"Wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zugleich"
Uwe Kalkowski freut sich auf die Frankfurter Buchmesse. Aber erst einmal gibt es die nächste Runde frischer Fundstücke aus den Literaturblogs – zehn Empfehlungen aus dem September.
Uwe Kalkowski
Uwe Kalkowski freut sich auf die Frankfurter Buchmesse. Aber erst einmal gibt es die nächste Runde frischer Fundstücke aus den Literaturblogs – zehn Empfehlungen aus dem September.
Uwe Kalkowski
Der Blog Zeilenkino beschäftigt sich mit einer Bücherliste, die in der New York Times veröffentlicht wurde: Die besten 50 Thriller des 21. Jahrhunderts. Trotz der Unsinnigkeit solcher Best-of-Listen machen sie sofort neugierig, regen zur Zustimmung an, reizen zum Widerspruch und im Blog gibt es eine kurze Bestandsaufnahme. Die zu einer interessanten Erkenntnis führt: "Man kann an der Liste wieder einmal gut die Unterschiede in der Genre-Wahrnehmung zwischen den USA und Deutschland sehen. Zahlreiche Titel würde man hierzulande noch nicht einmal als Thriller bezeichnen."
Im Blog Poesierausch wird der Roman "Der gute Mensch von Sandvika" von Vigdis Hjorth vorgestellt: "Ein feucht-fröhlicher Kneipenroman über die Unmöglichkeit, gut zu sein im Kapitalismus." Als der Autor beim diesjährigen Internationalen Literaturfestival Berlin (ilb) zu Gast war, ergab sich die Gelegenheit zu einem kurzen Interview, das im Blogbeitrag enthalten ist.
"Holde Maiden, die auf ihre Prinzen warten, findet man in Angela Carters bekannter Sammlung von märchenhaften Texten nicht. Stattdessen gibt es jede Menge Blut, Mut und Frauen, die wissen, dass sie sich doch nur selber helfen können." Damit beginnt im Blog schiefgelesen die Buchbesprechung der Kurzgeschichten-Sammlung "The Bloody Chamber" von Angela Carter, die unter dem Titel "Die blutige Kammer" in der Übersetzung von Maren Kames auf Deutsch erschienen ist. Short Stories auf der Grundlage bekannter Märchen - das klingt spannend.
Bei den Schreckensmeldungen aus dem Sudan wird mir bewusst, wie wenig ich über dieses Land und seine jüngere Geschichte weiß. Daher habe ich den Text im Blog notwithoutmybooks mit großem Interesse gelesen, in dem das Buch der sudanesischen Autorin Stella Gaitano vorgestellt wird: "Eddos goldenes Lächeln". Der Roman nimmt uns mit "in den Sudan in der Mitte des 20. Jahrhunderts, bis in die 1980er, und zeichnet ein vielschichtiges Portrait einer Gesellschaft voller Konflikte und Umbrüche."
In seinem Blog Schmiertiger stellt Dominic Schmiedl den Roman "Zeppelin und Karpfen" von Hannah Mann vor. Die Urenkelin von Heinrich Mann schickt uns in das chaotische West-Berlin der Achtzigerjahre und erzählt eine Geschichte vom Ankommen und Aufbrechen.
Es gibt sie immer wieder: Bücher, die in der dunklen Zeit der nationalsozialistischen Terror-Herrschaft untergangen sind - und heute wie ein Echo jener düsteren Jahre aus der Vergessenheit auftauchen. Ein Beispiel ist der Roman "Café du Dôme" von Anna Gmeyner, der im Blog literatur leuchtet von Marina Büttner vorgestellt wird. Die Besprechung beginnt mit den Worten: "Was für eine starke Wiederentdeckung!" Und das macht mich sofort neugierig.
Im Blog Lesestunden gibt es einen wunderbaren Gastbeitrag: Feline Flemming stellt ihre Sammlung antiquarischer Bücher vor. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf alten Bänden zum Thema Okkultismus. Aber wir treffen auch alte Bekannte.
Die sogenannten "Sozialen Medien" sind in den letzten Jahren größtenteils zu Hatespeech- und Empörungsschleudern mutiert. Damit beschäftigt sich das Buch "Reaktionsmaschine. Tribunale sozialer Medien" von Rupert Gaderer, das im Blog Aufklappen von Jascha Feldhaus sehr eindrucksvoll vorgestellt wird.
Im Blog Zeichen & Zeiten von Constanze Matthes werde ich eigentlich immer fündig, wenn ich auf der Suche bin nach Anregungen für neue Lektüren. Auch dieses Mal wieder: Die Besprechung des Romans "Das große Eis" von Sonja Sophie Kreis liest sich so mitreißend, dass ich gar nicht anders kann, als mich auf den Weg in die Buchhandlung meines Vertrauens zu machen.
Das Thema Deutscher Buchpreis kam in dieser Kolumne noch gar nicht vor. Dabei ist es am 5. Oktober bereits so weit und wir dürfen gespannt sein, welcher der Shortlist-Titel gekürt wird. Zu einem davon gibt es eine wunderbare Besprechung im Blog Klappentexterin und Herr Klappentexter. Bloggerin Simone Finkenwirth schreibt über den Moment, in dem sie den Roman "Anton und Alma" von Dana Vowinckel beendet hat: "Wie ich dieses Buch schon jetzt vermisse!"
Und in meinem eigenen Blog Kaffeehaussitzer schreibe ich über ein Buch, dessen Erscheinen sich für mich angefühlt hat wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zugleich. Und in dem ich ein paar alte Freunde wiedergetroffen habe.
Das war sie, die September-Kolumne des Buchblog-Flaneurs. Vielleicht sehen wir uns ja auf der Buchmesse? Ich würde mich freuen.
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