In der Jurybegründung heißt es: "Wo auch immer sie antritt, sie kämpft. Ob in ihren Essays ('Verzweiflungen' 2025, 'Arbeiten' 2025, 'Liegen' 2022, 'Saisonarbeit' 2014) oder in ihren Romanen von dem 2002 publizierten Debüt 'Rosa' über den Protestroman 'Die Woche' von 2022 bis zu dem gerade erschienenen Roman 'Michaela Kohlhaas' – in ihrer Literatur macht sie es sich und ihren Leser:innen nicht leicht, sie ringt und denkt und fragt. Heike Geißler ist eine dezidiert an der Gegenwart und an den gesellschaftlichen Verhältnissen arbeitende Autorin, deren Texte aber nie verbissen gearbeitet oder sich verbeißend sind, sondern fragend, ab und an zärtlich, oft sachte im Verzweifeln begriffen. Ihre Analyse der Gegenwart ist doppelt und dreifach, besteht im persönlichen Text ihrer Essays ebenso wie im überbordenden, märchenhaften, experimentellen Format ihrer Bücher.
Im aktuellen Roman 'Michaela Kohlhaas' etwa lässt sie die Titelfigur mit ihrer ganzen Körperlichkeit und ihrem Sprachvermögen gegen die brüchige Solidarität und die Kapitalisierung der Gesellschaft in einen so noch nicht erdachten Kampf ziehen. Heike Geißler schaut mit dem Blick einer politischen Philosophin auf die Welt. Ihre Texte sind erkenntnisreich, virtuos in der Sprache und haben letztlich auch etwas Tröstliches. Den Sächsischen Literaturpreis 2026 kennt die Jury einer Autorin für ihr über zwanzigjähriges Schaffen zu, Jahre, in denen sich Heike Geißler den Status einer der interessantesten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur erschrieben hat."