VG Wort beschließt Verteilungsplan: Stellungnahme des Börsenvereins

"Starkes Zeichen der Solidarität - von Urhebern und Verlagen"

Die VG Wort hat sich am 20. Mai bei ihrer Mitgliederversammlung in München auf einen neuen Verteilungsplan verständigt. Jetzt sei die Politik gefordert, um Ausschüttungen an Verlage in Zukunft zu ermöglichen, betont der Börsenverein in einer Stellungnahme zu den aktuellen VG-Wort-Beschlüssen.

Der neue Verteilungsplan steht - jetzt ist die Politik gefordert

Der neue Verteilungsplan steht - jetzt ist die Politik gefordert © Goodpics / fotolia

Die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) habe bei ihrer Mitgliederversammlung in München beeindruckende Zahlen veröffentlicht, so der Börsenverein in einer Mitteilung nach der Sitzung. 26.079 Autorinnen und Autoren hätten auf Nachausschüttungen von Geldern verzichtet, um ihre Verlage von Rückforderungen der VG Wort aufgrund einer der Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom April 2016 zu bewahren.

Alexander Skipis

Alexander Skipis © Claus Setzer

Details zum ausgehandelten Verteilungsplan lesen Sie hier.

"Das heute vorgestellte Ergebnis ist ein starkes Zeichen der Solidarität. Es beweist, wie eng und symbiotisch das Verhältnis von Buch- und Zeitschriftenautoren zu ihren Verlagen ist und wie sehr sie die Leistungen der Verlage schätzen. Die Zahl ist beachtlich, zumal geschätzt nur etwa jeder siebte wahrnehmungsberechtigte Verlag Verzichtserklärungen bei seinen Autoren eingeholt hat bzw. die Möglichkeit dazu hatte", sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins.

"Das Signal aus München ist zugleich ein unmissverständlicher Appell an die Politik: Statt Verlagen Ausschüttungen aus Verwertungsgesellschaften noch weitere Jahre vorzuenthalten und Urheber in Bildung und Forschung ihrer Rechte zu berauben, sollte der Deutsche Bundestag dringend für angemessene Rahmenbedingungen zu sorgen, um die Veröffentlichung hochwertiger Bücher und Fachzeitschriften nicht länger zu gefährden."

Rückforderungen sind für viele Verlage existenzbedrohend

Bis Ende Juni wird die VG Wort die endgültigen Rückforderungsbescheide an Verlage senden. Trotz des Verzichts vieler Autoren werden die Rückforderungen für die Jahre 2012 bis 2015 bei Verlagen teilweise hoch sein, wie der Verband betont. Der Börsenverein rechnet weiterhin mit einer großen Zahl von Verlagen, die aufgrund des zukünftigen Ausbleibens verlässlicher Einnahmen aus Verwertungsgesellschaften und den bestehenden Rückforderungen in existenzielle wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten werden.

Nach wie vor fehlt nämlich eine Neuregelung, die einen Beteiligungsanspruch der Verlage an den Erlösen aus gesetzlich gestatteten Nutzungen wie etwa Privatkopien von Büchern und Zeitschriftenartikeln garantiert. "Das heißt, dass Verlage bis auf weiteres nur Bruchteile ihrer früheren Einnahmen aus der VG Wort erhalten werden", so der Börsenverein. Zwar habe der deutsche Gesetzgeber Ende Dezember 2016 eine Übergangsregelung beschlossen. "Diese ist aber nicht praktikabel und greift zudem zu kurz: Eine Vereinbarung im Verlagsvertrag reicht danach nicht aus, um eine Ausschüttung an Verlage zu ermöglichen. Nach dem Willen der Bundesregierung müssen Verlage auf eine Neuregelung auf EU-Ebene warten, bevor der deutsche Gesetzgeber vorsehen will, dass sie für ihre verlegerische Leistung Ausschüttungen erhalten."

Bei der Mitgliederversammlung erfolgte gleichwohl schon jetzt mit großer Mehrheit auch die Verabschiedung eines neuen Verteilungsplans, in dem die Aufteilung der Einnahmen der VG Wort zwischen Urhebern und Verlagen geregelt wird. Dies war notwendig geworden, weil der vorherige Verteilungsplan aufgrund des Urteils des Bundesgerichtshofs unwirksam geworden war.

Deutliche Worte an die Politik

In diesem Zusammenhang kritisiert der Börsenverein den aktuell von der Bundesregierung in den Deutschen Bundestag eingebrachten Entwurf eines Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetzes. "Statt die Rechte von Urhebern und Verlagen in den sensiblen Bereichen Bildung und Wissenschaft immer weiter einzuschränken, sollte die Politik dafür sorgen, dass die Verlage wieder zuverlässig an den Ausschüttungen von Verwertungsgesellschaften beteiligt werden", sagt Alexander Skipis. "Es ist absurd und verfassungsrechtlich höchst fragwürdig, dass das geplante Gesetz davon ausgeht, dass die Verlage von Zahlungen zum Beispiel von Hochschulen und Bibliotheken an Verwertungsgesellschaften profitieren. Dabei weiß die Bundesregierung genau, dass die Rechtsgrundlage dafür gar nicht vorhanden ist."

Der belgische Gesetzgeber habe es vorgemacht: Nach einer in dieser Woche veröffentlichten Entscheidung eines Brüsseler Berufungsgerichts steht es im Einklang mit der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs, dass Verlagen nach belgischem Recht 50 Prozent der Erlöse der dortigen Verwertungsgesellschaft Reprobel ausgeschüttet werden.

Härtefallfonds für betroffene Verlage

Der Börsenverein hat für Verlage, die in Folge des Urteils des Bundesgerichtshofs zur VG Wort in akute Existenznot geraten, ein Härtefalltelefon eingerichtet. Unter der Telefonnummer 069 / 1306-314 und der E-Mail-Adresse rechtsabteilung@boersenverein.de können sich Börsenvereinsmitglieder über Handlungsoptionen beraten lassen.

Außerdem haben sie die Möglichkeit, nach Klärung möglicher Stundungsmöglichkeiten mit den Verwertungsgesellschaften Unterstützung durch einen eigens von der Börsenvereinsgruppe eingerichteten Härtefallfonds zu beantragen. Weitere Informationen zum Fonds finden sich hier.

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4 Kommentar/e

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  • Peter Meyering

    Peter Meyering

    Was der Artikel verschweigt: Die 26 Tausend Spender-Autoren sind gerade mal ein Viertel. Drei Viertel wollen die ihnen zustehenden Urheberabgaben nicht mit den Verlegern teilen.

  • EIn Autor

    EIn Autor

    26000 Autoren, das bedeutet, dass drei Viertel eben NICHT zugunsten ihrer Verlage verzichtet haben. Das als "starkes Zeichen von Solidarität" zu werten, ist schon recht mutig.

  • schnatterina

    schnatterina

    Wie kommt man auf ein Viertel, es gibt 180.000 Wahrnehmungsberechtigte, davon melden rund 150.000. Unter den Journalisten hat kaum jemand verzichtet - auch bei den Zeitschriften.
    Wen wundert es, wenn die Gewerkschaften seit 14 Jahren vergeblich um angemessene Honorare verhandeln und kein Ende absehbar ist.
    Und der Streit in der VG Wort ist vorprogrammiert. Im Gegensatz zur Wissenschaft, wo die Verlage den Urhebern bei der Quote entgegenkamen, haben die Printverlage - also auch Zeitschriften - den Urhebern eine bessere Quote verweigert.

  • Ein Autor

    Ein Autor

    Die Sache mit dem 1/4 stammte von Stefan Niggemeier, der insgesamt sehr viel sachlicher und weniger manipulativ über das Thema berichtet. Inzwischen hat Martin Vogel selbst diese Zahl noch nach unten korrigiert: Anscheinend haben gerade einmal 5% der Autoren zugunsten ihrer Verlage verzichtet. Nachzulesen in seinem Kommetar unter den Niggemeier-Artikel.
    Die Behauptung, es gebe eine große Solidarität und Zufriedenheit der Autoren mit ihren Verlagen, ist also schon ziemlich dreist verfälschend. Folglich kann man auch nicht - noch dazu ungefragt im Namen der Autoren - behaupten, die Autoren selbst seien an einer gesetzlich geregelten Beteiligung der Verlage interessiert. 95% haben genau das Gegenteil bekundet.
    Mein Tipp an die Verlagswelt: Solidarität und Zufriedenheit nicht immer nur mit Hilfe verbaler Kunstgriffe heraufbeschwören - sondern sich entsprechend fair verhalten. Dann klappts auch mit der gegenseitigen Liebe.

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