Die Sonntagsfrage

"Wer braucht MyPoolitzer, Herr Gehrke?"

Das Berliner Start-up MyPoolitzer will Verlage und Autoren zusammenbringen. Seit Februar ist eine Beta-Version online, auf der Buchmesse in Leipzig haben die Gründer Tilo Gehrke und Volker Steffen ihr Projekt vorgestellt. Wer braucht MyPoolitzer? Tilo Gehrke beantwortet die Sonntagsfrage.

Tilo Gehrke, Gründer der Plattform MyPoolitzer

Tilo Gehrke, Gründer der Plattform MyPoolitzer © MyPoolitzer

Wer MyPoolitzer braucht? Vor allem gute Debutautoren und Verlage, die gute Autoren suchen. Wir haben MyPoolitzer im April 2016 gegründet, um talentierte Autoren für Verlage sichtbar zu machen. Dabei wollen wir das Prinzip des digitalen Marktplatzes auf die Buchbranche übertragen. Gerade für Erstautoren ohne belastbares Netzwerk ist es extrem schwierig, von Verlagen wahrgenommen zu werden. Auf der anderen Seite können die Verlage die gewaltige Flut an unverlangt eingesandten Manuskripten längst nicht mehr bewältigen. In der Folge bleibt ein großer Teil des literarischen Angebotes einfach unbeleuchtet. Eine große Ressourcen- und Ideenverschwendung. Die wenigsten der jährlich rund 77.000 Erstauflagen (2015, laut Buch und Buchhandel in Zahlen 2016) stammen aus der Feder von Debutautoren.

"Wir garantieren eine Sockelqualität"

Mit MyPoolitzer wollen wir den Prozess der Vertragsanbahnung radikal vereinfachen. Der Autor muss seinen Text nur einmal hochladen und kann ihn dann gleichzeitig allen angeschlossenen Verlagen präsentieren. Je mehr Verlage mitmachen, desto effizienter wird der Prozess. Was haben die Verlage davon? Sie können mit Hilfe von relevanten Suchkriterien passende Texte herausfiltern. Das spart Zeit und Geld. Es braucht aber zunächst einen adäquaten Qualitätsfilter. Denn auch digital möchte sich kein Lektor durch einen Haufen unreifer Texte arbeiten müssen. Daher wird von uns zunächst jeder Text – genauer gesagt die Synopse und Leseprobe – anhand eines einheitlichen Verfahrens begutachtet. Unsere Experten bewerten dabei den Text anhand von 10 Kriterien, 5 die Handlung betreffend und 5 den Schreibstil. Am Ende steht ein gemittelter Punktewert, der Autor und Verlag gleichermaßen als Orientierungshilfe dient.  Erreicht ein Text mindestens 3 von 5 möglichen Punkten, wird er für Verlage zur Ansicht freigeschaltet. Wir garantieren somit eine Sockelqualität, und der Verlag spart sich die Vorprüfung. Ein enormer Effizienzgewinn, wenn man bedenkt, dass heute jeder Text an Dutzende Verlage geschickt wird.


"Der Autor zahlt für Bewertung und Zugang zum Pool"

Werden wir die Literaturagenten ersetzen? Nein, aber wir werden den Markt deutlich günstiger und effizienter ausleuchten können. Und wir leisten unseren Dienst unabhängig von dem zu erwartenden Markterfolg des Buches, zeigen den Nischenbeitrag genauso wie den Bestsellerkandidaten. Hauptsache die literarische und handwerkliche Qualität stimmt. Das ist möglich, weil wir durch eine pauschale Zutrittsgebühr entlohnt werden. Der Autor zahlt einfach einen festen monatlichen Beitrag und bekommt dafür eine Expertenbewertung und den Zugang zum Marktplatz. Für die Verlage ist der Zugang sogar kostenfrei.

Seit kurzem testen wir unser Modell mit einer kostenlosen Minimalversion im Markt. Im Zentrum des Tests steht das Bewertungsverfahren. Wir arbeiten dazu mit einer Handvoll Verlagen zusammen, denen wir zeigen wollen, dass wir mit unserer Methode Qualität herausprüfen können. Autorenseitig wird der Test sehr gut angenommen. Die Autoren bekommen eine erste Bewertung, wissen wo sie stehen, und haben darüber hinaus die Chance, schon während der Testphase einen passenden Partner zu finden. Natürlich sind das ohne Marketingmaßnahmen alles noch sehr überschaubare Nutzerzahlen. Wir können in der kurzen Zeit auch noch keinen von uns angebahnten Buchdeal präsentieren. Aber wir haben zahlreiche erfolgversprechende Texte bei verschiedenen Verlagen zur Prüfung. Wir tauschen uns mit allen Beteiligten regelmäßig aus, damit am Ende Problem und Lösung genau zueinander passen. Es geht uns also um den grundsätzlichen Funktions- und Relevanzbeweis auf kleiner Basis. Ist der erbracht, bauen wir die komplette Plattform und starten durch.

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