Ausbildung in der Buchbranche

Holschuld oder Bringschuld?

Auch 2016 ist die Zahl der Buchhandelsazubis gesunken. Ist das ein gesellschaftliches Phänomen oder tun Verlage und Buchhandlungen zu wenig in Sachen Ausbildung?, fragt sich Börsenblatt-Redakteur Kai Mühleck. Ein Kommentar.

Börsenblatt-Redakteur Kai Mühleck

Börsenblatt-Redakteur Kai Mühleck © privat

Die jungen Menschen drängen heute nach dem Abitur in die Universitäten, geeignete Auszubildende zu finden, ist für die Betriebe schwerer denn je. Sätze wie diese hört und liest man oft. Wen wundert es da, dass das Bundesinstitut für Berufsbildung diesen oft zitierten Trend gerade mit aktuellen Zahlen für die Buchbranche untermauert hat?

396 abgeschlossene Buchhändler-Ausbildungen wurden 2016 gezählt – auf den ersten Blick leuchtet ein, dass bei einer ebenfalls gesunkenen Zahl von Ausbildungsbetrieben auch immer weniger junge Menschen im Sortiment Fuß fassen.

"Dass aber gerade Frauen, die nun einmal 80 Prozent der Auszubildenden ausmachen, sich immer häufiger für eine andere Ausbildung entscheiden, sollte die Alarmglocken schrillen lassen."

Zu fragen wäre: Sind die Arbeitsbedingungen für den Branchennachwuchs im Vergleich zu anderen Branchen so unattraktiv? Müssen Geschäftsführer und Personalreferenten stärker darüber nachdenken, flexiblere Arbeitszeitmodelle anzubieten, oder fehlt es den Nachwuchskräften an Sicherheit in der allzu oft totgeschriebenen Branche? Vielleicht ist an beidem etwas dran. Vielleicht ist die Wahrheit aber auch profaner: 

"Die Verdienstmöglichkeiten für Auszubildende und andere Nachwuchskräfte der Buchbranche sind in vielen Fällen leider mehr als bescheiden, die geringe Tarifbindung macht es möglich.

Nachzulesen ist das schwarz auf weiß in der zur Buchmesse veröffentlichten Nachwuchsumfrage der Jungen Verlagsmenschen, die exklusiv im Börsenblatt erschienen ist.

Die gute Nachricht zum Schluss: Eine aktive Suche nach Bewerbern mag mühsam sein, ist aber oft aussichtsreich. Der gut besuchte Karrieretag Buch und Medien in Leipzig hat dies verdeutlicht. Und: Nicht nur die Zahl der Studenten, auch die Zahl der Studienabbrecher steigt, die »lieber etwas Praktisches« machen möchten. Heißen wir diese willkommen. 

Dieser Kommentar bezieht sich auf folgenden Artikel: Weniger Jungbuchhändlerinnen in Deutschland.

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2 Kommentar/e

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  • Peter Diemer

    Peter Diemer

    Nicht nur die Verdienstmöglichkeiten sind für Azubis unserer Branche relativ schlecht, auch die weiteren Perspektiven: Aufstiegsmöglichkeiten gibt es in den meisten Buchhandlungen nicht oder nur wenige, Neugründungen werden von Banken nicht oder zu wenig finanziert, die gesamte Zukunft des stationären Buchhandels ist nicht richtig absehbar - auch als kulturell und literarisch interessierter junger Mensch überlegt man sich natürlich, ob man wirklich Buchhändler*in werden soll. Attraktive Bezahlung und gute Arbeitszeiten hat dieser Beruf noch nie geboten (deshalb habe ich selbst als gelernter Buchhändler auch nur drei Jahre in diesem Beruf gearbeitet und bin dann ausgestiegen) - früher gab es aber mehr Jugendliche, die das akzeptiert haben, das ist heutzutage zum Glück vorbei. Auch der Buchhandel muss sich der veränderten Arbeitsmarktsituation und den veränderten Ansprüchen der Bewerber anpassen. Uns bleibt nichts erspart, verabschieden wir uns auch hier vom Gewohnten...

  • Martina Bergmann

    Martina Bergmann

    Ich meine, duale Berufsausbildungen sind für jeden, nicht ausgerechnet Professor werden will, der beste Start ins Arbeitsleben. Neben der zweifellos schwierigen Situation vieler Einzelhändler sehe ich aber auch Probleme in der erheblichen Zentralisierung des Berufsschulwesens. Bei allem Respekt für den Mediacampus: Er trifft nicht die Bedürfnisse jeden Betriebs und auch nicht aller Auszubildenden.

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