Jill Lepore begann ihre Ausführungen auf Englisch (übersetzt von Simultan-Dolmetschern) mit einem großen Lob an die Frankfurter Buchmesse: "Diese Messe ist eine Feier für alles, was mit Büchern zu tun hat." Eine Feier für die Literatur, die Redefreiheit, die Schönheit des Geistes. Sie verband die Freiheit des Lesens und Schreibens mit politischer Selbstbestimmung: "Unsere Gedanken und unsere Worte – und unsere Bücher – gehören uns. Und die Zustimmung zu jedem Regierungssystem oder ihre Verweigerung muss von uns kommen."
Dabei spannte sie den Bogen bis zur Philosophin Hannah Arendt, die schon in den 1950er Jahren in vor der Macht der Maschinen gewarnt hätte. Arendt hätte sich gefragt, ob Maschinen unser Denken übernehmen könnten. "Dieser Tag ist jetzt gekommen", meinte Lepore. Die liberale Freiheit werde verlassen, die natürliche Welt zerstört, der künstliche Staat drohe. Und die Tyrannei sei mit dem künstlichen Staat verbunden. Die Kunst, Literatur, Gedankenfreit, Demokratie oder gar die Menschheit, wenn wir es glauben wollen, seien gefährdet.
Man könne sich dagegenstemmen, aber: Keine Demokratie könne ohne eine lese- und schreibkundige Gesellschaft gedeihen. Später, bei den Fragen aus dem Publikum, betonte sie, es sei wichtig, sich von dem Hype abzunabeln, der aus dem Silicon Valley kommt. Das seien Leute, die bei Investoren Aufmerksamkeit erregen wollen. Diese Rhetorik müsse man ignorieren.
Dennoch: Die politische Dysfunktion sei aus den Vereinigten Staaten exportiert worden. Das Internet sei unter anarchischen Bedingungen aufgebaut worden, deshalb hätten wir die Social Media, die wir haben. Es drohen Technologien, die in den USA über dem Gesetz stehen. Die Antwort darauf müsse von außerhalb kommen. Viele würden auf die Gesetzesinitiativen in Europa schauen.
Und für geistige Unabhängigkeit durchs Schreiben und Lesen, dafür stehe die Frankfurter Buchmesse.
Die Messewoche führt diese Fragen weiter: im internationalen Fachprogramm zu Rechtehandel, Künstlicher Intelligenz, Audio und Buchadaptionen sowie bei Frankfurt Calling, dem kulturpolitischen Programm. Es umfasst 120 Veranstaltungen an elf Orten auf dem Messegelände und in der Stadt.
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