Online-Buchhandel

Neue Internet-Auktionsplattform Sellbooks

Rechtzeitig zur 3. Frankfurter Antiquariatsmesse in der Frankfurter Buchmesse geht eine neue Internet-Auktionsplattform mit dem Namen Sellbooks online.

Sellbooks wird sich nach Eigenauskunft auf den Vertrieb hochwertiger antiquarischer Bücher spezialisieren. In einer Pressemitteilung heißt es weiter: „Angebote können sowohl zum Festpreis als auch innerhalb einer Auktion – mit optionalem Garantiepreis – angeboten und mit bis zu 25 Fotos illustriert werden. … Sellbooks bietet sowohl jedem Bucheigentümer als auch professionellen Buchhändlern und Antiquaren eine hochwertige und dem Produkt entsprechende Möglichkeit, ihr Angebot einem breiten Kunden- und Interessentenkreis vorzustellen und zu verkaufen. Gütesiegel, die an geprüfte Mitglieder und professionelle Buchhändler und Antiquare vergeben werden, schaffen hierbei Transparenz.“ Geschäftsführerin des am Hamburger Neumarkt residierenden Unternehmens ist die Diplomjuristin Anne Gardemann.

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10 Kommentar/e

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  • Peter Mulzer

    Peter Mulzer

    Der Grundgedanke schein dabei zu sein, aus Ebay gewissermaßen den Altbuchsektor herauszuoperieren und dabei eine vernünftige Mindestwertgrenze einzuziehen. Meine Erfahrungen bei Ebay mit höherpreisiger Ware sind - bei Einhaltung einer Reihe wichtiger Regeln - gut bis sehr gut.

    Voraussetzung dafür wäre, daß die neue Plattform das Kategoriesystem besser in den Griff bekommt als Ebay, wo die Einteilungen der alten Bücher reichlich gewöhnungsbedürftig sind.

    Der andere Teil des Geschäftskonzepts scheint zu sein, ähnlich wie das ILAB-Instrument eine normale Verkaufsplattform *nur* für höherpreisige Bücher einzurichten. Hier sehe ich schwarz, denn der *Vertrauensvorschuß*, den die führenden Antiquare weltweit zurecht genießen, kann durch eine (Verzeihung:) "dahergelaufene" neue Datenbank niemals eingeholt werden, da es sich hier um hochsensible Ware handelt.

    Die ganz große Chance des neuen Unternehmens liegt also im Mittel- und Hochpreissektor des Buchversteigerns nach Ebay-Schema. Wenn es so aufgefaßt würde, läge darin eine echte Chance.

    Das Kuriose dabei ist freilich, daß die einzige Plattform, die vom Bekanntheitsgrad so etwas unternehmen könnte, nämlich das ZVAB, hier völlig abstinent bleibt. ZVAB könnte Ebay das Buchgeschäft weitgehend wegnehmen. Einer neuen Plattform aber dürfte es nicht gelingen, überhaupt an die gehobenen Ebay-Bücherkäufer heranzukommen, von den Kunden der hochedlen Versteigerungshäuser ganz zu schweigen.

    Insgesamt ist die Idee löblich durch die Beschränkung auf höherpreisige Ware und durch die Hereinnahme des Versteigerungsgedankens. Beide Überlegungen werden uns Antiquare in nächster Zukunft noch öfter umtreiben.

  • Wolfgang Höfs

    Wolfgang Höfs

    Prima! Ein weiterer Gemischtwarenhändler betritt die Scene. Wettbewerb belebt das Geschäft und man möchte wieder mal alle im Boot haben, sowohl den Antiquar als auch den 'Privatanbieter'. Die Folge ist nur ein weiterer Schwarzmarkt der sich im 'rechtsfreien' Raum Internet zu Lasten des Antiquariatshandel hervorragend betreiben lässt.
    Außerdem möchte man viel Geld verdienen im gehobenen Bereich und viel kosten darf es auch nicht viel, denn dafür sucht mann Vollakademiker als Praktikanten für 700 EUR im Monat. Ich zitiere aus der Stellenbeschreibung:
    ...eine grundsätzliche Affinität zu Büchern ist von Vorteil.

  • Peter Mulzer

    Peter Mulzer

    .

    Der "rechtsfreie Raum Internet", wie Sie ihn optimistisch nennen, lieber Herr Höfs, ist inzwischen so reglementiert und von geldgeilen Anwälten täglich durchgescannt, daß ich den ehrwürdigen Beruf des Advocaten inzwischen hassen gelernt habe, auch wenn ich bisher von solchen Spitzfindigkeiten nicht betroffen war. - Was soll daran schlecht sein, daß sich auch einige Privatanbieter dort tummeln? Im höherpreisigen Sektor werden wir es dort dann ohnehin bald nur noch mit echten und verkappten Händlern zu tun haben, das ist bei Ebay nicht anders. Mindestens auf der Käuferseite sehe ich da keine Probleme - die Käufer solcher Ware sind in aller Regel ausgefuchste Kenner.

    Schadet das den Antiquaren? Die oft zitierte Umsatzsteuerfrage lasse ich mal außen vor. Was die Einkommensteuer angeht, so hält der Fiskus inzwischen nicht nur bei Ebay Wache... Mein Hauptargument für den Nutzen, den wir Antiquare aus einer dann eingebürgerten und gut bekannten häufigen Internet-Versteigerung unserer besseren Titel hätten *unter Beteiligung des Publikums auch auf der Anbieterseite* - - das wäre der damit verbundene W e r b e w e r t.

    Eine solche Site wird ja erst dadurch populär, daß die Privatleute mitmachen dürfen auf beiden Seiten. Nur so entsteht das W i r - Gefühl, das den eigentlichen Zauber des Netzes ausmacht. Datenbanken (Beispiel: die der Genossenschaft) und Versteigerungshäuser (alle kleineren, die in den letzten Jahren versucht hatten, neu anzufangen), die fast nur von den Händlern gekannt werden und gewissermaßen, betrachtet man die Zahlen, unter Ausschluß der Öffentlichkeit laufen, haben wir genug.

    Wir brauchen lebendige Portale und pfiffig ausgedachte Absatzunternehmen jeder Art. Ceterum censeo: Hatte ich nicht die Antiquare vor Jahren seitenlang damit gequält, daß eine der Hauptaufgaben unserer kommenden Genossenschaft sein müsse, die Versteigerungen aus der Hand der damit befaßten Firmen zu nehmen und sie in die e i g e n e Hand zu bekommen, mit einem Expertenstab unserer besten Fachleute? Alles schon vergessen?

  • Hans - Joachim Schulz

    Hans - Joachim Schulz

    Bezeichnend welche Qualifikation die Geschäftsführerein aufweist.

  • Arnold Eisengrün

    Arnold Eisengrün

    Jan Hartz (was für schlechte Witze fallen mir da ein) ist der Inhaber der Domain. Man kann gespannt sein.

  • Peter Mulzer

    Peter Mulzer

    Alte Herren schlafen bekanntlich nur noch wenig, stattdessen ertappe ich mich oft dabei, daß ich im Halbwachen träume. So ging es mir vorhin, und als getreuer Jung(Zürich)-Adept weiß ich, wie ich mich im Nachhinein daran zu erinnern habe.

    Es war mir (im Traum) völlig klar:

    1) Der ursprüngliche Reiz des Versteigerns und Ersteigerns ist viel stärker und lustbetonter als der öde, gewöhnliche Vorgang des Verkaufens und Kaufens,

    2) In absehbarer Zeit können wir uns nach Schema List und Francke am Bodensee zu Tode tippen - oder aber wir delegieren die Unter- und untere Mittelware an fleißige Dienstleisterinnen nach Wölki-Modell "Dresden". Wie auch immer - in Zukunft wird es auch den kleineren Antiquaren mehr und mehr um die wenigen Stücke im oberen Mittelbereich gehen müssen, um Spitzenware sowieso.

    Und nun zählen wir 1 und 1 zusammen, nehmen noch die Tatsache hinein, daß sich Ebay teilweise selbst zerstört mit der unseligen Billigware und daß die Käufer der besseren Bücheretagen eben doch etwas elitär ganz gern "unter sich" bleiben.

    Das sind dann zusammengezählt schon vier gute Gründe f ü r das Funktionieren des angedachten Modells.

    Ich gestehe, daß mein Traum ein recht angenehmer und optimistischer war.

    Die Details der Ausführung dürfen wir etwas lockerer sehen. Ich habe die Entstehungsgeschichte mehrerer vom Anspruch her vergleichbarer Modelle aus nächster Nähe beobachten können (Ludwigsburg, Pforzheim, (ex) Freiburg und möchte die Kollegen daran erinnern, daß man auch hemdsärmlig und ruppig ans Werk gehen kann, ohne die seriöse Kundschaft dadurch gleich zu vergraulen. Die gibt einem doch einen recht gutwilligen Vertrauensvorschuß - - den man dann allerdings nicht zu lang strapazieren darf.

    Und für Antiquare mit gutem Gedächtnis: Ich hatte vor Jahren via Wayback-Maschine Usenet-Stellenanzeigen aus den Kinderschuhen des Berliner ZVAB ausgegraben und intern veröffentlicht, die waren keinen Deut edler oder seriöser als der obige Fund. Und doch ist was draus geworden.

    Mein linker Zeh tut weh, das bedeutet: Die Idee ist sehr gut ausgedacht und trifft haargenau die Situation.

    Nun müssen sie nur noch anfangen.

  • Guenther Hildebrandt

    Guenther Hildebrandt

    Der Grund für ein böses Erwachen aus all den schönen Träumen wird sein, daß die online-Versteigerungskunden durch ebay irreversibel falsch dressiert wurden (Startpreis 1 Euro). Sinnvoll verkaufen werden sich so nur bessere Stücke lassen, für die es, übrigens, auch jetzt schon (noch?) so übel nicht aussieht. Und beim Rest wird das Problem bestehen bleiben, daß es meistens sehr schwer ist, mindestens zwei zu finden, die ein Buch innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne wirklich unbedingt haben wollen.

  • Peter Mulzer

    Peter Mulzer

    Zwei kurze Gegenmeinungen, lieber Herr Hildebrandt (nein, ich bin nicht angestellt bei sellbooks):

    Bei meiner ersten Ebay-Einstellung vor 6 Jahren bin ich so jämmerlich auf die Schnauze gefallen mit dem 1-Euro-Mindestpreissystem, daß ich von jenem Versteigerungstag an bücher und Graphik nur noch mit dem Mindestpreis, den ich zu erzielen gedachte, eingestellt hatte. Bis heute bewährt sich das bei mir fast ausnahmslos, in über 2000 Ebay-Verkäufen. Das Mindestpreisniveau pendelt sich so um 40-50 % ZVAB ein (bei Büchern ab etwa 100 EUR), biligere biete ich zum Startpreis von etwa 30 % an. Über die Erlöse schweige ich hier diskret - sie sind höher, als die meisten Kollegen vermuten.

    Die Idee, daß der Kunde im oberen Mittel- und im Hochpreisniveau *bestimmte* Titel sucht, hält sich als hartnäckiger Irrglaube bei Antiquaren wie auch bei Datenbankfuzzis. Tatsächlich ist in aller Regel das Gegenteil der Fall - die Leute suchten Bücher eines bestimmten Typs, Sachgebiets, mit bestimmten Merkmalen, Provenienzen usw.

    Wenn Antiquare und Datenbankleute (welche letztere von alten Büchern in aller Regel erschreckend wenig Ahnung haben) diese Grundregel nicht endlich kapieren und verinnerlichen, dann wird unser Absatz nie besser werden.

  • Susanne Knüttel

    Susanne Knüttel

    Als Mit-Inhaberin eines Buchladens mit kleinem, aber feinem Sortiment an antiquarischen Büchern habe ich mich bei Veröffentlichung der ersten Meldung ernsthaft gefragt, wozu die Welt betreffende Seite neben Ebay und dem ZVAB noch brauchen soll.
    Im Gegensatz zu manchem Kollegen hier bin ich nun, da die Seite online ist, aber positiv überrascht, ist sie doch weder - pardon - so langweilig wie das ZVAB, noch so amerikanisch-überladen wie Ebay.
    Sicher ist sie weit, weit, weit davon entfernt, perfekt zu sein, aber wenn ich bedenke, was sich seit meinem ersten Blick vorgestern schon getan hat (Thema Artikel und Hilfetexte), lässt mich das noch hoffen.
    Wenn die Betreiber der Seite weiterhin so nervig-eifrig die Werbetrommel rühren, die Verbesserungsvorschläge von uns Profis nicht ungehört verklingen lasssen und einen langen Atem haben, räume ich der Idee nun doch eine kleine Chance ein. Man darf zumindest gespannt sein.

  • Peter Mulzer

    Peter Mulzer

    Wie viele Kollegen beobachte auch ich die Entwicklung von sellbooks mit aufmerksamem Interesse und darf melden, daß Texte und - vor allem - die Angebote inzwischen spürbar besser geworden sind. Das freut mich, denn die Grundidee ist und bleibt pfiffig. Wenn dort weiterhin so gearbeitet wird wie jetzt, dann darf man aufatmen.

    Das sind keine Redensarten. Das zugrundeliegende Marktkonzept kann, wenn es von den Antiquaren angenommen wird, zu einem hochwichtigen Verkaufsinstrument werden (Ersatz für Saal-Versteigerungen, Messen...).

    Zu bedauern bleibt der etwas unglückliche Start - aber die Tagesarbeit kann vieles wieder gutmachen.

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