Bücher bauen Brücken: Aktionswoche in NRW

Informationen aus erster Hand - in der Kölner Synagoge

"Bücher bauen Brücken": Unter diesem Motto bieten mehr als 50 Buchhandlungen in Nordrhein-Westfalen vom 18. bis zum 24. Mai Veranstaltungen an, die das jüdische Leben im Deutschland von heute beleuchten. Ein Informationsabend in der Kölner Synagoge machte jetzt deutlich, warum die Aktionswoche so wichtig ist. VON STEPHAN EPPINGER

Logo zur Aktionswoche

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Geplant: Aktionshandbuch für Buchhändler

Aktuell laufen die Vorbereitungen in der Düsseldorfer Regionalgeschäftsstelle des Börsenvereins auf Hochtouren. So wird demnächst die Website zur Aktionswoche an den Start gehen. Außerdem können Buchhändler auf ein Aktionshandbuch zurückgreifen, darüber hinaus werden Werbemittel wie Plakate und Postkarten zur Verfügung stehen. Veranstaltungsideen haben die beteiligten Sortimente und Verlage mehr als genug: Es wird klassische Lesungen geben, aber auch Events mit jüdischen Kochbuchautoren, Verkostungen mit koscherem Wein und musikalische Abende, etwa mit dem Kölner Liedermacher Rolly Brings, der auch beim Informationsabend dabei war.

Die Schwere des Themas wollen die beteiligten Buchhandlungen und Verlage nicht unter den Teppich kehren. Zugleich soll die Aktionswoche aber auch dabei helfen, mehr Leichtigkeit in die Begegnung mit Juden in Deutschland zu bringen - und eine Klammer zum heutigen Alltag zu schaffen.

Zu den Sortimentern, die am Mittwochabend das Kölner Treffen besuchten, gehörte unter anderem Ursula Jünger von der Maternus Buchhandlung in Köln. Sie findet es gut, mit der Aktionswoche das zeitgenössische jüdische Leben in den Vordergrund zu stellen: "Wir haben uns für eine Krimilesung mit dem jüdischen Autor Leon Sachs entschieden. Sein Krimi `Falsche Haut´ bringt den Lesern ganz charmant jüdische Kultur und Lebensgepflogenheiten nahe, behandelt aber auch die Verbrechen, die in der NS-Zeit an Juden begangen worden sind."

Abraham Lehrer führte die Gruppe durch die Synagoge

Abraham Lehrer führte die Gruppe durch die Synagoge © Susanne Meinel

Viele christlich-jüdische Verbindungen

Der Besuch der Kölner Synagoge sollte die interessierten Buchhändler und Verleger auf die Aktionswoche einstimmen. Dabei wurde auch deutlich, dass es zwischen jüdischen und christlichen Gemeinden seit Jahrtausenden viele Berührungspunkte gibt. Abraham Lehrer, Vorsitzender der Kölner Synagogengemeinde und stellvertretender Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, erläuterte bei seiner Führung, dass viele Festtage wie zum Beispiel Pessach und Ostern im Kalender sehr nahe beieinander liegen. Und dass sich die Gläubigen beim Purim-Fest im Frühjahr auch verkleiden – ähnlich wie im Karneval.

In der Kölner Synagoge finden sich ebenfalls viele christlich-jüdische Verbindungen: Oberbürgermeister Konrad Adenauer wollte der Welt nach dem Krieg zeigen, dass es in seiner Stadt wieder jüdisches Leben gibt, und forcierte 1957 den Wiederaufbau der Synagoge, an dem auch christliche Künstler mitwirkten. Eine Vitrine im kleinen Museum der Synagoge erinnert zudem an die Geschichte des Domprälaten Gustav Meinertz, der während der Reichspogromnacht eine Thorarolle aus der brennenden Synagoge in der Glockengasse rettete und sie der Gemeinde später zurückgab.

"Eigentlich ist ja alles ganz normal hier"

Heute leben in Köln etwa 4.200 Bürger jüdischen Glaubens. Vor der Nazizeit zählte die Stadt 20.000 jüdische Bürger, 11.000 wurden Opfer des NS-Terrors, andere konnten fliehen. Der Vorsitzende der Synagogengemeinde begrüßt die anstehende Aktionswoche im Buchhandel ausdrücklich: "Je mehr Angebote man den Menschen macht, sich mit dem Judentum auseinanderzusetzen, umso besser kann man Vorurteilen begegnen und Rattenfänger stoppen", so Abraham Lehrer, der jedes Jahr 13.000 Besucher von außen in der Synagoge begrüßt. Gern erinnert er sich an einen Tag der Nachbarschaft im jüdischen Wohlfahrtszentrum von Köln vor zwölf Jahren. Damals fiel bei den Gästen oft der Satz: "Eigentlich ist ja alles ganz normal hier." Was für Abraham Lehrer nur zeigt, wie wichtig solche Begegnungen sind.

Buchhändler und Verleger, die sich an der Aktionswoche beteiligen wollen, bekommen weitere Informationen hier - und bei Susanne Meinel, die das Projekt für den Börsenverein in NRW betreut (E-Mail: buecherbauenbruecken@buchnrw.de).

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