Premieren-Bericht: Spector Books bekommt den Sächsischen Verlagspreis

"Neue Moves" aus Leipzig

Klares Konzept, internationale Ausstrahlung: Spector Books ist am Montagabend mit dem ersten Sächsischen Verlagspreis ausgezeichnet worden. Laudator Denis Scheck verpasste durch eine Bahnpanne die Preisverleihung, fand aber spontan ein Double für seine Rede über die letzten Fragen der Branche. VON NILS KAHLEFENDT

Das Spector Books-Team: Jan Wenzel, Anne König,Markus Dreßen (von links)

Das Spector Books-Team: Jan Wenzel, Anne König,Markus Dreßen (von links) © Gaby Waldek

Das wichtigste zuerst: Die Entscheidung der siebenköpfigen Jury aus buchaffinen Menschen, den erstmals ausgelobten, mit 10.000 Euro anständig dotierten Sächsischen Verlagspreis an Spector Books aus Leipzig zu vergeben, ist mutig - und goldrichtig.

Mutig, da Spector Books, vorsichtig gesprochen, nicht gerade auf die Rolle als grün-weißer Imageträger und Botschafter des Freistaats hingearbeitet hat. Statt auf regionalen Bücherschauen zwischen Dresden und Zittau traf man das Verleger-Trio Jan Wenzel, Anne König und Markus Dreßen in den letzten Jahren eher auf internationalen Messen und Festivals und zu Vorträgen zwischen Brooklyn und St. Petersburg; ihren ersten Verlagspreis bekamen sie vor Jahren in Frankreich.

Flickflacks im Kopf 

Goldrichtig ist die Entscheidung der Jury, da Spector Books mit seinen überraschenden wie innovativen Veröffentlichungen – pro Jahr erscheinen rund 50 Titel, viele zweisprachig oder gleich auf Englisch – tatsächlich so etwas wie ein teilnehmender Beobachter unserer Gesellschaft ist.

Das Verlagsprogramm

Das Verlagsprogramm © Gaby Waldek

Einer, der sich einerseits in die grafische Tradition der alten "Buchstadt" stellt, ohne es andererseits an Experimentierfreude fehlen zu lassen. Um "neue Moves" geht es Spector, so Jan Wenzel, um "neue Bewegungsformen" des Lesens: "Schrittfolgen von Seite zu Seite, von Satz zu Satz. Sprünge zwischen Worten und Bildern. Flickflacks zwischen der inneren Stimme eines Einzelnen und dem unablässigen Rauschen der Welt." Das, was Bücher ausmacht – ihre Stofflichkeit, ihre Gestaltung – tritt heute als Qualität viel deutlicher hervor: Gerade, weil es so unterschiedliche Möglichkeiten gibt, Texte in die Welt zu senden.

NRW, Sachsen, Hessen, Berlin - Verlagspreise haben Konjunktur

Während ein im Februar 2018 in der "Düsseldorfer Erklärung" von mehr als 60 Indie-Verlagen geforderter Staatspreis für Verlage nach Vorbild des Deutschen Buchhandlungspreises bei der Kulturpolitik noch nicht recht zündete, haben Verlagspreise auf Länderebene offenbar Konjunktur: Der Verlagspreis NRW hatte im letzten November Premiere, Hessen zieht noch im laufenden Jahr nach, auch Berlin-Brandenburg hat etwas in der Pipeline.

Die Preise in NRW und Hessen sind mit 20.000 Euro dotiert, in beiden Fällen sind die jeweiligen Landesverbände des Börsenvereins Partner. Der Sächsische Verlagspreis ist – ebenfalls in Kooperation mit dem Landesverband – von gleich zwei Ministerien aufs Gleis gesetzt worden: Jenem für Wissenschaft und Kunst und dem für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. Damit bilden die Sachsen den Doppelcharakter der Ware Buch vorbildlich ab; Brecht hätte seine helle Freude gehabt.

Wanderer, kommst du nach Gröbers...

Das Beste an der den Festakt im Alten Rathaus begleitenden künstlerischen "Performance" war indes, dass man sie von der Mehrzahl der Plätze aus nicht sehen konnte. Auch Denis Scheck, den die fischelanten Sachsen als Laudator gewonnen hatten, blieb der Anblick erspart: Der "Druckfrisch"-Moderator war zwischen Halle/Saale und Leipzig, in einem Flecken mit dem sprechenden Namen Gröbers, in einem havarierenden Lokalzug gestrandet.

Denis Scheck wurde vertreten von Mark Lehmstedt

Denis Scheck wurde vertreten von Mark Lehmstedt © Gaby Waldek

Doch wir leben nicht umsonst im Internet-Zeitalter: Verleger Mark Lehmstedt sprang prima vista als Scheck-Double ein. Und trug die Laudatio, einen Text über die letzten Fragen der Branche, ach was, der Menschheit ("Was war? Was ist? Was kommt? Was bleibt?"), in dem Friedrich Kittler, das Rocket eBook und Donald Duck tragende Rollen spielten, via Tablet vor. "Herr Scheck, Sie haben was verpasst", meinte Anne König, als der so Angesprochene zum Ende der Feier doch noch das Alte Rathaus erreichte. Recht hat sie! Und wir? Freuen uns auf weitere Verlagspreise. Gern ohne Ausdruckstanz – dafür mit jeder Menge Kohle.

Schlagworte:

Mehr zum Thema

0 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Informationen zum Kommentieren

    Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

  • Mein Kommentar

    Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

    (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
    CAPTCHA image
    Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

    * Pflichtfeld