Berliner Verlagspreis

Wagenbach gewinnt

Die Jury zeichnet im Deutschen Theater mit dem Wagenbach Verlag ein "Wahrzeichen der Berliner Verlagsszene" aus. Die Förderpreise gehen an den Verlag Reprodukt und das Verlagshaus Berlin. VON HOLGER HEIMANN

Jo Frank, Dominik ZiIler, Andrea Schmidt (Verlagshaus Berlin) mit Christiane Fritsch-Weith; Barbara Schneider-Kempf mit Susanne Schüssler (Wagenbach), Dirk Rehm und Jutta Harms (Reprodukt) mit Gunnar Cynybulk, davor Ramona Pop und Klaus Lederer

Jo Frank, Dominik ZiIler, Andrea Schmidt (Verlagshaus Berlin) mit Christiane Fritsch-Weith; Barbara Schneider-Kempf mit Susanne Schüssler (Wagenbach), Dirk Rehm und Jutta Harms (Reprodukt) mit Gunnar Cynybulk, davor Ramona Pop und Klaus Lederer © Cordula Giese

"Manchmal lachen wir zusammen. Manchmal zittern wir zusammen, so wie heute. Jetzt haben wir gewonnen." Die vorherige Anspannung war Susanne Schüssler am Sonntagmittag im Deutschen Theater in Berlin durchaus noch ein wenig anzumerken. Die Chefin des Wagenbach Verlags war die letzte Rednerin einer kurzweiligen, rund anderthalbstündigen Premierenfeier, bei der erstmals der Berliner Verlagspreis vergeben wurde. Mit der Auszeichnung sollen unabhängige Verlage aus der Hauptstadt gefördert und der Verlagsstandort Berlin gestärkt werden.

Barbara Schneider-Kempf (Generaldirektorin Staatsbibliotheken Berlin) mit Susanne Schüssler (Wagenbach),  Politiker Ramona Pop (Grüne) und Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und Laudatorin Christiane Fritsch-Weith

Barbara Schneider-Kempf (Generaldirektorin Staatsbibliotheken Berlin) mit Susanne Schüssler (Wagenbach), Politiker Ramona Pop (Grüne) und Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und Laudatorin Christiane Fritsch-Weith © Cordula Giese

65.000 Euro Preissumme (das ist Rekord für eine solche Auszeichnung in Deutschland) wurden auf drei Preise, den Hauptpreis und zwei Förderpreise, verteilt. Der Wagenbach erhielt – tatsächlich nicht wirklich überraschend – als ein "Wahrzeichen der Berliner Verlags- und Kulturszene" also den mit 35.000 Euro dotierten Hauptpreis. Die Laudatorin Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, rühmte die keineswegs selbstverständliche "Konstanz und Qualität in zweiter Generation" des 1964 von Klaus Wagenbach gegründeten und seit 2002 von seiner Frau Susanne Schüssler geführten Verlags sowie eine "nie nachlassende Liebe zu haptischen Freundlichkeiten".

Reprodukt-Verleger Dirk Rehm und Jutta Harms

Reprodukt-Verleger Dirk Rehm und Jutta Harms © Cordula Giese

Verlagshaus Berlin: Politikerin Ramona Pop (Grüne) und Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und Dominik ZiIler, Andrea Schmidt,  Jo Frank(Verlagshaus Berlin)<br />

Verlagshaus Berlin: Politikerin Ramona Pop (Grüne) und Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und Dominik ZiIler, Andrea Schwarz, Jo Frank(Verlagshaus Berlin) © Cordula Giese

Die zwei jeweils mit 15.000 Euro dotierten Förderpreise gingen an den Verlag Reprodukt und das Verlagshaus Berlin. Reprodukt, spezialisiert auf Graphic Novels, stehe für ein innovatives und überzeugendes Programm, befand die Jury "Für die Leser sind die Bücher eine Freude, für den Buchhandel ein großes Glück", sagte die Buchhändlerin und Laudatorin Christiane Fritsch-Weith.

Das Verlagshaus Berlin verbindet in seinen Büchern moderne Lyrik und Illustration zu einem Gesamtkunstwerk. Mit der Auszeichnung werde ein Verlag gewürdigt, der Haltung zeige, lobte Gunnar Cynybulk. Der Ullstein-Verleger, ebenfalls Mitglied der Jury, flocht in seiner Rede indes einen größeren Kranz – für alle unabhängigen Verlage. Bücher unter eigenem Namen zu verlegen, mit eigener Scheckkarte zu bezahlen und gegen alle Widerstände durchzusetzen, das sei eine große Leistung.

Gespräch mit Sascha Ehlert, Korbinian Verlag

Gespräch mit Sascha Ehlert, Korbinian Verlag © Cordula Giese

Peter Graf, Verlag das kulturelle Gedächtnis

Peter Graf, Verlag das kulturelle Gedächtnis © Cordula Giese

Für den Berliner Verlagspreis hatten sich 75 Verlage beworben. Acht von ihnen schafften es in die Endauswahl. Neben den drei Prämierten waren das: Verlag das Kulturelle GedächtnisGuggolz VerlagVerlagshaus Jacoby & StuartKorbinian Verlag und Pulp Master. Zur Jury gehörten neben Cynybulk, Fritsch-Weith und Schneider-Kempf der Literaturkritiker Dirk Knipphals und Katharina Hesse von der Stiftung Buchkunst. Die Initiatoren des Preises, der Börsenverein Landesverband Berlin-Brandenburg und die Berliner Senatsverwaltungen für Wirtschaft und für Kultur, sehen die Auszeichnung als wichtigen Beitrag für ein lebendiges kulturelles Leben in der Hauptstadt. 

Verleihung des 1. Verlagspreis Berlin, 11.11.2018 Gespräch mit Kandidaten: Frank Nowatzki, Pulp Master Verlag<br />
<br />

Frank Nowatzki, Pulp Master Verlag © Cordula Giese

Sebastian Guggolz, Guggolz Verlag

Sebastian Guggolz, Guggolz Verlag © Cordula Giese

Zwar wurden nur drei Verlage prämiert, als Verlierer sollte sich an diesem Sonntag trotzdem niemand fühlen. "Nächstes Jahr ist auch noch ein Jahr. Wir wollen eine Tradition begründen", sagte der Berliner Kultursenator Klaus Lederer. Ganz in diesem Sinne kündigte der Verleger Edmund Jacoby bereits an: "Dann bewerben wir uns nächstes Jahr eben wieder."

Schlagworte:

Mehr zum Thema

0 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • ...

    Informationen zum Kommentieren

    Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

  • ...
    Mein Kommentar

    Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

    (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
    CAPTCHA image
    Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

    * Pflichtfeld