Internetzensur

Springer Nature filtert Inhalte für China

Weil die Regierung in Peking wegen unliebsamer Themen Druck auf Springer Nature ausgeübt hat, sperrt der Verlag für chinesische Nutzer künftig rund ein Prozent der Inhalte. Medienberichten zufolge handelt sich um Beiträge, die als systemkritisch eingestuft werden. 

© Philippe / fotolia

Die Nachricht verbreitete sich heute wie ein Lauffeuer: Weltweit berichten Medien über die Entscheidung des deutschen Wissenschaftsverlags, einen Teil seiner Inhalte vor Nutzern in China zu verbergen, um, wie es heißt, nicht mit lokalen Gesetzen in Konflikt zu geraten. Es wird befürchtet, dass von chinesischen Behörden sonst sämtliche Inhalte geblockt würden. Nach einem Bericht des Deutschlandfunks enthalten die rund 1.000 gesperrten Texte (ca. ein Prozent des Gesamtvolumens an Texten) auffällige Schlüsselbegriffe – Begriffe wie Taiwan, Tiananmen Platz oder Tibet.

Update 2.11., 16.30 Uhr: Auf Anfrage des Börsenblatts hat Springer Nature eine Erklärung zu dem Fall abgegeben:

"Als global agierender Wissenschaftsverlag sind wir in den Ländern, in denen wir unsere Publikationen vertreiben, unterschiedlichen lokalen Regularien unterworfen. In China sehen diese vor, dass unsere Plattform SpringerLink in Übereinstimmung mit den lokalen Vertriebsgesetzen betrieben wird. Diese Regularien, deren Einhaltung durch offiziell benannte Zwischenhändler vor Ort sichergestellt wird, erstrecken sich ausschließlich auf den standortabhängigen Zugang zu Inhalten in China.
 
Dies bedeutet, dass der Zugang zu einem geringen Prozentsatz unseres gesamten Angebots (weniger als 1 Prozent) in Festlandchina eingeschränkt ist - in mehr als 180 anderen Märkten, in denen wir präsent sind, bleibt der Zugang jedoch uneingeschränkt (und ist selbst in China auf andere Weise möglich). Diese Maßnahme ist zutiefst bedauerlich, wurde aber ergriffen, um wesentlich massivere Auswirkungen für unsere Kunden und Autoren zu vermeiden. Diese Zugangsbeschränkung stellt keine inhaltliche Zensur dar und Inhalte, die wir in anderen Ländern publizieren, sind daher nicht betroffen. Es handelt sich um eine Entscheidung über die standortabhängige Zugänglichkeit von Inhalten in China, die den spezifischen Regularien vor Ort entspricht. Unsere allgemeinen Publikationsgrundsätze sind hier zu finden: http://www.springernature.com/gb/policies.

Mit einer Entscheidung gegen diesen Schritt hätten wir uns dem Risiko ausgesetzt, dass sämtliche unserer Publikationen blockiert werden. Wir glauben nicht, dass es im Sinne unserer Autoren, Kunden, der Wissenschaft im Allgemeinen oder dem wissenschaftlichen Fortschritt im Speziellen gewesen wäre, wenn uns untersagt worden wäre, unsere Inhalte in China zu verbreiten. Der Zugang zu 99 Prozent aller Springer Nature Inhalte ist weiter für all unsere Kunden in China gewährleistet. Wir werden weiterhin mit den Kontrollbehörden und anderen chinesischen Behörden zusammenarbeiten, um den Umfang der betroffenen Inhalte zu minimieren, die Restriktionen im Namen der Wissenschaft und der Öffentlichkeit zu reduzieren und im Idealfall aufzuheben."

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3 Kommentar/e

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  • Bernhard Mittermaier

    Bernhard Mittermaier

    Die Zahlen können nicht stimmen.
    Auf SpringerLink sind > 6 Mio. Artikel und > 4 Mio. Buchkapitel. 1% davon wären nicht 1.000, sondern 100.000 Texte. Und umgekehrt wären 1.000 Texte nicht 1% sondern 0,01%.
    Die Suche nach den drei genannten Stichwörtern Taiwan, Tiananmen oder Tibet liefert > 200.000 Treffer, was auf die erstgenannte Alternative hindeutet.

  • Bernhard Mittermaier

    Bernhard Mittermaier

    Ergänzung: Demzufolge https://www.washingtonpost.com/opinions/a-prestigi ous-research-publisher-gives-into-chinas-censorshi p/2017/11/04/4e4ff9de-c0c6-11e7-959c-fe2b598d8c00_ story.html sind "nur" zwei Zeitschriften betroffen. Wenn dem so ist, dann könnten 1000 Artikel 1% entsprechen.
    Interessant ist übrigens der Hinweis von Springer Nature, dass der Zugriff "selbst in China auf andere Weise möglich" sei. Auf legale Art und Weise?

  • Karin Hartmeyer

    Karin Hartmeyer

    @Bernhard Mittermaier Der Hinweis von Springer, dass der Zugriff auf andere Weise möglich sei, ist wirklich spannend - ich wüsste auch gerne wie. Eventuell in der Republik China bzw. den geographischen Teilen, die nicht als "Festlandchina", wie Springer ja konkretisiert, verstanden werden? Diese Auslegung lässt die vorliegende Erklärung zumindest zu.

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