Antiquariat

Sammlung Herbert Kästner bei Hesse Auktionen

27. September 2016
von Börsenblatt Online
Deutsche Literatur, illustrierte Bücher und Pressendrucke der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Christian Hesse Auktionen versteigert im November in Hamburg Teile der Sammlung des Leipziger Mathematikers und Bibliophilen Herbert Kästner.

Herbert Kästner (Jg. 1936), der über Jahrzehnte als Mathematiker an der Universität Leipzig wirkte, ist einer weiteren Öffentlichkeit durch sein vielfältiges bibliophiles Engagement bekannt geworden: Kästners Initiative verdankt sich wesentlich die 1991 erfolgte Wiederbegründung des Leipziger Bibliophilen-Abends nach der Wende, aus seiner Feder stammt unter anderem die maßgebliche Bibliografie der "Insel-Bücherei" seit 1912. Vor wenigen Wochen feierte Kästner seinen 80. Geburtstag und wurde aus diesem Anlass und in Anerkennung seiner beispielhaften Verdienste zum Ehrenmitglied der Pirckheimer-Gesellschaft ernannt (siehe hier). Bereits 2005 erhielt Kästner die Ehrenurkunde der Maximilian-Gesellschaft für alte und neue Buchkunst.

Mit Verweis auf Stefan Zweig, der sich schon im sechsten Lebensjahrzehnt von Teilen seiner Autographen-Sammlung trennte, begründet Herbert Kästner nun seinen Entschluss, selbst Teile seiner Privatbibliothek bei Christian Hesse in Hamburg versteigern zu lassen: "Objekte, die einst dem antiquarischen Kreislauf entzogen wurden, nun wiederum in den antiquarischen Kreislauf zurückfließen zu lassen – in der Hoffnung, dass sie in einer anderen Bücherwelt willkommen sind."

Der Sonderkatalog, den Christian Hesse für die Sammlung Kästner erstellt (er kann bereits jetzt bestellt werden, Kontakt siehe unten; Schutzgebühr 10 Euro, zusammen mit dem allgemeinen Auktionskatalog 15 Euro), verzeichnet mehr als 600 Titel in etwas mehr als 300 Katalognummern. Das Angebot reicht, so Christian Hesse in einer Mitteilung, von der Erstausgabe von Thomas Manns "Buddenbrooks", einem Vorzugsexemplar von Enno Littmanns "Der morgenländische Floh" mit Radierungen von Marcus Behmer (neben weiteren von Behmer illustrierten Büchern), mehreren Drucken der Cranach-Presse und der Ernst Ludwig-Presse über Erstausgaben Franz Kafkas mit den seltenen Schutzumschlägen und seiner "Betrachtung" in der Originalbroschur bis hin zu hunderten Erstausgaben.

Der Versteigerungskatalog verzeichnet Erstdrucke von Bertolt Brecht, Gottfried Benn (unter anderem ein tadelloses Exemplar seines Erstlings "Morgue"), Else Lasker-Schüler, Georg Heym – dabei ein verlagsfrisches Exemplar seiner Gedichtsammlung "Umbra vitae" mit den Holzschnitten von Ernst Ludwig Kirchner –, Georg Trakl, Joachim Ringelnatz, Robert Walser u. v. a. Unter den Illustratoren sind besonders George Grosz, Hans Alexander Müller und Hugo Steiner-Prag mit Vorzugs- und unikaten Künstlerexemplaren vertreten.

Zu allen Objekten sind vollständige Beschreibungen mit Schätzpreisen und auch digitale Bilddaten verfügbar. Die Versteigerung in den Räumen des Auktionshauses in der Osterbekstraße beginnt am Freitag, 18. November, um 15 Uhr. Der zweite Teil der Auktion (unter anderem moderne Kunst, Literatur des 18. bis 20. Jahrhunderts sowie Luxusausgaben der Bear Press umfassend) folgt am Samstag, 19. November, ab 11 Uhr. Gelegenheit zur Vorbesichtigung besteht ab Montag, 14. November, bis Donnerstag, 17. November (Freitagvormittag nach Ankündigung).

Christian Hesse Auktionen, Osterbekstraße 86 A, 22083 Hamburg, Tel. 040/69454247, Fax 040/69454266, mail@hesse-auktionen.de