Europäische Kommission

Neue Förderprogramme: Ist was für die Verlagsbranche dabei?

3. Juli 2015
von Börsenblatt Online
Kreatives Europa heißt ein neues Förderprogramm der Europäischen Kommission, das 2014 bis 2020 läuft. Mit einem Budget von 1,46 Mrd. Euro will das Programm die Kreativbranchen Europas fördern, und soeben wurden die ersten Ausschreibungen veröffentlicht. „Ach ja, und was hat das mit mir zu tun?“ werden sich jetzt viele KollegInnen aus der Verlagsbranche fragen. Genau das habe ich mich auch gefragt und angefangen, in Brüssel zu recherchieren. Hier die ersten Ergebnisse. 

Ein neues Verständnis von Kultur

Dass ihr Geschäft an der Schnittstelle von Kultur, Politik und Wirtschaft angesiedelt ist, ist für die Verlagsbranche nichts Neues. Neu ist jedoch, dass sich auch die Grenzen zu anderen kreativen Branchen wie Film, Spiele, Journalismus und Musik verwischen, dass Technologie ein zunehmend bedeutender Erfolgsfaktor ist, und dass es immer wichtiger wird, Produkte und Services grenzüberschreitend anzubieten. Diese Trends zeigen sich überall in der Branche, sie zeigen sich auf der Frankfurter Buchmesse – und spiegeln sich auch in dem neuen EU-Förderprogramm Kreatives Europa, wie Alessandro Senesi, stellvertretender Referatsleiter Kultur im EU Generaldirektorat für Bildung und Kultur, sagt:  “Es ist nicht so, dass wir, also die Kommission, eine spezielle Art von Förderung oder von Geschäftsmodell forcieren wollen. Unsere Förderstrategien basieren auf dem Bedarf des Kultur- und Kreativsektors – und dieser verändert sich derzeit rasant“.

Und ein neues Verständnis davon, was die europäische Verlagsbranche braucht

Konkret bedeutet das: Die neuen Förderprogramme der EU zielen darauf ab,  die kreativen Branchen, darunter auch die Verlagsbranche, mit Technologieanbietern zu vernetzen und einen digitalen europäischen Markt für kulturelle Services und Produkte zu schaffen. Kleine und mittelständische Unternehmen (SME) stehen im Fokus der Förderung, ebenso wie die Frage, wie Innovation finanziert werden kann – die Finanzierungslücke für den Kultur- und Kreativsektor werde von der Kommission auf ungefähr 4,8 Mrd Euro europaweit geschätzt, so Senesi.

Literaturübersetzungen stehen nicht mehr allein im Mittelpunkt dieser Förderstrategie (obwohl auch hier geplant ist, die Übersetzung und das Marketing von rund 4,500 Titel zu unterstützen). Für die Verlagsbranche öffnen sich weitere Förderoptionen, deren Ziele kurz gesagt wie folgt sind:  

Einmal sollen die Fördermittel helfen, Kultur grenzüberschreitend zu gestalten. Die Professionalisierung der kulturellen Akteure steht hier ebenso im Vordergrund wie das „audience development“, also der Versuch, ein Publikum für kreative Services und Produkte aufzubauen. Hinzu kommt eine Reihe von Finanzinstrumenten, mit Hilfe derer die EU-Kommission die Kapitalflüsse in den Kreativindustrien verbessern will, und Investitionen in Innovation unterstützen will. Denn obwohl die kreativen Branchen 4,5 Prozent des EU-Bruttosozialprodukts ausmachen – und damit mehr als etwa die Automobilindustrie – sind Geldgeber gegenüber „Kreativen“ immer noch misstrauisch:  “Banken können die Bilanzen von Kreativunternehmen oft nicht beurteilen, da dort wenig materielles Vermögen verzeichnet ist – und das immaterielle Vermögen wie geistiges Eigentum oder andere wissensbasierte Posten sind schwer zu beurteilen“, so Senesi. Das Risiko für Kredite werde daher oft höher eingeschätzt als es tatsächlich ist. Deswegen plant die EU ab 2016 ein Finanzinstrument, das für den Ausfall von Krediten bis zu einer Höhe von 121 Mio. Euro bürgt. Teilnehmende Banken können diesen Fond bei Bedarf in Anspruch nehmen, und müssen im Gegenzug Kredite an SMEs aus dem Kreativsektor vergeben sowie maßgeschneiderte Services anbieten. Der Lerneffekt wird einer der wichtigsten Effekte aus dem Programm sein: Die EU plant Trainings für Banken, damit sie die „Kreativen“ besser verstehen. Jetzt müssen nur noch die Kreativen die EU besser verstehen....

Mehr Informationen zum Förderprogramm Kreatives Europa finden Sie auf englisch auf der Website der EU Kommission http://ec.europa.eu/culture/creative-europe/calls/index_en.htm

oder (ebenfalls auf englisch) im Blog der Frankfurter Buchmesse: http://blog.book-fair.com/2013/11/29/eu_programme_creative_europe/