IG Ratgeber

Neue Spitze, neue Fragen

Nicole Schindler (Ulmer) und Carlo Günther (Droemer Knaur) sind die Neuen im Sprecherkreis der IG Ratgeber. Wie ihre Vorgänger wollen sie vor allem eines erreichen: Sichtbarkeit für Ratgeber. TAMARA WEISE

IG Ratgeber, Sprecherkreis, Barbara Wüst, Carlo Günther, Nicole Schindler

Der neue Sprecherkreis der IG Ratgeber (von links): Barbara Wüst, Carlo Günther, Nicole Schindler © Tamara Weise

Wechsel im Sprecherkreis der IG Ratgeber

Die Wahl der beiden neuen Mitglieder im Sprecherkreis setzte den Schlusspunkt der Jahrestagung gestern in Stuttgart – ruckzuck hatten sie ihre Kollegen auf ihrer Seite, setzten mit ihrer Bewerbung Akzente: Ihr Amt, versprachen sie, wollten sie nutzen, um neue Impulse in den Markt hineinzutragen, um den Austausch mit dem Sortiment fortzusetzen und die IG Ratgeber nach innen zu verjüngen. "Wir müssen den Nachwuchs stärken", so Schindler. Der Applaus war ihnen sicher.     

Nicole Schindler steuert Marketing und Vertrieb (Bereich Buch) beim Ulmer Verlag, Carlo Günther verantwortet bei Droemer Knaur als Verlagsleiter die Programmbereiche Pattloch Geschenkbuch und Body-Mind-Spirit (O.W. Barth, MensSana, Knaur Balance). Ihr neues Amt ist ein Amt auf Jahre: Im Sprecherkreis ersetzen sie Monika Schlitzer (Verlegerin, Programm-Geschäftsführerin bei Dorling Kindersley) und Christof Klocker (Verlagsleiter Reise bei Gräfe und Unzer) – für die IG Ratgeber waren sie seit 2012 im Dienst, stets gerne und mit großem Gewinn, wie sie zu ihrem Abschied mehrmals betonten. Einen ersten Wechsel im Sprecherkreis gab es, wie berichtet, bereits 2017: Für Julia Graff (Hädecke Verlag) kam Barbara Wüst (Gabal Verlag) in das Gremium; sie macht weiter.   

Die große Frage: Wie geht es weiter mit der Kundenfrequenz?

Was alles zu den neuen Impulsen gehört, die Schindler und Günther mit der IG Ratgeber künftig in den Markt hinein tragen wollen: Schon die Tagesordnung von gestern zeigte es. Mit Buchhändlern, Sandra Werner (Osiander) und Daniel Lange (Bücherstube, Hamburg), wurde über das Wegbrechen der Käuferzahlen diskutiert – und mit Buchbloggern über digitales Empfehlungsmarketing. Außerdem ging es ums How-to bei Metadaten. Im Überblick:

Kundenfrequenz in den Innenstädten 

Dazu hatte die IG Ratgeber Sandra Werner und Daniel Lager eingeladen – Werner leitet die Osiander-Filiale am Marktplatz in Stuttgart und ist im Zentraleinkauf für Ratgeber zuständig, Lager ist Inhaber der Bücherstube Fuhlsbüttel und der Bücherstube am Krohnstieg in Hamburg. Beide sind großstadterfahren, Vieles von dem, was sie berichteten, dürfte auch für kleinere Standorte gelten: Immer wieder fiel das Wort Emotionalisierung.

Um Kunden zurück in ihre Buchhandlungen zu ziehen, setzen Osiander und Daniel Lager auf Persönlichkeit, auf eine mal mehr (Bücherstube, Hamburg) und mal etwas weniger (Osiander) persönliche Ansprache der Kunden, auf möglichst unkonventionelle Veranstaltungen und originelle, kontrastreiche Präsentationen. Und beide erwarten hier auch Unterstützung von Verlagen.

Lager zum Beispiel erinnerte sich an eine rote Nudelmaschine, die ihm ein Verlag zu einer Kochbuch-Aktion mitgeschickt hatte ("vor dem Schaufenster sind viele stehengeblieben"), Werner an ein Zitronenbäumchen, das ihr ein Verlag als Deko vor einiger Zeit zur Verfügung stellte. "So etwas brauchen wir häufiger", meinte sie – zumal es gerade für Ratgeberthemen wichtig sei, sie im Laden gut sichtbar zu platzieren. Ohne echte Hingucker werde es schwierig, denn, erklärte Werner: "Es wächst eine Generation heran, die sich visuell und haptisch informieren will." Bei Präsentationen käme es deshalb nicht auf Masse an, sondern je auf Klasse – je aufgeräumter und klarer sie wirkten, umso besser.                

Zwei Blogger geben Auskunft: Influencer-Marketing

Auch hierzu wollten die Mitglieder der IG Ratgeber lieber etwas aus der Praxis hören – nicht bloß aus der Theorie. Sie hatten zwei Blogger mit viel Erfahrung zu ihrer Tagung gebeten, Petra Lux (dieliebezudenbuechern.de) und Alexandra Stiller (buecherkaffee.de). Lux und Stiller beantworteten offen jede Frage der Ratgeberrunde, etwa: nach welchen Regeln sie Bücher auswählen, welche Kanäle heute die meiste Aufmerksamkeit bringen und wie die Zusammenarbeit mit Verlagen aus ihrer Sicht idealerweise laufen sollte. Fazit:

  • Bücher wählen die Bloggerinnen frei aus, ganz nach ihrem Interesse; dass Verlage manchmal Päckchen schickten, sei nett gemeint, aber eigentlich nicht in ihrem Sinn. "Bei uns gilt nur wollen, nicht müssen", betonte Stiller – Lux sprach über die Alternative: Besser als ein Päckchen, das erkennbar auch an 100 andere geht, sei eine individuelle Anfrage, vielleicht mit einer Leseprobe im Anhang. Alles andere finde sich dann, "ich beantworte jede Mail".     
  • Einig waren sich beide darin, dass die Blogs an sich gar nicht mehr im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Wichtig sei vor allem die Anbindung an soziale Medien, von Facebook bis Instagram (Instagram ist aus ihrer Sicht weiterhin der Kanal mit der höchsten Reichweite).
  • Am besten finden es beide, wenn sie Kontakt zu Verlagen finden, zu den Menschen, die hinter den Buchprogrammen stehen. Lux schwärmte bis heute von einer Einladung zu einer Cover-Entscheidung in einem Verlag: "Die wollten den Blick von außen, das hat mich sehr gefreut."

Metadaten im Einsatz: Wo fangen wir an?

Metadaten verkaufen Bücher – das hören Verlage schon lange. Aus dem geflügelten Wort eine Tatsache zu machen, braucht jedoch gute Planung. Einer, der sich damit en detail auskennt, ist Tobias Streitferdt, Metadata & eCommerce Manager bei Holtzbrinck ePublishing und Mitglied in der IG Metadaten. Und ihn hatten sich die Ratgeberverlage konsequenterweise dann auch als Referenten dazu eingeladen.

Wer ihn über sein Lieblingsthema schon einmal hat sprechen hören, weiß, dass er dabei jeden mitnimmt, bis in die letzte Reihe. Gut eine Stunde blieb ihm gestern Zeit, um mal das Wesentliche zu klären – er sprach über das Klassifikationsschema THEMA, über Kategorien und Checklisten. Streitferdt fiel es leicht, seine Zuhörer am Ende dazu zu motivieren, selbst aktiv zu werden: Innerhalb der IG Ratgeber soll eine Taskforce Metadaten entstehen, die Vorschläge zur Anpassung und Weiterentwicklung des Standards bündelt. Mehrere Ratgeberverlage haben spontan ihre Unterstützung zugesagt.

Insgesamt kamen zur Jahrestagung der IG Ratgeber gut 60 Mitarbeiter von Verlagen. Gastgeber war diesmal die Verlagsgruppe Thieme mit ihrem Ratgeber-Imprint Trias in Stuttgart.

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