Nachruf

Lyrikerin und Übersetzerin Sandra Trojan ist gestorben

30. Juli 2026
Redaktion Börsenblatt

Sandra Trojan, die als Lyrikerin hohe Wertschätzungen genoss, ist am 6. März in Albuñol in Spanien im Alter von 46 Jahren gestorben. Das schreibt Andreas Heidtmann vom Poetenladen Verlag in einem Nachruf.

Porträtfoto von Sandra Trojan

Sandra Trojan

"Der Poetenladen Verlag trauert um die Autorin und Übersetzerin, die wichtige Akzente für den Verlag und die Lyrik setzte", fährt Andreas Heidtmann fort. Und weiter schreibt er in seinem Nachruf, den wir hier im Wortlaut wiedergeben:

"Unvergessen sind ihre Gedichte wie ihre Auftritte, aber auch ihre herzliche Zugewandtheit allen Kolleginnen und Freunden gegenüber. Wir verlieren eine unverwechselbare, sprachmächtige Dichterin, die viele Jahre in Leipzig verbrachte, wo sie am Deutschen Literaturinstitut studierte. Später lebte sie in Irland und in Südspanien.

Geboren wurde Sandra Trojan 1980 in Winterberg in Westfalen. In vielen Gedichten nimmt sie poetisch Bezug auf ihre Heimat. Unter dem Titel 'Bergfreiheit' widmet sie sich dem Thema des Silber- und Eisenbergbaus in der hochsauerländischen Region und verknüpft Landschaftsbild, Kulturgeschichte und Herkunft. Auch mythologische und religiöse Motive sind prägend für ihre Gedichte, wobei Titel wie 'Karfreitag' und 'Abendmahl' nicht ungewöhnlich sind. In ihrem Debüt 'Um uns arm zu machen' (2009) greift das Titelgedicht alttestamentarische Szenen auf und ruft mit Delila und Samson eine der großen biblischen Liebesgeschichten der Literatur wach.

Es war – für die Autorin wie für den Verlag – sensationell, dass ihr schmaler Band von Harald Hartung in der FAZ besprochen wurde. Viele lobende Worte folgten. Der WDR sah sie als Entdeckung der jungen Lyrikszene. Michael Gratz schrieb: "Der erste Gedichtband einer jungen Lyrikerin. Ich schlage in der Mitte auf – und, oh, das saß! Zweite, dritte, vierte Probe ... umwerfend!" Die Süddeutsche stellte fest: "Eigenständig im Ton schreibt sie in einer intensiven, sinnlichen Sprache, die bei aller dunklen Mehrdeutigkeit und Unschärfe nie kopflastig gerät." Im Mitteldeutschen Rundfunk hieß es: "Es ist ein Debüt, das mehr als nur ein Versprechen auf spätere Bücher ist: Diese Gedichte haben einen starken, versierten Ton, sind im richtigen Moment von grotesker Komik und bestechender, poetischer Kraft."

Trotz Erfolg kein zweiter Gedichtband

Das Erstaunliche: Es ist nie zu einem zweiten Buch gekommen. Wiederholt sprach ich Sandra Trojan darauf an, ob sie nicht einen neuen Gedichtband in Vorbereitung habe. Sie erwähnte Erzählungen, an denen sie arbeite, die aber auch nie von ihr freigegeben wurden. Sie übersetzte T. S. Eliot – für sich. Vereinzelt erschienen Texte in Zeitschriften wie Spritz und BELLA triste und in der ZEIT.

Sandra Trojan erhielt den Künstler-Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen, war Stipendiatin im LCB und wurde 2011 mit dem Lyrikpreis München ausgezeichnet. Ein Text, der besondere Aufmerksamkeit fand, war das Gedicht 'Wenn ich in Bienen spreche' aus ihrem Debüt. Hierzu führte Michael Braun im Deutschlandfunk aus: "In einem fast surrealen und zugleich vollkommen der Phänomenalität der Dinge zugewandten Text beschwört Sandra Trojan das sinnliche Sprechen der Poesie. Es ist eine sinnliche Rede, die wie selbstverständlich 'Unschärfen' und Mehrdeutigkeiten mit einschließt. 'Wenn ich in Bienen spreche' – das meint ein 'polylinguales' Sprechen in vielen Zungen, ein poetisches Sprechen …".

Eine große Performerin

Auch später habe ich ihren Gedichtband oft in die Hand genommen – wegen der wunderbaren Texte. Wegen der Erinnerungen. Weil mir das Buch verlegerisch gefiel. Gedichte stumm zu lesen ist das eine, sie zu hören etwas anderes – und das traf vor allem auf Sandra Trojan zu. Für mich war sie eine große Performerin: selbstbewusst, unmittelbar, prägnant, aber nie affektiert. Am Ende muss die Frage offenbleiben, warum sie ihre Laufbahn nicht in der Weise weitergeführt hat, die viele vorgezeichnet sahen. Sie sprach nicht wirklich darüber. Es gab größere Erschütterungen in ihrem Leben. Sie brauchte Abstand zu ihrem Schmerz und offenbar auch zu der Region, die damit verbunden war. Dabei fühlte sie sich besonders in Leipzig zu Hause. Sie soll ihre endgültige Ruhestätte in Plagwitz finden, nicht weit von ihrer ehemaligen Wohnung am Karl-Heine-Kanal entfernt", schließt Heidtmann seinen Nachruf..

Gedenklesung auf der kommenden Leipziger Buchmesse

Schließlich weist Andreas Heidtmann noch darauf hin, dass der Verlag auf der Leipziger Buchmesse im März 2027 eine Gedenklesung plant. "Dafür möchten wir alle herzlich einladen, die sich an Sandra Trojan erinnern und gern ein Gedicht von ihr lesen möchten – insbesondere auch ihre ehemaligen Kommilitoninnen und Kommilitonen vom DLL". Wer dabei sein möchte, könne eine kurze Mail an der Poetenladen Verlag schicken.