Haus des Buches

"Zum Lesen, Staunen, Betrachten"

23. Juli 2026
Katja Johanna Löffelholz

Im Foyer des Haus des Buches in Frankfurt wurde Anfang Juli ein besonderes Werk des 2022 verstorbenen Künstlers Franz Mon aufgestellt, das Modell einer Glas-Stele. Warum dieser Ort genau der richtige ist für das Kunstwerk, erläutert Katja Johanna Löffelholz in einem Gastbeitrag.

 

Glas-Stele Franz Mohn: durchsichtiges Objekt mit Buchstaben

Das Original der Glas-Stele ist im Besitz der Stadt Frankfurt am Main.

"Vor nunmehr über 500 Jahren nahm es mit der Buchmesse in Frankfurt am Main ihren Anfang. Die Stadt gedachte dieser langen Tradition im Jahr 2008 und beauftragte einen Künstler, ihr ein Denkmal zu widmen. Es steht seitdem in der Buchgasse hinter dem Römer, denn hier hatte es begonnen – mit von Schiffen über den Main in Fässern transportierten bedruckten Papieren, die in dieser Gasse ihre Liebhaber fanden und allerlei, was es braucht, um aus losen Blättern, später aus Bogen schließlich ein Buch werden zu lassen. Im Quartier um die Buchgasse siedelten sich schließlich gegen Ende des 15. Jahrhunderts die ersten Drucker und Buchhändler an. Zweimal im Jahr wurde hier ab 1480 eine Buchmesse abgehalten, die bald zur wichtigsten in Europa zählte.

Das Denkmal, eine Synthese aus bildender Kunst und Literatur, wurde 2008 von dem Frankfurter Künstler und Poeten Franz Mon gestaltet. Es ist eine Glas-Stele aus fünf hintereinander liegenden transparenten Glasscheiben – nicht allein darin verweist es auf das Buch, auch in allen für Mon typischen Gestaltungen von Flächen mit Schrift und Bild. Von dieser Stele fand sich im Nachlass des Künstlers ein Modell, das nun im Foyer des Hauses des Buches, dem Sitz der Frankfurter Buchmesse und des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, jeden Besucher empfängt und einlädt – zum Lesen, Staunen, Betrachten … 'Wortwonnen', einzelne Lettern und ganze Wortbilder - wohin das Auge sieht vor lauter 'Buchbegier'. Kein vorne und hinten, kein oben und unten - die Buchseiten aus Glas geben in alle Richtungen zu lesen und zu sehen, ja, viele Wörter entstehen dem Auge erst mittendurch. Man muss sie erleben, diese Feier des Buchs.

Man freut sich im Haus des Buches – auf die Gespräche, die sich in Zukunft daran entspinnen werden, und besonders über die Gabe selbst. Das Modell wurde dem Haus im Jahr des 100. Geburtstags seines Schöpfers von Franz Mons Nachlassverwalterin auf Dauer überlassen.

Glas-Stele Franz Mon Rückseite

Ein Gedicht von Franz Mon, mit dem er hier u.a. einen berühmten Satz von Augustinus variiert: "Lies und nimm zum Lesen | nie Gesehenes Ungelegenes. | Lies das nie Gewesene | als Gelegenstes zu Lesendes."

Der schriftstellerische Nachlass Franz Mons wurde letztes Jahr vom Deutschen Literaturarchiv in Marbach übernommen. Allerdings legte man Wert darauf, seinem intermedialen Werk auch im Archiv gerecht zu werden, weshalb auch einige seiner visuellen Werke sowie seine Hörspiele dort zugänglich sind. Im Literaturmuseum der Moderne ist sein bekanntes 'Mortuarium für zwei Alphabete', eine Art begehbares Buch, seit Mai diesen Jahres ebenfalls der Öffentlichkeit in Form eines Modells sichtbar gemacht.

 

In ihrer Trauerrede im April 2022 sagte die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig über Franz Mon: "Mit seinem Tod geht in Frankfurt nun eine Ära zu Ende; eine Ära der Moderne, die brutal durch die Nationalsozialisten unterbrochen worden war und die dank des Wirkens ganz wesentlich von Franz Mon hier wieder Wurzel fasste und die Stadt an die künstlerische Avantgarde anschloss.'

Im Haus des Buches in der Braubachstraße aber lebt auch die Moderne nun weiter. Lassen Sie sich doch bei Ihrem nächsten Besuch in Frankfurt a.M. von ihr und Franz Mon im Foyer des Hauses und in der alten Buchgasse einmal überraschen."

Glas-Stele Franz Mohn

Das Modell hat seinen Platz im Foyer des Haus des Buches gefunden