Meinung

Die Landesbibliothek als Copyshop

Wie das Geschäft der Verlage unter Berufung auf den Auftrag des Gesetzgebers ruiniert wird. Von Matthias Ulmer.

Matthias Ulmer © Ferdinando Iannone

Seit vergangener Woche ist das Lehrbuch in Deutschland tot. Das muss man zumindest konstatieren, wenn die Gerichte dem Treiben der Bibliotheken unter Leitung des Deutschen Bibliotheksverbands keinen Einhalt gebieten. In der Unibibliothek Darmstadt sind die wichtigsten 100 Lehrbücher eingescannt und werden den Studenten kostenlos zum Download angeboten. Das ist kein Versehen, das ist erklärter Wille der Bibliothekare: alle Bücher für alle Studenten umsonst zum Download. So fördert man Wissenschaft und Lehre in Deutschland.
Die Universitätsbibliothek der TU Darmstadt, gleichzeitig auch die Landesbibliothek des Landes Hessen, gibt auf Nachfrage überraschend offen Auskunft: Man halte sich bei diesem Vorgehen genau an die Empfehlungen des Deutschen Bibliotheksverbands. Und Professor Harald Müller vom Max-Planck-Institut in Heidelberg, Mitglied der Rechtskommission des Deutschen Bibliotheksverbands, verdeutlicht es mir gegenüber noch einmal: »Es geht darum, den gesamten Bestand digital in den Räumen der Bibliothek zugänglich zu machen. Ihr Lehrbuch ist ein Titel von Millionen.« Das – so ist er überzeugt – ist der Auftrag des Gesetzgebers, der Wille des deutschen Volkes.

Die kurzfristige Hoffnung, wenigstens der Download auf USB-Stick sei ein Versehen, erlosch am Montag, als die TU Darmstadt verlauten ließ, man werde das so weiterführen, bis man gerichtlich gestoppt werde. Die Bibliothek als Download-Station, die Landesbibliothek als Copyshop des Landes Hessen.

Der Buchhändler vor den Toren der Uni geht vor seinen Auslagen auf und ab und wundert sich. Nach der Vorlesung strömen die Studenten nicht zu ihm, um die Literatur für das Semester zu kaufen, sie strömen mit gezücktem USB-Stick in die Bibliothek.

Man kann es den Studenten nicht verdenken: Die freudig eingesammelten digitalen Lehrbücher wandern vom Stick auf den Computer, von dort auf die Tauschplattformen im Netz. Endlich mal plagt sie dabei kein schlechtes Gewissen: Wenn das Land Hessen und die Uni die Dateien offen verteilen, dann kann es nicht illegal sein, diese auch auf Tauschplattformen zu stellen. Die Verbreitung der Lehrbücher ist so schnell von einer Uni zur nächsten sichergestellt.
Auch dem Verleger wird Monat für Monat über die einbrechenden Absatzzahlen klar, dass für die betroffenen Lehrbücher eine Neuauflage wohl nicht mehr geplant werden muss. Auch die Realisierung der Novitäten erscheint vor diesem Hintergrund wenig sinnvoll: Kaum ist ein Buch erschienen, wird es von der Bibliothek zum Download angeboten. Die verbliebenen Absatzzahlen reichen für die Finanzierung der Auflage nicht mehr aus.

Das Vorgehen ist skandalös und offensichtlich gesetzeswidrig. Aber – ganz nach dem Muster von Google – wenn man schnell Fakten schafft, dann kann man vielleicht das Gesetz beugen. Und so wird vielleicht das angestrengte Musterverfahren nach vielen Monaten den Verlagen recht geben; die Bibliotheksbestände sind aber zwischenzeitlich alle eingescannt und haben sich auf kraftvollen Flügeln in die Welt auf und davon gemacht.

Die letzten Auflagen der Lehrbücher stehen derweil in den Regalen und laufen auf den Servern heiß. Sie bewahren für alle Zeit den Stand der Lehre vom Frühjahr 2009, dem Frühjahr, in dem die öffentlichen Bibliotheken dem Lehrbuch den Garaus gemacht haben.

Mit dem »Heidelberger Appell« haben zuletzt Hunderte Schriftsteller und Verleger zum Schutz des Urheberrechts aufgerufen (www.textkritik.de). Der Bibliotheksverband scheint davon unbeeindruckt. Was ist zu tun?

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90 Kommentar/e

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  • Fokko vom Fantasy-Blog

    Fokko vom Fantasy-Blog

    Das ist natürlich eine ungute Sache für die Verleger und Buchhändler, das stimmt. Aber: Wenn ich mich da an mein Studium erinnere, wie jeder Prof am Anfang des Semesters für 500 Mark Buchtitel an die Tafel schrieb und - wenn überhaupt - höchstens zehn Exemplare dieser Bücher in der Bibliothek vorhanden waren...

    Bei den Preisen für Fachbücher ist es kein Wunder, dass es schon zu meiner Zeit hieß: "Gut kopiert ist halb studiert"

  • Martin Spencker

    Martin Spencker

    Lieber Matthias,
    zum ersten: ich gratuliere zu Deinem Meinungsartikel. Stilistisch hervorragend, zutreffend in der Analyse unf scharf in der Argumentation. Als Verleger kann ich das jetzt lesen und mir sagen: ja - so schlecht ist die Welt und so schlecht sind die Bibliothekare. Dein Artikel und viele weitere Beiträge von Verlegerseite sind gut geeignet, unsere Position unverrückbar deutlich zu machen und die Eskalation zwischen Bibliothekaren und Verlegern voranzutreiben. Wir befinden uns auf dem Weg in einen "kalten Bücher-Krieg". Gewinnen wird keiner: Bibliotheken ohne Verleger sind sinnlos (open access kann jedes Forschungsinstitut gut ohne Bibliothekare betreiben bzw. werden sich andere Dienstleister darum kümmern). Und wenn die Verleger die Bibliothekare als Kunden verlieren, dann werden wir viele unserer Geschäfte weitestgehend aufgeben müssen. Betrachten wir die Bibliothekare also doch lieber als das was sie sind: Unsere Kunden, die sich offensichtlich fragen, ob Sie uns noch brauchen. Wir sollten mit den Bibliothekaren über diese Frage sprechen. Das Urheberrecht hilft - wie alle Rechtsvorschriften - nur dann, wenn die Gesellschaft als Ganzes dies für sinnvoll hält und wenn die Exekutive das Recht dann auch durchsetzt.. Beides ist zunehmend nicht mehr der Fall. Ich rate und plädiere dafür, den - zunächst nicht-öffentlichen - Dialog mit dem DBV zu suchen. Das ist mühsam und bringt wenig Lorbeeren. Aber mit der Urheber-Rechthaberei kommen wir nicht mehr weiter. Unser Verband sollte alle Energien auf die Deeskalation der Situation verwenden. Gerne würde ich mich daran beteiligen.
    Herzliche grüße - martin spencker

  • Dr Klaus Graf

    Dr Klaus Graf

    Audiatur et altera pars:

    http://archiv.twoday.net/stories/5622314/

    Im übrigen ist Herrn Spencker Recht zu geben, wenn er für einen Dialog plädiert.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Lieber Martin,

    da stimme ich im Prinzip ja zu. Ich habe ja nicht umsonst zahllose Sitzungen mit dem DBV mitgemacht, mich auf nationaler und europäischer Ebene um das Thema Deutsche Digitale Bibliothek gekümmert, mit der Deutschen Nationalbibliothek jedes Gespräch geführt, mich an der AG Digitale Bibliotheken der VG Wort beteiligt.

    Gerade deshalb ist ja meine Verbitterung so groß, dass ich nach all dem Bemühen nun so vor den Kopf gestoßen werde, dass exakt die Vertreter, mit denen ich im DBV so viele Gespräche geführt habe nun so eine Aktion auf die Beine gestellt haben und auch noch rechtfertigen.

    Ich weiß aus vielen Reaktionen, dass zahlreiche Bibliothekare genau so fassungslos sind. Aber sie setzen sich nicht durch.

    Ich zweifle nicht, dass wir vor Gericht Recht bekommen. Den Prozess wünschen nicht wir Verleger uns, den wünscht sich der DBV. Dann müssen wir ihn eben führen.

    Ich bin immer für vertrauensvolle Gespräche. Aber ich habe auf Seiten des DBV niemanden mehr, zu dem ich in Gesprächen Vertrauen haben kann.

  • Helmut von Berg

    Helmut von Berg

    Wer ist hier David? Und wer Goliath?

  • Konrad Bauer

    Konrad Bauer

    Die Verlage mögen vor Gericht obsiegen, die Tendenz ist damit nicht zu biegen.
    Ob Filme, Musik oder eben Bücher - wer glaubt, die herkömmlichen Vertriebsrezepte, -konzepte und weiteren Vergeblichkeiten werden bis in alle Ewigkeit halten, was sie stets nur versprochen haben, könnte eines besseren belehrt werden.

  • Ein Bibliothekar

    Ein Bibliothekar

    Beantragen Sie eine einstweilige Verfügung vor Gericht.

  • Ein weiterer Bibliothekar

    Ein weiterer Bibliothekar

    Ich kann verstehen, wenn ein Verleger es nicht gerne sieht, wenn ein ganzes Lehrbuch "frei" zum Download angeboten wird. Aber was ist mit einem Ausdruck? Den wollen die Verlage ja auch unterbinden. Und dann ist ein E-Book - sei es von der Bibliothek digitalisiert oder ein Verlagsangebot - weniger wert als das Print-Produkt, von dem ich als Student ja auch Kopien machen kann. Das kann ja nicht Sinn der Sache sein. Und alle Verlags-Angebote, die ich kenne, bieten nur das: Anschauen. Ich sehe schon die Studierenden mit Stift und Papier vor dem Bildschim sitzen und Teile des E-Books abschreiben bzw. exzerpieren. Oder noch besser: Teile des E-Books in ihr Notebook abtippen. Schöne neue Welt!

  • Eine ehemalige Studentin

    Eine ehemalige Studentin

    90% der Fachbücher, die ich für mein 5-jähriges Studium benötigt habe, sind seit Jahren nicht mehr verlegt worden. Mein Unibuchhändler war somit wenig hilfreich und vom Einbruch der Absatzzahlen kann da ebenfalls nicht die Rede sein. Die einzelnen Bändchen in der Unibibliothek waren entweder ununterbrochen ausgeliehen, verloren gegangen oder geklaut worden. Alternativen in anderen Bibliotheken zu lokalisieren und zu beschaffen hat des öfteren Wochen gedauert. An der Uni muss heute dank B.A. und M.A. alles schnell gehen, da hat man für solch eine Recherche, um überhaupt mit dem Lernen anfangen zu können keine Zeit. Ich wäre froh gewessen, hätte ich mir die Werke als Datei runterladen können. Ganz besonders für den Semesterbeitrag von 500,00 plus Sozailbeitrag. Dafür werde ich kostenloses Lehrmaterial ja wohl verlangen können. Den sarkastischen Kommentar zu den Studenten, die freudig Daten sammeln, würde ich somit nochmal überdenken!!

  • Dr Klaus Graf

    Dr Klaus Graf

    Sache liegt als eV beim LG Frankfurt

    http://shorttext.com/6klsyvf

  • Andreas Knobelsdorf

    Andreas Knobelsdorf

    Sehr geehrter Herr Ulmer,
    die ULB Darmstadt schreibt auf ihrer Seite unter http://elib.tu-darmstadt.de/ulb/aktuell.htm, dass ein Vervielfältigen und Weiterverbreiten ausdrücklich untersagt ist. Auch ist danach ein Zugang nur innerhalb der Bibliothek möglich. Das erlaubt der § 52 b Urheberrechtsgesetz durchaus.
    Das widerspricht Ihrer auch von Ihnen auf der Inetbib-Seite gemachten Ausage, die Studierenden könnten sich die Inhalte auf USB-Sticks laden.
    Eins kann nur stimmen: Entweder die TU Darmstadt (und mit ihr die Univ.-Bibl. Würzburg) tut anderes als sie selbst sagt, oder Ihre Behauptung trifft nicht zu. Viele Vor- und Anwürfe der letzten Tage in dieser Diskussion beruhen vor allem auf diesen unterschiedlichen Aussagen. Ich bitte um einen Beleg, dass Studierende tatsächlich entgegen der Bibliothekspolitik Inhalte auf diese Weise erwerben können.
    Mit freundlichen Grüßen
    Andreas Knobelsdorf, Bibliothekar, Hamburg

  • Hans Zeher

    Hans Zeher

    @ Andreas Knobelsdorf
    Lesen Sie, was unter http://shorttext.com/6klsyvf zu lesen ist, und Sie werden sehen, daß die UB der TU Darmstadt tatsächlich nicht tut, was sie versichert.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Sehr geehrter Herr Knobelsdorf,

    wir würden doch nicht eine einstweilige Verfügung beantragen, wenn wir nicht vorher Beweissicherung betrieben hätten. Jedermann kann sich dort bedienen, gerade so wie ich es beschrieben habe.

  • Dr Klaus Graf

    Dr Klaus Graf

    Wieder das übliche Falschspiel von Herrn Ulmer. Die ULB Darmstadt stellt ihren Benutzern PDFs von einzelnen Kapiteln zur Verfügung, diese können auch (auf USB-Stick) heruntergeladen werden (was nach § 53 UrhG sehr wohl legal sein kann). Wenn Studierende - möglicherweise (!) - unzulässigerweise eine Gesamtkopie anfertigen, indem sie alle PDFs herunterladen, obwohl dies deutlich von den Nutzungsbedingungen untersagt wird, ist das ihr urheberrechtsverstoß und nicht der der ULB Darmstadt.

  • Dr. Christian Sprang

    Dr. Christian Sprang

    Selbstverständlich wurden die Verhältnisse in der Darmstädter Bibliothek mehrfach von verschiedenen Testpersonen geprüft und Beweise auf USB-Sticks gesichert. Es ist schon so, dass man die Inhalte der Terminals beliebig auf digitale Träger herunterladen kann und das auch nicht geprüft wird, wer Zugang zu dem Lesesaal bekommt. Wäre es anders, sollte es für die Universität bzw. deren Bibliothek ja auch möglich gewesen sein, sich zur Unterlassung der Ermöglichung solcher Vervielfältigungen zu verpflichten.

    Und noch eine Antwort zu manchen Diskussionsbeiträgen hier: Autor und Verlag wollen sicher nichts mehr, als dass ihr Lehrbuch von möglichst vielen Studenten benutzt wird. Egal welche Nutzung es ist: als traditionelles Buch, als E-Book, im Terminal, als Ausdruck, als digitale Vervielfältigung auf Stick - alles ist den Rechteinhabern recht, so lange dafür gezahlt wird. Für Nutzungen unter § 52b war die Kultusministerkonferenz aber nur zu einer Pauschalzahlung von 100.000 Euro pro Jahr als "angemessene Vergütung" bereit. Nota bene: Für ALLE Bibliotheken in Deutschland, ALLE eingescannten Bücher und ohne Erfassung, welche Werke genutzt werden (so dass die Erlöse nicht dem Urheber und dem Verlag zugewiesen werden können, deren Bücher tatsächlich genutzt worden sind). Die Politik der KMK läuft also nach dem Motto "Vater Staat muss bei der Bildung sparen, also müssen seine Kinder klauen gehen."

  • Dr Klaus Graf

    Dr Klaus Graf

    Genau das gleiche miese Falschspiel auch von Sprang. Wer Zugang zu dem Angebot hat, ist absolut wurscht, da § 52b UrhG keine Einschränkung auf bestimmte Benutzergruppen z.B. Studierende enthält. Auch Bürgerinnen und Bürger dürfen nach dem Willen des Gesetzgebers die gescannten Bücher einsehen.

    Dass dieser Artikel Ulmers nach vorangegangenen Diskussionen in INETBIB als besondere Frechheit empfunden wird, zeigt.
    http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg38 824.html

  • Angelika Finke

    Angelika Finke

    Danke, Herr Knobelsdorf!
    Herr Ulmer,
    mich ärgert und erschreckt die Art und Weise, wie Sie über die Thematik schreiben. Möglicherweise (das muss ja noch geklärt werden) haben zwei Bibliotheken nicht korrekt gehandelt. Prompt sind für Sie alle Bibliotheken und alle Bibliothekare/innen Verbrecher. Diesen Anlass ergreifen Sie, um ein schwarzes Szenario zu entwerfen, in dem die "armen Verlage" die Verlierer sind. Und alle, die das nicht so sehen, sind die Gegner.
    Herr Ulmer, das ist nicht förderlich für Konstruktivität.
    Angelika Finke

  • Angelika Finke

    Angelika Finke

    Danke, Herr Dr. Graf!

  • André Duve

    André Duve

    Ich habe mich durch die äusserst interessanten Links gelesen und muss nach dem Studium sagen, dass der Artikel mehr als nur polemisch ist...

    Sei es die Diskussion um die Preisgestaltung der E-Books oder die mangelhafte Qualität bei Vollpreisprodukten oder diese Verunglimpfung eines (aus meinen Augen) ehrenhaften Berufsstandes, es ist einfach nur peinlich, mit welchen Argumenten und letztlich auch Taten Verleger agieren. Euer einziges Interesse ist finanzieller Natur und die unabdingbare Einhaltung einer vollkommen überlebten Buchpreisbindung. Wie sieht die Realität aus? Die Autoren sind die, die mir am meisten leid tun, die bekommen von euch (neben Dienstleistungen) den kleinsten Teil, die bleiben nach eurem System eh auf der Strecke...

    Aber das hier schlägt alles Vorstellbare, ihr macht schlußendlich nicht einmal vor Studierenden halt oder meint ihr Hr. Dr. Graf und Kollegen führen einen Privatkrieg gegen Sie persönlich? Ich denke nicht, eher versuchen die Bibliothekare der Universitäten mit ihren geringen Mitteln das Optimale für ihre Studentenzur Verfügung zu stellen.

    Dass das viele Verleger nicht verstehen ist schon klar, letztlich herrscht bei ihnen ja ein Generalverdacht gegen alles, was einen Internetzugang hat, Wenn bei der Verlagszunft nicht ganz schnell ein Umdenken einsetzt, rauscht der Entwicklungszug im ICE Tempo an ihnen vorbei, was bleibt, sind Tränen in den Augen....

  • Hans-Joachim Schulz

    Hans-Joachim Schulz

    "Ich sehe schon die Studierenden mit Stift und Papier vor dem Bildschirm sitzen und Teile des E-Books abschreiben bzw. exzerpieren. Oder noch besser: Teile des E-Books in ihr Notebook abtippen. Schöne neue Welt! "

    Wieso "Schöne neue Welt" ? Gute alte Welt !!
    Wer schreibt, der bleibt!" Wer exzerpiert "erwirbt" auch mehr, verarbeitet..... Das hat doch was.

    Wenn unsere Gesellschaft mit ihrer desaströsen Gesetzgebung sowie ihrer nunmehr nicht mehr einschätzbaren Gerichtsbarkeit in Eigentumswillkürverhältnisse abgleiten will, so ist der Niedergang von Wissenschaft und Kultur programmiert, sowieso nichts mehr zu retten.
    Ist doch egal, ob demnächst keine Lehrbücher mehr vorhanden sind..... Ausbildung erfolgt dann nur noch mündlich, im Einzelunterricht, gegen hohe Gebühren.

  • B.-C. Kämper

    B.-C. Kämper

    Herr Ulmer versteigt sich zu der pathetischen Behauptung, dass das Lehrbuch in Deutschland seit vergangener Woche "tot" sei. Nein, das ist es ganz gewiß nicht. Wir hatten bei uns in Stuttgart in 2008 440,000 Kapitelabrufe auf lizenzierte deutschsprachige Springer e-books. Das wird hier bestens angenommen, ebenso wie die innovative Präsentation von Nachschlage- und Tabellenwerken im naturwiss.-techn. Bereich auf der Knovel-Plattform, um nur einmal zwei Beispiele zu nennen. "Gestorben" ist für uns an der Universitätsbibliothek Stuttgart allerdings seit letzter Woche der "UTB-Studi-e-book Trial". Unter normalen Umständen hätten wir den Trial vielleicht noch mitgemacht, in der Hoffnung, UTB im Verlaufe des Trials auf Grundlage des Feedbacks der Benutzer zu Nachbesserungen im Angebot (mehr Nutzerfreundlichkeit) bewegen zu können. Aber angesichts eines rabulistischen und wild herumulmernden Verlegers, der wissenschaftliche Bibliotheken und ihre Nutzer just zu dem Zeitpunkt an den Pranger stellt und mit abwegigen Behauptungen und Anschuldigungen zu kriminalisieren sucht, zu dem die Verlagskooperation UTB ihren bundesweiten Trial an Bibliotheken beginnt (ein geradezu geschäftsschädigendes Verhalten für alle beteiligten Verlage), kann man sich wirklich nur an den Kopf fassen und fragen "Bin ich im falschen Film?" Abgesehen davon ist dieses Angebot alles andere als "innovativ". Wenn ein Herunterladen und Ausdrucken zunächst ebenso wenig möglich sind wie eine unformatierte Übernahme von Textpassagen durch Kopieren in die Zwischenablage, dann weiß ich sowieso nicht, was ein solches Produkt in der Hochschule zu suchen hat. Zum Start des Trials werden keinerlei personalisierbare Zusatzfunktionen wie Annotiermöglichkeiten, Lesezeichen und Bücherregal angeboten werden, die sollen erst einen Monat später kommen. Wer etwas ausdrucken oder herunterladen will, soll auch als Studi gefälligst zur Kreditkarte greifen und den integrierten Webshop ansteuern. Nun könnte man ja einwenden, dass es dafür eine unbeschränkte campusweite Verfügbarkeit der Lehrbücher als Leseversion für den Bildschirm gibt, aber die taugt auch nicht viel. Die auf dem Libreka-Portal gebotene Auflösung ist bestenfalls mittelmäßig zu nennen, durch Vergrößern wird das Ergebnis nicht besser, da keine skalierbaren Fonts in PDFs, sondern nur komprimierte Grafik geboten wird. Wer diese Texte als Studi am Bildschirm lesen muß, ist wahrlich zu bedauern, stellen sich aufgrund der für überkomprimierte jpegs typische Artefakte doch bald Augen- und Kopfschmerzen ein. Das Erscheinungsbild der Typographie, durch das sich gute Verlagsprodukte ja eigentlich auszeichnen sollten, wird durch diese Präsentationsform völlig ruiniert und ist im Ergebnis von miesester Qualität: durch Scan- bzw. Kompressions-Artefakte beschnittene oder gestauchte Zeilen und unscharfe Buchstaben auf krisseligem, schmutzigem Uintergrund sind typisch und machen das Lesen zur Qual. Wer immer sich so etwas ausgedacht hat, dachte offenbar weniger an ergonomische Aspekte und Benutzerbedürfnisse, als daran wie zu verhindern ist, dass fehlende Druck und Kopiermöglichkeiten etwa durch eine simple Hardcopy des Bildschirminhalts (Print Screen) umgangen werden können. Ich frage mich auch, was wohl Arbeitsmediziner dazu sagen, wenn man ihnen UTB auf der Libreka-Plattform vorlegt und sie fragt, ob wir das unseren Studierenden überhaupt anbieten können. Das Standard-Kopierrecht von lediglich 2-5 Seiten pro Buch, was UTB aufgrund der massiven Beschwerden von Bibliotheken jetzt einführen will, nimmt sich da wie der reine Hohn aus. Fazit: das ganze ist eine Blamage erster Güte für UTB und den Börsenverein. Wenn Sie, lieber Herr Ulmer, ihre Prozesse geführt und anschließend vielleicht wieder Muße haben, sich um wirklich attraktive digitale Angebote für wissenschaftliche Bibliotheken zu kümmern, dann können wir gerne wieder ins Gespräch kümmern. Bis dahin werden wir mit Verlagen kooperieren, die aus unserer Sicht geeigneter sind, unseren Anforderungen gerecht zu werden. Mit freundlichen Grüßen, Bernd-Christoph Kämper, UB Stuttgart.

  • Ein weiterer Bibliothekar

    Ein weiterer Bibliothekar

    Lieber Herr Kämper,

    ich kann Ihnen nur zustimmen! Die entsprechenden Angebote sind einfach nur qualitativ schlecht. Die ausführliche Begründung haben Sie geliefert. Und dafür sollen Bibliotheken - und damit die Studierenden - viel Geld bezahlen?!

    Und noch einmal: Von einem Print-Exemplar kann sich jeder Kopien machen, ohne noch Geld an den Verlag zahlen zu müssen. In dieser Form ist das E-Book ein Rückschritt gegenüber dem Print-Exemplar. Und vielleicht ist genau das gewollt...

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Sehr geehrter Herr Kämper,

    einige kleine Anmerkungen zur Ihrem Beitrag möchte ich machen. Ein Meinungsbeitrag in einer Zeitschrift greift immer auf einen Baukasten an Ausdrucksformen zurück, zu dem auch die Überspitzung und das Pathos gehört. Das Grundthema ist davon unberührt, eine Wenn-Dann-Figur: Wenn das Vorgehen in Darmstadt legal ist (und dann auch an allen Unibibliotheken üblich wäre), dann wäre das Lehrbuch tot. Zumindest das Lehrbuch unabhängiger Verlage.

    Das Beispiel mit Springer passt nicht, denn das sind bezahlte Monografien und auch Lehrbücher. Das Muster 52b geht von unbezahlten digitalisierten Lehrbüchern aus. Die Vergütung über die Verwertungsgesellschaft kann man bei der Zahlungsverweigerung der Öffentlichen Hand praktisch als Null bezeichnen.
    Vergleichen SIe also nicht für den Verlag lukrative bezahlte Angebote von Springer mit den unbezahlten, um die es hier geht. By the way: warum sollten Sie im kommenden Jahr für das Springer-Angebot noch zahlen,wenn Sie es über 52b umsonst bekommen? Aus alter Verbundenheit? Man muss also annehmen, dass auch die existierenden kommerziellen Angebote über den Weg von 52b nun ersetzt werden.

    Zum UTB-Angebot: ob das technisch innovativ ist, kann ich nicht sagen. Ich kenne auch die Konditionen des Angebots nicht. Aber so viel ich weiß, ist das nicht Libreka-basiert sondern wird von juni.com als Dienstleister betrieben. Vielleicht sind Ihre Informationen da nicht ganz aktuell.

    Die Qualität der Scans ist immer ein Problem. Herr Graf wird ja nicht müde darauf hinzuweisen, dass bei Google oder auch in Bibliotheksangeboten häufig schlechte Scans zu finden sind. Bei lieferbaren Büchern dürfte das ein Übergang sein. Es erscheint mir aber auch als akzeptabler Kompromiss, Bücher, die noch nicht als Daten vorliegen einzuscannen, auch wenn die Qualität nicht optimal ist. Besser sie sind so verfügbar als gar nicht.

    Ich kann nicht beurteilen, ob unser Angebot über UTB teuer oder günstig ist. Sie kritisieren, dass wir kein copy-paste zulassen. Ich erinnere mich, dass von vielen Ihrer Kollegen vehement gefordert wurde, dass man copy-paste unterdrücken soll, weil das die Qualität der studentischen Arbeiten untergräbt. Nicht jeder Bibliothekar hat offensichtlich die gleichen Wünsche an ein solches Angebot.

    Den Ausdruck habe ich befürwortet. Ich konnte mich aber im Kreis der Gesellschafter der UTB nicht durchsetzen. Warum? Weil die Angst sehr groß ist, dass man durch die Digitalisierung und Bereitstellung von E-Books die Existenzgrundlage von Verlagen gefährdet. Ich habe für Mut und Optimismus geworben. Die aktuellen Vorgänge sind nicht dazu angetan auf Verlagsseite das Vertrauen in digitale Angebote zu steigern.

    Ob SIe Ihren Studenten etwas Gutes tun, wenn Sie das Lehrbuchangebot der UTB nicht nehmen? In der Trial-Phase dieses Jahr ist es so viel ich weiß kostenlos.

  • Ein weiterer Bibliothekar

    Ein weiterer Bibliothekar

    >>Wer schreibt, der bleibt!" Wer exzerpiert "erwirbt" auch mehr, verarbeitet..... Das hat doch was<<

    Lieber Herr Schulz,
    mit dieser Replik habe ich gerechnet. Und ich stimme Ihnen zu, dass man mehr "mitnimmt", wenn man exzerpiert als kopiert. Allein, ich will den Studierenden nicht vorschreiben, wie sie zu studieren haben.

    Und bei Lehrbüchern verhält sich die Sache ja so, dass die Studierenden eher Kopien von relevanten Stellen brauchen als Exzerpte. Der Inhalt bei Lehrbüchern ist ja ohnehin "eingedampft". Und die Studierenden müssen für die nächste Klausur die Fakten lernen und dann abrufen können. Das kann man bedauern, aber das sind nun mal die Folgen von (stärker) verschulten Studiengängen.

    Aber gleich den Niedergang des Abendlandes zu proklamieren... ich weiß nicht.

  • B.-C. Kämper

    B.-C. Kämper

    Sehr geehrter Herr Ulmer,

    die bisher schon laufenden Trials benutzten libreka als Plattform (Bsp. ULB Münster). Es passt zu der dilettantischen Informationspolitik von UTB, dass man sich mühsam alle Informationen durch fortwährende Nachfragen zusammensuchen muss und man den Eindruck bekommt, dass selbst ihre Vertriebspartner einen völlig unterschiedlichen Informationsstand haben. In den diversen Einladungen und Infoblättern, die wir zum UTB-Trial erhalten haben, wurde mit keinem Wort die Plattform angesprochen, auf der das ganze laufen wird, und dass sich die gegenüber den aktuellen Trial-Sites ändert. Wäre ja mal eine Erwähnung wert gewesen, auch im Interesse des Dienstleisters juno.com.

    Als Verleger sollten Sie doch wissen, dass Digitalisierung nicht umsonst zu haben ist. Sie wissen um die Bestandsakzessorietät. Also warum erzählen Sie so einen - verzeihen Sie den Ausdruck - "Mist", dass wir die Springer-Lehrbücher im nächsten Jahr via 52b umsonst bekommen könnten? (Ganz abgesehen von der Qualitätsfrage, die uns eben nicht egal ist.) Ist das wieder ein grober Klotz aus ihrem Baukasten an Ausdrucksformen?

    Im übrigen kann man die Qualität der studentischen Arbeiten nicht einfach dadurch befördern, indem man "copy and paste" technisch unterbindet - da wird ja wohl das Kind mit dem Base ausgeschüttet. Jan Hodel hat im Anschluß an die Debatte um Stefan Weber auf http://weblog.histnet.ch/archives/196 dazu Anmerkungen gemacht.

  • Susanne Ziegler, UTB GmbH

    Susanne Ziegler, UTB GmbH

    Sehr geehrter Herr Kämper,

    zu Ihrer Stellungnahme möchten wir von UTB gerne einige Anmerkungen machen:

    Heute geht die kostenlose Testphase „UTB-studi-e-book“ online. Damit haben wir uns auf den Weg begeben, unser E-Book-Angebot in Zusammenarbeit mit den Bibliotheken in der Praxis zu testen und weiterzuentwickeln. Dass sich 100 Bibliotheken für den halbjährigen Test des Modells entschieden haben, sehen wir als großen Vertrauensbeweis.

    In den nächsten Monaten sind wir auf die Kooperation und Unterstützung der Bibliotheken angewiesen. Die Erfahrungen und Ergebnisse aus der Testphase sind notwendig und wichtig, um dauerhaft eine für alle Beteiligten sinnvolle Lösung zur Nutzung von E-Books zu gewährleisten.

    Dass Lehrbücher online zu lesen und zu erarbeiten sein sollen ist für Studierende, Bibliotheken und Verlage gleichermaßen eine notwendige Ergänzung zum bisherigen Angebot an gedruckten Büchern. Alle Schwierigkeiten, die den Prozess dahin begleiten, möchten wir konstruktiv diskutieren und lösen.

    Auch wir bedauern, dass nicht pünktlich zum Start alle Zusatz-Funktionalitäten zur Verfügung stehen, allerdings ist dies bei neuen IT-Projekten sicherlich auch nicht ungewöhnlich. Wir arbeiten mit Hochdruck an der Bereitstellung dieser Funktionalitäten, damit diese in 30 Tagen zur Verfügung stehen.

    Wir möchten hier kurz das UTB-studi-e-book-Modell vorstellen und damit vielleicht einige Missverständnisse klären.

    Der Bibliotheksnutzer bekommt über das Bibliotheksportal Zugriff auf das digitale Programm der UTB. Der Test geht mit einem völlig neuen Reader online. Dieser von juni.com eigens dafür entwickelte Reader bietet eine hochwertige Darstellung der Titel mit verschiedenen Ansichtsoptionen und stufenloser Zoomfunktion. Über die komfortable Suche (nach verschiedenen Kriterien und Volltextsuche) kann der Nutzer schnell recherchieren und arbeiten. Der Nutzer kann direkt über das Inhaltsverzeichnis im Buch navigieren. Ab Ende April stehen dem Bibliotheksnutzer Zusatzfunktionen wie Kopierrecht, das Hinzufügen von Lesezeichen und Notizen und das Verwalten des „eigenen Bücherregals“ zur Verfügung. Die volle Nutzung aller Funktionalitäten erfordert aus technischen Gründen die Registrierung des Nutzers. Nur so ist das individuelle Anlegen von Lesezeichen und das Hinzufügen von Notizen möglich.

    Eine letzte Anmerkung zu den Kosten:
    Die Basis für die Berechnung sind die Zugriffszahlen während der sechsmonatigen kostenlosen Testphase. Diese Zugriffszahlen werden für die ersten 12 Monate nach der Testphase hochgerechnet. Das bedeutet, dass für die Bibliothek vorab feststeht, welche jährlichen Kosten auf sie zukommen. Überraschungen sind völlig ausgeschlossen und die Etatsicherheit ist gewährt. Nach der Testphase obliegt die Titelauswahl der Bibliothek.

  • katja splichal

    katja splichal

    Da beide bzw. alle vier Parteien doch ob Ihrer aus manchen Beiträgen sprechenden überbordenden Bildung wissen müssen, dass längst zuviel persönliche Verletztheit und Vertrauensverbrauch inneliegen, ist doch jede "Diskussion" ausgeschlossen, jedes Verharren in der Argumentation müßig. Bereiten sich nicht alle lieber in der vielen schönen freigewordenen Zeit auf Ihre Gerichtstermine vor? Z.B. hiermit:

    http://www.dfn.de/rechtimdfn/empfehlungen/handlung sempfehlungen/bibliotheken/

    Ich vermute meinerseits, dass eine Zeit kommen wird, in der [weil Verlage es nicht tun] Fremdanbieter die für Autoren lukrativieren Aufarbeitungs- und Bereitstellungsmechanismen zur Verfügung stellen werden - Amazon macht das schon ganz gut mit seinem 35%-Beteiligung-Angebot für Exklusivrechte am verlag vorbei. Die Folge voranschreitender Methodik innerhalb des Digitalisierungsprozesses ist also nicht das Ausbleiben neuer Inhalte nach dem tragischen "Frühjahr 2009" sondern ein auf der Strecke bleiben für Verlage und Verleger, die nicht ihrerseits ein diesbezügliches Angebot verwirklichen können. Das ist schade für die Vielfalt auf der Messe [stellen Sie sich Frankfurt vor - eine Halle, sechs großflächige Austeller und ein Büdchen mit Keksen], aber eine logische Konsequenz fehlender Anpassung an Marktgegebenheiten.

  • Helmut von Berg

    Helmut von Berg

    Wenn der David Screen Dump auf den Goliath Urheber-Rechthaber trifft, ist der Ausgang ja nicht offen.
    Wie der Verlauf der Kommentare zeigt, scheint das Gesprächspotential keineswegs ausgeschöpft. Weiterführende, tragende Argumente gibt es auf mehreren Seiten. Was jetzt gerichtlich herbeigeführt wird, macht den betrüblichen Eindruck, dass ein juristischer Sieg angestrebt wird, der als Firewall zur Abwehr von was auch immer gänzlich untauglich ist.
    Vielleicht sollte man versuchen, über der Betrachtung der Bäume verschiedenster Geschäftsinteressen, den Wald einer nicht aufzuhaltenden, bahnbrechenden Technologie ins Auge zu fassen, um mit dem Wald umgehen und akzeptieren zu lernen, dass auch andere Bäume Wälder bilden. Die bestimmen das Bild der Landschaft mehr als einzelne Bäume. Die laufen zudem Gefahr, schon von sanften Böen entwurzelt zu werden.
    Wie wir von Wikipedia und anderen Enzyklopädien lernen können.

  • B.-C. Kämper

    B.-C. Kämper

    Betr.: Registrierung und Authentifizierung: Wird Juni.com diesbezüglich den Internet2-Standard Shibboleth unterstützen? vgl. http://aar.vascoda.de/ und die Liste der bereits beigetretenen Service-Provider unter https://www.aai.dfn.de/verzeichnis/service-provide r/

    Benutzer sollten nicht gezwungen sein, sich mit personenbezogenen Daten bei Ihnen zu registrieren, um die personalisierten Funktionen nutzen zu können, obwohl diese Daten für die Erbringung des Dienstes nicht notwendig wären. So etwas mögen Datenschützer überhaupt nicht.

  • Susanne Ziegler, UTB GmbH

    Susanne Ziegler, UTB GmbH

    Unser System wird Shibboleth-kompatibel gemacht. Hierüber haben wir alle am Test beteiligten Bibliotheken und Vertriebspartner informiert.

  • Bernhard A. Greiner

    Bernhard A. Greiner

    Was Herr Ulmer hier zusammenfassend und überzeichnend darstellt ist ein riesiges Problem.
    Wir brauchen die Volltext-Suche, das ist die ideale Anwendung eines Computers,
    aber wenn dadurch der Buchverkauf zusammenbricht, dann wird sich kein Verlag mehr finden, der in das Verlegen von Büchern investiert.
    "Volltextsuche ja - kostenlose Abgabe nein"

    Wenn jetzt von Bibliotheken digitale Daten kostenlos abgegeben werden, dann zerstört es das Vertrauen der Verlage digitale Angebote (z.B. zur Nutzung im Intranet) bereitzustellen.

    Lieber Herr Ulmer, Ihr Artikel trifft die Sache im Kern, sonst wäre der Aufschrei nicht so groß. "Stilistisch hervorragend, zutreffend in der Analyse unf scharf in der Argumentation", wie Herr Spenker schreibt.
    Bleiben Sie am Ball, auch wenn es jetzt sehr stürmisch wird. (Manche Soße muß erst einmal aufkochen, ehe sie gut quellen kann.)

    Ich wünsche mir, daß alle Beteiligten zu einem sachlichen und zielführendem Gespräch zurückfinden.

  • krämer

    krämer

    ad 1:

    (Bei den Preisen für Fachbücher ist es kein Wunder, dass es schon zu meiner Zeit hieß: "Gut kopiert ist halb studiert" )

    Nein, das ist Quatsch. Fachbücher müssen ihren Preis haben. Auch der Zugang zu Wissen muß etwas kosten. Die Umsonst-Mentalität, und ihre Förderung durch das Internet, führt letztlich
    dazu, daß niedergelegtes Wissen, verachtet wird, außer es wird durch eine Hitparade gepusht. Aber das veröffentlichte Werk gilt nichts mehr als solches, weil alles umsonst ist. "Veröffentlichung" der Arbeiten von Autoren ist kein Qualitätsmerkmal mehr, daneben steht das Manuskript, das über die Homepage abrufbar ist, und Gleichrang bekommt. Das Fotokopieren hatte dem "Veröffentlicht"-Chrarakter der Bücher nicht geschadet, auch, weil Fotokopie machen eine lästige Sache ist, und die Fotokopie, auch falls sie preiswerter war, aufgrund der Sperrigkeit nicht dazu führen konnte, das gedruckte Buch zu verdrängen.
    Die Preise sollen und müssen hoch bleiben, und Ausdruck des Wertes des Buchinhaltes sein.

    ad 9:
    (Die einzelnen Bändchen in der Unibibliothek waren entweder ununterbrochen ausgeliehen, verloren gegangen oder geklaut worden. Alternativen in anderen Bibliotheken zu lokalisieren und zu beschaffen hat des öfteren Wochen gedauert. An der Uni muss heute dank B.A. und M.A. alles schnell gehen, da hat man für solch eine Recherche, um überhaupt mit dem Lernen anfangen zu können keine Zeit.)

    Es muß alles schnell gehen, auf Kosten der Qualität. Paste&Copy. Keine Zeit, keine Zeit. Aber woher kommt der Zwang dazu, die Schnelllebigkeit, und die kurze Halbwertzeit OBERFLÄCHLICHEN Wissen, durch weitere Paste&Copy-Arbeiten, Zusammenschustereien, ohne auch nur einem einzigen echten EIGENEN Gedanken, DESWEGEN muß es schnellen. Ehemals war für eigentliches Lernen Muße die Voraussetzung, und dabei konnte auch dazugehören, das Aufsuchen einer Bibliothek in einer anderen Stadt, und dort ein Exzerpt aus einem Präsenzexemplar anfertigen. Dabei gab es was zu lernen, was es mit paste&copy nicht mehr gibt.


    ad 32:
    (Wir brauchen die Volltext-Suche, das ist die ideale Anwendung eines Computers,
    aber wenn dadurch der Buchverkauf zusammenbricht, dann wird sich kein Verlag mehr finden, der in das Verlegen von Büchern investiert.)

    Nein, wir brauchen keine Volltext-Suche. Die Volltext-Suche führt dahin, die Werke nicht mehr gründlich zu studieren, sondern nur noch Zitate abzapfen. Rein kloppen in das eigene Opus, zusammenschustern, und auch da inzwischen alles per Computer automatisch gehändelt, und die Veröffentlichung ist dann auch digital, und bald ohne großen Aufwand, das kostet alles nicht mehr viel, weder Verlage noch Buchhandlungen braucht es noch, da ist die Schwelle für eine Veröffentlichung (kann man noch von Veröfflichung sprechen: Nein), sehr niedrig, jeder Hanswurst stellt sein Werk in die Welt, aus dem dann wieder paste&copy gemacht wird, und was haben wir davon?
    Die Selektion, die nicht mehr von den Verlagen durchgeführt werden kann, und auch nicht mehr über den Preis geregelt wird, denn alles ist umsonst, wie kann die funktionieren, wie diese eigentlichen Werke, deren Schaffung jahrzehnte lange künstlerischer oder wissenschaftlicher Bemühung erforderte, von dem paste&copy-Digit-Müll, unterscheiden? Mit google? Keine Nennung bei google, soweit ist es heute schon,= nicht beachtenswert.

  • B.-C. Kämper

    B.-C. Kämper

    ad 15: Sehr geehrter Herr Dr. Sprang,

    unter http://elib.lhb.tu-darmstadt.de/ulb/ls.htm?sid=hxw mfxxaso&mainfolder=Serv heißt es

    "PC-Arbeitsplätze
    Im Lesesaal stehen Ihnen mehrere PCs für die Recherche im Internet, in elektronischen Zeitschriften und in den von der ULB lizenzierten Datenbanken zur Verfügung. Der Zugang ist nur mit gültigem Bibliotheksausweis möglich."

    Der Zugriff auf die Laptop-Arbeitsplätze und das WLAN ist nur über VPN möglich.

    Das ist bei uns in Stuttgart ganz genauso. Es trifft also nicht zu, dass nicht geprüft wird, wer Zugang zum Lesesaal bekommt. Die elektronischen Ressourcen werden also nur registrierten Walk-in Usern (d.h. solchen mit Bibliotheksausweis, die aber nicht Mitglied der Institution, also hier der Universität sein müssen) zugänglich gemacht, so wie es schon seit 1998 in der ECUP-Matrix für die Benutzer von Universitäts-, National- und anderen öffentliche Bibliotheken vorgesehen ist.

    Dann hätte ich noch eine Frage zu dem Ausschluß der Kopiermöglichkeit bei dem UTB studi e-book Angebot: Da das komplette Verlagsangebot in einer Datenbank bereitgestellt wird, bei der auf einzelne Elemente wahlfreier Zugriff besteht, wie ist das mit §87e UrhG zu vereinbaren?

    Mit besten Grüßen,
    B.-C. Kämper, UB Stuttgart

  • B.-C. Kämper

    B.-C. Kämper

    ad 33. Gegen ihren Kulturpessimismus und ihre Ansicht, das Zugang zu Wissen etwas kosten muss, um Wertschätzung zu erfahren, verteidigen wir die wissenschaftliche Allmende und halten wir es lieber mit Friedrich Schiller: "Kein gerechterer Beurteiler fremden Verdiensts als der philosophische Kopf. Scharfsichtig und erfinderisch genug, um jede Tätigkeit zu nutzen, ist er auch billig genug, den Urheber auch der kleinsten zu ehren. Für ihn arbeiten alle Köpfe – alle Köpfe arbeiten gegen den Brotgelehrten. Jener weiß alles, was um ihn geschiehet und gedacht wird, in sein Eigentum zu verwandeln – zwischen denkenden Köpfen gilt eine innige Gemeinschaft aller Güter des Geistes; was einer im Reiche der Wahrheit erwirbt, hat er allen erworben – Der Brotgelehrte verzäunet sich gegen alle seine Nachbarn, denen er neidisch Licht und Sonne mißgönnt, und bewacht mit Sorge die baufällige Schranke, die ihn nur schwach gegen die siegende Vernunft verteidigt." ("Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?", Jenaer Antrittsrede 1789)

  • krämer

    krämer

    Der Zugang zu Wissen muß etwas kosten, der Weg muß beschwerlich sein, es gibt Wissen, Erkenntnis, Weisheit nicht umsonst, und wenn Sie schon die Kritik am Brotgelehrten herbeiholen: will nicht dieser gerade umsonst lernen? Die Verachtung der damaligen Künstler und Gelehrten, für die Brotstudenten, die ausgebildet wurden für die Staatsdienste, die kann man nur verstehen aus einer Situation damals, wo die Künstler und Forscher, brotlos waren, oder von Mäzenen gestützt wurden, Hauslehrerstellen hatten etc, oder bettelten.
    Und wenns einen Schiller heute geben könnte, würden wirklich all die Copy&Paster ihm zuarbeiten, oder nicht ihm die Arbeit erschweren: Das ist genau die Aussage: Die Mega-Flut an Wissens-Müll ist Beschwernis, es braucht da neue Genies des Fischens. Wo sind die Perlen. Mag sein, es gibt sie, aber wo sind sie?
    Aber wenn die Selektion durch Verlage, Buchhandlung und Preis ausgehebelt wird, dann wird es eine ganz andere Art von Selektion geben, also Google und Konsorten, cited by Hitliste etc., äußerst bedenkliche Entwicklungen, insbesondere wegen des fatalen Tempos der Produktion, das alles führt nicht nur zum Untergang des engagierten Schriftstellertums, seriöser Verlage, und des beratenden Buchhandels, sondern, ich bin kein Kulturpessimist, zu einer anderen Kultur, es wird nicht mehr die Kultur des Buches sein, sondern die des Computers.

  • Dr Klaus Graf

    Dr Klaus Graf

    @krämer

    Haun Sie doch in eine Einsiedelei oder Eremitage mit einem Haufen guter Bücher ab und lassen sie diejenigen, die aus wissenschaftlichen Gründen eine Volltextsuche dringend benötigen, zufrieden. Niemand zwingt Sie, irgendwelchen neumodischen Kram auszuprobieren oder Ihren Senf zu Dingen zu geben, die Sie nicht verstehen.

    @Kämper

    § 87e würde mich auch interessieren.

  • André Duve

    André Duve

    @Hr. Dr. Graf

    Alleine Ihre Kommentare rechtfertigen das Aktualisieren dieser Seite, Danke dafür...

    @ krämer

    Das, was Sie fordern ist eine 2-Klassen-Bildung. Die, die es sich leisten können und die, die es zwar leisten KÖNNTEN, aber sich nicht leisten können.

    Verdammt traurig, dass es in der heutigen Zeit noch so viel Verblendete gibt, die den eigentlichen Nutzen nicht sehen können. Wie war das noch? Wenn zwei Menschen je einen Apfel tauschen, hat jeder der beiden einen Apfel, wenn beide eine Idee tauschen, hat jeder zwei Ideen....

  • B.-C. Kämper

    B.-C. Kämper

    @27 Susanne Ziegler, UTB
    Sehr geehrte Frau Ziegler,
    die neue Oberfläche sieht schon mal sehr viel besser als Libreka aus, das stimmt. Dem Software-Entwickler könnten Sie vielleicht noch den Tipp geben, dass eine Suche für deutschsprachige Lehrbücher auch deutsche Umlaute können sollte.

  • Markus Groß

    Markus Groß

    Was zu tun ist, ist eindeutig. Die entsprechenden Bibliotheken müssen gerichtlich gezwungen werden, sich ans Recht zu halten. Eine zusätzliche Strafanzeige wegen Diebstahl etc. gegen die direkt Beteiligten sollte geprüft werden. Hier hilft nur die große Kanone.

    Klar .. als Student findet man Buchpreise immer zu hoch, das Angebot in der Bibliothek zu gering, der Kaffee ist dort auch nicht kostenlos, auch bei Aldi müßte man kostenlos einkaufen können, um den Bildungsstandort Deutschland zu stärken, und warum es Vermietern weiterhin erlaubt sein soll Miete zu verlangen ist auch nicht verständlich.

    Ja, es wird neue Vertriebswege geben. Es muß nachgedacht werden mit welcher Ausstattung und zu welchem Preis (Fach-)Bücher digital angeboten werden können usw. Einiges aber ist unabdingbar: Die Autoren müssen bezahlt werden, sonst wird nämlich der gleiche Student, der sich jetzt über die angeblich altmodischen, doch tatsächlich Geld verlangenden Verlage aufregt, sich später, sollte er dann Professor geworden sein, weigern, seine Forschungsergebnisse umsonst herzugeben. Das wäre dann die eine Folge: Verweigerung der Autoren. Die Verlage (seien es herkömmliche Verlage die diese altmodischen Dinger – also: Bücher – bereitstellen oder seien es neue Verlage, die ihre Arbeit nur noch digital über das Internet erledigen (amazonisierte Verlage) oder seien es Mischformen) müssen mit ihren Produkten Geld verdienen können. Und der Buchhandel, der bereithält, berät, sichtet, verkauft etc .. muß auch leben. Das bedeutet: Es mag Veränderungen im Detail geben, es kann keine Veränderungen hinsichtlich der Rechte geben. Diese müssen beim Autor bzw. Verlag liegen und dürfen nur gegen entsprechendes Entgelt vom Verbraucher genutzt werden. Wer wann wie wieviel zahlt, daß kann sich ändern, gezahlt werden muß.

    Das die Bibliotheken nicht ausreichend Mittel zur Verfügung haben, um genügend aktuelle Fachbücher vorrätig zu haben, kann nicht zu Lasten der Verlage gehen. Wenn die Politik das schnell-schnell an den Unis einführt, kann sie die entstehenden Kosten nicht dadurch den verlagen auferlegen, indem sie die Bibliotheken dazu zwingt geistiges Eigentum zu stehlen bzw. dazu Beihilfe zu leisten. Das diese sich dazu hergeben, als moderne Wegelagerer die Verlage und Autoren zu schädigen, steht auf einem anderen Blatt. Die Verbitterung von Matthias Ulmer auch hinsichtlich ganz konkreter Personen, kann ich gut nachvollziehen.

    Die Einlassungen, die TU Darmstadt untersage doch, komplette Bücher herunterzuladen und weiterzugeben ist scheinheilig und unglaubwürdig. Aktive Beihilfe zu strafbaren Handlungen, Begünstigung von massenhaftem Diebstahl. Für mich ist das kriminell. Daher sollte meiner Ansicht nach nicht nur zivilrechtlich vorgegangen werden.

    @19 Daß manche Kommentatoren, wie Herr Duve, schreiben als wären sie nicht von dieser Welt muß ich wohl hinnehmen, erträglich ist es kaum. Der Vorwurf, Verleger wollten nur das Eine: Geld und würden sich, um das zu bekommen sogar an den armen Studierenden vergreifen ist derartig abwegig, daß ich nur vermuten kann, daß Herr Duve – von Licht, Luft und Liebe? Lebend, seine Tage verbringt.

    Wir sind ein winzig kleiner Verlag und dabei, unsere allerersten wissenschaftlichen Publikatonen vorzubereiten. Bestehlen lassen werden wir uns nicht, jedenfalls nicht ohne uns zu wehren.

    M.G.

  • B.-C. Kaemper

    B.-C. Kaemper

    Sehr geehrter Herr Groß,

    Sie ignorieren, was ich oben in 34. Herrn Sprang erwidert habe.

    "Die Einlassungen, die TU Darmstadt untersage doch, komplette Bücher herunterzuladen und weiterzugeben ist scheinheilig und unglaubwürdig. Aktive Beihilfe zu strafbaren Handlungen, Begünstigung von massenhaftem Diebstahl. Für mich ist das kriminell. Daher sollte meiner Ansicht nach nicht nur zivilrechtlich vorgegangen werden."

    M.E. erfüllt das, was Sie hier von sich geben, den Tatbestand der üblen Nachrede nach $186 StGB.

  • krämer

    krämer

    ad 38:
    (Das, was Sie fordern ist eine 2-Klassen-Bildung. Die, die es sich leisten können und die, die es zwar leisten KÖNNTEN, aber sich nicht leisten können.)

    Also da muß ich doch wiedersprechen. Niemand soll von Bildungsmöglichkeiten ausgeschlossen werden, aufgrund seiner finanziellen Möglichkeiten, das ist sicher eine Art Grundrecht.

    Aber wie dies angemessen zu verwirklichen ist, da gehen die Meinungen auseinander.

    Wie ist es zum Beispiel möglich, daß angeblich arme Studenten, die umsonst ausleihen dürfen müssen, häufig zu spät abgeben und satte Straßgebühren zahlen. Und wo diese Strafgebühren vermieden werden, da verhalten sich Studenten nicht so, daß sie eilig das Buch zurückbringen, weil die Mitstudenten schon warten, nein, NUR die Androhung von Gebühren führt dazu, daß das Ausleihwesen überhaupt funktioniert.

    Was lernen wir daraus: Diese Art von Steuerung über Kosten ist nicht ganz falsch, und wird überall dort, wo andere Mechanismen nicht funktionieren, notgedrungen angewendet.

    Der durchschnittliche Ausleiher der Bücher einer Unibibliothek, was macht der: Er leiht 10, 20, 30 Bücher aus, die zu Hause rumliegen, und von denen KEIN EINZIGES wirklich gründlich durchgearbeitet wird, bißchen drin rum blättern, und das wars. Alle anderen warten, daß die Bücher zurückkommen.

    "Bildung muß umsonst sein", ein letztes Relikt der gescheiterten Bildungsreform, Bildung soll umsonst sein, damit potentielle Genies, die keinen Pfennig in der Tasche haben, nicht unterdrückt werden, diese Einstellung ist dringendst zu überarbeiten. Die Umsonst-Ausleihe von Büchern aus Bibliotheken muß revidiert werden, weil sie zu nicht tragbaren Kosten führt.

    Für diejenigen, die ein schmales Portemonaie haben, gibt es bisher schon die Möglichkeit, sich die Strafgebühren erstatten zu lassen. Aber wieviele sind es, die davon Gebrauch machen, oder die Strafgebühren vermeiden, weil sie das Geld für anderes brauchen: 0%.

    Weils umsonst ist, führt das zu einem laxen Umgang mit den ausgeliehenen Büchern.
    Ist denn 1 EUR pro Woche Ausleihe zuviel. NEIN, ist nicht zuviel, wenn das Buch dann auch gelesen wird, und nicht nur auf dem Schreibtisch rumliegt.

    Im den letzten Jahrzehnten wurde so eine Umsonst-Nehmer-Mentalität gezüchtet, die sich überhaupt nicht darum kümmert, welche Folgen das eigene Verhalten für andere hat. Und so ist es dann auch mit den Digital-Kopien, natürlich müssen diese umsonst sein, wie bisher alles schon umsonst war.

    Es ist wohl nicht mal der volle Wert, der gegeben werden muß, meistens genügen Schutzgebühren, um allzu saloppen Umgang, unnötigen Konsum von öffentlichem Gut, oder uneffektive Nutzung von Gütern, die von Mitmenschen unter Kosten bereitgestellt werden, zu unterbinden.

  • Markus Groß

    Markus Groß

    @42 Sehr geehrter Herr Kaemper
    Ich zitiere von den Seiten der ULB Darmstadt:
    "Bitte beachten Sie, dass es grundsätzlich untersagt ist, systematisch komplette eBooks bzw. große Teile davon herunterzuladen oder auszudrucken. Einzelne Seiten oder Kapitel können zum persönlichen Gebrauch sowie zu Forschungszwecken abgespeichert oder ausgedruckt werden. eBooks dürfen weder elektronisch noch ausgedruckt an Dritte weitergegeben werden." http://ebooks.ulb.tu-darmstadt.de/

    M.E. ist das Verhalten der Bibliothek klar rechstwidrig. Sie stellen Bücher so zur Verfügung, dass sie offenbar ohne Probleme (lt Ulmer) komplett auf USB heruntergeladen werden können.
    Außer einem lapidaren Hinweis: nix ...

    Wenn der Hausmeister von Lidl den armen Studenten die Tür öffnet, aber ein Schild hinstellt: "Nix wegnehmen" ... wie wäre das Verhalten des Hausmeisters denn dann zu bewerten, wenn die armen Studenten das doch täten ? Ich bin kein Jurist aber nach meiner Meinung wäre das Beihilfe und Begünstigung.

    Was Ihr Hinweis auf @34 soll verstehe ich nicht - ob ein Bibliotheksausweisträger oder-nichtträger herunterlädt ist zunächst mal kein Unterschied

    M.G.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Sehr geehrter Herr Kämper,

    es ist eins, was die ULB Darmstadt auf ihrer Webseite schreibt, etwas anderes aber, was in der Praxis umgesetzt wird. Ich würde das doch nicht schreiben, wenn wir es nicht getestet hätten. Eine Kontrolle fand nicht statt, der Zugang war ohne Ausweis möglich, der Download entsprechend für jedermann offen.

  • B.-C. Kämper

    B.-C. Kämper

    Sehr geehrter Herr Ulmer,

    Sie sollten nicht aus Ihrem eigenen mangelnden Rechtsbewußtsein auf das anderer schließen. Wenn Sie den ausdrücklichen Hinweis der Bibliothek mißachtet haben, wonach das komplette Herunterladen von e-books untersagt ist, dann haben Sie doch das Recht verletzt und nicht die Bibliothek. Ich halte das für skandalös, wenn ausgerechnet ein Verleger, der es besser wissen sollte, einer solchen Freibiermentalität folgt und sich damit herausredet, dass er ja nicht daran gehindert worden sei.

    Machen Sie oder Ihr Kollege Markus Groß das genauso, wenn Sie in einen Copyshop gehen? Ganze Bücher kopieren, trotz des dicken Hinweises am Kopierer und sich hinterher beschweren, dass es niemand gemerkt und Sie daran gehindert hat? Oder im Sommer im trockenen Wald zündeln und sich beschweren, dass da zwar ein Warnschild war, sie aber niemand an der Brandstiftung gehindert hat?

    Ich erinnere in diesem Zusammenhang an BGH 09.06.1983 I ZR 70/81 "Kopierläden". " Wer einen Kopierladen betreibt, in welchem er Dritten seine Fotokopiergeräte zum Ablichten zur Verfügung stellt, ist verpflichtet, geeignete Maßnahmen zu treffen, durch die die Gefahr eines unberechtigten Vervielfältigens urheberrechtlich geschützter Vorlagen ausgeschlossen oder doch ernsthaft gemindert werden kann; zumutbar und im Einzelfall geeignet kann ein im Ladenlokal deutlich sichtbarer Hinweis auf die Verpflichtung der Kunden zur Beachtung fremder Urheberrechte sein.

    Eine generelle Kontrollpflicht - mit Einsicht in gegebenenfalls vertrauliche Unterlagen - kann jedoch dem Unternehmer im allgemeinen nicht zugemutet werden."

    Vgl. hierzu auch Steinhauer,
    http://www.bibliotheksrecht.de/2009/04/02/drei-fra gen-52b-urhg-5877936/

    der klarstellt: "Am elektronischen Leseplatz öffentlich zugänglich gemachte Werke können als Vorlage für Kopien von Nutzern verwendet werden. Inwieweit Kopien zulässig sind, bestimmt § 53 UrhG. Die Zulässigkeit ist aus der Sicht des Nutzers zu beurteilen. Für den eigenen wissenschaftlichen Gebrauch sind Vervielfältigungen zulässig. Digitale Kopien auf einen USB-Stick sind hier ebenso wenig verboten wie Ausdrucke."

    Ein digitales Kopieren ganzer Bücher ist natürlich genauso verboten wie das analoge Kopieren bisher schon.

    Um die Haftung derjenigen, die nicht selbst die Rechtsverletzung begangen haben, nicht über Gebühr auszudehnen, wird die Störerhaftung Dritter nach § 97 Abs. 1 durch Zumutbarkeitserwägungen eingegrenzt; Art und Umfang der gebotenen Kontrollmaßnahmen bestimmen sich nach Treu und Glauben, das BGH-Urteil zu Kopierläden ist da einschlägig.

    Steinhauer zitiert in diesem Zusammenhang auch Harder, Digitale Universitätsbibliotheken aus urheberrechtlicher Sicht, Marburg 2007, S. 149: "Bibliotheken sind keine Überwachungsgaranten des Urheberrechts. Letztlich ist es vorrangig die Sache des Nutzers, die Urheberrechte zu wahren. Die Pflicht der Bibliotheken wird man dahingehend begrenzen müssen, dass diese mittels eines Warnhinweises auf die Einhaltung der Urheberrechte aufmerksam machen."

    Die Urheber sind dabei über Geräteabgabe, Betreiberabgabe und die Vergütung für die Zugänglichmachung nach 52b beteiligt.

  • B.-C. Kämper

    B.-C. Kämper

    Sehr geehrter Herr Groß,
    Sie fragten: "Was Ihr Hinweis auf @34 soll verstehe ich nicht - ob ein Bibliotheksausweisträger oder-nichtträger herunterlädt ist zunächst mal kein Unterschied."

    Antwort: Sobald in deutschen Universitätsbibliotheken die Authentifizierung über Shibboleth, vgl. http://aar.vascoda.de/ flächendeckend eingeführt ist (in Baden-Württemberg wird das bis Ende des Jahres der Fall sein), ist eine einfache IP-basierte Zugangskontrolle passé. Dann lässt sich, sollte ein begründeter Verdacht auf Missbrauch bestehen, dieser zum Nutzer zurückverfolgen (jedenfalls innerhalb der aus Datenschutzgründen begrenzten Frist, über die die logfile-Daten aufgehoben werden dürfen, typischerweise eine Woche. Auch das ist eine Maßnahme, um die Hemmschwelle zu erhöhen, ganze Bücher herunterzuladen, sofern diese urheberrechtlich geschützt sind, ohne zulässige Vervielfältigungshandlungen für Nutzer, welche durch die Schranken des UrhG privilegiert sind, ungebührlich zu beeinträchtigen.

  • Markus Gross

    Markus Gross

    Sehr geehrter Herr Kämper,

    "Ich erinnere in diesem Zusammenhang an BGH 09.06.1983 I ZR 70/81 "Kopierläden". " Wer einen Kopierladen betreibt, in welchem er Dritten seine Fotokopiergeräte zum Ablichten zur Verfügung stellt, ist verpflichtet, geeignete Maßnahmen zu treffen, durch die die Gefahr eines unberechtigten Vervielfältigens urheberrechtlich geschützter Vorlagen ausgeschlossen oder doch ernsthaft gemindert werden kann"

    Sie wollen doch nicht im Ernst ein mehr als 25 Jahre altes Urteil, das einen (vor allem technisch) völlig anderen Zusammenhang betrifft hier zu Ihrer Rechtfertigung hernaziehen? Und wenn, dann haben Sie das Urteil offensichtlich nicht ganz gelesen. Muss ich leider ein wenig zitieren:

    'Beim Zurverfügungstellen eines Fotokopiergerätes, das neben einer rechtmäßigen Benutzung auch zu Eingriffen in die Rechte Dritter benutzt werden kann,
    kommt es maßgebend darauf an, ob nach objektiver Betrachtung der rechtsverletzende Gebrauch nicht außerhalb aller Wahrscheinlichkeit liegt und ob dem Geräteinhaber eine Haftung billigerweise zugemutet werden kann: wobei der Umstand, daß die unmittelbare
    Rechtsverletzung von einem selbständig handelnden Dritten vorgenommen und der
    Geräteinhaber nur mittelbar Störer ist, den Ursachenzusammenhang nicht ausschließt (vgl.
    BGHZ 42, 118, 124).
    Im Streitfall ist nach den vom Berufungsgericht getroffenen Feststellungen davon auszugehen,
    daß ein ursächlicher Zusammenhang in dem dargelegten Sinne besteht. Der vorliegende
    Sachverhalt zeigt, daß die Fotokopiergeräte der Beklagten auch von Studenten benutzt werden,
    die in das Vervielfältigungsrecht der Klägerin eingreifen; und zwar in einer - wie das
    Berufungsgericht in anderem Zusammenhang rechtsfehlerfrei und auch von der Revision
    unbeanstandet angenommen hat - nicht mehr durch §§ 53, 54 UrhG gedeckten Weise. Die Gefahr
    einer Urheberrechtsverletzung ist hier vor allem auch deshalb nicht auszuschließen, weil das
    eigene Kopieren durch Dritte ohne Aufsicht und ohne jede Kontrolle möglich ist, mag es auch in
    der Öffentlichkeit erfolgen.'

    Das ist zunächst mal ein Punkt für die Verlegerseite.
    Nun kommt im Fall der Unibibliothek etwas zusätzliches und völlig anderes ins Spiel, was beom Kopigeschäft nicht der Fall ist und was demnach das damalige Urteil gar nicht abgdeckt: Die UB STELLT NICHT NUR EINE KOPIERMÖGLICHKEIT ZUR VERFÜGUNG SONDERN LIEFERT DIE BÜCHER GLEICH MIT DAZU.

    Zitat Urteil 'Die Beklagten haben danach durch das Zurverfügungstellen ihrer Fotokopiergeräte Dritten die Möglichkeit zur mühelosen Vervielfältigung urheberrechtlich geschützter Werke verschafft und
    damit die ernsthafte Gefahr einer Verletzung des Vervielfältigungsrechts der Klägerin durch Dritte
    in zurechenbarer Weise mit verursacht.

    b) Daraus folgt die Verpflichtung der Beklagten, Maßnahmen zu treffen, durch die eine
    Gefährdung der Rechte der Klägerin ausgeschlossen oder doch ernsthaft gemindert
    werden kann (vgl. BGHZ 42, 118, 127).'

    Wie gesagt ZUSÄTZLICH zur Kopiermöglichket stellt die UB noch die (rechtlich geschützten) Bücher zur Verfügung.

    Urteil 'Das bedeutet, daß die Beklagten als Geräteaufsteller im Rahmen des Zumutbaren und
    Erforderlichen verpflichtet sind, geeignete Vorkehrungen zu treffen, durch die die
    Rechtsverletzungen soweit wie möglich verhindert werden können'

    Das musste das Gericht prüfen. Dies muss auch beim Vorgehen der UB Darmstadt geprüft werden. Im Kopishop Fall kam das Gericht zu dem Schluß, dass es zu weit ginge, dem Kopieshop das Fotokopieren durch Dritte zu verbieten. Urteilsbegründung: 'Ein so
    weitgehender Unterlassungsanspruch kann aber schon deshalb nicht anerkannt werden, weil ein
    großer Teil der Kunden der Beklagten die Fotokopiergeräte für Zwecke verwendet, durch die die Vervielfältigungsrechte der Klägerin nicht berührt werden.'
    Logisch, man kopiert seinen Paß, seine Heiratsurkunde, Bewerbungen etc etc .. das stimmt so aber bei der UB nicht.

    Urteil ' Als weitere Maßnahme, Rechtsverletzungen der Klägerin auszuschließen, könnte eine generelle
    Kontrolle des Fotokopierguts zu Beginn und während des Fotokopiervorgangs in Betracht
    kommen. Mit Recht hat jedoch das Berufungsgericht ausgeführt, daß eine solche generelle
    Kontrollpflicht im allgemeinen durchgreifenden Bedenken begegnet. Es weist darauf hin, daß die
    Fotokopiergeräte der Beklagten auch zur Vervielfältigung privater Aufzeichnungen, Urkunden und dergleichen benutzt werden, deren Inhalt vielfach vertraulich und nicht zur Kenntnisnahme durch dritte Personen bestimmt ist'

    Das trifft im UB Fall nicht zu. Schutzwürdige Belange sind nicht erkennbar, hier wird geforscht und nicht Tagebuch geführt. Die KONTROLLPFLICHT trifft die UB voll. Hier versagt sie gleichzeitig VÖLLIG, weil sie gleichzeitig die Bücher zur Verfügung stellt und eben KEINE Maßnahmen ergreift, die zu schützenden Belange der Verlage zu berücksichtigen. (und so naiv können selbst Sie nicht sein, HerrKämper um nicht zu wissen, dass Mißbrauch im hohen Maße passierren wird)

    Urteil: 'Das Berufungsgericht führt auch zutreffend
    an, daß derartige Kontrollmaßnahmen die Kunden leicht veranlassen könnten, auf die Leistungen
    der Beklagten zu verzichten und auf andere Kopiermöglichkeiten auszuweichen. Damit würden die Beklagten auch Kunden verlieren, die in keiner Weise in die Rechte der Klägerin eingreifen. Darin
    würde eine durch das Schutzbedürfnis der Klägerin nicht gerechtfertigte Beeinträchtigung der
    gewerblichen Tätigkeit der Beklagten liegen.'

    Natürlich musste das Gericht in betracht ziehen, dass der Kopieshop ein Gewerbe ist, das legal ist und in Konkurrenz steht. Trifft auf die UB so nun überhaupt nicht zu. Der Kopieshop musste geschützt werden, die UB in der Hinsicht nicht.

    Zudem: Ein 200 SDeiten Buch komplett zu kopieren,
    fällt auf und dauert seine Zeit. Das gleiche buch an einem PC auf einen Stick zu ziehen dauert nicht lange und fällt nicht auf. Eine KOntrolle findet nicht statt (warum eigentlich VERSUCHT die UB nicht einmal zu verhindern - durch technische Maßnahmen zB dass Verlage geschädigt werden?
    Da liegt der eigentliche Vertrauensbruch. Der UB sind die Rechte der Verleger offensichtlich sch...egal .. daher auch die berechtigte Aufregung.)

    Die Überwachung des Kopieshop Kunden hielt das Gericht damals für zu aufwendig und damit unzumutbar. Niemand zwingt die UB dazu, die Bücher selbst in dieser Form schutzlos zum Diebstahl zur Verfügung zu stellen. Sie könnte das von Anfang an verhindern.

    Als Nicht-Jurist habe ich versucht mich noch etwas kundiger zu machen. Die 'Beihilfe' von der ich schrieb, kann ich nicht aufrecht erhalten. Sie bedeutet juristisch etwas anderes als das 'steigbügelhalten' das ich darunter verstand. Aber Beihilfe:

    § 27 StGB
    Beihilfe(1) Als Gehilfe wird bestraft, wer vorsätzlich einem anderen zu dessen vorsätzlich begangener rechtswidriger Tat Hilfe geleistet hat.

    Dies kann in unterschiedlicher Form geschehen, z. B. durch aktive Hilfeleistung (physische Beihilfe) oder durch motivierendes Bestärken (psychische Beihilfe). Es muss in jedem Fall eine fremde, rechtswidrige Haupttat vorliegen, welche von dem Gehilfen unterstützt wird. Welches Verhalten für dieses „Unterstützen“ als ausreichend angesehen wird ist umstritten: Die herrschende Lehre fordert, dass die Unterstützung des Gehilfen kausal für das Gelingen der unterstützten Haupttat sein muss. Die Rechtsprechung lässt es dagegen bereits ausreichen, wenn die Haupttat in irgendeiner Weise durch die Hilfeleistung gefördert wurde.

    Für die Annahme einer Beihilfehandlung ist es nicht einmal unbedingt notwendig, dass der Haupttäter davon Kenntnis hat. (Wikipedia)

    oder ist es Mittäterschaft :)?
    Na, überlassen wir das den Juristen.

    Dass der UB ihr Handeln untersagt wird, davon gehe ich fest aus. Dass die Beteiligten und Verantwortlichen und auch Sie Herr Kämper nicht erkennen wollen (und ich denke wider besseren Wissens) dass hier dem Mißbrauch und Diebstahl von geistigem Eigentum Tür und Tor geöffnet wird, das ist der eigentliche Skandal. Da helfen weder Verweise auf den armen Studenten noch auf den Bildungsstandort etc etc ..

  • Markus Gross

    Markus Gross

    Sorry :) nun gings durcheinander - der entsprechende Abschnitt muss richtig lauten:

    Als Nicht-Jurist habe ich versucht mich noch etwas kundiger zu machen. Die B E G Ü N S T I G U N G von der ich schrieb, kann ich nicht aufrecht erhalten. Sie bedeutet juristisch etwas anderes als das 'steigbügelhalten' das ich darunter verstand.

  • Loewenbergg2008

    Loewenbergg2008

    Lieber Branchenaktivist Ulmer, liebe Kollegen - auch wenn Sie weiterhin vehement mit rechtlichen Positionen argumentieren und taktieren, die Veränderungen der Branchenwelt können sie damit nicht aufhalten. Statt zu lamentieren und die Gerichte anzurufen, sollten sie sich Gedanken über ihre Zukunft und die ihrer Mitarbeiter machen. Die Grund für diese hektischen Diskussionen ist doch, dass sich das Publizieren und Vertreiben von Information rasant wandelt. Verleger / Verlage und Buchhandlungen werden nicht mehr als Kanal für die Verbreitung von Informationen gebraucht. Schauen sie mal in die Bücherhitlisten, da tauchen doch schon die ersten POD-Veröffentlichungen auf. Also, weshalb soll ein Autor, eine Institution für eine Publikation noch einen Verlag bitten, oder diesen gar mit Geld zur Veröffentlichung drängen? Die besseren Lektoren, Übersetzer und Gestalter sind doch als freie Spezialisten jederzeit mietbar - und der Weg vom PC zur Druckmaschine oder gar in eine E-Book-Plattform sind kurz und kostengünstig, ebenso der Direktvertrieb über die einschlägigen nationalen und internationalen Internetverkaufsplattformen. Wo ist also ihr Platz? Wer sich noch nicht konsequent für ein Leben im Internet entschieden hat ist überflüssig und hält auch nicht mit der Anrufung von Gerichten oder überflüssigen Branchenverbänden die Entwicklungen auf.
    Horst Herkner, BIBLIOMAN-Gründer und Internet-Antiquar im Löwenberger Land.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Sehr geehrter Herr Kämper,

    ich komme im Zusammenhang mit dem Casus Darmstadt nicht aus dem Staunen heraus. Ich stelle nun erneut fest, dass die Rechtsauffassung zischen Ihnen (hier will ich mal wirklich nicht über alle Bibliothekare verallgemeinern) und mir außerordentlich unterschiedlich ist.

    Dass nun unser Versuch der Beweissicherung in Ihren Augen der einzige rechtswidrige Vorgang im ganzen Geschehen ist, ist ein Sahnehäubchen auf dem Ganzen.

    Irgend jemand hier muss seinen Kompass ganz neu justieren. Kann sein, dass das am Ende ich sein werde. Ich glaube und hoffe, dass das nicht so sein wird.

    Zu Herrn Herkner: Ihr Verständnis der Arbeit von Verlagen ist skurril, aber legitim, ohne Zweifel. So richtig revolutionär ist es aber nicht, denn schon vor hundert Jahren hat jemand, den kein Verlag wollte oder der keinen Verlag wollte sein Buch im Selbstverlag publiziert. Dass so eine große Zahl an Verlagen entstanden ist, ist nur normal. Das wird auch in der neuen Welt des Internets nicht anders. Denn BoD ist auch ein Verlag. Und ein Selbstverlag ist auch ein Verlag.

    Ich verstehe aber nicht, weshalb aus Ihrer Vermutung, dass es immer mehr selbstverlegende Autoren geben wird, sich ableiten lässt, dass es dann keine Rechte mehr gibt, die es zu verteidigen lohnt. Auch wenn Sie sich mit Leib und Seele dem Internet verschrieben haben (herzlichen Glückwunsch), dann sind Sie dort auf die gleichen Rechte angewiesen.

  • katja splichal

    katja splichal

    @49

    ausgezeichneter Kommentar, Herr Herkner, auch wenn natürlich zu bemängeln ist, dass nur "Kollegen" angesprochen werden.
    Was halten Sie von der unter @28 skizzierten Version der Frankfurter Messe 2010?

  • saguenay

    saguenay

    @loewenbergg

    Das bringt die Sache auf den Punkt. Entscheidend ist, dass sich die Basisfaktoren des Publizierens und Vertreibens von Texten selbst ändern, und die bestehenden Produktions- und Distributionsstrukturen in Frage gestellt werden.

    Klar werden auch in Zukunft Auswahlmechanismen erforderlich sein, um sich im Textdickicht zurecht zu finden. Bisher haben diese Funktion Verlage und Buchhandlungen übernommen, die jedes Jahr aus einigen Hunderttausend (?) Manuskripten einige Zehntausend Bücher gemacht haben, die dann vom Bestseller bis zum Ladenhüter die ganze Bandbreite der Möglichkeiten abdeckten. Auch in Zukunft werden die, die diese Positionen besetzen damit gute Geschäfte machen können, denn kein Leser will sich selbst durch einige Millionen Texte wühlen, nur um Strandlektüre für den Sommerurlaub auszuwählen. Und das Klinkenputzen hausierender Autoren kann ich mir nur schwer als effektives Vertriebsmodell vorstellen.

    Wer allerdings in Zukunft die Bestsellermaschinerie betreibt, ist noch offen. Dies müssen nicht notwendigerweise Verlage und Buchhandel sein. Sollten Sie es schaffen, Geschäftsmodelle zu finden, die von den Kunden angenommen werden, dann ja. Aber auch nur dann.

    Denn Sentimentalität und Mitleid sind für die wenigsten Menschen hinreichende Gründe, ihren Mitmenschen ihr Geld zu überlassen, da sollte besser auch eine diesbez. Leistung dahinter stehen. Oder warum posten wir hier unsere Beiträge, anstatt wie anno dazumal Briefe per Post an die Redaktion zu verschicken? Käme jemand auf die Idee zu fordern, die Post MÜSSE an diesem Prozess beteiligt werden, würde er zurecht sich eine gehörige (rhethorische) Abreibung einfangen. Aber im Falle Buchhandel/Verlag soll gerade das anders sein? Die Branche ist wohl besser beraten, sich zu überlegen, was sie ihren jeweiligen Kunden wirklich zu bieten hat, als sich darüber zu ärgern, das die guten alten Zeiten vorbei sind. Noch ist Zeit......





  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    @saguenay

    Das kann doch nicht so schwer sein, das zu begreifen...?
    Niemand stellt sich hin und fordert, dass außer Verlegern niemand verlegen darf. Die Behauptung ist absurd. Sie dürfen publizieren, was SIe wollen. Und Herr Herkner darf das und Herr Graf kann OA-Angebote machen, so viel er Lust hat. Das verbietet niemand, da hat auch niemand was dagegen. Sie sind alle herzliche willkommen in der Welt der Verlage.

    Es geht doch nur darum, dass unsere Rechte und die unserer Autoren respektiert werden, wenn wir etwas verlegen. Ich möchte nicht, dass ich ein Buch mache und kaum ist es auf dem Markt, kann sich jeder bedienen und damit machen was er will.

    Das ist, als ob Sie ein Haus bauen und kaum sind Sie fertig, zieht jemand von der Straße einfach ein und macht es sich darin gemütlich.

    Und wenn Sie dann sagen: na Moment mal, das geht so aber nicht...! Dann sagt der: tja, da haben sich eben die Basisfaktoren geändert, die herrschenden Strukturen sind anders. Besser, Sie stellen sich darauf ein anstatt zu klagen, dass die guten alten Zeiten vorbei sind...


  • Dr. Joachim Losehand, M.A.

    Dr. Joachim Losehand, M.A.

    Es gilt auch in diesem Fall, was Cory Doctorow in einem ZEIT-Videointerview (03.04.09) zu „creative commons“ Verlegern und Rechteinhabern geraten hat [1]: Um von der „altera pars“, also den Studenten und wissenschaftlichen Bibliotheksnutzern (Konsumenten) überhaupt noch wahrgenommen zu werden, müss(t)en Sie diese aktiv in den Dialog miteinbeziehen, sie aktiv an den Verhandlungstisch einladen.

    Welche Bedürfnisse haben wir Wissenschaftler und unsere Studenten? Wie erfüllen wir uns diese Bedürfnisse? Was ist derzeit gängige Praxis im wissenschaftlichen und studentischen Alltag in einzelnen Disziplinen? Welche technischen Möglichkeiten nutzen wir Studenten und Wissenschaftler auch außerhalb unseres universitären Umfelds? Welche Bedürfnisse wecken technische Errungenschaften für unsere tägliche Arbeit an der Universität?

    Verlage und Lobbyisten diskutieren über Rechtsauffassungen und juristische Details, argumentieren in den Kategorien von „Verbrechen“ und „Strafe“, lamentieren über den „Verfall der Sitten“ bei Legislative, Judikative und Exekutive – und bei ihren Kunden, den Bibliotheken und ihren Benützern.

    Ihnen – den Verlegern und Lobbyisten – scheint in der Debatte jedoch nicht bewußt zu sein, daß die Leser wissenschaftlicher Literatur gleichzeitig auch die Urheber von wissenschaftlicher Literatur oder im Falle jetzt noch studierender Leser die zukünftigen Urheber sind. Das Verständnis bei studentischen Benutzern im Umgang mit wissenschaftlichen Texte heute wird das der wissenschaftlichen Produzenten von Texten morgen sein. Wer Studenten erwarten, Texte digital vollerschließbar und kostenlos zur Verfügung gestellt zu bekommen, werden sie eigene Texte ebenfalls digital vollerschließbar und kostenlos zur Verfügung stellen wollen, weil sie aus eigener Erfahrung die Vorteile kennen und diese auch für selbstverständlich halten. Was die Leser heute nicht bekommen, werden sie als Autoren morgen einfordern oder selbst verfügbar machen.

    Was, wenn in allen Disziplinen, nicht nur in der Informations- und Datentechnik, wissenschaftliche Texte einfach nicht rezipiert werden, wenn sie nicht (auch) „online“ und nicht „open access“ verfügbar sind? Was, wenn wir Wissenschaftler, die Leser und Autoren, das gedruckte Wort nur als sekundär einschätzen, nicht als die erste und eigentliche Verbreitungsart? Was, wenn Sichtbarkeit und Qualität in der „scientific community“ nicht auf bedrucktes Papier oder gar eine Veröffentlichung in einem Verlag angewiesen ist? Was, wenn nicht mehr Wissenschaftler auf Verlage, sondern Verlage auf Wissenschaftler angewiesen sind?

    An der Debatte um das Urheberrecht in Wissenschaft und Bildung werden Verlage nur solange teilnehmen können, solange sie das Mandat dazu seitens der Urheber durch die – exklusiv – übertragenen Nutzungsrechte haben. Hören Wissenschaftler auf, diese exklusiven Nutzungsrechte zu vergeben, was dann? Werden aus Verlagen dann Archive der noch nicht gemeinfrei gewordenen wissenschaftlichen Texte, von Texten, die allenfalls wissenschaftshistorisch interessant sind?

    [1] http://www.zeit.de/video/player?videoID=2009040333 4d51

  • saguenay

    saguenay

    @matthias ulmer

    Das ist offenbar doch schwerer zu begreifen, denn sonst würden die Leute hier nicht mit solcher Begeisterung sich die Köpfe einschlagen. Es geht primär nicht auch nicht darum, dass Ihnen jemand die Rechte an Ihrem Besitz wegnehmen will, sondern darum, ob Sie über solchen in Zukunft überhaupt noch verfügen, bzw. ob die Leute, die Sie und Ihren Verlag mit geistigem Eigentum versorgen, nicht in Zukunft andere Publikationsformen wählen. Das Walten der bösen Bibliotheken ist hier nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen kann - und wird.

    Wenn - wie in Beitrag No 54 angesprochen - etwa sich die Prämissen seitens der Autoren ändern, dann ist das so, als ob man in einem schönen alten Bahnhof sitzt, und plötzlich feststellt, dass man auf dem Abstellgleis gelandet ist, weil alle nur noch auf der (Daten)-Autobahn unterwegs sind.

    Natürlich kann man dann die Betreibergesellschaft der Autobahn - oder die Autofahrer - wg. Geschäftsschädigung verklagen, und sich ärgern, dass man seine Miete nicht mehr bezahlen kann, aber den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens vor Gericht einklagen zu wollen, ist erfahrungsgemäss weit weniger aussichtsreich, als sich selbst etwas Neues einfallen zu lassen. Nur dafür, dass man im Recht ist, bekommt man in den seltensten Fällen Geld.

    Natürlich kann man auch versuchen, die bösen Bibiotheken ebenso wie den gemeinen Raubkopierer zu kriminalisieren, aber das Beispiel der Musikindustrie sollte eigentlich in der Hinsicht abschreckend genug sein.

    Klar ist, dass jede Dienstleistung irgendwie finanziert werden muss, auch Google lebt nicht von der Liebe der User allein. Aber was wir im Zuge der Digitalisierung erleben ist, dass die Kunden für viele der traditionellen Produkte nicht mehr bereit sind, Geld auszugeben, sehr wohl aber für neue. Selbst ein Umsatzanteil elektronischer Publiktationen von 20 % des Gesamtmarktes dürfte ausreichen, für grundlegende Verwerfungen in Struktur und Zusammensetzung der Branche zu sorgen.

    Aber wer hat hier langfristig wohl die besseren (wirtschaftlichen) Überlebenschancen: ein Unternehmen, das versucht, sich seinen Umsatz einzuklagen, oder eines, das ein Produkt vertreibt, für das die Leute bereit sind, Geld auszugeben?

  • Dr. Klaus Graf

    Dr. Klaus Graf

    @Dr. Losehand

    Ich stimme Ihnen zu. Es ist einfach kein guter Stil, Bibliotheken und Nutzer krimineller Machenschaften zu zeihen bzw. zu kriminalisieren. Die Musikindustrie beginnt allmählich zu begreifen, dass sie ihre Kunden nicht als Feinde sehen soll.

    Ich denke, wir haben hier das gleiche Phänomen wie bei den Banken: das einer übermäßigen Habgier.

    Man kann sich nur angewidert abwenden, wenn man die Benutzungsbedingen der UTB-Ebooks anschaut: Die Bibliotheken sollen zahlen und zwar nicht wenig, und anschließend noch die Studenten, um Seiten ausdrücken zu dürfen.

    Ich werde mit klammheimlicher Freude das Sterben von Wissenschaftsverlagen in der Wirtschaftskrise beobachten, wenn diese nicht bereit sind, sich an die Spielregeln der digitalen Welt anzupassen.

    Open Access und gute Buchverkäufe schließen sich überhaupt nicht aus:

    http://delicious.com/Klausgraf/monograph_open_acce ss



  • Dr. Joachim Losehand, M.A.

    Dr. Joachim Losehand, M.A.

    @ Dr. Graf & alle

    Im Grunde geschieht das, was vor einigen Jahrzehnten auch geschehen wäre, hätte es die technischen Möglichkeiten gegeben: früher war das Kopieren von wiss. Literatur für den Privatgebrauch umständlich, teuer und durch Sachzwänge behindert. Natürlich haben auch vor 10 oder 20 Jahren Doktoranden und Magistranden die für ihre Forschungsarbeit wichtige Literatur kopiert und in eigenen Ordnern z. T. meterweise abgelegt. Heute wird nicht in der Bibliothek kopiert, sondern zu Hause gescannt; den Mehrwert eines pdf-Dokuments gegenüber einer Xerokopie muß ich nicht erläutern. Wer behauptet, daß das Scannen von wiss. Literatur und der Tausch von Dateien mit gescannter wiss. Literatur kriminell ist, muß auch das xerokopieren und verleihen bzw. die Weitergabe unter Bekannten als kriminell einstufen. 10, 20 oder 40 Seminarteilnehmer haben im Regelfall Zugriff auf ein gedrucktes Exemplar in den Ortsbibliotheken, wenn es hochkommt, auf zwei Exemplare. Natürlich tauschen meine Studenten untereinander über (USB-)Datenträger eingescannte Literatur. Sind die jetzt kriminell? Hätten sie stattgessen in Antiquariaten nach vergriffenen Büchern und über Fernleihe nach anderen Exemplaren gefahndet oder vielleicht 150,- € für den noch lieferbaren Sammelband ausgegeben? Nein. Sie hätten das Buch ignoriert, weil sie es, da nicht greifbar, „leider nicht einsehen“ konnten.

    Um Recht zu normativer Geltung zu verhelfen und diese Geltung durchzusetzen, muß, so meine ich als Laie in der Juristerei, überhaupt das Bewußtsein für das Unrecht bestehen. Wer ist kriminell: Der, der ein Buch aus einer Bibliothek ausleiht, es als verloren meldet und dann behält? Die, die ein Buch vom Präsenz-Standort entfernt und es an einem anderen Standort in einem anderen Fachbereich versteckt, um nur selbst darauf zugreifen zu können? Die, die ein Buch oder Passagen daraus abschreibt und für ihr eigenes Werk ausgibt? Der, der ein Buch ausleiht, es in toto oder daraus kopiert/scannt und die Kopie selbst nutzt und interessierten Kommilitonen weitergibt? Eine nicht-repräsentative ad-hoc-Umfrage unter Lesern und Autoren an meiner Universität hat ergeben, daß Verhaltensweisen 1-3 eindeutig als „Unrecht“ („kriminell“) identifiziert wurden, Verhaltensweise 4 hingegen als gängige, als „normale“ Praxis eingestuft wird.

    Unabhängig von der aktuellen Gesetzeslage oder Rechtsprechung in Deutschland sind Wissenschaftsverlage kurz- oder mittelfristig nicht mehr in der Position, sich gegen die durch die technischen Möglichkeiten veränderte Mentalität ihrer Kunden – Leser und Autoren – zu wehren. Dem Verständnis, wie wissenschaftliche Ergebnisse und Texte verfügbar sein müssen, läßt sich vielleicht einige Zeit mit Gerichtsurteilen entgegenstemmen. Ihm entgegen-wirken läßt sich nicht mehr. Entweder die Verlage gehen mit der Zeit oder die Verlage gehen mit der Zeit. Von Lesern und Autoren dann gleichermaßen unbemerkt.

  • Lorenz Borsche

    Lorenz Borsche

    Zitat:
    >>>
    Die Autoren müssen bezahlt werden, sonst wird nämlich der gleiche Student, der sich jetzt über die angeblich altmodischen, doch tatsächlich Geld verlangenden Verlage aufregt, sich später, sollte er dann Professor geworden sein, weigern, seine Forschungsergebnisse umsonst herzugeben.
    <<<
    Des Drudels Kern - und so ganz verstehe ich die aufgeregte Debatte deshalb auch nicht wirklich - ist doch die Tatsache, daß wir es bei den angesprochenen Werken gleich mit zwei Besonderheiten zu tun haben:

    die erste ist, daß der Autor in aller Regel schon einem vom Steuerzahler alimentierten Beruf nachgeht und auch nur über das publiziert, wofür er ohnehin schon direkt und mit Forschungssemestern indirekt bezahlt wird (man könnte ja sehr wohl das Publizieren in den Kanon der Pflichten eines Hochschullehrers aufnehmen - vielleicht im Gegenzug aufzurechnen mit der Betreuung von Diplom/Doktor/Magisterarbeitern etc.pp.?).

    Und damit reden wir davon, daß es dann eben keine Autoren-Vergütung mehr gibt, um die hier u.a. gestritten wird. Weil die 'Lehre' ja ohnehin schon bezahlt ist und damit auch ein Anspruch der Öffentlichkeit auf die Ergebnisse besteht. Das trifft sicher nicht auif *alle* wissenschaftlichen Lehrbücher zu, aber wohl doch auf viele. Wieviele? Das müssten die Verleger besser wissen :-)

    Bleibt als zweite Besonderheit die Tatsache, daß Lehrbücher (wie Schulbücher auch) reine *Muss*ware sind, wir haben es hier nicht mit den typischen Gesetzen des freien Marktes zu tun.

    Und wir erleben gerade mit Wikipedia vs. Brockhaus etwas, das kluge Menschen schon sehr lange, 10 und mehr Jahre, vorhergesagt haben:

    Nicht-sequentielle Informationen, solche, die *nicht*, wie z.B. ein Roman, notwendigerweise sequentiell, also am Stück und in der richtigen Reihenfolge aufgenommen werden müssen, um ihre Wirkung zu entfalten, klassischwerweise Lexika, aber eben auch Lehrbücher, profitieren am meisten von den Vorteilen der modernen Kommunikationsformen Computer/Internet. Und hier gilt, was bislang nur ein frommer Wunsch war: Information lässt sich ohne Verlust teilen. Und - gegenüber dem gedruckten Buch, eben auch ohne die Kosten der physischen Ausgabe.

    Was also bleibt, wenn der Autor schon qua Lehrstuhl bezahlt ist und - bei elektronischen Ausgaben - weder die schiere Druckerei noch der Vertrieb noch der Handel nötig und damit zu bezahlen sind?

    Das Lektorat natürlich und damit verbunden das Layouten der Werke. Wie allerdings jeder weiß, ist das nicht der größte Budgetposten beim Preis eines wissenschaftlichen Buches.

    Bildung kostet Geld, keine Frage. Muss sie allerdings so viel Geld kosten, wie bislang, mit allen damit auch verbundenen Nachteilen?

    Ein beliebtes Spiel bei den Juriasten (ja ausgerechnet dort) war bislang, vor einer wichtigen Klausur die resp. Seiten des resp. Lehrbuchs herauszureißen. Weil - die Idiotie kennt auch an der Uni keine Grenzen - es eine vorab festgelegte Quote von Klausurdurchfallern gibt. Man also die eigene Chance verbessert, wenn man das Lehrbuch ruiniert.

    Und natürlich haben die UBs nicht die finanzielle Kapazität, hunderte von Exemplaren desselben Lehrbuchs vorzuhalten.

    Das Bessere ist des Guten Feind. Das war schon immer so und deshalb wird es sich nicht aufhalten lassen, daß Lehrbücher und Lexika in wenigen Jahren vor allem elektronisch publiziert und gar nicht mehr gedruckt werden, oder allenfalls 'on demand'.

    Welche Rolle dabei die Verlage spielen werden, wird sich zeigen. Aber ganz sicher wird das *nicht* per Gerichtsurteil entschieden, zumindest nicht auf lange Sicht.

    MfG LB

  • Dr. Joachim Losehand, M.A.

    Dr. Joachim Losehand, M.A.

    @ Lorenz Borsche

    Die Dienstverträge der Universitätsprofessoren sind m. E. derzeit nicht so gestaltet wie in der Wirtschaft. Die Verpflichtung auf einen bestimmten zusätzlichen Publikationsweg „open access“ (z. B. im Repositorium eines Hochschulservers) und die Bestimmung, an Verlage keine exklusiven und umfassenden Nutzungsrechte zu übertragen, greift damit zumeist in deren bestehenden (Urheber-)Rechte ein.

    Allerdings werden gerade bei von wissenschaftlichen Herausgebern organisierten Tagungsbänden und Sammelwerken von wissenschaftlichen universitären Angestellten Dienstleistungen (Autorenkontakte, Beitragssammlung, Satz, Korrektur, usw.) erbracht, die nicht vom Verlag bezahlt werden, sondern entweder in der Freizeit oder gerade während der Arbeitszeit des angestellten Mitarbeiters geleistet werden. Zudem trägt der Verlag nur einen Teil des wirtschaftlichen Risikos, da er mittels eines Druckkostenzuschlags in der Produktion unterstützt wird. Dieser Druckkostenzuschuß wird (während der Arbeitszeit) bei öffentlichen Einrichtungen und privaten Stiftungen eingeworben.

    Werden hingegen diese Druckkostenzuschüsse und Dienstleistungen von wiss. Mitarbeitern nur unter der Auflage gewährt, daß allein einfache Nutzungsrechte an den Verlag übertragen werden und so gleichzeitig eine Veröffentlichung „open access“ ermöglicht wird, kann dabei auch nicht von einer „Enteignung der Urheber“ die Rede sein. Denn es bleibt dem einzelnen Autor=Urheber überlassen, ob er fremde (öffentliche und private) Gelder und Leistungen in Anspruch nimmt oder nicht. Und es bleibt den (öffentlichen und privaten) Geldgebern überlassen, wem und wofür sie finanzielle Mittel bereitstellen.

    Wer also exklusiv die Nutzungsrechte abtreten will, wird für die Veröffentlichung also in Zukunft selbst zahlen müssen. Oder: Wer die Nutzungsrechte exklusiv übertragen bekommen will, wird die Publikation also in Zukunft alleine tragen müssen.

  • e-book-freund

    e-book-freund

    @matthias ulmer
    Für Ihren Kampf gegen die Windmühle "unrechtmäßige Kopie" haben Sie mein vollstes Mitleid. Leider werden Sie genauso viel oder wenig Erfolg damit haben, wie ihr literaturhistorischer Ahn ... eher weniger, denn ich bezweifle, daß sie es damit in die Ruhmeshallen der Weltliteratur schaffen werden ... ;)

    Aber das nur nebenbei. Ich wollte Sie eigentlich auf eine Artikelserie aufmerksam machen, welche seit 2006 alle zwei Monate von dem amerikanischen Autoren Eric Flint veröffentlicht wird - die "Salvos against Big Brother", in denen er sich mit Problemen des Copyright, des DRM und - er ist Amerikaner - des DMCA in Bezug auf das elektronische Publizieren auseinandersetzt (diese Artikel sind übrigens frei im Netz verfügbar ...)

    Möglicherweise finden Sie in diesen Artikeln auch Gründe die (obwohl aus amerikanischer Sicht geschrieben) auch für den deutschen e-book-Markt von Interesse sein können. Ich wünsche Ihen jedenfalls viel Spaß bei der Lektüre.

  • Hans-Joachim Schulz

    Hans-Joachim Schulz

    Wenn die Bildungseinrichtungen meinen die Lehrbücher kostenlos zur Verfügung stellen zu sollen, dann sollen sie diese auch selbst schreiben, publizieren und verteilen (lassen).
    Dann werden sie merken, wie aufwändig und kostenintensiv das ist.
    Darauf warten, dass ein dritter etwas schafft um es diesem dann zu entwenden ist Diebstahl, auch wenn es ein Staat mit noch so vielen Gesetzen zu legitimieren sucht !!
    Da gibt es keine Diskussionen, es sei denn, wir wollen zur Bananenrepublik verkommen.

  • katja schulz

    katja schulz

    Werter herr Schulz,
    ganz abgesehen von der Hitzigkeit der Diskussion weise ich sie darauf hin, dass "Bananenrepublik" nicht nur ein äußerst polemischer sondern darüber hinaus auch geschichtlich als kritisch zu betrachtender Ausdruck ist. Es sei denn, wir kehren mal tatsächlich vor der eigenen Haustüre und Sie reden von der BanananRepublikDeutschland

  • Lorenz Borsche

    Lorenz Borsche

    @ Dr. Losehand et alii,
    >>>
    Die Dienstverträge der Universitätsprofessoren sind m. E. derzeit nicht so gestaltet wie in der Wirtschaft.
    <<<
    Lieber Herr Dr. Losehand, ich meinte nicht tatsächlich existierende juristische Möglichkeiten, sondern eventuell politisch wünschbares. Die Umsetzung ist ja immer nur eine Frage des politischen Willens, wie wir in der Diskussion um z.B. Mangergehälter endlich lernen ;-)

    Also: Natürlich erhebt sich die Frage, wer unsere Lehr- und Fachbücher erstellt. Ich erinnere mich Latein aus der sog. "Thromschen Grammatik" gebimst zu haben - und hatte bei dem nämlichen Herrn selbst Unterricht. Eindeutig war sein Lehrbuch seiner Lehrbefähigung deutlich überlegen. Hätte er von seinem Lehrbuch leben können? Ich glaube kaum, das Honorar dürfte bescheiden gewesen sein. Und ich bin sicher, einer sehr weiten Verbreitung "seiner" Grammatik hätte er begeistert zugestimmt, selbst ohne Tantiemen - er hatte ja seinen Lehrberuf.

    Ich habe auch das zweifelhafte Vergnügen gehabt an zweifelhaften wissenschaftlichen Kongressen teilnehmen zu dürfen, denen bald danach die 'Proceedings' folgten, sehr teure Publikationen, die vor allem der Selbstbeweihräucherung der Manuskripteinreicher dienten. Meien Hochachtung vor wissenschaftlichen Publikationen hat dadurch ein wenig gelitten. Und wie gesagt: solange es ein *Muss*Markt ist, müssen logischerweise andere Regeln gelten.

    Man stelle sich vor: ein gutes Lehrbuch brauche ein Jahr Arbeit.Und noch ein halbes Jahr fürs saubere Lektorieren. Und genau so wird es dann bewertet: anderthalb Jahresgehälter, sagen wir 100.000 Euro. In den folgenden 5 Jahren nutzen 10.000 Jurstudenten pro Jahr dieses Lehrbuch. Dann hat das 2 Euro je StudentIn gekostet. Die diese sicher bereit wäre zu bezahlen, oder glauben Sie nicht?

    Nur mal als Denkansatz....

    MfG LB

  • Dr. Joachim Losehand, M.A.

    Dr. Joachim Losehand, M.A.

    Natürlich ist die von Herrn Schulze leicht trotzig hingeworfene Aufforderung: „wenn die Bildungseinrichtungen meinen, die Lehrbücher kostenlos zur Verfügung stellen zu sollen, dann sollen sie diese auch selbst schreiben, publizieren und verteilen (lassen)“, die ein wenig an die Reaktion des letzten Sachsenkönigs erinnert („macht doch Euern Dreck alleene“) ohne echten „Sitz im Leben“. „Wer denn sonst?“, muß man ja antworten. Wer schreibt die Lehrbücher und Standardwerke? Lehrer und Wissenschaftler an Schulen, Hochschulen und Universitäten – das sind in der Regel die Autoren. Manche arbeiten an den eigenen Einrichtungen, manche an anderen.

    Die meisten Universitäten und Universitätsverlage unterhalten inzwischen open-access-Repositorien für die Erträge und Publikationen ihrer Wissenschaftler. Die sind zwar noch nicht in hinreichendem Maß ins Bewußtsein von Studenten und Dozenten gerückt, das ändert sich aber sukzessive. Entsprechend werden sich sicherlich auch die vertraglichen Vereinbarungen zu Veröffentlichungen und Nutzungsrechten bei Neuberufungen und -anstellungen ändern. Die von mir skizzierte alternative, „sanfte“ Hinführung zu „open access“ über den Geldbeutel („wer zahlt, schafft an“) berücksichtigt und reagiert auf den derzeit bestehenden status quo.

    Sicher sind Studenten und andere Nutzer bereit, auch einen angemessenen Beitrag für ihr digitales Exemplar eines Lehrbuches zu zahlen; sie zahlen ja auch am Kopierautomaten oder am Buchscanner. (Die Frage, die sich nun auftut, ist: was versteht man als Nutzer [= Kunde] heutzutage unter „angemessen“?) Wie diese Kosten jedoch umgelegt werden, ob der Einzelne pro genutzem Exemplar zahlt oder ob dies, wie die Anschaffungskosten für gedruckte Werke, über andere Töpfe wie Studienbeiträge, Steuergelder, Wissenschaftsfonds usw. geregelt wird, muß sich zeigen.

    In jedem Fall verkennen die, die um die finanzielle Vergütung der wissenschaftlichen Autoren bangen und darum von „Enteignung“ reden, gänzlich die Motivation dafür, ein wissenschaftliches Buch, gar ein Lehrbuch oder Standardwerk zu schreiben. Man frage x-beliebige Wissenschaftler, ob sie 100'000,- € bekommen oder kostenlos ein garantiert international bekanntes Lehrwerk mit ihrem Namen darauf verfassen wollen. Jeder wird sich natürlich für das Geld entscheiden ...

  • Markus Groß

    Markus Groß

    Herr Dr. Losehand - ich denke Ihr Ansatz geht in die richtige Richtung. Und: Hier werden zwei Diskussionen nebeneinander geführt:

    1. Das Verhalten der UB Darmstadt - dies ist im hchsten Maße abzulehnen, ua Herr Ulmer, auch ich haben die Argumente dargelegt. Hier wird bestehenes Recht verletzt.

    2. Eine ganz andere Diskussion muß geführt werden. Nämlich diejenige darüber, wie in ZUKUNFT bei noch zu publizierenden Lehrbüchern vorgegangen werden könnte.

    Da ergeben sich zunächst viele Fragen. Aus Verlegersicht stellt sich die Frage, wie bei möglicherweise verändertem Nutzerverhalten der Leser die Rolle der Verlage aussehen könnte.
    Ist es denn so, dass NUR noch digital verfügbare Lehrbücher genutzt werden? Dann könnte die Rolle des Verlages darin liegen, eBücher zu produzieren und zur Verfügung zu stellen. Wobei ebooks nicht notwendigerweise 'besser' sind als richtige Bücher. Wenn man genau hinschaut (und hier lohnt sich wirklich das Nachlesen der unter @59 genanneten Artikelserie - danke dafür: http://baens-universe.com/authors/Eric_Flint) sind die Vorteile nicht so endeutig, selbst für Lehrbücher nicht. Ein Vorteil könnte der Preis sein. Könnte, ist es bisher meist nicht. Wer denkt, Verlage würden in Zukunft ebooks produzieren, wenn sie über den Verkauf derselben (wie immer der organisiert wird) nicht ihren Aufwand erstattet und einen Gewinn erzielen können, der irrt. Das wird sich kein Verlag leisten. Also muß eine UB Darmstadt und müssen die Studenten in irgendeiner Weise zahlen. Ja, ich hör schon die Schlaumeier, die mir erzählen wollen, dann würde eben jeder Wissenschaftler nur noch über Uni-Eigene Möglichkeiten publizieren. Fein! Dann soll der Staat beschließen, dass alle Wissenschaftler kostenlos publizieren müssen, dann sorgen Sie mal politisch dafür, dass die Unis die notwendigen Mittel bekommen, um die Arbeit der Verlage zu machen etc etc .. dann haben wir keine Marktwirtschaft mehr und dann brauchte auch keine Wissenschaftsverlage mehr ... und: das kostet auch Geld .. wer hätte das gedacht... zahlen die Studis dann über Ihre Studiengebühren .. oder?
    und in dieser geträumten Welt wollen auch alle Autoren umsonst veröffentlichen und die Wissenchaft wird immer über die Neuesten und aktualisiertesten Werke verfügen .. jaja

    Wenn sich nun aber herausstellt, dass man neben den digitalisierten Werken immer noch echte Papierbücher braucht ... natürlich nur noch in Kleinstmengen ... wie denn, das machen de verlage nicht? Risiko zu hoch? na dann löst das Probem mal ...


  • Gerrit van der Meer

    Gerrit van der Meer

    Interessante Diskussion. Irgendwer schrieb weiter oben, das jeder Professor für 500 € Bücher an die Tafel schreiben würde und empfindet dieses als "unzumutbar " Jeder der einen Beruf erlernt, sei es als Student oder als Lehrling benötigt Arbeitsmaterial und dieses kostet in allgemeinen Geld. Ein Schreinerlehrling stiehlt seinen Hobel auch nicht. Warum also sollte es legitim sein Autoren durch Diebstahl und nichts anderes liegt hier vor, um ihr Einkommen zu bringen ?
    Ich habe diese "Piratendiskussionen" einfach satt.
    Mußßte man früher seine LP noch selber und mit Risiko im Plattenladen mitgehen lassen so gehts heut ganz simpel übers Netz. Nur das Delikt bleibt das gleiche.

  • Loewenberg2008

    Loewenberg2008

    Ich danke Katja Splichal, Saguenay, Dr. Losehand u.a. für die weitere Vertiefung des Panoramas und die Präzisierungen des Zukunftsszenarios, die ich aufgrund des üblichen hektischen sonntäglichen Internet-Geschäfts nicht vornehmen konnte. Erstaunt bin ich jedoch, das jetzt erneut Gedanken zur verlegerischen Arbeit der Zukunft formuliert werden. Liebe Verlage und Buchhandlungen, die Zeit ist (fast) abgelaufen. Andere Informationssammler und -kanäle sind jetzt bereits dafür etabliert. Jeden Tag werden Tausende von Büchern gescannt, rechtefreie Publikationen ins Netz gestellt und auch die bereits weiter oben angeführten Beispiele (Musikindustrie, WIKI-Welt) sollten doch veranschaulichen, welchen Stellenwert in Zukunft Produzenten (Verlage) und Vertreibern (Buchhandel) haben können. Oder, nehmen Sie das Beispiel des Antiquariatshandels, vor 10 Jahren begann der Internetverkauf. Inzwischen finden Sie kaum noch ein Ladengeschäft in den deutschen Städten. Antiquare, meist Verbandsmitglieder, die am traditionellen Vertriebsweg festhalten verzeichnen seitdem einen jährlichen Rückgang ihres Geschäfts um 5 bis 10 Prozent (siehe boersenblatt.net vor einigen Tagen). Die neuen oder innovativen (in der Regel nicht verbandszugehörigen) Kollegen können jährlich ihren Umsatz erweitern.
    Horst Herkner - BIBLIOMAN-Gründer und Internetantiquar im Löwenberger Land

  • krämer

    krämer

    Die massenhafte Mißachtung geltenden Rechtes führt wohl letztlich dahin, daß sich das Recht der "Abstimmung mit den Füssen" beugt.
    Aber noch ist es nicht so weit. Der Entwicklung kann noch gesteuert werden.
    Bibliotheken haben eigentlich doch gar kein Interesse an der Entwicklung, sie kommen schließlich dann selber unters Rad.
    Es geht eher um die Dienstleistung von Universitäten für ihre Studenten \wiss. Mitarbeiter, wie die finanziert werden, und wenn die Mittel nicht ausreichen, da sich dann als Körperschaft einklinken auf den zweifelhaften Pfad der Rechtsbeugung.
    Wenn die Studenten eine laxe Rechtsauffassung haben, warum wird das von Uni-Bibliotheken bedient, gibt es da ein gemeinsames Boot? Und oft gibt es das Rechtsbewußtsein sehr wohl, und dennoch wird eifrig Copy geschoben. Die Kasse mag knapp sein, das Taschengeld von Papi wurde in Kneipe versoffen, da nichts mehr übrig für Bücher, und dem Mitstudenten, der abgebrannt ist, das ist doch selbstverständlich, dem ne Kopie zu schieben.
    Das ist nicht nur eine rechtliche Frage, sondern auch eine politische. Noch ist Zeit, der fatalen Entwicklung zu steuern.

  • Dr. Joachim Losehand, M.A.

    Dr. Joachim Losehand, M.A.

    @ Michael Groß & alle

    In jedem Fall sollte man – auch aus historischem Blickwinkel heraus – aufhören zu sentimentalisieren und zu pathetisieren: Morgen- und Abendland sind nicht untergegangen, als man aufhörte, Texte nur mündlich zu tradieren, Kulturen sind nicht untergegangen, als Kopisten in ihren Schreibstuben von Druckerpressen in Handwerksbetrieben abgelöst wurden. Beide Male haben sich die Beziehungen zum Wort geändert, „doch das Wort – der Logos – ist unerschütterlich, nur seine Erscheinungsform wandelt sich“, um selbst modo pathetico zu reden. (Mein Aufruf richtet sich nicht gegen Sie im Konkreten, Herr Groß.)

    Wie auch Dr. Graf (s. o.) nicht müde wird zu verbreiten: „open access“ und das „E-Book“ sind meiner Meinung nach im allgemeinen keine Konkurrenz für das gedruckte und gebundene Buch.

    Andererseits erfüllen inzwischen die in Verlagen gedruckten Versionen unserer wissenschaftlichen Erträge nicht mehr die Anforderungen, die wir Wissenschaftler als Leser (Rezipienten) und Autoren an eine wissenschaftliche Veröffentlichung haben. Das liegt schlicht an den begrenzten Möglichkeiten in der Erschließung und dem Herstellungsprozeß eines gedruckten Buches. Während ich heute mit intelligenten Suchoperationen fast alle (!) griechischen und lateinischen Werke antiker Autoren, Inschriften und Papyri (TLG-Projekt, „PHI“) in einer Datenbank nach Stichworten und Häufigkeit von Begriffen usw. durchsuchen kann, kann ich aktuelle Sekundärliteratur in der Regel nur anhand von vorhandenen und nicht immer korrekten und umfassenden gedruckten Indices (Registern) erschließen. In meiner täglichen Arbeit sind mir gedruckte Werke oder Xerokopien derselben inzwischen schlicht hinderlich; wissenschaftliche Publikationen sind Arbeits- und Informationsmittel, nichts weiter. Genau so, wie Verlage keine handgeschriebenen oder auf einer Schreibmaschine getippten Manuskripte mehr annehmen, genauso ist im Alltag vieler Wissenschaftler (v. a. in den MINT-Disziplinen) Gedrucktes zur Randerscheinung geworden.

    Es wird überhaupt keine Institution oder der Staat „beschließen“ müssen, wie die Publikationsformen der Zukunft aussehen; auch „open access“ ist ja der aus der Eigeninitative von Autoren und Lesern heraus entstandene neue Standard in den Wissenschaften, wenn dieser auch derzeit noch nicht von allen Disziplinen gleichermaßen angenommen wird.

    Die meisten wissenschaftlichen Verlage haben uns Autoren dazu „erzogen“, unsere Manuskripte „satzfertig“ und „druckreif“ abzuliefern, Formatierungen selbständig vorzunehmen – in einigen Publikationen steht im Impressum unter „Satz“ der Name des Autors. Wenn wir Wissenschaftler also zu schreiben, zu korrigieren, zu formatieren, Postscript-Dokumente herzustellen, Gutachten („peer-review“) über Manuskripte zu abzugeben gelernt haben – warum sollten wir dann mithilfe unserer Universitätsverlage und institutionellen Repositorien nicht auch den letzten Schritt tun?

    Wir alle – Wissenschaftler und klassische Verleger – müssen uns darüber im Klaren sein, daß die Beschränkungen des Buches als physischer Träger und Verbreiter von Informationen im Vergleich zu den derzeitigen und zukünftigen Möglichkeiten in der globalen Informationsverarbeitung und im digitalisierten Austausch von wissenschaftlichen Informationen seine bisherige Funktion verlieren wird oder schon verloren hat.

    Wie jetzt Verlage bzw. Rechteinhaber an Informationen, die gegenwärtig noch nicht „open access“ bzw. überhaupt nicht digital verfügbar sind, mit ihren Verwertungsrechten umgehen, wird meiner Meinung auch den zukünftigen Umgang mit den Verlagen (Rechteinhabern) in Fragen der Übertragung von Nutzungsrechten beeinflussen.

    Was die TU Darmstadt getan hat, mag aus derzeitiger juristischer Perspektive und nach geltendem Recht klar illegal oder schwammig „nicht rechtens“ sein. Man kann „Google“ und die TU Darmstadt zu Recht vorwerfen, gegen geltende Gesetze zu verstoßen, um der „normativen Kraft des Faktischen“ Geltung zu verschaffen. „Google Books“ und das Vorgehen der TU Darmstadt sind jedoch nur die logisch-faktische Konsequenz in und aus einer noch andauernden technischen und kulturellen globalen Entwicklung.

    „Global“ bedeutet hier auch, daß nationales Urheber- und Verwertungsrecht nur so lange Bestand haben kann, solange es im Bewußtsein der Gesellschaft den Anforderungen von Autoren (Wissenschaftlern) und Lesern (Wissenschaftlern und Studenten) genügt und ihren Bedürfnissen Rechnung trägt, dieses Recht also allgemeine Akzeptanz findet. Ist das nicht (mehr) der Fall, werden Urheber und Rezipienten in einer globalisierten Wissensgesellschaft virtuell dorthin abwandern, wo sie entsprechende Voraussetzungen und die Erfüllung ihrer Bedürfnisse finden. Denn das Urheberrecht des Landes gilt, in dem das Werk veröffentlicht wird und nicht des Landes, in dem sich der Autor aufhält und arbeitet.

    Die Beschränkungen, die Rechteverwerter momentan den Nutzern auferlegt werden, sind schon längst nicht mehr nur dem „Mann auf der Straße“ oder den unter dem Generalverdacht der „Gratis-Fratze“ stehenden Studenten unverständlich. Wenn der Zugriff auf die digitale Version eines Buches durch die Anzahl der physischen Exemplare begrenzt wird (ein zeitgleicher Zugriff pro physisches Exemplar), dann haben diejenigen, die diese Vorschrift schufen offen gezeigt, daß sie weder das Prinzip der digitalen Informationsgesellschaft noch ihre Bedürfnisse auch nur im Ansatz verstanden haben.

    Je absurder und je – ja: wirklichkeitsfremder Rechteverwerter agieren, desto mehr werden sie zukünftig Terrain verloren geben müssen, weil man ihnen aus den Erfahrungen in der Vergangenheit überhaupt nicht mehr Boden gibt.

  • firstmattheo

    firstmattheo

    Tja herzlich willkommen in der schönen neuen Bücherwelt. Immer online, immer mobil und es gibt nur eine Richtung: vorwärts. Dies ist ein prominenter Fall, doch wieviele Kopien kursieren schon jetzt dort draussen? Ist das nicht auch der Versuch der Bibliotheken sich ein Standbein zu schaffen in einer Zeit in der alles immer online verfügbar ist? Als Buchhändler sehe ich diese Entwicklung begeistert ob der Möglichkeiten und beängstigt, ob der Möglichkeiten. Egal. Die Schiffe sind verbrannt und der Marsch geht weiter. Wir werden sehen wohin, den wir Buchmenschen sitzen im selben, lecken Boot.

  • krämer

    krämer

    ad 68:
    (Wenn der Zugriff auf die digitale Version eines Buches durch die Anzahl der physischen Exemplare begrenzt wird (ein zeitgleicher Zugriff pro physisches Exemplar), dann haben diejenigen, die diese Vorschrift schufen offen gezeigt, daß sie weder das Prinzip der digitalen Informationsgesellschaft noch ihre Bedürfnisse auch nur im Ansatz verstanden haben.)

    Könnten Sie das etwas genauer erläutern, was ist das Prinzip der digitalen Informationsgeseschaft? Was ist eine digitale Informationsgesellschaft? Was ist eine Informationsgesesellschaft? Was sind die Bedürfnisse einer digitalen Informationsgesellschaft?

    Nein, können Sie nicht, weil das ist von der Sorte des modernen Gedankenschrott, den das digitale Zeitalter produziert.

    Weshalb ist es ein Zeugnis des Nichtverstehens, über diese angeblichen Bedürfnisse einer digitalen Informationsgesellschaft nicht unterrichtet zu sein?

    (die diese Vorschrift schufen offen gezeigt, daß sie weder das Prinzip der digitalen Informationsgesellschaft noch ihre Bedürfnisse auch nur im Ansatz verstanden haben.)

    "Offen gezeigt", (sich als Esel offenbart), "auch nur im Ansatz", (Großesel).

  • Dr. Joachim Losehand, M.A.

    Dr. Joachim Losehand, M.A.

    ad 70

    Sehr geehrte Frau Krämer,
    sehr geehrter Herr Krämer,

    unter „Informationsgesellschaft“ wird allgemein eine Gesellschaft verstanden, deren ökonomische Grundlage die „Information“ ist. Das mag für sich redundant sein, bedeutet aber, daß nicht das „Können“ (Fertigkeiten) alleine, sondern das „Kennen“ (Wissen) selbst im Vordergrund steht. Genauso wie sich eine industrielle oder agrarische Gesellschaft von einer Dienstleistungsgesellschaft in ihrer wirtschaftlichen Basis unterscheidet (Austausch von industriellen Gütern, von agrarischen Gütern, Austausch von immatriellen Dienstleistungen), genauso werden in einer Informationsgesellschaft Informationen ausgetauscht. Die verschiedenen Sektoren existieren natürlich nicht in einer klaren Abfolge, sondern parallel miteinander und auf unterschiedlichen Ebenen zueinander.

    Das Attribut „digital“ verweist darauf, daß Informationen nicht auf Stein, Metall, Holz oder Papyrus bzw. Papier vorliegen, gespeichert und getauscht werden, sondern eben „digital“, d. h. in nicht-materieller Form. Wesen und Vorteil digitaler Information ist die Unabhängigkeit von Ort und Zeit, d. h. ein einziges digitales Dokument – eine Information – kann prinzipiell zeitgleich in Berlin (Deutschland) und Berlin (Conneticut, USA) rezipiert oder gemeinsam entwickelt und bearbeitet werden. Während jedes physische Dokument durch Benutzung auch Abnutzung erfährt (wie Umberto Eco ironisch schrieb, ist für den Bibliothekar die ideale Bibliothek eine Bibliothek ohne Leser), ist es bei digitaler Information für den Erhaltungszustand unerheblich, ob 1 Benutzer zugreift oder ob 1 ooo ooo Benutzer zugreifen.

    Prinzip und daraus erwachsendes Bedürfnis der digitalen Informationsgesellschaft oder – wenn Sie auch wollen: der digitalen Wissensgesellschaft ist die Verfügbarkeit von Information (Wissen) in digitaler, d. h. nicht-körperlicher Form. Dies impliziert die Unabhängigkeit von Ort und Zeit in seiner Verfügbarkeit, denn ein digitales Dokument muß seinem Wesen nach nicht während bestimmter Öffnungszeiten an einem bestimmten Ort eingesehen werden.

    Darum zeigt sich im Falle der Bindung des Zugriffs auf digitale Dokumente an einen Ort („Leseterminal“) und an das Vorhandensein eines physischen Exemplar des Dokuments offen, d.h. deutlich, wie viel manche von den Eigenschaften und den daraus resultierenden Nutzungsmöglichkeiten verstehen: Nichts.

    Abschließend könnte man polemisch auf die theologischen Diskussionen zur Erkennbarkeit Gottes und Rechtfertigung seines Handelns verweisen, in der mal gesagt wurde: Gott könne der Mensch nicht als Intelligenz wahrnehmen, weil sein Denken auf einer Gesamtheit von Überlegungen beruht, deren Komplexität sich uns bei weitem entzieht. Aber man soll Polemik nicht mit Polemik beantworten.

  • Dr. Joachim Losehand, M.A.

    Dr. Joachim Losehand, M.A.

    Noch abschließend @ 65, Gerrit van der Meer:

    a) Bei einem durchschnittlichen Stundenplan eines Studenten von 20 Wochenstunden = 10 Lehrveranstaltungen pro Semester müßte der genannte Betrag also pro Semester mit 10 multipliziert werden.

    Selbst bei einer angenommenen Lektüreliste von 10 Titeln mit einem Ladenpreis von 20 € pro Titel beläuft sich der aufzuwendende Betrag auf 2'000 € pro Semester, d. h. auf insgesamt 12'000 € für ein durchschnittliches BA-Studium von 6 Semestern nur für Literatur.

    b) Gängigerweise werden die exklusiven Nutzungsrechte an wissenschaftlichen Texten kostenlos an die Verlage abgegeben, d. h. mit der einmaligen Vergütung der VG Wort sind die Ansprüche des Autors abgegolten. Bisweilen werden auch Tantiemen pro verkauftem Exemplar einer Monographie von den Verlagen bezahlt, diese liegen aber deutlich unter 10% des Einzelpreises. Für jedes verkaufte Expl. eines Taschenbuches mit rd. 160 Seiten, das der Verlag für 58 € anbietet, erhalte ich bspw. 3 €. Angesichts der Tatsache, daß die vollständig verkaufte Auflage nicht einmal den vom Verlag geforderten Druckkostenzuschuß lukrieren wird, ist für mich als Autor die Frage, ob mich der Leser, der eine digitale Kopie meines Buches anfertigt, ziemlich unerheblich.

  • krämer

    krämer

    @Dr. Losehand,
    danke für Erläuterung, was Sie unter einer digitalen Informationsgesellschaft und ihren Bedürfnissen verstehen. Das ist ja nicht selbstverständlich, und die jeweiligen Ansichten und Positionen möglichst klar zu formulieren, ist sehr wichtig.
    Was ich persönlich bedaure, unabhängig davon, wie es nun weiter gehen wird mit der digitalen Infomationsgesellschaft, bzw. der Entwicklung in solche Richtung (bedürfnisgesteuert?): daß es abläuft, so ist jedenfalls mein Eindruck, wie eine Naturgewalt, die sich unseren Gestaltungsmöglichkeiten entzieht.
    Deswegen hatte ich nochmal erwähnt, es gibt auch eine politische Seite dabei, eine Gestaltungschance, oder es könnte sie geben.

  • Dr. Joachim Losehand, M.A.

    Dr. Joachim Losehand, M.A.

    @ 73, Krämer

    Naturgewalten wirken auf den Menschen dann bedrohlich oder sind für den Menschen eine Bedrohung, wenn er sie erleidet, d. h. ihnen passiv und hilflos gegenübersteht. Marek Lieberberg hat in seinem Beitrag in der SZ vom 30.03.09 [1] die Entwicklung (Google Books, open access) ebenfalls mit den Naturgewalten verglichen; er erinnert, „weil es den Wind gibt und den Regen und die Sonne, haben unsere Häuser Mauern, die dem Wind standhalten, Dächer gegen den Regen - und Fenster für das Sonnenlicht.“ So in etwa stellt er sich – im übertragenen Sinne – eine angemessene Reaktion vor: Man baut einen Schutz und verkriecht sich dahinter.

    Dabei gehört es gerade zu den essentiellen Eigenschaften gerade in digitaler Form vorliegender Information, daß sie und ihre Verbreitung aktiv von vielen gestaltet werden kann. Urheber sind nicht mehr angewiesen auf die Vermittlung von Verlegern, auf deren berechtigten oder unberechtigten wirtschaftlichen Erwartungen an eine Publikation und nicht mehr abhängig von materiellen Zwängen. Sie – wir – publizieren, veröffentlichen im Internet, in Blogs, auf Internetseiten, auf open-access-Servern. In den Wissenschaften wird dieser fröhliche Wildwuchs in der Regel durch die von den gedruckten Publikationen bekannten Gutachter-Verfahren (peer-reviews) gesteuert und von Redaktionen betreut. „Open access“ bedeutet ja nicht, daß jeder nach Gusto dort seine Texte einstellen kann, im Gegenteil: es gibt wissenschaftliche Beiräte, Herausgebergremien und redaktionelle Betreuung, wie bspw. bei der Rezensionszeitschrift „Sehepunkte“ (http://www.sehepunkte.de).

    Natürlich wirken die Aktivitäten von Google bedrohlich und sind auch in vielen Bereichen kritisch zu verfolgen. Man muß kein Misanthrop sein, um den Google-Grundsatz „don’t be evil“ skeptisch aufzunehmen. Robert Darnton, leitender Bibliothekar in Harvard, hat kürzlich in der Le Monde Diplomatique vom 3.4.9 m. E. sehr ausgewogen die unterschiedlichen Aspekte von „Google Books“ bzw. der Digitalisierung von Bibliotheksbeständen beleuchtet und klar auch vor der drohenden Wissensmonopolisierung in privater Hand gewarnt.[2]

    Trotzdem muß auch hier eingeräumt werden, daß Google ja keine exklusiven Nutzungsrechte mit der Digitalisierung von rechtefreien, vergriffenen oder noch lieferbaren Büchern einfordert oder erwerben will. Inhalt des „Gookle Books Settlement“ ist die Übertragung einfacher Rechte, d. h. anderweitige Digitalisierungsprojekte oder eine weitere Nutzung und Übertragung von Rechten sind uneingeschränkt möglich. Die rechtliche Grundlage für Google Books ist also dieselbe wie für jedes andere open-access-Projekt und dasselbe Prinzip, nämlich der Verzicht auf die Übertragung exklusiver (aller) Nutzungsrechte an einen Verwerter für alle Nutzungsarten zugunsten einer offenen und barrierefreien Wissensverbreitung.

    Gerade das „open access“-Projekt, welches von Wissenschaftlern selbst ins Leben gerufen und entwickelt wurde, macht deutlich, daß wir Einzelne und Gruppen es sind, die an den Entwicklungen teilhaben und sie aktiv gestalten können. Wer sich ein Häuschen baut und darin verkriecht, der wird sich immer anderen ausgeliefert fühlen, weil er auch tatsächlich ausgeliefert ist. Wer nicht politisch aktiv ist, wird Politik als sich den Gestaltungsmöglichkeiten entziehend empfinden, weil gar nicht versucht wird, aktiv mitzugestalten. In einer starren Verweigerungshaltung zu verharren („es gibt keinen Wind und er weht auch nicht“), wird daran nichts ändern. Den Wind kreativ produktiv zu machen, ihn zu nutzen, Energie zu gewinnen, das sind die Chancen, die es zu gestalten gilt.


    [1] http://www.sueddeutsche.de/kultur/595/463206/text/
    [2] http://www.monde-diplomatique.de/pm/2009/04/03.mon deText1.artikel,a0056.idx,10

  • Markus Groß

    Markus Groß

    Sehr geehrter Herr Dr. Losehand,

    Zitat: "Darum zeigt sich im Falle der Bindung des Zugriffs auf digitale Dokumente an einen Ort („Leseterminal“) und an das Vorhandensein eines physischen Exemplar des Dokuments offen, d.h. deutlich, wie viel manche von den Eigenschaften und den daraus resultierenden Nutzungsmöglichkeiten verstehen: Nichts"

    Da machen Sie es sich zu einfach. Hier wurde nach einem Weg gesucht, die Interessen und das Recht der Verlage auf Bezahlung und das Interesse von Bildungsträgern, Nutzern etc. unter einen Hut zu bringen. Vielleicht unvollkommen aber die Entwicklung ist so alt ja auch nicht.

    Es wird und muß sicherlich in Zukunft andere Möglichkeiten geben: zB Bücher und geschützte (damit bezahlte!) eBooks, pauschalierte Nutzungsentgelte für die Nutzung digitaler Kopin im Intranet einer Uni, vollkommen freie Open-access Werke da, wo die Uni Ihre Wissenschaftler zwingen kann, kostenlos zu veröffentlichen, freiwillige kostenlose Zurverfügungstellung von Informationen durch Wissenschaftler weil die das so wollen etc ..

    Eins aber wird und muß bleiben: Autoren und Verlage haben Rechte und wenn diese nicht bereit sind, Ihre Rechte kostenlos herzugeben werden Sie geschützt und bezahlt werden müssen. Punkt. Ich arbeite nicht umsonst, Sie auch nicht. Wenn ich Rechte an einem Buch besitze werde ich sie mir nicht stehlen lassen, sondern meine Rechte einfordern und den Dieb bestrafen lassen.

    WIE Verlage und Autoren bezahlt werden und WIE damit dann Informationen unabhäng von Ort und Zeit zur Verfügung stehen können, darüber muß diskutiert und darum muß gestritten werden.

    Zitat: "Für jedes verkaufte Expl. eines Taschenbuches mit rd. 160 Seiten, das der Verlag für 58 € anbietet, erhalte ich bspw. 3 €. Angesichts der Tatsache, daß die vollständig verkaufte Auflage nicht einmal den vom Verlag geforderten Druckkostenzuschuß lukrieren wird, ist für mich als Autor die Frage, ob mich der Leser, der eine digitale Kopie meines Buches anfertigt, ziemlich unerheblich."

    Klar ist das für Sie unerheblich. Aber schauen wir genauer hin. Der Titel dieses Buches deutet darauf hin, dass es sich an einen sehr kleinen und spezialisierten Leserkreis richtet. Sie wollten das Buch als Buch veröffentlicht haben, sonst hätten Sie keinen Druckkostenzuschuß gezahlt und hätten das Buch in Eigenregie als digitalisierte frei verfügbare Kopie für alle Welt zur Verfügung gestellt. Das ging auch 2007 schon. Warum haben Sie das denn nicht getan? Sondern statt dessen einen Verlag beauftragt, der nun eine Kostenkalkulation machen muß und unter Einbeziehung des Druckkostenzuschußes und der Höhe der Auflage etc etc kalkuliert, dass der Preis 58 Euro betragen muß. Diese Kalkulation wäre völlig über den Haufen geworfen, wenn nun plötzlich die Unibibliotheken der Welt kostenlos downloadbare Versionen anbieten würden, ohne dafür zu bezahlen. Und, nicht wahr, so ein Buch in Händen zu halten und vorzegen zu können ist schon etwas anderes, als sich ein eBook ins Regal zu stellen :)

    Beim nächsten Buch können Sie das ja dann anders machen. Für die existenten Bücher (und das ist die Kritik an Darmstadt) gilt der bestehend Vertrag und das geltende Recht.

    'Die letzten Tage des Pompeius' würde ich auch viel lieber kostenlos lesen, als dafür zu bezahlen. Also, frisch ans Werk und das nächste Buch stellen Sie uns allen als kostenlosen download von Ihrer homepage bereit. Einverstanden?

    M.G.


  • Dr. Joachim Losehand, M. A.

    Dr. Joachim Losehand, M. A.

    Sehr geehrter Herr Groß,

    zweifellos sind meine Äußerungen für die Fachleute, die sich tagtäglich in Bibliotheken und Bildungs- bzw. Wissenschaftseinrichtungen mit „open access“ und den technischen und rechtlichen Problemen der Digitalisierung von Wissensbeständen beschäftigen, voll von Unschärfen und Verallgemeinerungen. Ich spreche eher von außen, als Vertreter der Anwender-/Nutzer- und Autorengruppe, wobei mir ein unvermeidliches Maß an Subjektivität– salva venia – auch zugestanden werden muß.

    Als Forschender bin ich ja – ungeachtet jeglicher Graduierung – auch ein Studierender, neben materiellen Zwängen sehe und erlebe ich wie meine Studenten die derzeitigen Einschränkungen, die keineswegs durch technische Gebrechen oder mangelnden Fortschritt, sondern vor allem der Rechte-Diskussion geschuldet sind. Das heißt, daß ich (glaube, daß ich) die Reaktionen bzw. die Mentalität auch der Generationen nach mir, also der 20-30jährigen einschätzen und nachvollziehen kann, weil wir in gewisser Weise ja alle dasselbe „Geschäft“, nämlich Studium und Forschung betreiben.

    Zweifellos ist der „Arbeiter seines Lohnes wert“ (Lk 10,7), da stimme ich Ihnen mit Blick auf die z. T. exorbitante Selbstausbeutung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie sie ganz selbstverständlich von unseren Universitäten im Budget einkalkuliert wird, völlig zu.

    Das Beispiel meiner „Regia“-Publikation sollte hier allerdings auch exemplarisch illustrieren, von welchen Beträgen wir reden, wenn wir den materiellen Lohn des wissenschaftlichen Urhebers für sein Werk ansprechen. Ich habe selbst in verschiedenen (Fach-)Verlagen gearbeitet und kenne entsprechende Kalkulationen und auch die Gewinnhoffnungen und tatsächlichen -margen gerade in Spezialverlagen. Meine Entscheidung für Dr. Kovac war völlig frei, natürlich auch in Kenntnis seiner auch immer wieder in Rezensionen deutlich gerügten Ladenpreise über dem gängigen Durchschnitt. Insofern besteht für mich kein Grund zur Klage und auch vernünftigerweise kein Anlaß; es ging, wie gesagt, allein um ein beispielhaftes Verhältnis von Verkaufspreis zu Tantiemen-Betrag.

    Ich stimme Ihnen uneingeschränkt zu: ein „gutes Buch“ in Händen zu halten – und es muß nicht einmal das eigene sein –, der haptische, olefaktorische und ästhetische Genuß wird niemals durch ein „E-Book“ auch nur annähernd zu substituieren sein. Darum ist es für mich unwahrscheinlich, Literatur als E-Book oder am PC-Bildschirm zu lesen. Anders sieht das bei wissenschaftlichen Texten aus, die für mich ja Arbeitsmittel sind, bei meiner wissenschaftlichen Schreibarbeit oder auch Recherche greife ich wo immer möglich auf digitale Bestände und Datenbanken zu.

    In diesem Sinne werden auch meine „Letzten Tage des Pompeius“ in absehbarer Zeit als elektronische Version („E-Book“) verfügbar sein; der österr. FWF fördert wie die DFG die Publikation in „open access“ und aller Voraussicht nach wird so einer parallelen Einstellung des Buches auch in einem instutionellen Repositorium zusätzlich zu „Libreka“ nichts im Wege stehen. Die „Libreka“-Plattform mit der Volltextsuche halte ich übrigens schon für eine wertvolle und ausbaufähige Arbeitshilfe, wenn auch natürlich nicht für den „grünen Weg“. Aber immerhin, „ubi desint vires tamen est laudanda voluntas“.

    Da auch in meiner Fachdisziplin langsam die Akzeptanz von „open access“ wächst und die Bedeutung erkannt wird (2007, im Jahr der Regia-Publikation war das noch völlig anders, gab es kaum facheigene deutsche Repositorien), werde ich natürlich alle meine mit diesem Jahr erstellten Arbeiten über den „goldenen“ oder „grünen“ Weg veröffentlichen und sukzessive bei bisher verfaßten Beiträgen ebenfalls mit den anderen Verlagen versuchen, zu einer Einigung zu kommen.

    Auf meiner eigenen Internet-Seite werde ich Buchmanuskripte et al. nur als Verweis („Link“) zur Verfügung stellen, da gerade institutionelle Fachrepositorien ja auch einen qualitativen Zusatznutzen (Volltextsuche, Gutachterverfahren) besitzen. In diesem Sinne herzlichst, J.L.

  • katja splichal

    katja splichal

    Fein Werbung gemacht, Herr Dr. Losehand ;)


    Mir ist eingefallen, dass ich neulich bei einer Recherche über E-Book-Anbieter bzw. deren noch mangelhaften Seitenaufbau auf Ciando gestoßen bin und dort wiederum auf das Bibliotheken-Lizenz-Modell. Das sieht so aus und ich muss sagen, scheint mir fair gedacht -

    Man möge mir verzeihen, dass in der Referentliste auch Darmstadt aufgeführt wird...
    http://www.ciando.com/help/index.cfm/fuseaction/bi bliothek

    Aber nun, WENN das Gesetz da lückenhaft ist, warum sollten die Bibs das machen, nicht?
    Vielleicht können wir hier beginnen, die losen Enden der scheints uferlosen Diskussion wieder aufzunehmen.

    @firstmattheo
    zu:
    "Egal. Die Schiffe sind verbrannt und der Marsch geht weiter. Wir werden sehen wohin, den wir Buchmenschen sitzen im selben, lecken Boot."
    Also wir sitzen alle im selben lecken, leider schon verbrannten Boot? Auf dem Meeresgrund marschieren wir also mit Krebsen und Garnelen? *s*
    Im Ernst - "wir werden sehen wohin" - ?! Nein, wir haben zu entscheiden, wohin! An allen die in der schönen Buchbranche ihr Brot zu verdienen gedenken stellt sich doch die Aufgabe, mit gehirnschmalz und Lust Zukunft zu entwerfen UND umzusetzen - dann müssen wir uns auch nicht mehr um Leck-stopfen kümmern sondern bauen uns ein neues Boot - aus Schmalz. *s*

    Besten Tag noch,
    Katja Splichal

  • Christian Sprang

    Christian Sprang

    Nachdem ich mich hier einige Tage ausgeklinkt hatte (nicht ahnend, wie intensiv hier über juristische Sachverhalte weiterdiskutiert wurde), beeile ich mich, auf folgende Postings zu antworten:

    16, Graf:

    Zitat: "Genau das gleiche miese Falschspiel auch von Sprang. Wer Zugang zu dem Angebot hat, ist absolut wurscht, da § 52b UrhG keine Einschränkung auf bestimmte Benutzergruppen z.B. Studierende enthält."

    Nach dem Wortlaut des § 52b UrhG ist die Zugänglichmachung urheberrechtlich geschützter Werke „an eigens dafür eingerichteten Leseplätzen ZUR FORSCHUNG UND FÜR PRIVATE STUDIEN“ gestattet, nicht aber z.B. für gewerbliche Zwecke. (Das Gleiche gilt übrigens gemäß § 53 Abs. 2 Nr. 1 auch für die Anfertigung von Vervielfältigungen für den eigenen wissenschaftlichen Gebrauch, die gleichfalls keinen gewerblichen Zwecken dienen darf.) Wenn eine Bibliothek geschützte Werke in Terminals auch Nutzern zugänglich macht, die gewerbliche Zwecke verfolgen, ist dies nicht mehr vom Wortlaut des § 52b UrhG gedeckt (der insoweit der Ermächtigung der umgesetzten EU-Richtlinie zum Urheberrecht in der Informationsgesellschaft entspricht).

    33, Kämper:

    Lieber Herr Kämper, Sie weisen auf die Nutzungsbedingungen der ULB Darmstadt hin:

    "PC-Arbeitsplätze
    Im Lesesaal stehen Ihnen mehrere PCs für die Recherche im Internet, in elektronischen Zeitschriften und in den von der ULB lizenzierten Datenbanken zur Verfügung. Der Zugang ist nur mit gültigem Bibliotheksausweis möglich."

    Nach dem eben Gesagten reicht das vor dem Gesetzestext nicht aus, da die ULB Darmstadt Mitarbeitern von Firmen für deren (gewerbliche) Forschungen Zugang zur Bibliothek und den fraglichen Terminals gewährt. Darmstadt hat sogar (was ich prinzipiell völlig in Ordnung finde) spezielle Regelungen, wie Bibliotheksausweise von Vertretern von Firmen beantragt werden können.

    Sowohl in Darmstadt wie auch in dem vorhergehenden Würzburger Fall haben unsere Testpersonen aber auch - unabhängig voneinander - eidesstattlich versichert, dass sie als Walk-in User ohne jede Kontrolle auf Bibliotheksausweis etc. in den Lesesaal und an die Terminals kamen. Ebenso falsifiziert wurde die seinerzeit von der UB Würzburg aufgestellte Behauptung, dass das Herunterladen der Terminalinhalte nur „wenige Tage“ aufgrund einer technischen Panne möglich gewesen sei. Solche Aussagen müssen also nicht von vorneherein der Wirklichkeit entsprechen, auch wenn sie gewiss mit voller Überzeugung getätigt wurden.

    Übrigens finde ich es sehr schade, dass wir überhaupt in die Lage gekommen sind, über derlei juristische Feinheiten nachdenken zu müssen. Bei Beachtung der DFN-Empfehlungen durch die Bibliotheken oder bei Herausgabe inhaltlich entsprechender Empfehlungen durch den Bibliotheksverband hätte sich das vermeiden lassen.

  • krämer

    krämer

    An diejenigen, die glauben, Literatur würde vom kopierenden Publikum eine ähnliche Behandlung erfahren wie die Produkte der Musikindustrie:
    Von dem einen läßt sich nicht einfach auf das andere schließen.

    Das Raubkopier-Problem gibt es auch in der Software-Sparte, die ich viel repräsentativer finde für das Spektrum geeigneter Gegenmaßnahmen, die insgesamt als erfolgreich gelten können, und weder die freie Zurverfügung-Stellung, noch die Nutzung von freier Software (freeware) behindern. Noch dazu geführt haben, daß der Software-Pegel in der "digitalen Informationsgesellschaft" unterdrückt worden wäre.

    Bei der Software fällt folgendes ins Gewicht:

    1. Das Rechtsbewußtsein, nicht kopieren zu dürfen, über die Sicherungskopie hinaus, ist intakt, und blieb intakt nur durch permante Aufklärung: Leute, raubkopieren ist KEIN Kavaliersdelikt.

    2. Es gibt neben der Software, die vor der Betriebnahme freigeschaltet werden muß, sog. Shareware, die zunächst ausprobiert werden kann, und auch Freeware, die umsonst ist. Es gibt Demoversionen (eingeschränkte Funktion, oder eingeschränkte Laufzeit), und es gibt Light-Versionen, mit eingeschränktem Funktionsumfang, die aber dann 100% umsonst ist.

    3. Zahlreiche Versuche, Raubkopien mittels Kopierschutz, Lizenzkontrolle etc. zu verhindern, sind gescheitert, aber nicht alle.

    4. Eine Verweigerung der Kunden, zu kaufen, oder das Programm nutzen zu wollen, wegen eines Kopierschutzes, gibt es nicht. Der Kunde versteht das Mißtrauen, und akzeptiert pragmatische Einschränkungen, um Raubkopie zu verhindern.

    5. Dem Verwender von Raubkopien ist permanent bewußt, illegal zu handeln.

    6. Der Preis spielt eine große Rolle, bei subjektiv empfundenen überhöhten Preisen ist die Neigung zur Raubkopie größer.

    7. Die Bekämpfung der Raubkriminalität ist pragmatisch orientiert. (Bei Microsoft z.B. die bewußte Duldung des Raubkopierens im Interesse der Verbreitung und Etablierung der Software. Sonderrabatte für Studenten, Lehrer, nicht gewerbliche etc.)

    8. Es gibt verschiedene Preise, z.B. Campus-Lizenzen, Privat-Nutzer vs. Gewerblich

    Auch bei Software gibt es ein Problem für öffentliche Institutionen, den unerlaubten Gebrauch zu kontrollieren oder zu verhindern, wenn die Software im Rahmen des Betriebes bereit gestellt wird. Ich kenne nicht die heutige Situation diesbezüglich, aber nach Jahren angespannter Auseinandersetzung stellt sich das Problem inzwischen wohl etwas entspannter dar. Aber ich glaube, eine Voraussetzung für die Softwareindustrie für den Erhalt ihrer Existenz ist gewesen, nicht nachgelassen zu haben mit der Nachricht:

    Leute, Raubkopien sind KEIN Kavalliersdelikt, laßt das, Ihr zerstört damit unsere Existenzen.

    Und so ist es auch bei den digitalen Büchern. Wer umsonst publizieren will, "Freeware" nennt sich das bei den Software-Technikern, ein Klassiker ist da tex, bzw. latex, der darf das gerne tun, und soll auch nicht daran gehindert werden, aber andere müssen von ihren Leistungen existieren, und deshalb einen Preis fordern, und der ist nicht deshalb ungerechtfertigt, weil andere ehrenamtlich ähnliche Leistungen bereitstellen.

    Sogar noch, falls unter wettbewerbsökonomischen Aspekten die ehrenamtlichen Umsonstleistungen den gewerblichen das Wasser abgraben (Wettbewerbsverzerrung, Preisverfall), gibt es politische Interventionen, und anerkannte Regelungen. Nicht, um die freie Produktion zu schützen, sondern die gewerbliche zu schützen und zu erhalten.

    Deshalb nochmal, Leute: Raubkopien sind KEIN Kavaliersdelikt.

  • Dr. Joachim Losehand, M.A.

    Dr. Joachim Losehand, M.A.

    @ 78, Dr. Sprang ad 33, Kämper:

    Hier liegt ein Mißverständnis vor: die Lesegeräte der TU-DIGILEHRBUCH-Sammlung sind nicht identisch mit den „PC-Arbeitsplätzen“. Das geht aus einem Vergleich u. a. der im Internet verfügbaren Nutzungsbedingungen zu beiden techn. Geräten eindeutig hervor. [1]

    Aus der Benutzungsordnung der TU Darmstadt, pars pro toto für alle Universitätsbibliotheken geht hervor, daß

    a) die Bibliothek der Öffentlichkeit allgemein zugänglich ist (explizit bspw. in der BO der UB Oldenburg, § 4, 1) und „Lesesäle und Katalogräume [...] ohne förmliche Zulassung zugänglich (BO UB Darmstadt, § 3, 1)“ sind;
    b) jede natürliche Person über 16 Jahren einen Nutzerausweis erhält, die sich mind. 3 Monate in Deutschland aufhält, um hier zu wohnen, zu arbeiten oder zu studieren.

    Insofern ist es konform mit der BO und nicht im geringsten verwunderlich, daß die erwähnten „mystery user“ ohne Hindernis in die Lesesäle und an die Lesegeräte gelangen konnten.

    Das ist auch – aber ich bin Laie – in UrhG § 52b zu lesen: hier ist von „öffentlich zugänglichen Bibliotheken“ und allgmein von „eingerichteten Leseplätzen“ die Rede. Nicht also die Nutzergruppe wird durch § 52b und in der Folge in der BO eingeschränkt, sondern der Nutzungszweck: „für Forschung und private Studien“.

    Tatsächlich scheint es mir auch wenig einleuchtend, anders zu verfahren, resp. kaum zielführend nur angemeldeten Benutzern mit Ausweis Zugang zu den Lesegeräten zu gewähren. Denn so könnten interessierte Schüler unter 16 Jahren den Präsenzbestand und damit die Lesegeräte nicht nutzen, andererseits verhindert eine Einschränkung nicht, daß Studenten oder andere angemeldete Nutzer nicht doch am Lesegerät gewerbliche oder andere Zwecke verfolgen, die nicht unter „Forschung und private Studien“ zu subsumieren sind.

    Wie will man das kontrollieren? Mindscreening?

    [1] http://tudigilehrbuch.ulb.tu-darmstadt.de/informat ion.html und
    http://elib.lhb.tu-darmstadt.de/ulb/ls.htm?sid=hxw mfxxaso&mainfolder=Serv

  • krämer

    krämer

    Mit der Paragraphenreiterei wirds jetzt wirklich zu albern. Wo bleibt das Rechtsgefühl?
    Eben, da braucht es keine Kontrolle, dem Rechtgefühl die Einrichtungen, Erfüllungen zu schaffen, sondern das muß nur umgesetzt werden, auch unter Korrektur geltenden Rechts.
    Ist das so schwierig?
    Ist es zu schwierig zu verstehen, für Leistungen muß ein Gegenwert zurückkommen, eine Gegenleistung?
    Ist wirklich albern, bei Diskrepanz Paragraphenreiterei zu machen, anstatt den Sachvorgang ins Auge zu fassen: RAUB!

  • Hermann Riedel

    Hermann Riedel

    Ich würde hier gerne noch einmal den Fokus auf die Ausgangssituation lenken: es geht um Lehrbücher. Was ganz anderes sind Wissenschaftspublikationen, die in der Regel eine hochspezialisierte Gruppe ansprechen, sehr oft international ausgerichtet sind. Die Diskussionsbeiträge von Herrn Losehand gehen m.E. an diesem Aspekt vorbei.

    Pardon, wenn ich jetzt etwas ausführlicher schreibe. Ich kann hier nur für die technischen Fächer sprechen, in den anderen kenne ich mich nicht so aus, vermute aber, dass es zumindest in den (früheren) Diplomstudiengängen ganz ähnlich aussieht.

    Was ist hier die Herausforderung? Mit Einführung des Bachelorstudiums haben sich die Studienzeiten verkürzt, der Inhalte ist aber oft gleich geblieben. Studienanfänger bringen heute, so hören zumindest wir, schlechtere Vorkenntnisse, gerade in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern mit. Die Vorlesung reicht oft nicht, um den Stoff zu verstehen. Lehrbücher helfen, sie müßten aber eigentlich noch viel besser werden! Sie müßten didaktisch besser werden, zum Selbststudium geeignet sein. Das würden wir gerne machen, dafür suchen wir Autoren. Die sind aber schwer zu finden, denn ein Lehrbuch zu schreiben, bringt keinerlei wissenschaftliche Meriten. Möglicherweise aber noch Ärger, wenn Studierende finden, dass sich der Prof. über das Lehrbuch bereichert. Verständlich also, wenn Professoren abwinken - es lohnt nicht, und wenn man sich die Mühe spart, kritisiert einen niemand.

    Wenn es denn am Ende aber doch einer unternimmt, ein gutes Lehrbuch zu schreiben, macht er (oder sie) das idR nicht aus finanziellen Erwägungen. Zwar muss beim Lehrbuch meist kein Druckkostenzuschuss geleistet werden, aber von den Honoraren wird man sehr, sehr selten reich.

    Es sind also sehr individuelle und vielfältige Gründe, die Professoren zu Lehrbuchautoren machen. Nicht zuletzt kann dabei auch eine tiefe Wertschätzung für das Medium Buch, können gute Erfahrungen mit Verlagen und Lektoren dabei ein Rolle spielen.

    Die Situation war schon in der Vergangenheit ohne "Bestseller" wirtschaftlich nicht komfortabel Jetzt müßten wir eigentlich investieren: technisch in die Aufbereitung zum E-book, mindestens in den Formaten pdf (nicht Druck-pdf, sondern Internet optimiertes pdf mit Kapitelstruktur!) und möglichst auch noch xml, adaptierbar für die verschiedenen Derivate wie E-pub und mobipocket.
    Inhaltlich in didaktisch bessere Werke, in Autoren und Lektoren, die solche Werke hinbekommen. Leider ist der Wunsch, dass zumindest die Grundlagenausbildung in Bachelorstudiengängen hochschulübergreifend vereinheitlicht wird, im Ingenieurbereich überhaupt nicht erreicht worden. Spezialisierung, Profilbildung ist Trumpt, und damit ist enorm schwer, Lehrbüchern über einen Standort hinaus Verbreitung zu verschaffen. In Werbung und Vertrieb sollen wir also auch investieren, den lokalen Buchhandel in seinen Anstrengungen unterstützen. Alles richtig, alles ganz notwendig.

    Vielleicht wird daraus verständlich, warum Verleger so empfindlich reagieren, wenn sie die Rechte ihrer mühevoll gewonnenen Autoren, und ihre eigenen natürlich auch, verletzt sehen.

    Um hier auch etwas zum Kostenargument zu sagen: GfK-Zahlen lege nahe, dass Ingenieurstudenten etwa 5 Bücher pro Jahr (à etwa 30 Euro) kaufen. Diese Zahl wird auch etwa durch unsere Campusbefragungen gestützt. Wir sprechen also von rund 150 Euro pro Jahr. Zumutbar für zukünftige Ingenieure?

    Ich will gar nicht leugnen, dass Verlage auch wirtschaftliche Interessen haben. Wir glauben aber auch, dass ohne uns, ohne unsere Anstrengungen, mit unseren Autoren gemeinsam gute Bücher zu machen, weniger gute Lehrbücher gäbe. Das wäre m.E. der Preis, der zu akzeptieren wäre, würde sich das Beispiel der TU Darmstadt durchsetzen.

  • Dr. Joachim Losehand, M.A.

    Dr. Joachim Losehand, M.A.

    @ 82, Hermann Riedel

    Sehr geehrter Herr Riedel,

    vielen Dank für Ihren (nicht korrigierenden, aber „zurechtrückenden“) Hinweis auf die Perspektive meiner Beiträge. Völlig d’accord, in meinen „Heimatdiszplinen“, den historischen Disziplinen und der Archäologie gibt es keine Lehrbücher. Das heißt: natürlich finden sich hinreichend Überblicksdarstellungen von Autoren und Verlagen zu einzelnen Epochen und Zeitabschnitten der Menschheitsgeschichte. Auch aus drei bis vier „Einführungen in das wissenschaftl. Arbeiten“ pro Epoche werden angeboten.

    Nicht angeboten werden hingegen in den neuen Studiengängen die zugehörigen Überblicksveranstaltungen, der vollmodularisierte Aufbau der Studien gebiert singuläre Veranstaltungen zu den „Zünften“ oder dem „Prinzipat“, was schon einen enorm weiten Blick auf die Epoche verspricht, sicher werden irgendwo Module auch mit „Brot und Spiele unter Kaiser Titus“ bestückt. Studentische Nachfrage für „Römische Geschichte I-VI“ oder „Hellenismus I-II“ oder meinetwegen „Die Klassik“ gibt es, aber kein aber universitäres Angebot. Zu wenig sexy, findet die Akkreditierungsagentur.

    Richtig auch ein grundsätzlicher Mentalitätswandel: während vor genau zwanzig Jahren an der Hochschule für Philosophie in München das eigene Buch (TB) des Professors Basislektüre für die einführende Überblicks-Vorlesung war und das in leuchtendem gelb (oder rot oder orange oder hellblau – Ricken: Antike Philosophie für 35,80 DM) in der zweiten Sitzung bei 3/4 aller Hörer vor ihnen auf dem Pult lag, brauchen wir heute überhaupt nicht mehr davon anfangen. In den Universitäts-Buchhandlungen am Ort weiß keiner mehr, was im aktuellen Semester in Geschichte gelehrt wird, die Veranstaltungen spiegeln sich nicht mehr in der Auslage.

    Perdu.

    Aber früher war auch nicht mehr Lametta – es glänzte in der Rückschau nur ein bißchen festlicher.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    So ganz richtig ist das ja auch nicht. Es gibt eine große Zahl an Lehrbüchern für das Studium der Geschichte. Und die Verkaufszahlen sind seit der bachelorisierung auch nicht eingebrochen, sondern recht konstant. Ein armes Opfer des Casus Darmstadt ist ja gerade die Einführung in die Neuere Geschichte, deren Verkaufszahlen respektabel sind.

    Auch beim Thema Honorare möchte ich das so nicht stehen lassen (Herrmann: ich kenne natürlich die Ingenieurswissenschaften nicht...). Die Honorarsätze für Lehrbücher dürften im gesamten Verlagswesen zu den höchsten gehören, früher bei 10% vom LP, heute etwas niedriger, aber immer noch erheblich über den Honoraren für die meisten anderen Warengruppen und nicht allzu weit von der Belletristik entfernt.

    So, jetzt wünsche ich mir, dass die Gerichte uns schnell sagen, was Sache ist und wir dann auf dieser Basis gemeinsam mit den Bibliotheken eine Regelung finden, mit denen beide leben können und die für die Lehre ein Fortschritt ist.

    An alle ideologisch aufgeladenen Internetfreaks und zwanghaften Piraten: schreibt Euch selbst ein Buch, stellt es online und ladet es dann in einem fort runter, saugt, bis ihr Sterne seht.

    Allen anderen frohe Ostern. Genießt das schöne Wetter da draussen, lest den Blog nicht mehr sondern ein schönes Buch.

    Herzlichst
    Matthias Ulmer

  • Otto Klein

    Otto Klein

    Man kann sich bei der ganzen Geschichte mal fragen: Wer schreibt die Beiträge für die Lehrbücher ? Die Dozenten und Professoren. Und wann ? Wären ihrer Arbeitszeit an den Hochschulen ? Wer zahlt sie in der Zeit ? Der Steuerzahler. Die Preise für Bücher und Zeitschriften sind in den letzten Jahren explodiert. Wen wunderts wenn Bibliotheken bei engen Budget und Personaleinsparungen zu sollchen Mitteln greifen.

  • Clemens Wudel

    Clemens Wudel

    Ich bin der Meinung, dass man die Digitalisierung von Medien nicht mehr aufhalten kann. Vielleicht etwas verzögern. Im Grunde ist Papier nur ein Umweg. Erst eine digitale Druckdatei - dann Buchdruck - und dann scannen.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Kurze Antwort auf die Fragen von Herrn Klein:

    Die Lehrbücher werden von Dozenten und Professoren geschrieben, richtig. Sie schreiben sie aber in der Regel in der Freizeit. Während der Arbeitszeit ist dafür wirklich keine Zeit mehr. Und in der Freizeit werden sie nicht bezahlt, schon gar nicht vom Steuerzahler. Und die Preise für Lehrbücher sind nicht explodiert. Aber ich lasse mir gerne Beispiele nennen. Bei den Zeitschriften sind die Preise von einer Hand voll explodiert. Aber es gibt eben nicht nur die Naturwissenschaften. Diese machen keine 20% des Gesamtvolumens aus. Und auch in den Naturwissenschaften sind nur bei sehr wenigen die Preise explodiert. Dass das die Wichtigsten sind, das glaube ich gerne. Aber wenn bei 1% der Zeitschriften die Preise explodieren, nehmen Sie dafür die übrigen 99% in Haft?
    Und es gibt selbst bei den besagten wissenschaftlichen Zeitschriften sehr viele Gründe für die Preissteigerungen, die die Universitäten selbst zu verantworten haben, etwa die auf Grund der Evaluierung und Berufungsverfahren enorm gestiegene Zahl an Aufsätzen.

  • Leser aus dem Nachbarland

    Leser aus dem Nachbarland

    Wie sieht die Zukunft des Buchvertriebs aus?

    Ich verfolge die Diskussion über Ebooks aus der Schweiz und hier ist es so, dass man eben in die Bibliotheken der Universitäten gehen und sich die Ebooks auf USB laden kann.

    Ich verstehe die wütenden Versuche der deutschen Verlage, ihre hohen Investitionen in die Buchauflagen auch zurückzuverdienen, aber ich sehe nicht, wie die Verlage das schaffen können, was die (viel mächtigere) Musik- und Filmindustrie in den Jahren zuvor nicht geschafft hat.

    Ein Verbot macht hier vielleicht nur Sinn, wenn es länderübergreifend beschlossen und auch verfolgt wird. Solange in Deutschland der Zugang zu den Ebooks beschränkt wird, aber in den Nachbarländern frei ist, findet sich letztendlich alles wieder in den Tauschbörsen.

    Bald ist Pfingsten - vielleicht gibt es da ja Inspirationen zu neuen Vertriebsmodellen:-)

    Herzlichst aus der Schweiz

  • B.-C. Kämper

    B.-C. Kämper

    "Nach der Vorlesung strömen die Studenten nicht zum Buchhändler, um die Literatur für das Semester zu kaufen, sie strömen mit gezücktem UTB-Stick in die Bibliothek." - damit soll nach dem Willen des Verlegers Matthias Ulmer jetzt endlich Schluss sein.

    Schluss mit Bibliotheken als Download-Station und Copyshop! Das neue Vertriebsmodell soll mit willigen Bibliotheken im Test erprobt und gemeinsam beworben werden. Die begleitende Plakataktion mit dem griffigen Slogan "Stiehlst du noch - oder zahlst du schon?" ist ein klares Statement gegen die Gratis-Kultur und soll die utb-studis für den Wert geistigen Eigentums sensibilisieren.

    "Stiehlst du noch - oder zahlst du schon?"
    http://log.netbib.de/archives/2009/04/25/stiehlst- du-noch-oder-zahlst-du-schon/

  • ruynk

    ruynk

    IMHO kämpfen die Verlahge einen verlorenen Kampf, versuchen aber so lange es geht das Eier legende Huhn zu behalten.
    Die Authoren sind nicht dumm und die Leserschaft noch weniger, das Mark-Modell der Zukunft wird wahrscheinlich eher so aussehen, dass die Authoren die Werke (gegen Gebühr) zum Runterladen bereit stellen und die Leser sich diese einfach runterladen und nach Wunsch/Bedarf das ausdruecken, was sie brauchen (umweltfreundlicher?).
    Ich sehe in der Zukunft kaum ein Platz fuer Verleger... Möglicherweise eher als "Print On Demand" Unternehmen. Das wird die neue Welt sein, ob schön oder nicht ist eine andere Frage, wobei alles gute und schlechte Seiten hat, ich persönlich finde die Entwicklung nicht schrecklich.

    • ...

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