re:publica 2016

#digitaleBildung

Diese Schülerinnen und Schüler sind im Durchschnitt sechzehn Jahre alt, kennen keine Welt ohne Internet und saßen in der ersten Klasse, als das iPhone auf den Markt kam. Mit den verblüffenden Präsentationen ihrer Einstellung zur digitalen Welt hätten sie die re:publica im Sturm erobern können – wenn ein entsprechender Raum zur Verfügung gestanden hätte.

© Detlef Bluhm

Am 20. Januar 2016 kamen 50 Schülerinnen und Schüler aus der ganzen Republik nach Berlin zur ganztägigen »Youth Leadership Konferenz #digitaleBildung«, um sich in Vorbereitung des 4. Nationalen MINT-Gipfels über ihre Erfahrungen mit dem Internet und digitaler Bildung auszutauschen. In sieben Arbeitsgruppen diskutierten sie Themen wie »Die Zukunft der digitalen (Aus)Bildung«, »Digitale Fähigkeiten bestimmen den Lebenslauf immer stärker« und »Selbst Lehrer lernen nie aus«. Die Ergebnisse jeder Gruppe wurden in einem Video dokumentiert. Auf der re:publica stellten sich vier Arbeitsgruppen in der restlos überfüllten, kleinsten Stage der Konferenz vor.

Selbst Lehrer lernen nie aus

Ein offenbar im Schulalltag immer wieder auftauchendes Problem scheint die mangelnde Fähigkeit vieler Lehrer zu sein, eine Beamer-Projektion in Gang zu setzen. O-Ton einer Schülerin: »Ein paar andere Lehrer, die ich jetzt habe, kommen damit überhaupt gar nicht klar. Ähm, ohne die Hilfe von Schülern. Was natürlich voll lustig ist«. Das Video dieser Arbeitsgruppe nennt sich deshalb »Erklärvideo« und zeigt (neben einer Darstellung des Problems) augenzwinkernd Schritt für Schritt, wie eine Beamer-Präsentation vorbereitet werden muss. Und fordert zum Schluss nachdrücklich und mit großem Ernst eine bessere Aus- und Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern.

Revolution des Einheitsmenschen

Nach diesem streckenweise sehr amüsanten Einstieg in die Session präsentierte eine andere Arbeitsgruppe ihr Manifest zur Revolution des Einheitsmenschen«, das den schwergewichtigen Namen Manifest zu Recht trägt. In dem hochpolitischen Video dieser Arbeitsgruppe wird u.a. zum Aufstand der Mündigen gegen die Vorherrschaft der Netzgiganten aufgerufen. »Ihr seht uns als Schwarm. Als Masse. Aber das sind wir nicht. Wir wollen uns auf die Suche nach einer eigenen Identität machen, um zu Individuen zu werden … Wir wollen uns nicht lenken lassen. Wir wollen uns auch nicht mehr ablenken lassen. Wir wollen kreativ sein und mitgestalten. Wir versprechen euch aufzustehen.« Die gesamte Präsentation der Session #digitaleBildung, vor allem aber dieses Video, hätte auf eine wesentlich größere Stage der re:publica gehört. Mit ihrem fragenden und fordernden, eben nicht mehr euphemistischen Blick auf das Netz haben sie die Stimmung vieler re:publicaner getroffen. Dieses Video dauert übrigens nur drei Minuten, und Sie sollten sich die Zeit nehmen, es anzuschauen.

Die Generation Z

Auf der re:publica 2015 wurden drei Jugendliche im gleichen Alter auf einer großen Stage dazu befragt, wie sie sich im Internet bewegen. (Wir haben hier darüber berichtet.) In letzter Zeit ist viel über diese sogenannte Generation Z, also die nach 1995 Geborenen, geschrieben worden. Diese Jungen seien sehr anspruchsvoll, hieß es unlängst beispielsweise in der Welt. Mit dem Satz »Die Z-ler wollen geregelte Arbeitszeiten, unbefristete Verträge und klar definierte Strukturen im Job haben« wird dort ein Arbeitsmarktexperte zitiert. Das mag ja sein. Und vielleicht auch auf die jungen Menschen zutreffen, die auf der re:publica präsentiert haben und in sechs oder sieben Jahren auf dem Arbeitsmarkt erscheinen werden. Doch wenn der Anschein nicht trügt, wächst hier auch eine politisch sehr wache und gesellschaftlich engagierte Generation nach. Die Präsentierenden haben diesen Eindruck jedenfalls in ihrer enthusiastisch beklatschten Session hinterlassen.

Ein Bericht über weitere Highlights der re:publica 2016 ist übrigens heute auf boersenblatt.net erschienen.

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