10 Jahre Traduki - Netzwerk für Literatur und Bücher

Ein Vorbild für die EU

Auf der Leipziger Buchmesse wurde das zehnjährige Jubiläum des Netzwerks Traduki gefeiert. Mit dabei war der Schriftsteller Christoph Ransmayr, Ex-Außenminister Sigmar Gabriel ließ sich hingegen vertreten. VON HOLGER HEIMANN

Kultur über Grenzen: viele Wegbegleiter

Kultur über Grenzen: viele Wegbegleiter © Tobias Bohm

Zu einem Fest des Übersetzens wurde die Feier des zehnjährigen Bestehens des europäischen Netzwerks für Literatur und Bücher Traduki im Café Europa auf der Leipziger Buchmesse. Einen passenderen Ort hätte es kaum geben können, denn in Leipzig wurde das Netzwerk, an dem Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Deutschland, Kosovo, Kroatien, Liechtenstein, Mazedonien, Montenegro, Österreich, Rumänien, die Schweiz, Serbien und Slowenien beteiligt sind, begründet.

Michael Roth

Michael Roth © Tobias Bohm

900 Übersetzungen in zehn Jahren

"Übersetzer tragen dazu bei, dass wir uns besser verstehen in Europa", sagte Michael Roth, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, der anstelle des früheren Außenministers Sigmar Gabriel nach Leipzig gekommen war. Nicht der Euro zähle, sondern kulturelle Vielfalt und Respekt. Roth wies darauf hin, dass mit Hilfe von Traduki in zehn Jahren über 900 Bücher übersetzt wurden. Somit eröffne sich die Möglichkeit, einander besser zu verstehen und voneinander zu lernen.

Mirela Kumbaro-Furxhi

Mirela Kumbaro-Furxhi © Tobias Bohm

Auch die albanische Kulturministerin Mirela Kumbaro-Furxhi, die stellvertretend für ihre Kollegen aus den anderen beteiligten Ländern sprach, hob die Chance zur Verständigung durch das Netzwerk hervor. "Die Sprache Europas ist die Übersetzung", hat der italienische Schriftsteller Umberto Eco mit Hinweis auf die Vielsprachigkeit des Kontinents einmal gesagt. Kumbaro-Furxhi zitierte Eco nun und fügte an: "Wir sind eine große Familie, die um einen runden Tisch sitzt." Das Netzwerk Traduki umspannt mittlerweile einen Kulturraum von zehn Sprachen und 14 Ländern. "Tradukistan" könne mithin als Modell der Integration für die EU betrachtet werden, so Kumbaro-Furxhi.

Christoph Ransmayr

Christoph Ransmayr © Tobias Bohm

"Wir brauchen mehr Tradukis"

Der österreichische Schriftsteller Christoph Ransmayr, ein Vielreisender, hatte Traduki zum Jubiläum einen kleinen Text der Erinnerung zum Geschenk gemacht. "Verriegelte Orte, luftige Räume" nannte Ransmayr seine Kindheitserinnerung an den Vater, der mit Vorliebe Selbstgespräche auf Russisch geführt hatte – belauscht von seinem Sohn. Dieser hatte als Schuljunge noch geglaubt, das fremde Idiom würde quasi von selbst zur vertrauten Sprache werden. Wie viel Mühe es macht, sich eine andere Sprache anzueignen, begriff er erst später. Auch Ransmayrs Dank galt mithin den Übersetzern – die neben Autoren, Verlegern, Journalisten das Café Europa bis zum Rand füllten. Und der Dank ging natürlich an Traduki. Wie hatte Roth gesagt: "„Wir bauchen mehr Tradukis."

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