Die Literaturwissenschaftlerin und Autorin wurde 71 Jahre

Silvia Bovenschen gestorben

Die Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin Silvia Bovenschen ist am Abend des 25. Oktober in Berlin im Alter von 71 Jahren gestorben, wie der S. Fischer Verlag informiert. "Sie war eine der wichtigsten Intellektuellen unserer Zeit", würdigt Verleger Jörg Bong die Verstorbene.

Silvia Bovenschen

Silvia Bovenschen © Jürgen Bauer

Silvia Bovenschen wurde am 5. März 1946 im oberbayerischen Point geboren. Sie studierte Literaturwissenschaft, Soziologie und Philosophie in Frankfurt am Main, wo sie mit einer später berühmt gewordenen Arbeit über "Die imaginierte Weiblichkeit" promovierte. Ihr 2006 erschienenes Buch "Älter werden" war auch beim breiteren Publikum ein großer Erfolg. Zuletzt erschien "Sarahs Gesetz", ein Buch über ihre Freundschaft mit der Malerin Sarah Schumann. Vor wenigen Wochen brachte sie ihren neuen Roman zum Abschluss: "Lug und Trug und Rat und Streben" wird bei S. Fischer erscheinen, so die Mitteilung weiter.

"Die deutsche Literatur verliert eine ihrer Größten"

Jörg Bong, Verlegerischer Geschäftsführer der S. Fischer Verlage, würdigt die Verstorbene wie folgt: "Silvia Bovenschen war eine der wichtigsten Intellektuellen unserer Zeit – und noch viel mehr als das. Sie hat eine ganze Generation von Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftlern, von Kritikerinnen und Kritikern tief geprägt. Sie hat vielen Autorinnen und Autoren geholfen – und unzählige inspiriert. 

Sie war eine brillante Philologin und ​faszinierende akademische Lehrerin​​. Seit den siebziger Jahren war sie eine der bedeutendsten kritischen ​Denkerinnen der Bundesrepublik, ​die sich durch große Eigenständigkeit, scharfe Weitsicht, leidenschaftliche Kraft und energisches Engagement auszeichnete.​ 

Sie war aber eben auch eine große Schriftstellerin. Aus essayistischen Formen entwickelte sie über die Jahre ein genuin dichterisches Schreiben. Eine Verbindung von höchster Sprachkraft, ungeheurem Gedankenreichtum – und intelligentem Humor.​ Die deutsche Literatur verliert eine ihrer Größten."

Die Vizepräsidentin der Akademie der Künste, Kathrin Röggla, schreibt in einem Nachruf der Akademie über Siliva Bovenschen unter anderem: "Immer verstand sie gedankliche Klarheit, Witz und Wissen mit einer Klugheit zu verbinden, die die Zumutung, Mensch zu sein, zu erkunden suchte. Eine Praxis, die ihre Nähe zur Frankfurter Schule erahnen ließ, jeglichen Fundamentalismus ablehnend. Ihre intellektuelle Neugier reichte weit über das eigene Werk hinaus, stets suchte sie das Gespräch, die Auseinandersetzung, als streitbare Feministin wie als ästhetische Praktikerin, immer ging man reich beschenkt von ihren umsichtigen Kommentaren und Gedanken. 'Uns ist selbst unter dem Einsatz guter Feen nicht zu helfen', schrieb sie einmal in Älter werden in ihrer typischen Ironie – und so ist es wohl."

Silvia Bovenschen erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Roswitha-Preis der Stadt Bad Gandersheim (2000), den Schillerpreis der Stadt Mannheim (2012) und den Ehrenpreis des Bayerischen Buchpreises (2014; siehe Archiv). Sie war seit 2011 Mitglied der Akademie der Künste (Berlin) und seit 2013 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

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