Börsenverein kritisiert Verbot von VG-Wort-Ausschüttungen an Verlage

"Schwerer Schlag für Verlagskultur in Deutschland"

Der Börsenverein befürchtet in Folge des VG-Wort-Urteils Insolvenzen im Verlagsbereich - und fordert eine gesetzliche Korrektur der Entscheidungen des Bundesgerichtshofs und des Europäischen Gerichtshofs. In Frankfurt will man die Möglichkeit einer Verfassungsbeschwerde prüfen, wie der Verband mitteilt.    

Verlage in Deutschland sollen keinen Ausgleich mehr erhalten, wenn ihre Werke privat vervielfältigt oder in sonstiger gesetzlich zulässiger Weise genutzt werden. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) mit seiner Zurückweisung der Revision der Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) gegen eine Klage des Autors Martin Vogel heute entschieden. Demnach sollen Verlage nicht mehr an den Ausschüttungen von Verwertungsgesellschaften beteiligt werden. Der Börsenverein wertet das Urteil als schweren Schlag für die einzigartige deutsche Verlagskultur. "Das Urteil ist kulturpolitisch höchst problematisch. Es beendet das seit Jahrzehnten bestehende fruchtbare Miteinander von Urhebern und Verlagen in den urheberrechtlichen Verwertungsgesellschaften. Wir brauchen umgehend eine gesetzliche Korrektur der Entscheidungen von BGH und Europäischem Gerichtshof, sonst droht die Insolvenz etlicher kleiner und mittlerer Verlage", sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Der Börsenverein setzt dabei auf die Entschlossenheit der politisch Handelnden. "Der Zustand, den wir jetzt haben, war nie der wahre Wille des Gesetzgebers. Das ist auch in der Politik unumstritten", so Skipis. "Wir verlassen uns deshalb auf die Zusagen von Bundesjustizminister Heiko Maas, Kulturstaatsministerin Monika Grütters und EU-Kommissar Günter Oettinger. Sowohl im europäischen Recht als auch im deutschen Urheberrecht muss unverzüglich klargestellt werden, dass auch Verlage Rechteinhaber sind, denen ein Ausgleich für gesetzlich zulässige Nutzungen ihrer Werke zusteht.“

Den Verlagen drohen jetzt Rückzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe an die VG Wort, VG Bild-Kunst, GEMA und VG Musikedition. Damit werde eine große Zahl von Verlagen mittelfristig wegen der notwendigen Rückstellungen und der ausbleibenden Einnahmen von Verwertungsgesellschaften wirtschaftlich nicht länger überlebensfähig sein, so der Börsenverein. Die Rückforderungen betragen – je nach Verlag – zwischen 20 und 200 Prozent des durchschnittlichen Jahresgewinns.

„Jeder Außenstehende und vor allem jeder Politiker sollte nachvollziehen können, dass hier im Urheberrecht etwas vollständig aus dem Ruder gelaufen ist. Die Ausschüttungen der VG Wort gelten für Werke, bei denen Verlage Satz, Druck, Lektorat, Marketing, Werbung und Vertrieb auf eigenes Risiko finanziert haben und die ohne diese Leistungen überhaupt nicht genutzt werden könnten. Sie gelten nicht für Manuskripte der Autoren“, so Skipis. Seit dem frühen 19. Jahrhundert sei es geltendes Recht gewesen, die Ausschüttungen von Verwertungsgesellschaften zwischen Verlagen und Autoren aufzuteilen, weil Verlage für ihre Leistungen honoriert werden müssen, argumentiert der Verband.

An dem jetzt vom Bundesgerichtshof entschiedenen Verfahren war als Streithelfer der VG Wort auch der Verlag C.H. Beck beteiligt. Dieser wird nun die Urteilsbegründung des BGH abwarten und dann prüfen, ob er gegen das Urteil Verfassungsbeschwerde einlegen wird.

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16 Kommentar/e

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  • Peter Herren

    Peter Herren

    "Das seit Jahrzehnten bestehende fruchtbare Miteinander von Urhebern und Verlagen"? Dass ich nicht lache. Ein Blick in die heutige Verlagskultur - und jedem wird klar, dass unbedingt eine Menge Verlage pleite gehen müssen, damit sie endlich aufwachen und sich auf ihren eigentlichen Auftrag besinnen.

  • Anonym

    Anonym

    An der Reaktion und an den in die Waagschale geworfenen Zahlen zeigt sich, daß das Geschäftsmodell Verlag offensichtlich nur funktioniert, weil ganze Berufsgruppen in unserer Gesellschaft ausgebeutet und unterbezahlt arbeiten - die oben erwähnten Lektoren und Grafiker (die die Verlage nicht selten ausgelagert haben) neben den Autoren und Übersetzern ja im Übrigen auch. Die Verlagswelt ist also offensichtlich quersubventioniert.
    VIve versa ließe sich sagen: Wird eine neue Berechnung rechtskräftig und üblich und sind dann dem Berufsfeld Autor und Übersetzer finanziell bessere Aussichten einzuräumen - würde dies dann die auf der Verlagsseite verlorengehenden Arbeitsplätze ersetzen. Die oben angeführte Logik ist also umkehrbar und auch für das Urteil einwendbar.

  • Jochen Hoff

    Jochen Hoff

    Alexander Skipis betont, die kultupolitische Wichtigkeit der Verlage. Das befremdet doch stark. Niemand würde auf die Idee kommen eine Großschlächterei als kulturell bedeutend zu bezeichnen. Verlage sind Wirtschaftsunternehmen deren einziges Ziel die Maximierung von Gewinnen ist. Das ist legitim hat aber nichts mit Kultur zu tun. Die Verlage versuchen zwar dadurch Kultur zu definieren, dass sie bestimmen welche Inhalte die Bürger kaufen dürfen, aber wenn da zufälligerweise Kultur vermarktet wird, ist das dem Autor geschuldet und bei den Verlagen eher ein Betriebsunfall. Wenn Verlage ohne illegale Quersubventionen nicht existieren können, dann müssen sie vom Markt verschwinden. Das ist genau die doch stets gerühmte Marktwirtschaft. Mann kann diese Marktwirtschaft nicht nur immer anderen empfehlen, sondern muss sie auch selbst aushalten.

  • Katharina Arnold

    Katharina Arnold

    Ich würde gerne auf die Kommentare der beiden "Vorschreiber" reagieren, die offensichtlich so überhaupt keine Vorstellung davon haben, welche Rolle der Verlag im Buchentstehungsprozess spielt. Es kommt nicht selten vor, dass Idee, Gliederung, didaktische Elemente usw. aus dem Lektorat stammen, nicht aus der Feder des Autors. Selbst die Texte selbst lassen sich oftmals nur deshalb flüssig lesen und sind nur deshalb verständlich, weil Verlagsmitarbeiter die ursprünglichen Formulierungen des Autors "geglättet" haben. Und ohne professionelles Marketing und Vertrieb würden allzu viele Bücher gar nicht erst das Licht der (Leser-)Welt erblicken! Daher erlauben Sie mir die Frage, Herr Herren: Was ist denn bitte Ihrer Ansicht nach der "eigentliche Auftrag" der Verlage???

  • Ludwig Rotlaub

    Ludwig Rotlaub

    Zum ubiquitären Jochen Hoff:
    Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass die (Lektorats-)Tätigkeit von Verlagen doch nicht so entbehrlich ist, dann ist es dieser Post: Fünf Interpunktionsfehler in zehneinhalb Zeilen: nicht schlecht...

  • Jochen Hoff

    Jochen Hoff

    Sehr geehrte Frau Arnold. mit anderen Worten sind ihre Autoren nicht in der Lage drei verständliche Zeile zu schreiben, können keine Story entwerfen und sind sprachlich auf dem untersten Niveau. Dann liebe Frau Arnóld haben sie keine Autoren sondern Namen und Gesichter als Maske für Bücher die ihr Verlag erstellt hat. Wenn ich sehe was da so an Büchern rüberkommt dann stimme ich ihnen zu. Das einzige was sie am Leben erhält ist ihr Zugang zum Buchhandel und die Gelder der VGs die eigentlich den Urhebern gehören solllten. Bei mir haben sie recht. Ich bin so ein völlig unfähiger Autor. Deshalb habe ich eine Koautorin, ein Korrektorat und ein Lektorat und selbstverständlich werden Bücher auch später noch einmal überarbeitet. Aber für all das brauche ich keinen Verlag. Da sie gefragt haben. Es gibt keinen sinnvollen Grund mehr für Verlage. Sie sind ein Auslaufmodell. Der Markt wird sie aussteuern.

  • Autorin

    Autorin

    Genau, Frau Arnold, Autorinnen und Autoren sind überwiegend selbst gar nicht in der Lage, auch nur einen Satz geradeaus zu schreiben.
    Dass Verlage Texte auf die Bedürfnisse eines von ihnen vermuteten Marktes zurechtgebogen werden, kostet natürlich ganz schlimm Geld, die den Autoren anzulasten ist.
    Von dem, was viele Verlage in der Realität so nicht leisten, fang ich lieber gar nicht erst an.

    Ich finde aber belustigend, dass die Verlage die Rechtmäßigkeit der Beteiligung damit begründen, dass sie drauf angewiesen sind. Damit ließe sich freilich jeder Bankraub legitimieren.

  • Katharina Arnold

    Katharina Arnold

    Dass Autoren nicht dazu in der Lage seien, auch nur einen Satz geradeaus zu schreiben, das stammt jetzt von Ihnen, "Autorin". Wir haben viele ganz wunderbare und ungemein talentierte Autoren auf dem deutschen Buchmarkt - ohne Frage! Ich wollte hingegen auf das Prinzip der Mäeutik heraus: Verlage sind oftmals die Hebammen auf dem Buchmarkt. Sie helfen den Autoren dabei, "ihr Baby" auf die Welt zu bringen. Übrigens: Sehr viele, sehr erfolgreiche Autoinnen und Autoren sind sich desser sehr wohl bewusst und dankbar dafür.

  • Passant

    Passant

    Das Mißverständnis (oder eher: die (bewußt?) irreführende Formulierung) "ihre Werke" am Anfang des Artikels zeigt schon, wo es im Argen liegt: Es sind nicht die Werke der Verlage sondern die Werke der Autorinnen oder Autoren, wozu die Verlage gerade nicht gehören. Verlage stellen her und vertreiben, aber sie sind eben nicht die Urheber der Werke.

  • Jochen Hoff

    Jochen Hoff

    Nein Frau Katharina Arnold, wie die Autorin schon richtig festgestellt hat, sehen Sie die Verlage als die eigentlichen Autoren der Bücher. Eine Hebamme hilft einem Kind übrigens auf die Welt beutet es aber nicht lebenslang aus. Liebe Frau Arnold sie wollen aubeuten. Maximal ausbeuten. Das ist Teil unseres Systems. Sie müssen dann aber auch akzeptieren dass sich viele Menschen und vor allem Kreative nicht ausbeuten lassen wollen. Ich wette mit Ihnen das ihr Geschäftsmodell und ihr Haus - ich weiß nicht für wen sie hier Propaganda machen - die nächsten Jahre nicht überleben wird. Und das ist gut so.

  • Katharina Arnold

    Katharina Arnold

    Sehr geehrter Herr Hoff, die Wette nehme ich gerne an ;-)

    Und Propaganda wollte ich überhaupt nicht betreiben. Ich weiß nur, wovon ich rede ...

  • Besorgter Leser

    Besorgter Leser

    Sehr geehrter Herr Hoff, das war nicht schwer zu finden: Junfermann-Verlag.

    Auch dieses Urteil ist nicht so schrecklich überraschend gefällt worden, es war logisch und richtig. Das Wehklagen ist fehl am Platze, damit war zu rechnen, lange genug gab es Hinweise und Warnungen u.a. der VG Wort. Wer es bis jetzt noch nicht geschafft hat sein Geschäftsmodell so zu bauen, das es ohne dieses Geld Gewinne abwirft, hat mehr als fahrlässig gehandelt.

    Es gibt ja scheinbar auch kleine und mittlere Verlage die ihre Hausaufgaben erledigt haben. Das Geld steht den Verlagen nicht zu, also haben sie es zurück zu geben, ganz einfach.

  • Anonym

    Anonym

    Besorgter Leser, Herr Hoff, wo ist eigentlich Ihr Problem? Kein Autor wird gezwungen, sich an einen Verlag zu wenden! Schon einmal etwas von Self-Publishing gehört? Nur: Warum tun das so wenige bzw. so wenige erfolgreich? Vielleicht weil die Verlage doch nicht so unnütz sind, wie hier gesagt wird? Ich bin Autor und mit meinem Verlag absolut zufrieden. Da wird tolle Arbeit geleistet. Ich finde, IHR Wehklagen und IHRE Vorwürfe gehen völlig an der Realität vorbei.

  • Jochen Hoff

    Jochen Hoff

    Lieber Anonymer. liebe Anonyme. Wenn sie meine Kommentare verfolgt hätten, wüssten Sie, das ich ein Self Publisher bin. Deshalb ist es ja so ärgerlicher das VG Wort sowoh für meine Bücher, als auch für meine Texte im Internet Geld an Verlage ausschüttet die nichts mit mir zu tun habe, oder gar für das Gegenteil von dem stehen, was ich will. Ich werde also bestohlen.

  • Albert Stift

    Albert Stift

    Die Reaktionen von VG Wort und Verlagsvertretern wirken auf mich völlig realitätsfremd. Man verliert über Jahre hinweg quer durch alle Instanzen und nun auch erwartungsgemäß vorm BGH (nachdem man sich selbst nach der Schlussverhandlung noch "die große Kunst der juristischen Auslegung" bescheinigt hatte und Durchhalteparolen streute) - und jetzt die Reaktion? Einsicht, Vorschläge zur Wiedergutmachung des Schadens? Schadensbegrenzung im Sinne der Verhinderung weiterer Klagen? Nein: Verfassungsbeschwerde! Das ist doch absurd. Machen die Funktionäre der VG Wort sich gar keine Sorgen darüber, persönlich schadensersatzpflichtig zu werden?

  • Anonyme

    Anonyme

    Sehr geehrter Herr Hoff,
    sind Sie auf einem Feldzug gegen Verlage? Vielleicht, weil Sie selbst nicht bei einem untergekommen sind und von Lektoren abgelehnt wurden? Verletzter Stolz? Ihre Kommentare erwecken mittlerweile diesen Eindruck. Ermüdend.

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