Der Buchblog-Flaneur: Zehn Leseempfehlungen aus dem Januar 2026

Entdeckungen abseits des Mainstreams

30. Januar 2026
Redaktion Börsenblatt

Blogger Uwe Kalkowski, besser bekannt als "Der Kaffeehaussitzer", flaniert monatlich durch die Buchblogs und stellt bei uns besprochene Titel vor. Hier kommt seine literarische Netzauslese für Januar.

Uwe Kalkowski

Uwe Kalkowski

Buchflaneur

Ein Monat geht zu Ende und in dieser Kolumne stelle ich wieder zehn Fundstücke aus der Welt der Buchblogs vor. Und wie immer stellt diese Auswahl eine Einladung dar, sich selbst auf Entdeckungsreise zu begeben. Denn zu entdecken gibt es dort eine ganze Menge, vieles davon weit weg vom literarischen Mainstream. 

Sich treiben lassen von Buch zu Buch

David Wonschewski, Autor und Blogger, schreibt in seinem Blog über einen Roman, der schon 2013 im Liebeskind Verlag erschienen ist und der damals einen Einblick gewährte in das Leben der Abgehängten in den USA - von denen viele acht Jahre später zu Trump-Wählern wurden. Die Rede ist von "Knockemstiff" von Donald Ray Pollock, übersetzt von Peter Torberg. Kein leichter Stoff.

Manche Leserinnen und Leser planen ihre Lektüren oder nehmen sich für ein kommendes Jahr vor, bestimmte Bücher zu lesen. Ich mache das eher nicht, da ich es liebe, mich vollkommen planlos von Buch zu Buch treiben zu lassen. Aber wenn Alexandra Stiller im Blog Bücherkaffee zwölf Bücher auflistet, die sie 2026 gerne lesen würde, schaue ich natürlich hin - denn dort gibt es immer feine Leseanregungen. 

Den Literaturblog Aufklappen schätze ich sehr; im Januar wurde dort von Jascha Feldhaus der Roman "Eichmanns Freund" von Mischa Sebba vorgestellt. Erschienen ist er im Verlag Bibliothek der Provinz. Genau wegen Entdeckungen wie diesen liebe ich das Flanieren durch die Buchblogs.

Norwegen und Chile

Es gibt momentan eine ... na ja ... Diskussion, ob Hörbücher als Bücher "zählen". Bloggerin Dörte Opitz hat sich des Themas angenommen und in ihrem Blog The Art of Reading einen ebenso leidenschaftlichen wie fundierten Text darüber geschrieben. Ein Satz daraus, der mir besonders gut gefallen hat: "Bücher sind Inhalte. Sprache. Bedeutung. Keine Sehprüfung." 

Die Autorin Kathrine Nedrejord ist Norwegerin. Vor allem aber ist sie Samin und gehört zum größten indigenen Volk Europas. In ihrem Roman "Acht Jahreszeiten" geht es um eine samische Familiengeschichte – und es ist eine Geschichte der staatlichen wie gesellschaftlichen Unterdrückung und Diskriminierung, die in Norwegen erst in den 1960er-Jahren endete. Im Blog Zeichen & Zeiten stellt Constanze Matthes das Buch mitsamt geschichtlichem Hintergrund ausführlich vor.

Chile in den frühen 1980er-Jahren: eine Zeit der Repression, Überwachung und ökonomischen Umstrukturierung. Mitten hinein führt der Roman "Kramp" von María José Ferrada, der im Blog Bücherherbst besprochen wird. Ein Text, der neugierig macht. 

Ukraine und Karl Kraus

Auf danares.mag - Blog für Weltliteratur & Straßenpoesie gibt es eine Beitragsserie mit dem Titel "Ukraine lesen". Mehrere Titel ukrainischer Literatur wurden dort bereits vorgestellt, der neueste ist "Ein Zuhause für Dom" von Victoria Amelina. Eine Autorin, die am 27. Juni 2023 bei einem russischen Raketenangriff auf ein Restaurant getötet wurde. Sie war 37 Jahre alt. 

Ein Silent Book Club ist eine feine Idee: Leserinnen und Leser lesen gemeinsam in Stille. Karl Ludger Menke ist seit zweieinhalb Jahren Organisator einen solchen Formats und gibt in seinem Blog Nachtbibliothek einen schönen Einblick in einen dieser Leseabende. 

Lena Riess stellt in ihrem gleichnamigen Blog das Buch "Ein Spiel, gesinnungslos wie die Liebe - das Leben des Satirikers Karl Kraus" von Katharina Prager vor. Ein schöner Text, große Leseempfehlung. 

Gibt es eine Rückkehr des Analogen? Das wohl nicht, aber es ist zu beobachten, dass sich immer mehr Menschen von der digitalen Welt gestresst fühlen und sich Beschäftigungen suchen, die außerhalb davon liegen. Im Blog Letusreadsomebooks ist ein Text dazu erschienen.

 

Zum Abschluss

Und mein eigener Blog Kaffeehaussitzer startete im Januar mit einem Rückblick, in dem ich über die fünfzehn besten Bücher meines Lesejahres 2025 geschrieben habe.  

Das waren sie, die Januar-Fundstücke des Buchblog-Flaneurs. Kommen Sie gut durch die graue Zeit - die Tage werden schon wieder länger. 

Über den Kaffeehaussitzer

Uwe Kalkowski ist seit über dreißig Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus verschiedenen Perspektiven: Als Buchhändler, als Absolvent des Studiengangs Verlagswirtschaft in Leipzig und als Mitarbeiter verschiedener Verlage. Seit 2019 arbeitet er für den Eichborn Verlag in Köln. Auf seinem privaten Literaturblog Kaffeehaussitzer schreibt er über Bücher und Leseerlebnisse. Als Buchblog-Flaneur stellt er monatlich zehn Fundstücke aus der Welt der Literaturblogs vor.