Cartoon-Leser-Mitmachaktion

„Wenn die Weihnachtsstimmung kippt...“

19. Dezember 2019
von Petra Gass

Die Buchbranche besteht offensichtlich aus sehr kreativen Köpfen: Mehr als 400 Textvorschläge für die leere Sprechblase im weihnachtlichen Cartoon von Martin Perscheid haben boersenblatt.net-Leser an die Redaktion geschickt. Eine Auswahl der schönsten Ideen:

Für die Sprechblase in diesem Cartoon hatten die Börsenblatt-Leser:innen etliche Ideen

Viele Leser verstanden den Herrn mit dem weihnachtlichen Anhang als Rat suchenden Kunden – es spricht ja für die gut sortierte Buchhandlung, dass der Unglückliche sich lieber an die Buchhändlerin als an den Arzt oder Apotheker wendet: „Haben Sie den neuen Peter Wohlleben ‚Das gemeine Leben der Weihnachtsbäume‘?“. Vielleicht, vermutet er, hält das Ratgebersegment auch Titel für ein weiteres Nischenthema vor: „Haben Sie ein Buch zum Thema Tannenbaumschlagen? Ich verliere immer.“ Denn schlagfertige Antworten hatte es wohl am Glühweinstand gegeben: „Das ist ein Missverständnis. Ich hab‘ am Weihnachtsmarkt nur nach einem Punch gefragt“.

Auch die Frage nach Schuld und Sühne ist Thema an der Ladentheke: „Seit ich die Novelle "Else von der Tanne" bei Ihnen gekauft habe, werde ich von diesem Weihnachtsbaum verfolgt“. Ähnlich ungehalten reagierte ein anderer Weihnachtsbaum: „Ich muss Sie in Haftung nehmen: Kaum die Stern-Spitze aufgesteckt - bei Ihnen mit dem Weihnachtslieder-Buch gekauft - eben mal testweise "Oh Tannenbaum" gesungen, isser auf mich los...“, berichtet der Kunde. Rache wäre süß: „Haben Sie ein veganes Christbaumkochbuch? Sowas mit grüner Tannennadelsuppe oder gratinierte Baumspitzen an Strohsternen?“

Welche Verantwortung die Buchhandlung für die verbreiteten Informationen hat, wird ganz klar in der Forderung: „Ich möchte sofort den Autor des Buches "Ganz ohne Stress: Weihnachtsbaum kippsicher aufstellen" sprechen!“ Und wer als Inhaber die Dekoration in der Buchhandlung nur halbentschlossen festgedübelt hat, sollte noch mal nachdrehen, bevor es so weit kommt und mit dem Vorwurf „Von Helmpflicht in der Buchhandlung war mir nichts bekannt“ Regressforderungen laut werden: „Wird mein Kopf vom Stern getroffen, kann ich wohl auf'n Gutschein hoffen!?!“

Es scheint ja auch wirklich weh zu tun: „Kennen Sie dass, wenn Sie sich den Kopf anhauen und nur Sterne sehen? Ich spüre die auch.“ Das Büchlein „Einmal den Bestseller "Erste-Hilfe im Advent" von Barbara Heilig.“ könnte da helfen, vielleicht auch ein anderes Hausmittel: „Haben Sie zufällig etwas Aspirin? Ich bekomme von Weihnachten immer Migräne.“ Hilft das auch nicht, will der Arme zum Fachmann gehen: „Kennen Sie einen guten Kieferorthopäden?“

Der Baum hängt schief, möchte man dem Mann zurufen, der mit seinem Baum Pech von loriotschen Ausmaß hatte. Davon abzulenken durch „Sie haben da was am Mundwinkel“ oder „.. und dann habe ich gesagt: "Letztes Jahr war aber mehr Lametta dran" wird ihm wohl kaum helfen.

In den Leserideen kommen noch mehr Stars vor, sogar zwei von der singenden und klingenden Zunft: „Bitte einmal die Ausgabe von Alexandra, Mein Freund, der Baum ist tot. Und packen Sie`s bitte weihnachtlich ein.“, und bei "Eine Stirn, die Deine Tanne trägt" wird ein DJ-Ötzi-Hit weihnachtlich interpretiert.

Sehr oft vermuteten die Leserinnen und Leser ein häusliches Drama: Die Frage „Erinnern Sie sich noch an Ihre Buchempfehlung für meine Frau?“ muss die Buchhändlerin zum Nachdenken bringen, ebenso die Rückmeldung „Ihre Geschenkempfehlung ‚1000 tolle Abnehmtricks‘ hat es voll getroffen“, während die Nachricht „Da stellte sich überraschenderweise heraus, dass meine Frau gar kein Bügeleisen zu Weihnachten wollte“ sicher nichts mit dem Non-Book-Angebot des Ladens zu tun hat.

Unterm Baum gestritten wird offenbar gern an den klassischen Fronten der Ehekriege, denn einer muss ja recht haben: „Und dann hab ich meiner Frau gesagt: "Natürlich hab' ich den Weihnachtsbaum sicher aufgestellt. Der KANN gar nicht umkippen - Schau her!". Und es ist sicher wieder nicht das, wonach es aussieht: „Nein, Schatz, ich war nicht sternhagelvoll!“. Unter intellektuellen Gatten streift die Diskussion den literaturkritischen Diskurs zur Trennung von Autor und Werk: „Eigentlich waren wir uns einig. Sie wollte Charlotte Roche unterm Baum haben. Ich auch. Wissen Sie, ob die auch was publiziert hat?“

Ein solcher gefallener Stern kann durchaus erratische Auswirkungen haben, vermuten viele Leser, und hören den Kunden fragen: „Ein Mineralwasserschorle sauer bitte“ oder „Ich hätte gerne ein halbes Pfund Hackfleisch. Ohne Knochen.“

Warum der Herr manches ganz genau wissen will, ist ihm offenbar selbst kaum klar:  „Ich brauche unbedingt ein Buch, mein Interesse an Literatur wird immer bohrender!“, verlangt er, oder „Haben Sie "a star is bohrn" auch als DVD?“. Um am Heiligabend textsicher zu sein, sucht er „Ein Weihnachtsliederbuch bitte, mit dem Lied "Guten Abend, gute Nacht, mit 'nem Bäumchen beda-acht, mit 'nem Sternlein be-steckt ..."

Das hat doch alles keinen Sinn, droht die Dame hinter der Ladentheke verzweifeln, doch es lässt sich unter fachkundiger Anleitung alles mit allem in Beziehung setzen: „Ich suche nach ‚Leben nach den Sternen‘" oder zumindest „...und nun muss ich wissen, was mit den drei heiligen Königen passiert ist, nachdem sie dem Stern gefolgt sind...“

Die Börsenblatt-Redaktion dankt allen Teilnehmern der Cartoonaktion und wünscht erholsame und fröhliche ….
fröhliche …. 
„Fest? Welches Fest? Warten Sie - ich hab's im Kopf.“