Offener Brief an Zeitung

Protest gegen weniger Kultur im "Tagesspiegel"

In einem gemeinsamen offenen Brief an den "Tagesspiegel" haben der Landesverband des Börsenvereins Berlin-Brandenburg, die Kurt Wolff Stiftung und das Literarische Colloquium Berlin die Sparmaßnahmen der Tagesszeitung zulasten der Literaturberichterstattung kritisiert. Das Berliner Blatt hatte unter anderem die Zusammenarbeit mit sämtlichen freien Mitarbeitern aufgekündigt.

Die Unterzeichner des offenen Briefes fürchten, dass "unter diesen Umständen eine journalistische Begleitung des weit gefächerten Berliner Literaturlebens und Buchmarktes nicht mehr möglich sein wird" und mithin Literatur und Kultur in Berlin nicht mehr hinreichend abgebildet werden. Dies sei um so bedauerlicher, "als dieses Literaturleben sich in einer Phase des Aufbruchs befindet, befruchtet von einer internationalen und experimentierfreudigen Szene, die in Berlin heimisch geworden ist".

Aufgrund der schlechten Anzeigenentwicklung will sich der "Tagesspiegel“ nach Medienberichten auf verschiedene neue Projekte in Wachstumsfeldern konzentrieren, es soll dabei vor allem um "Politik, Digitalisierung und alles rund um die Hauptstadt" gehen. Angekündigt sind in diesem Zusammenhang ein neues Digital-Produkt sowie neue Seiten im Blatt. Der offene Brief macht nun entschieden Werbung dafür, "auch das reiche literarische Leben unserer Region als zukunftsträchtiges Ressort hochzuhalten".

Kilian Kissling, Geschäftsführer beim Argon Verlag und Vorsitzender des Landesverbands Berlin-Brandenburg, ist es wichtig, dass man nicht die unternehmerische Entscheidung bewerten wolle, schließlich sei bekannt unter welchem Druck insbesondere Tageszeitungen stünden. Der offene Brief sei vielmehr ein Appell, darüber nachzudenken, welche Schwerpunkte unter solchen schwierigen Umständen gesetzt würden und welche Gestaltungsspielräume blieben, sagte er boersenblatt.net. Dass der offene Brief zu einer Revision der Verlagsstrategie führt, hält Kilian indes selbst für unwahrscheinlich: "Es gibt im ganzen Land eine fortschreitende Erosion. Ob wir die aufhalten können, ist natürlich fraglich. Aber eine ganz andere Frage ist es doch, ob wir sie unkommentiert lassen – zumal dann, wenn es vor unserer Haustür passiert. Das ist nicht zuletzt auch eine Frage des Stils."

Zwar gäbe es verschiedene und auch eine ganze Reihe neuer Wege, Literatur ins Gespräch zu bringen, sagte Kissling zu möglichen Alternativen. Allerdings sei es ein charakteristisches Merkmal von Leitmedien, dass sie ein enormes Angebot ordnen und bewerten. Diese Funktion sei derzeit durch keine anderen Medien zu ersetzen.

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1 Kommentar/e

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  • Michael Luft

    Michael Luft

    Wie dünnbrüstig darf man sich das Tagesspiegel-Feuillon denn künftig vorstellen? Schon jetzt sieht die Zeitung wie auf Magerkost gesetzt aus. Von einer präzisen Abbildung und kritischen Begleitung des kulturellen Geschehens in Berlin kann beim Tagesspielgel schon jetzt nicht mehr ernsthaft die Rede sein.
    Überdies: Ein Hauptstadtblatt, das mit einem Lokalteil von ca. drei Seiten netto auskommt, ist ein Unding. Der Tagesspiegel sollte schamvoll aufs sonst so verachtete München blicken, wo die SZ allein im Lokalen und den Stadtvierteln Tag für Tag gefühlt die vierfache Menge produziert. Berlin ist - Hauptstadt hin oder her - doch tiefe Zeitungs-Provinz geblieben. Die geplante Austrocknung der Kultur ist nur ein weiterer, trauriger Beweis.

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