Die Sonntagsfrage

Susan Schädlich zu Schullesungen im Internet

20. März 2021
von Börsenblatt

Interaktive Werkstätten mit Autor*innen statt Arbeitsblätter – „startseiten.school“ verlagert Lesungen ins Digitale. Die Autorin Susan Schädlich ist Mitinitiatorin und mit ihrem Kindersachbuch „Winziges Leben“ (Carlsen) dabei. Wie das Konzept funktioniert, welche Bücher für „startseiten.school“ geeignet sind und ob das Projekt auch nach Corona seine Berechtigung behält, erklärt Susan Schädlich in der Sonntagsfrage.

Susan Schädlich, Autorin und Mit-Initiatorin von startseiten.school

Susan Schädlich, Autorin und Mit-Initiatorin von startseiten.school

Es wäre doch schön, wenn die Krise auch etwas produktiv-Neues hervorbrächte. Zum Beispiel einen digitalen Raum, in dem Schülerinnen und Schüler sich lebendig mit Literaturschaffenden austauschen. In dem sich Klassen jederzeit und ohne lange Anreisen zu intensiven Buchworkshops mit Autor*innen treffen können. Genau das findet mit den digitalen Buchworkshops von startseiten.school aktuell in mehr als zwanzig Klassen statt – von Cuxhaven bis Addis Abeba. 

Darin laden Autor*innen die Schülerinnen und Schüler in ihre Schreibwelt ein: In professionell gedrehten Kurzvideos erzählen sie vom Prozess des Büchermachens, sie stellen Quizfragen und regen die Kinder und Jugendlichen an, eigene Kreativbeiträge zu erstellen. Das Ganze haben wir in eine digitale Klassen-Pinnwand eingebettet, die sich während des Projektes zunehmend füllt.

Gerade der persönliche Kontakt mit den Autor*innen motiviert viele Kinder und Jugendliche enorm

Weil man von überall auf diese Pinnwand zugreifen kann, arbeiten Schülerinnen und Schüler kollaborativ mit der ganzen Klasse – selbst, wenn diese im Wechselmodell geteilt ist oder alle im Homeschooling sitzen. Die Autor*innen können sich auf die Plattform schalten, Fragen beantworten oder Posts kommentieren. Als Highlight treffen sie sich mit der Klasse in einer Online-Werkstattschalte. Aus unseren bisherigen Testläufen wissen wir, dass gerade der persönliche Kontakt mit den Autor*innen viele Kinder und Jugendliche enorm motiviert und ein effektiver Weg der Leseförderung ist.

Aktuell machen wir die Beta-Versionen unserer zwei Pilotworkshops kostenfrei allen Schulen zugänglich: In Workshop eins können 6. bis 9. Klassen gemeinsam mit Kathrin Schrocke ihr Jugendbuch „Immer kommt mir das Leben dazwischen“ (mixtvision) erforschen. In Workshop zwei nehme ich 3. bis 6. Klassen mit ins „Winzige Leben“. Beide sind als sogenannte Padlets angelegt und laufen Browser-basiert, für die Nutzung benötigt man ein Tablet oder PC mit Internetverbindung.

Jetzt arbeiten wir intensiv daran, das Projekt finanziell und logistisch für die Langstrecke aufsetzen. Dazu führen wir gerade viele Gespräche.

Online Bücher lieben lernen: Das ist unsere Idee

Wir können das kostenfrei herausgeben, weil der Content von der Hessischen Kulturstiftung gefördert wurde. Als Gegenleistung bitten wir um Feedback. Die persönliche Betreuung durch die Autorin und die Live-Schalten sind leider nicht gefördert, sie können von den Schulen hinzugebucht werden.

Online Bücher lieben lernen: Das ist unsere Idee. Die Workshops sind um das jeweilige Buch herum gebaut, das im Idealfall als Klassenlektüre gelesen wird. Grundsätzlich eignen sich fast alle Bücher dafür. Weil die Kinder tippen können sollten, beginnen wir ab Klasse drei.

Aktuell steht startseiten.school an einem spannenden Punkt: Wir sind mit unserer Idee im Coronasommer 2020 so ein bisschen guerillamäßig gestartet und konnten dank Förderung unsere Pilot-Workshops in die Welt bringen. Dazu bekommen wir begeistertes Feedback von Lehrkräften und Klassen. Zugleich ist unsere sechsmonatige Förderphase gerade zu Ende gegangen. Jetzt arbeiten wir intensiv daran, das Projekt finanziell und logistisch für die Langstrecke aufsetzen. Dazu führen wir gerade viele Gespräche.

Über Unterstützung freuen wir uns sehr!

Wir sind überzeugt, dass unser Konzept nicht nur eine „Pandemie-Krücke“ ist, sondern einen neuen Raum für Bücher in Schulen eröffnet, den es sich auszubauen lohnt. Unser größter Wunsch ist, dass wirklich alle Klassen dazu Zugang bekommen – am liebsten in Form von geförderten Rundum-Sorglos-Paketen. Wenn wir das schaffen, hätten alle etwas davon: Schulen, Autor*innen, Verlage und der Buchhandel.

Wäre es nicht schön, wenn Schulen und die Bücherwelt künftig einfach noch häufiger gemeinsame Sache machten? Über Unterstützung freuen wir uns sehr!

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