Die Sonntagsfrage

Warum sind weniger Bücher besser, Herr Allertseder?

24. September 2021
von Börsenblatt

Daniel Allertseder ist Auszubildender in der Buchhandlung Rupprecht in Pfarrkirchen, Autor und Literaturkritiker  - und er findet, dass die Verlage viel zu viele Titel produzieren. Welche sind verzichtbar? Wie sortiert er bei Rupprecht? Und was wird besser, wenn es weniger Bücher gibt? Das beantwortet Daniel Allertseder in der Sonntagsfrage.

Daniel Allertseder

Daniel Allertseder, Buchhändler und Autor

Warum erscheinen immer mehr Bücher? Diese Frage habe ich mir gestellt, als ich die dicken Kataloge der kommenden Programme durchforstet habe, fleißig umgeblättert und die Inhalte aufmerksam studiert habe, das Ende aber noch lange nicht in Sicht war. Bei den Spitzentiteln verlässt man sich auf die Erfahrung der Verlage, bei den Titeln, die nur auf Halb- oder Viertelseiten präsentiert werden, fragt man sich: Warum wird denn überhaupt ein Programmplatz für diese Titel  freigemacht? Kein Buchhändler dieser Welt wird eine erboste Nachricht an einen Verlag schicken, nur weil in seinem Programm weniger Bücher erscheinen, als in den vorherigen Programmen.

Besonders bei Influencer-Titeln ist der Nachahmungseffekt der Verlage fatal.

Die opulenten Vorschauen bedeuten einen immensen Arbeitsaufwand

Warum wird mit Biegen und Brechen alles gefüllt, wenn doch weniger bekanntlich mehr ist? Besonders bei Influencer-Titeln ist der Nachahmungseffekt der Verlage fatal: Funktioniert das erste Buch einer Autorin, die in Social Media groß ist, laufen alle Verlage hinterher und versuchen dasselbe. Das Ende vom Lied ist, dass eine wahnsinnig große Menge der Bücher remittiert werden muss. 

Als Buchhändler wünscht man sich erlesenere Programme, d.h. weniger Titel, die denselben Inhalt haben, die sich in Aufmachung und Preis ähneln, die man letztlich auch weglassen könnte. Es bedeutet einen immensen Arbeitsaufwand, bei opulenten Vorschauen richtig einzuschätzen und einzukaufen. Selbst als Autor wünsche ich mir oft, dass die Häuser weniger produzieren, vor allem weniger Austauschbares.

Muss denn jeder Prominente unbedingt ein Buch schreiben? Sparen wir uns doch das Papier, wenn zurzeit sowieso ein Mangel herrscht! 

Wir Buchhändler wollen Vielfalt bieten, alle Wünsche unserer Kunden erfüllen. Doch das funktioniert nicht mit immer mehr Büchern: Die Kunden sind von der Überfülle überfordert.

Welche Verlage machen schon viel richtig?

Gibt es Vorbildverlage? Welche Häuser machen schon viel richtig? Da gibt es in meinen Augen einige. Wagenbach, Liebeskind, Wallstein, Kampa, Diogenes und DuMont zum Beispiel, um nur einige zu nennen.

Lobenswert sind hier die wenigen erlesenen Titel, bei denen man sich aber sicher sein kann, dass sie nicht ohne Grund einen wertvollen Platz im Programm ergattern konnten. Der Buchhändler vertraut darauf, dass bei wenigen Titeln der Großteil besonders ist, da die Lektor*innen und Verlagsleitungen auswählen und selektieren müssen – für ihr Profil, für ihr Image, letztendlich auch für ihr Überleben. Begeistert bin ich auch vom Kinderbuchverlag Magellan – ein feines Programm mit Titeln, die bei Kindern und Eltern großen Anklang finden, und die man auch auf den Kinderbuch-Bestsellerlisten findet.