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Warum unsere Weihnachtsbücher viel aushalten müssen

3. September 2026
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Rebecca Weitendorf von Hacht, Gründerin des Von Hacht Verlags, stellt ihre schönsten Bilderbücher zur Weihnachtszeit vor. Und erzählt, was ein Weihnachtsbuch für sie zu einem Buch macht, das bleibt.

Wenn Weihnachten noch im Januar da ist

Weihnachten ist meine liebste Zeit im Jahr. Nicht wegen der Geschenke, sondern wegen allem drumherum: die Wochen davor, die Rituale, die man jedes Jahr wiederholt, die Nachbarn, die einem plötzlich einen schönen zweiten Advent wünschen. Kinder erleben diese Zeit besonders intensiv. Und Bücher machen für mich einen großen Teil dieses Zaubers aus.

 

Und trotzdem haben es Weihnachtsbücher bei mir schwer. Sie müssen etwas aushalten, was sonst kaum ein Buch aushalten muss: dass man sie vier Wochen lang fast jeden Abend vorliest. Wenn ein Buch das übersteht und ich es im dritten Jahr immer noch gern aufschlage, dann gehört es zu den wenigen, die ich für meinen Verlag auswähle.

Cover Von Hacht "Irgendwo im Schnee" und "Wie kommt der Weihnachtsmann durch den Schornstein?"

"Irgendwo im Schnee" von Linde Faas ist so ein Buch. Bald ist Weihnachten, überall in der Stadt sind die Menschen in Weihnachtsstimmung, nur bei Sofie zu Hause nicht: Ihr Vater ist mit Dingen beschäftigt, die sie nicht versteht. Dann taucht mitten im Schneesturm ein Elch vor ihr auf und nimmt sie mit in den Wald. Faas' Aquarelle sind fast vollständig in Blau und Weiß gehalten, die Bilder still und groß. Das Buch nimmt die Traurigkeit eines Kindes ernst, ohne sie zu erklären. Es gibt keine Rentiere mit Glöckchen. Es gibt einen Wald, einen einsamen Tannenbaum und eine fabelhafte Idee.

 

"Wie kommt der Weihnachtsmann durch den Schornstein?" von Mac Barnett und Jon Klassen ist das genaue Gegenteil. Genau deshalb wollte ich beide Bücher im selben Programm haben. Hier wird viel gefragt: Schnallt der Weihnachtsmann den Gürtel enger? Schrumpft er auf Mäusegröße? Faltet er sich zu einem Brief zusammen, wenn es nur einen Briefschlitz gibt? Klassens Figuren schauen dabei so unbewegt wie immer, was die Sache erst richtig komisch macht. Ich sehe bei diesem Buch eine ganze Familie vor mir, die zusammen auf dem Sofa sitzt und lacht: Kinder, Eltern, Großeltern, alle mit ihren eigenen Theorien. Und am Ende darf das Geheimnis einfach ein Geheimnis bleiben.

Cover Von Hacht "Ein Licht" und "Ein Schal für den Löwen"

Dazu kommt "Ein Schal für den Löwen" von Natalia Shaloshvili: Ein Mäuschen strickt einen viel zu langen Schal und sucht im verschneiten Wald jemanden, dem er nützen könnte. Der Bär schläft, der Wolf ist übellaunig, dem Fuchs ist er zu gepunktet. Bis plötzlich hinter der Maus ein frierender Löwe steht, mitten im Winterwald, und ausgesprochen höflich nach dem Schal fragt. Das Mäuschen gibt, bevor es weiß, wem – und vielleicht ist genau das Weihnachten.

 

"Ein Licht" von Christie Matheson und Anuska Allepuz hat bei uns eine eigene Jahreszeit. Bei einem Stromausfall stellt Emilia ihre selbstgebastelte Laterne vor die Tür. Sam sieht das Licht auf dem Heimweg und zündet zu Hause auch eines an. Harriet sieht Sams Licht, Oliver sieht Harriets – und am Ende leuchtet im ganzen Viertel ein Fenster nach dem anderen auf. Wer schon einmal im November mit Kindern und einer Laterne losgezogen ist, weiß, wie viel in so einem kleinen Licht steckt. Das Buch beginnt bei uns lange vor Weihnachten, mit dem Laternenfest, und trägt durch den ganzen Advent.

 

Diese Bücher gehören für mich in die Weihnachtszeit, aber sie erschöpfen sich nicht darin. Es sind Bücher, die Kinder und Erwachsene zusammenbringen. Das ist von Anfang an das, was ich machen wollte. Ich möchte keine Bücher machen, die am 27. Dezember wieder im Karton verschwinden, sondern solche, die im Januar noch auf dem Tisch liegen dürfen und im nächsten November wieder hervorgeholt werden.

 

Rebecca Weitendorf von Hacht, Gründerin des Von Hacht Verlags