Aktion #FreeWordsTurkey“

"Meinungsfreiheit ist kein Verbrechen"

Mit „Für das Wort und die Freiheit #FreeWordsTurkey“ hat der Börsenverein eine Kampagne für Meinungsfreiheit in der Türkei gestartet – im Verbund mit Partnern. Denn: Ein Menschenrecht steht auf dem Spiel. SABINE CRONAU

Lichtaktion zur Meinungsfreiheit in der Türkei am Bundeskanzleramt

Lichtaktion zur Meinungsfreiheit in der Türkei am Bundeskanzleramt © Martin Peterdamm

Normalerweise werden aus dem Bundeskanzleramt in Berlin politische Nachrichten in alle Welt verschickt – in der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde das Gebäude selbst zur Projektionsfläche für eine Botschaft an die Bundeskanzlerin: „Für das Wort und die Freiheit. #FreeWordsTurkey“ war dort mit Licht geschrieben zu lesen – das Motto einer groß angelegten Kampagne für Meinungsfreiheit in der Türkei, die der Börsenverein in dieser Woche gestartet hat: www.freewordsturkey.de.

Als Partner sind das PEN­Zentrum Deutschland und der Verein Reporter ohne Grenzen mit im Boot.

Petition an die Bundesregierung – „Meinungsfreiheit wird mit Füßen getreten“

Gemeinsam rufen die drei Organisationen alle Bürger dazu auf, eine Online-Petition an die Bundesregierung und die EU-Kommission zu unterzeichnen. In dem Schreiben, das an Bundeskanzlerin ­Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker adressiert ist, heißt es:

„In der Türkei wird die Meinungsfreiheit mit Füßen getreten. Die Freiheit des Wortes ist ein Menschenrecht und nicht verhandelbar. Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit sind die Grundlage ­einer freien und demokratischen Gesellschaft. Wir fordern die Bundesregierung und die EU-Kommission auf, klar Position zur Lage in der Türkei zu beziehen, die Meinungsfreiheit in ihren Entscheidungen, Handlungen und Äußerungen kompromisslos und aktiv einzufordern und sie nicht zum Verhandlungsgegenstand zu machen.

Wenn in der Türkei und an anderen Orten der Welt die Meinungsfreiheit angegriffen und massiv eingeschränkt werde, müssten Bundesregierung und EU-Kommission ihre Politik gegenüber solchen Ländern überprüfen, so die drei Aktionspartner in ihrem Aufruf weiter: „Zudem benötigen betroffene Journalisten und Autoren schnelle Hilfe von Deutschland und Europa, zum Beispiel durch die unbürokratische Ausstellung von Nothilfe-Visa.“

Politische Lichtkunst

Solche Botschaften brauchen manchmal starke Bilder, damit sie in der Öffentlichkeit auch wahrgenommen werden: Deshalb will das Bündnis gleich mit mehreren aufmerksamkeitsstarken Aktionen für die Kampagne #FreeWordsTurkey werben. Die Idee für die Lichtinstallation in Berlin wurde mit der gemeinnützigen Organisation Pixelhelper realisiert, Spezialist für politische Aktions- und Lichtkunst.

Schon am vergangenen Freitagabend hatte der Börsenverein seine Mitglieder via Newsletter über den Start von #FreeWordsTurkey informiert, am Samstag kam die aktuelle „Spiegel“-Ausgabe mit einer Exklusivmeldung zur Aktion heraus, die auch über die Nachrichtenagenturen verbreitet wurde. Anfang der Woche entwickelte sich über die sozialen Netzwerke nach und nach der erhoffte Schneeballeffekt: Bis Redaktionsschluss hatte die Online-Petition 30.000 Unterzeichner gefunden – darunter Verleger und Buchhändler, aber auch prominente Autoren und Autorinnen wie Nina George, die ihre Unterschrift mit Blick auf inhaftierte Autoren und Journalisten so kommentierte: „Meinungsfreiheit ist kein Verbrechen.“

Zeichen setzen - „Für das Wort und die Freiheit“

„Für das Wort und die Freiheit“: Zu diesem Leitmotiv widmet sich der Börsenverein seit über einem Jahr besonders intensiv dem Thema Meinungsfreiheit – Auslöser war der Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ im Januar 2015. Die Politik müsse das Recht auf Meinungsfreiheit kompromisslos vertreten und dürfe es nicht aufgrund von Nützlichkeitserwägungen aufs Spiel setzen, betonte Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis jetzt zum Start von #FreeWordsTurkey: „Lassen Sie uns gemeinsam das Schweigen brechen und ein Zeichen für die Meinungsfreiheit setzen.“

Verlagsschließungen und Inhaftierungen in der Türkei nach dem Putschversuch

In der Türkei sind nach dem gescheiterten Putschversuch im Juli rund 130 Medienhäuser geschlossen worden – darunter 29 Verlage. Mindestens 60 Journalisten und Autoren wurden verhaftet. Wie Spiegelonline meldet, hat der Satelliten- und Kabelfernsehanbieter Türksat die Ausstrahlung des prokurdischen Fernsehsenders Özgür Gün eingestellt. Schon in den vergangenen Wochen waren die Behörden verstärkt gegen prokurdische Medien vorgegangen. Am Sonntag sollen 25 Mitarbeiter der kurdischsprachigen Zeitung "Azadiya Welat" festgenommen worden sein, wie der Sender IMC TV berichtete.

Dass die Verhaftungen und Einschüchterungen von Autoren in der Türkei umgehend aufhören müssen, unterstreicht Sascha Feuchert, Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des PEN-Zentrums Deutschlands: „Wir haben das Recht und die Pflicht, für die Kollegen zu kämpfen, weil nicht nur die türkische Demokratie massiv gefährdet wird, sondern durch die Tatenlosigkeit der europäischen Politik gegenüber diesen Vorgängen auch unsere Werte massiv beschädigt werden.“

Michael Rediske, Vorstandssprecher von Reporter ohne Grenzen, bringt die Lage kurz und knapp auf den Punkt: „Schweigen ist angesichts der Situation in der Türkei keine Option.“

Alle drei Organisationen setzen nun auf die Unterstützung von Mitgliedern und Bürgern – und auf eine gemeinsame Bewegung der Buch- und Medienbranche, nicht nur im Inland. Schließlich richtet sich die Petition auch an die EU-Kommission in Brüssel. 

Mitmachen bei "Für das Wort und die Freiheit #FreewordsTurkey": So geht's

Herzstück der Kampagne ist die Online-Petition auf der Plattform change.org,  die bis zur Veröffentlichung dieses Artikels 31.899 Unterstützer gefunden hat.

Website mit Unterzeichner-­Kommentaren von Buchhändlern, Verlegern, Autoren unter www.freewordsturkey.de/petition/

Plakat zur Aktion

Ein Plakat zur Aktion liegt dieser Börsenblatt-Ausgabe bei, kann aber auch im ­Internet heruntergeladen und ­ausgedruckt werden. Es wirbt im A2-Format in deutscher, türkischer und englischer Sprache für die Online-Petition.
Download des Plakatmotivs unter www.freewordsturkey.de

Banner / Layer
Bannern / Layer auf der eigenen Website können Buchhandlungen und Verlage für die Aktion werben und ihre Kunden und Leser zur ­Online-Petition weiterleiten. Unter www.freewordsturkey.de steht ein Javascript bereit, das ein an die Bildschirmgröße angepasstes Banner einblendet.

Auch in die E-Mail-Signatur lässt sich die Kampagnenbotschaft aufnehmen – zum Beispiel mit Aufruf und Button. Formulierungsvorschlag: „Fordern Sie Meinungs­freiheit in der Türkei ein! Unterzeichnen Sie die Petition unter www.freewordsturkey.de/petition #FreeWordsTurkey“.


Mehr zur Lage in der Türkei:

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1 Kommentar/e

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  • Dax

    Dax

    Was dort in der Türkei abgeht ist wirklich ungeheuerlich für ein Land, das in die EU möchte.

    Dennoch wundere ich nach wie vor, wo damals der Aufschrei in Sachen Meinungsfreiheit blieb, als Akif Pirincis Worte aus dem Zusammenhang gerissen und er daraufhin in Deutschland kalt gestellt wurde? Und der Börsenverein machte dabei auch nich mit.

    • ...

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