hand ist es eh vielen Kolleginnen und Kollegen schon (von befreundeten Vertretern) erzählt worden.
    Es ist immer wieder verwunderlich, wie gerne Menschen (in diesem Falle Buchhändler) die Augen vor der Realität verschließen. Die Ölreserven werden noch maximal 30 - 50 Jahre reichen, dennoch hat irgendwie niemand so recht daran geglaubt, trotzdem ist es so..... Weihnachten ist am 24.12. und jeder weiß es, trotzdem kommt es immer ganz plötzlich. Wenn ich ein Filialist wäre, würde ich meine Marktmacht auch dazu benutzen bessere Konditionen auszuhandeln, das ist völlig legitim. Aber zu einem Abschluss gehören immer zwei Partner, der eine der "es" fordert und der andere der es annimmt.
    Wenn die Verlage über die Schmerzgrenze hinweg Konditionen gewähren handelt es sich um eine kurzsichtige Betrachtungsweise. Erinnern möchte ich an den Diogenes Verlag, der bei massiven Konditionsforderungen seitens Amazon NICHT eingeknickt sind und daraufhin teilweise oder kurzfristig "ausgelistet" wurden. Hat irgendjemand im Buchhandel deshalb mehr Diogenes Bücher eingekauft, sozusagen als "dankeschön" an einen standhaften Verlag?
    Mir persönlich wäre es sowieso am liebsten, wenn ich alle Lieferungen sofort bekommen und niemals bezahlen müsste, dann würde es mir endlich so gut gehen, dass ich Filialen eröffnen und Konditionen aushandeln könnte....
    Alles, was jetzt im Buchhandel passiert, kommt nicht überraschend und ist in anderen Branchen schon passiert, nur eben teilweise deutlich früher. Wir müssen uns schon fragen, ob es eine funktionierende Lobbyarbeit gibt und was diese bewirken soll. Und zu guter letzt: ich habe mich entschlossen die Filialisten zur Kenntnis zu nehmen, aber nicht als Opfer. Ich versuche meine Vorstellung von Buchhandel zu leben, so lange dies möglich ist. Sollte es in ein paar Jahren keine Preisbindung und kaum noch inhabergeführte Geschäfte geben, dann werde ich den Buchhandel sowieso verlassen...

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Vielleicht ist das beste an diesem Artikel, dass er die Dinge in Bewegung bringt. Vielleicht ist das aber auch das schlechteste daran. Wir werden es erst später wissen.

    Stilistisch ist er für mich jedenfalls ein Fehlgriff. Hier wird investigativer Journalismus gespielt, große Geheminiskrämerei. Und prompt hüpfen die Leser wieder von links nach rechts aufgeregt durch die Kommentare und rufen Skandal! Dabei ist doch kaum eine Zeile für irgend jemanden neu. Da brauchts keine anonymen Bekenntnisse. Jeder Zwischenbuchhändler kennt über angeschlossene Verlagsauslieferungen exakt die Konditionen der Verlage und hat seine Wege darüber auf dem Laufenden zu sein: Päckchen gehen beim Transport auf, werden falsch remittiert etc. Jeder Verlag kennt Konditionenstrukturen aus Nebenmärkten, von Versendern und von Ketten. Und jeder Sortimenter hat Mitarbeiter oder Azubis, die schon mal in anderen Buchhandlungen gearbeitet haben und für Transparenz sorgen.

    Ich meine, die genannten Konditionen im Artikel sind ohne jeden Neuigkeitswert.
    Bleibt die Frage, ob sie angemessen sind und ob sie dem Gesetz widersprechen.

    Ersteres ist die Frage nach der Konditionenspreizung. Ich mach mich nicht beliebt wenn ich sage: ich vermute, eine präzise betriebswirtschaftliche Untersuchung würde ergeben, dass die Konditionenspreizung eher zu gering und nicht zu groß ist. Es ist weder Zauberei noch eine Seltenheit, wenn eine Buchhandlung bei einem Jahresumsatz von 200 Euro 40% Rabatt, 60 Tage Valuta, volles RR und zusätzliches Dekomaterial bekommt. Die Verlage wissen, dass Aktionskonditionen für kleine Buchhandlungen wirtschaftlich nicht rentabel sind. Man macht es aber trotzdem, um vielleicht irgend wann aus kleinen Kunden einmal große zu machen. Bei einer Zentrallagerlieferung mit Werbekostenzuschuss ist für den Verlag der Effektiv-Rabatt vermutlich eher niedriger.
    Der Sache wäre mit einer objektiven Untersuchung hier mehr gedient als mit einem Schlüsselloch-Artikel.

    Am Ende wird die Frage stehen, ob die Konditionen gegen das Gesetz verstoßen. Da ist einmal die Schwelle der 50%. Das Kartellamt hat einstens festgelegt, dass alles über 50 auf eine durch die Preisbindung herbeigeführte übermäßige Produzentenrente schließen lässt, die hier verteilt wird. Ich weiß nicht, wann diese Zahl festgelegt wurde. Ich behaupte mal, vor zwanzig Jahren. Damals sahen die Kostenblöcke aber noch ganz anders aus als heute. Ein großer Teil der Marketingaufwendungen wird heute nicht mehr vom Verlag sondern von der Buchhandlung bezahlt. Der Einkauf erfolgt in weiten Bereichen nicht mehr über Vertreter, wodurch sich die Provisionen reduziert, die Logistikaufwendungen im Sortiment aber erhöht haben. Die Kostensteigerungen der Ladenflächen in 1A-Lagen stehen einer Senkung der Herstellkosten gegenüber etc. Es gib also sehr viele Gründe, die Zahl "50%" zu hinterfragen und neu zu justieren.

    Und auch über die Maximalrabatt-Regel für das Barsortiment lässt sich mit guten Gründen diskutieren, seit diese verständlicherweise ihre Geschäftsmodelle erweitert und vom reinen Grossisten zum aktiven Marktakteur mit Bestsellerlisten, Warengruppenpaketen, Book-on-Demand-Konzepten, Onlineshops und vielem mehr geworden sind, die auf manchen Ebenen in direkter Konkurrenz zum Verlag, auf anderen in direkter Konkurrenz zum Sortiment stehen.

    Die Regelung in der Preisbindung stimmt sicher nicht mit der Realität genau über ein. Das aber ist allen Akteuren bekannt. Und es treibt niemanden um, weil jeder weiß, dass es dafür gute Gründe gibt und ein gerichtliches Vorgehen am Ende vermutlich nur die Folge hätte, dass das geübte Verhalten bleibt wie es ist, dafür aber das Preisbindungsgesetz kassiert wurde. Und dieses hat wichtige Regelungen, die über den §6 erheblich hinaus gehen. Ich sehe bei einer ehrlichen Betrachtung das hier so aufgeregt angeprangerte Verhalten durchaus im Einklang mit dem Wortlaut und der Begründung von §6 Preisbindungsgesetz.

    So eröffnet der Blick durchs Schlüsselloch wie immer nur die Perspektive auf höchst banale und alltägliche Situationen. Und der Schrei Skandal! Skandal! hat einen sehr bigotten Unterton.

  • Moritz

    Moritz

    Aber Herr Ulmer! Zunächst spielt ja anonym oder nicht anonym überhaupt keine Rolle. Die Leute werden schon ihren Grund gehabt haben, in Deckung zu bleiben. Und die Bemerkung, daß "kaum eine Zeile für irgend jemanden neu" sei, heißt ja: Jeder in der Branche weiß es, aber lasst uns doch bitte bitte nicht drüber reden. "Es treibt niemanden um, weil jeder weiß, dass es dafür gute Gründe gibt". Jahrelang für die Preisbindung kämpfen, aber dann beide Augen feste zudrücken, weils dem eignen Geschäft dienlich ist? Für einen Buchhändler, der mit einem Rabatt von 35% leben muss, Amazon aber frei Haus 55 % und mehr kassiert, gibt es aber schon gute Gründe mal über die Themen zu diskutieren.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Über Konditionen zu diskutieren ist ja wahrlich nichts Neues in unserer Branche. Aber es geht doch um die Frage, ob die genannten "illegalen" Konditionen tatsächlich illegal sind und gegen Wortlaut und Intention des Gesetzes verstoßen. Gehen wir doch gleich an den Text ran, zu dem hier Exegese betrieben wird, das Gesetz und seine Begründung. Darin heißt es:

    "Absatz 1 verpflichtet die Verleger dazu, ihren Händlern gewährte Rabatte nicht allein an deren Umsatz auszurichten, sondern auch den Beitrag der Händler zur flächendeckenden Versorgung mit Büchern sowie ihren buchhändlerischen Service angemessen zu berücksichtigen.
    Die Einhaltung dieser Regelung ist im Einzelfall zu beurteilen und kann nicht für jeden Fall an einem Kriterium, einer Quote etc. festgemacht werden. Entsprechend der gesetzgeberischen Zielsetzung, im Interesse von flächendeckender Versorgung und buchhändlerischem Service den Sortimentsbuchhandel zu stärken, ist die in Absatz 1 enthaltene Regelung erforderlich."

    Lässt sich daraus objektiv ableiten, dass die von Ihnen genannte Spreizung von 35% bei Ihnen zu 55% bei einem Versandbuchhändler einen Verstoß bedeutet? Das Gesetz stellt die flächendeckende Versorgung in den Vordergrund und nimmt den Sortimentsbuchhandel als Mittel zum Zweck. Amazon dürfte sowohl bei flächendeckender Versorgung als auch Service kaum schlecht abschneiden.

  • Jörg Jahn-Meyer

    Jörg Jahn-Meyer

    Da werden uns drei Menschen mit einem Sack über dem Kopf präsentiert!

    Kommentatoren warten mit Aussagen auf wie: „Boah, welch Überraschung, das hätte ich ja nie gedacht!“

    Verbünde nutzen die Gunst der Stunde um ihre vielleicht um ein bis fünf Prozentpunkte höheren ausgehandelten Rabattsätze und ihre immensen Vorteile einem breiten Spektrum feilzubieten !

    Verlage lassen sich durch die Gängelung der Filialisten „niederpeitschen“!

    Die Redaktion rühmt sich mit Aussagen wie: „Die neue Unbequemlichkeit wird es den Starken am Markt erschweren, in bilateralen Gesprächen allzu obzöne Forderungen zu stellen.“

    Die „gesamte Welt“ die in diesem Moment über dieses Thema am rumwurschteln ist, wird sich jedoch fragen: „Wer sind diese drei Könige aus dem Morgenland mit dem Sack überm Kopf?“

    Der Wert einer anonymen Aussage und einer personalisierten Aussage unterscheidet sich meines Erachtens bei Weitem.

    Entweder steht man zu einer Aussage und dass mit Namen und Rang oder man lässt es. Hier kommt eine „Ich weiß was: Im-Kühlschrank-brennt-noch-Licht-Mentalität“ auf.

    Weitaus tiefer wäre die Frage zu ergründen, welche Casting-Methoden für die „drei Könige aus dem Morgenland mit dem Sack überm Kopf“ angewendet worden sind.
    Ebenso gut hätte man sie sich vielleicht auch nur ausdenken können.

    Von einem Aufruf in Presse und Rundfunk hat man nichts gesehen oder gelesen. Haben sie sich bei der Redaktion gemeldet?

    Was sind „drei ehrbare Kaufleute aus der Mitte unserer Branche“?

    Hätten ja auch vier oder fünf sein können oder zwei?

    Inhaltlich sagen diese drei, dass was ein Teil des Parkettpublikums vermutet bzw. schon immer wusste.

    Eine Erschwerung der Starken am Markt wird keinesfalls durch die anonymen Lippenbekenntnisse eintreten, da diese gesamte Diskussion nicht zu denen, die Bücher kaufen durchdringen wird.

    Die Filialisten werden diese Diskussion in den nächsten Tagen diskret mit lustigen bunten Aktionen, einer Auftünchung der bunten Bücherwelt, der Darstellung von Musen die im Gleichgewicht zum literarischen Walzer mitschunkeln zu übermalen wissen.

    Oh… Übrigens von denen war keiner in dem „Trio“ dabei……

    Trotzdem könnte man die „drei Könige aus dem Morgenland mit dem Sack überm Kopf“ kurz mal beleuchten :

    Da ist zunächst ein Buchhändler, der

    - feststellt, dass wir auf eine Situation zusteuern, wo der Markt von wenigen Großkonzernen beherrscht wird (w e l c h e f u l m i n a n t e N e u e r k e n n t n i s)
    - nebenbei rührt er noch die Werbetrommel für eine Einkaufsgenossenschaft
    - zählt Serviceleistungen auf wie Kulanz bei Rücknahmen, Hauslieferung, weltweiten Versand und Recherchen auf (m e i n L i e b e r , d a s m a c h t j a w o h l j e d e r ! )

    Der Vertriebsleiter plaudert wie meine manchmal beschwipste Tante aus dem Nähkästchen:

    - Thalia würde den Höchstrabatt erhalten. Aber sooo schlimm ist das ja auch nicht.
    - Ein Letter of Intent würde ihm gefallen, welches jedoch nicht möglich ist, denn der eigene Hosenknopf sitzt einem nun mal näher.
    - Er sieht ein, dass die Abhängigkeit zu den führenden Buchhandelsketten sehr groß ist.
    - Er bezichtigt Buchhandlungen für den Nichtverkauf seiner Titel, auch wenn der Rabatt 60% hoch wäre (V i e l l e i c h t s i n d d a s T i t e l d i e k e i n e r l e s e n w i l l ? )

    Also abschließend: Viel Gejammere, aber eines steht fest: Ohne die führenden Buchhandelsketten könnt ihr nicht. Ein Weg zurück geht einfach nicht. Auf den fahrenden Zug der Ausbreitung der führenden Buchhandelsketten seid ihr mit aufgesprungen und habt locker (in freudiger Voraussicht auf erhöhten Umsatz) mitgemacht. Also nicht klagen; das Kuckucksei habt ihr euch annähernd selbst ins Nest gesetzt.

    Einen vergas ich jedoch, den Zwischenbuchhändler:

    Er hält sich so annähernd raus. Nun, seien wir ehrlich, er hat nicht viel zu sagen. Wie denn auch? Ihm ist wohl die kleinste Handelsspanne in dem gesamten Markt zuzuordnen. Ständig im Kampf mit seinen „Endabnehmern“ und den Verlagen. In der Haut möchte ich nicht stecken. Um doch noch „publikumswirksam“ rüberzukommen schiebt er dem Verband den schwarzen Peter zu. Leider nur mit einer Begründung über den VLB und evtl. Sonderkonditionen gegenüber den Filialisten. Ich glaub, da gäbe es bestimmt schwerwiegendere Begründungen.

    Alles in allem:

    Alle regen sich auf, alle machen mit, das Konzept ist aufgegangen, man hat Lese- und Onlineverkehr, ein bibliophiles Sommertheater ist gesichert. In drei Wochen sind wir wieder da, wo wir vorgestern waren; nämlich bei einer duldenden, wegschauenden, ignorierenden Ruhe.

    Jörg Jahn-Meyer
    Inhaber The Book Buchhandlung Stolzenau
    Inhaber The Book Buchhandlung Liebenau

  • sascha kaukars

    sascha kaukars

    Was soll man dazu schon sagen? Friede den Hütten! Krieg den Palästen!

  •  Mathias Schindler

    Mathias Schindler

    Krieg den Hütten! Paläste für alle!

  • Hüttenbewohner

    Hüttenbewohner

    Hey, hier gibt's ja Leben auffe Website!
    Sascha und Matthias
    YMMD!

  • Pete

    Pete

    Der Materielle Sinn instrumentalisiert alle anderen Sinne – in seinem Sinne. Alle, außer einem, dem 7. Sinn.
    Nur der 7. Sinn, unser »übersinnlicher« Sinn, entzieht sich dem materiellen Zwang. Vielleicht sollte man ihn den »Seelensinn« nennen, denn er ist unser Kommunikationssystem zum Gespräch mit der Seele; das Wahrnehmungsorgan und die Antenne für unsere Verbindung zum Ganzen, zum Kosmos und zur universalen Seele.

    Aus: WAS WIR SIND von Hans-Peter Neudenberger

  • Anne v.Bestenbostel

    Anne v.Bestenbostel

    Wieso bemerkt eigentlich keiner, dass 60-70 % Remiquote ja wohl ein Wahnsinn sind?! Welcher Buchhändler kauft "über Jahre" so ein? Der kann seinen Laden ja lieber zulassen. Und welcher Verlag bzw. welcher Verlagsvertreter lässt eine Buchhandlung so lange soviel einkaufen, wenn die Bücher doch offensichtlich unverkäuflich sind? Das sind ja entweder Drücker, oder aber sie denken so wenig wirtschaftlich, dass ihnen das auch egal ist. Mir können Sie die Bücher auch schenken, bei 70% Remis übersteigt das Porto ja den Umsatz!! Bei solchen Behauptungen wäre es schon interessant, genauere Daten zu haben als die Angabe "häufig".

  • O.G

    O.G

    Ein paar Tage und alles ist wieder vergessen, das Börsenblatt hat ein echten Knaller gelandet! Nicht wirklich.

    Vielen unabhängigen Buchhändlern ist das schon lange bekannt, leider waren die Beweise (bisher) nicht zu erbringen.

    Der AUB e.V muss ich recht geben: Die Unabhängigen sind so Harmonie süchtig das Sie Ihren eigenen Untergang verleugnen, das ist was die Filialisten Flügel verleiht.

    Wenn sich die Unabhängigen nicht demnächst bewegen werden Sie "Zwangskonsolidiert". Aufgekauft oder schlicht verdrängt.

    Der Untergang der Independents in den U.S.A sowie die desolate Britische Buchhandelslandschaft kann man sich für Deutschland als Zukunftsszenario durchaus vorstellen.

    In beiden Ländern hat der unabhängige Buchhändler und ganz wichtig: Der Branchenverband kläglich versagt.

    Der Branchenverband mal beiseite, unabhängige Buchhändler sollten sich jetzt wachrütteln und akzeptieren das Sie sich in einem Überlebenskampf befinden.

    Ein Einzelner vermag wenig auszurichten, jedoch gebündelt ob in einem der Verbundmodelle oder sich so zusammentun, es wird Zeit. Das ist alles kein Spaß mehr.

  • Dieter Dausien

    Dieter Dausien

    Lieber Kollege Gollenia!

    Ich muss sagen, dass ich Ihren Beitrag, vornehm ausgedrückt, ziemlich unqualifiziert finde. Sie als Insider des Verlagsgeschäfts dürften wohl wissen, wie es dort zugeht, und dass die Aussagen des Vertriebsleiters keine „anonyme Sudeleien“ sind, sondern endlich mal einen Einblick in die tägliche Praxis geben. Dass man den nicht bekommt, wenn man gleich noch Namen dazu haben will, liegt doch auf der Hand. Ich finde, der Vertriebsleiter hat in dem Gespräch nicht, wie Sie es bezeichnen, „wenig Rückgrat“ bewiesen, sondern den Mut, endlich mal öffentlich auszusprechen, was sonst nur hinter vorgehaltener Hand oder gar nicht gesagt wird. Wenn ich das BBL richtig verstanden habe, ging es auch gar nicht darum, einzelne „schwarze Schafe“ öffentlich an den Pranger zu stellen, sondern darum, zu zeigen, wie verbreitet die Doppelmoral an dieser Stelle schon ist.

    Dem BBL „Sensations-Heischerei“ vorzuwerfen, ist eine billige Floskel: Tabubrüche sind nun mal spektakulär und das stellt sie noch lange nicht in den Verdacht, um ihrer selbst willen betrieben zu werden. Gerade das BBL hat es als Verbandsorgan nicht nötig, sich mit dicken Schlagzeilen zu verkaufen, und es ist bisher auch nicht durch investigativen Sensationsjournalismus aufgefallen.

    Anonyme Insiderinformationen zu nutzen, mag Ihnen „journalistisch äußerst fragwürdig erscheinen“, ist es aber nicht. Zumindest nicht dann, wenn, pars pro toto, der geschilderte Fall als exemplarisch gelten darf. Ohne Aussagen anonym bleibender Einzelner hätte ein Magazin wie der Spiegel längst sein Erscheinen einstellen können.

    Summa summarum kann man zu Ihrem Beitrag nur sagen: „Außer Phrasen nichts zu sagen.“ (Sorry für den schlechten Reim!)

  • Buchvogt

    Buchvogt

    Liebe Kolleginnen und Kollegen,
    liebe Buchhändler und Verleger,

    die Gefährdung der Preisbindung kommt einerseits durch die beschriebene Konditionenpolitik. Ich habe selbst in einem Verlag gearbeitet und kenne die exorbitanten
    Forderungen einzelner großer Filialisten und Versender.

    Andererseits kommt die Gefährung der Preisbindung aber auch durch die Aktionen, die Sortimenter und insbesondere Versender werbend anbieten.
    S.a. meinen Artikel "Buchpreisbindung und Wettbewerbsrecht: Risiken und Chancen für Buchhändler und Verleger" auf http://www.buchmarkt.de (28.04.08).
    M.E. muß die Branche sich endlich mal artikulieren: Wollen wir die Preisbindung - oder wollen wir sie nicht?

    So jedenfalls ist das keine lückenlose Preisbindung - und der Untergang der Preisbindung ist vorprogrammiert.
    Jeder ist gefragt, (vermeintliche) Preisbindungsverstöße dem Börsenverein als Standesorganisation kundzutun.
    Es geht hierbei nicht um Bespitzelung, sondern um die Wahrung dessen, was unsere Branche am Leben erhält.

    Grüße aus dem schönen Allgäu,

    Carsten Vogt
    - angestellter Buchhändler beim Schweitzer Sortiment, München -

  • Andi

    Andi

    Ich arbeite bei einem Filialisten (eigentlich ganz gerne) und muß auch sagen, ein bißchen mehr Achtung vor den Traditionen und Eigenheiten unserer Branche täte gut. Bei den ganzen "Schnäppchen" kann dem Kunden die Preisbindung oft gar nicht mehr vermittelt werden.
    Aber im Marketing und sonstigem "Überbau" sitzen nun mal nicht gerade die Buchhändler...

  • Volker Gollenia

    Volker Gollenia

    Lieber Kollege Dausien,

    ich mag Ihnen Ihre Meinung nicht nehmen (können), aber die Begründung Ihrer Meinung halte ich dann doch eher für skurril. Der ganze Artikel ist eindeutig tendenziös und vor allem relativ leicht durchschaubar. Und dies (nämlich durchschaubar resp. vorhersehbar) gilt ebenfalls für die Kommentare und Reaktionen darauf. Ich hätte eine Wette abgegeben, wer zuerst darauf anspringt... Endlich wird mal ausgesprochen, was Alle schon längst wissen? Ja warum geht denn niemand dagegen vor? Und gegen wen? Wer kommt denn zu Wort und spricht etwas aus? Betroffene? Ganz im Gegenteil melden sich hier "anonym bleiben wollende" Einzelschicksale, die selbst, wenn sie nicht anonym wären, sicherlich nicht für einen Gesamtmarkt sprechen könnten und sollten. So, wie weder Sie noch ich dies könnten.
    Diese Form der "Berichterstattung" bringt m.E. nur Eines: den üblichen Klassenkampf zwischen den "Großen" und den "Kleinen" immer schön am Köcheln zu halten. Sie schreiben so schön, es ginge dem BBL nicht darum, "einzelne „schwarze Schafe“ öffentlich an den Pranger zu stellen, sondern darum, zu zeigen, wie verbreitet die Doppelmoral an dieser Stelle schon ist." Aha. Und als wie verbreitet interpretieren Sie nun anhand der 3 anonymen Aussagen die Doppelmoral? Und- vorausgesetzt, die Aussagen wären tatsächlich repräsentativ- was tun wir nun? Sollte es also diese Doppelmoral weit verbreitet in unserer Branche geben, ist die Preisbindung zum Einen offensichtlich nicht für die Mehrheit des Marktes geschaffen worden und zum Anderen sicher nicht mehr lange haltbar. Aber alle diese Schlüsse aus diesem Interview ziehen zu wollen, halte ich schlichtweg für absurd.

    Ich bleibe dabei - dieser Artikel sagt einfach nur nix aus. Abgesehen davon, daß hier 3 Leute (wenn es die wirklich gegeben haben sollte) nicht zu Ihrer Meinung stehen. Eine anonyme Aussage als mutig zu bezeichnen, mag bei anderen Themen/Gegebenheiten durchaus passen, in diesem Falle aber beileibe nicht.

    Den tatsächlich schlechten Reim verzeihe ich generös... ;-)

    summa summarum: Wenn jedes Gesetz in diesem Lande in Zweifel gezogen würde, gegen das verstoßen wird, hätten wir Anarchie.

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