"Der Poetenladen Verlag trauert um die Autorin und Übersetzerin, die wichtige Akzente für den Verlag und die Lyrik setzte", fährt Andreas Heidtmann fort. Und weiter schreibt er in seinem Nachruf, den wir hier im Wortlaut wiedergeben:
"Unvergessen sind ihre Gedichte wie ihre Auftritte, aber auch ihre herzliche Zugewandtheit allen Kolleginnen und Freunden gegenüber. Wir verlieren eine unverwechselbare, sprachmächtige Dichterin, die viele Jahre in Leipzig verbrachte, wo sie am Deutschen Literaturinstitut studierte. Später lebte sie in Irland und in Südspanien.
Geboren wurde Sandra Trojan 1980 in Winterberg in Westfalen. In vielen Gedichten nimmt sie poetisch Bezug auf ihre Heimat. Unter dem Titel 'Bergfreiheit' widmet sie sich dem Thema des Silber- und Eisenbergbaus in der hochsauerländischen Region und verknüpft Landschaftsbild, Kulturgeschichte und Herkunft. Auch mythologische und religiöse Motive sind prägend für ihre Gedichte, wobei Titel wie 'Karfreitag' und 'Abendmahl' nicht ungewöhnlich sind. In ihrem Debüt 'Um uns arm zu machen' (2009) greift das Titelgedicht alttestamentarische Szenen auf und ruft mit Delila und Samson eine der großen biblischen Liebesgeschichten der Literatur wach.
Es war – für die Autorin wie für den Verlag – sensationell, dass ihr schmaler Band von Harald Hartung in der FAZ besprochen wurde. Viele lobende Worte folgten. Der WDR sah sie als Entdeckung der jungen Lyrikszene. Michael Gratz schrieb: "Der erste Gedichtband einer jungen Lyrikerin. Ich schlage in der Mitte auf – und, oh, das saß! Zweite, dritte, vierte Probe ... umwerfend!" Die Süddeutsche stellte fest: "Eigenständig im Ton schreibt sie in einer intensiven, sinnlichen Sprache, die bei aller dunklen Mehrdeutigkeit und Unschärfe nie kopflastig gerät." Im Mitteldeutschen Rundfunk hieß es: "Es ist ein Debüt, das mehr als nur ein Versprechen auf spätere Bücher ist: Diese Gedichte haben einen starken, versierten Ton, sind im richtigen Moment von grotesker Komik und bestechender, poetischer Kraft."