Die Sonntagsfrage

„Wie wollen Sie die Youtube-Generation in die Buchhandlungen locken, Herr Lüdemann?"

Community Editions, ein gerade gegründeter Verlag für Social Media Influencer, will die Buchhandlungen mit sehr vielen neuen, jungen Lesern füllen. Wie das gehen soll, erklärt Lucas Lüdemann, Programmleiter von Community Editions.

Lucas Lüdemann, Programmleiter von Communitiy Editions

Lucas Lüdemann, Programmleiter von Communitiy Editions © privat

Wie wir die Youtuber in die Buchhandlungen bringen wollen? Indem wir Bücher von Autoren verlegen, die eine große YouTube-Fan-Base haben! Leider ist das aber nicht so einfach umgesetzt, wie es sich anhört. Denn nicht jedes Buch, das von einem YouTuber geschrieben wurde, wird automatisch ein Erfolg. Was ist also das Geheimnis?


Viel Einsatz, authentische Werbung

Es genügt nicht, nur das Internet auszudrucken und die Reichweite eines Web-Stars auszunutzen, um die Klicks zu Geld zu machen. In der Vergangenheit hat das hin und wieder funktioniert, leider aber auch mitunter YouTuber in Verruf gebracht, mit den Büchern nur Geld machen zu wollen. Das Ausland scheint mir da schon etwas weiter zu sein. Man sieht dort auch hochpreisige Bücher, die mit viel Einsatz produziert wurden und authentisch von ihren Autoren beworben werden. Sicherlich ist das die Richtung, die wir einschlagen wollen.

Wir wollen mit Community Editions hochwertige Inhalte verlegen, die von unseren Autoren, den YouTubern, Bloggern und Instagramern mit Herzblut geschrieben wurden. Nur so können sie das Medium Buch als Herzensprojekt gegenüber ihrer Community vertreten. Dafür muss man die Internet-Welt und ihre Stars verstehen, mit ihnen gemeinsam die Bücher entwickeln, viel miteinander reden, viel erklären und selbst bereit sein, immer wieder dazuzulernen. Auch Vertrauen spielt eine große Rolle. Diesen Aufgaben sind wir schon sehr gut nachgekommen.


Überwältigende Resonanz

Die Resonanz im Buchhandel auf unser erstes Programm war überwältigend, die Absatzzahlen haben alle unsere Erwartungen und die der Gesellschafter übertroffen. Bereits unsere ersten beiden Bücher haben es in die Bestseller-Listen geschafft. Einen Monat später hat ViktoriaSarinas „Spring in eine Pfütze“ uns einen weiteren großartigen Erfolg beschert. In der ersten Woche konnte sich der Titel an die Spitze der Mediacontrol-Gesamtliste aller Titel in Deutschland, Österreich und der Schweiz katapultieren.

Dass sich das Buch von ViktoriaSarina gleich bei Erscheinen hervorragend verkaufen würde, zeigten zwei Signier-Events in Graz und Wien, bei denen die Buchhändler vor Ort von bis zu 2.800 Fans sehr überrascht wurden. Da sind zwei Welten aufeinandergetroffen, die sich so vielleicht noch nicht kannten und sich nun kennenlernen können. Unsere beiden jungen Autorinnen haben mit ihrem Buch etwas ganz Besonderes geleistet.

Was mich aber noch mehr freut als Bestsellerlisten-Plätze, sind die Verkäufe unserer Titel nach dem großen Run der ersten ein bis zwei Wochen. Diese bleiben auf vergleichsweise hohem Niveau, was für mich ein wichtiges Kriterium für die Qualität der Inhalte ist.

Wenn wir mit Autoren Bücher machen, wollen wir nicht den schnellen Trend, die Welle des kurzfristigen Hypes ausnutzen, sondern mit unseren Titeln für möglichst langfristige Freude im Buchhandel sorgen. Wir haben übrigens die Erfahrung gemacht, dass sehr viel weniger Verkäufe online stattgefunden haben, als ursprünglich erwartet. Unsere Leser sind also durchaus bereit, ihre Bücher vor Ort und nicht im Internet zu kaufen. Der stationäre Buchhandel spielt für unser Buchprogramm daher eine große Rolle. Aber das Ziel, vermehrt junge Leser für das Medium Buch zu begeistern und sie in die Buchhandlungen zu bringen, erreichen wir nur dann, wenn wir Inhalte schaffen, die diese Begeisterung auch verdienen.

Dass der eingeschlagene Weg der richtige ist, wurde uns bereits von vielen Seiten, sowohl aus der Buchbranche als auch von YouTubern selbst, bestätigt. In diese Richtung wird es weitergehen.

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4 Kommentar/e

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  • Harald Kraft

    Harald Kraft

    Wichtiger erscheint mir zudem, dass die Buchhandlungen sich einmal mehr
    mit einer besseren Übersicht der Regale und Bücher für junge Leser/innen
    öffnen.
    Was nutzen Buchhandlungen, die vollgestopft mit Regalen und Büchern sind
    und wo man als Kunde/Kundin sozusagen fast nichts findet.
    Junge Leser/innen sind sehr wohl in die Buchhandlungen zu bekommen, aber
    dafür müssen diese auch bereit sein, durch genügend Platz und auch ein
    Angebot an Sitzgelegenheiten zum Lesen und Schmökern in den Büchern
    etwas diesem Kundenkreis zu bieten.
    Eine größere oder auch eine kleinere Buchhandlung könnte da auch z. B.
    Kaffee noch anbieten.
    Bücher haben dann eine Zukunft, wenn sich mit einem tollen Flair und Outfit
    die Buchhandlungen so zeigen, dass diese, auch von jungen Lesern/innen
    angenommen werden.
    Und außerdem bieten Lesungen mit jüngeren Autoren/innen geradezu eine
    zusätzliche Chance, dass junge und ältere Leser/innen (also eben im Alter
    verschieden) in die Buchhandlungen finden.
    Somit lädt dann der Buchhandel ein, dass jüngere und ältere Leser in den
    Buchhandlungen wieder Bücher entdecken, die sie schon lange suchten
    und jetzt wieder neu entdeckt werden.
    Trotz dieser ,Youtube-Generation` , also die ,junge Generation` der Leser,
    die wieder den Weg in die Buchhandlungen finden sollte, wäre es gut,
    wenn man einen Mittelweg für die jüngere und die ältere Generation von
    Lesern/innen finden könnte, denn beide sind doch sehr wohl für Bücher
    zu begeistern.
    Wenn also Bücher in den Buchhandlungen vorhanden sind, die für beide
    Generationen zu lesen sind, dann sind im Buchhandel wieder einige Tore
    nach vorne geöffnet.
    Dazu braucht es Mut und Offenheit der Buchhändler, die richtigen Büchern
    im Angebot der Verlage für den Verkauf auszuwählen.

  • Holger Ehling

    Holger Ehling

    Ich hatte eigentlich immer den Eindruck, dass das Börsenblatt im redaktionellen Teil keine Firmenwerbung macht. Das war wohl ein falscher Eindruck.

  • Caroline

    Caroline

    Tja, da denkt man, vielleicht ist es ja doch nicht der übliche Quatsch ... ... und dann schaut man in "Spring in eine Pfütze" und sieht, was alles schiefgehen kann, wenn nur noch die anhaltend hohen Verkäufe als Kriterium für die "Qualität der Inhalte" zählen. Dass sich ein solches Buch gut verkauft, ist sicher alles andere als ein positives Zeichen für diejenigen, denen etwas an Büchern liegt.
    Ich geh dann erstmal Kuchenbacken oder In-die-Sonne-Legen oder Shopping-Listen-Schreiben, hab ja jetzt so viele neue Ideen ...

  • Dieter Dausien

    Dieter Dausien

    Die meisten KollegInnen, ob sie "Spring in eine Pfütze" schon mal verkauft haben oder nicht, werden ViktoriaSarina noch nicht auf YouTube gesehen haben. Auf welch unterirdischem Niveau sich das abspielt, sollte man sich hier mal anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=QkOeKWs8i-g . Um die Netiquette nicht zu verletzen, erspare ich mir hier mal weitere Kommentierung.

    • ...

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