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Marbach und Bodleian Library kaufen Kafka-Briefe

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach und die Bodleian Library in Oxford erwerben gemeinsam die Briefe Franz Kafkas an seine Schwester Ottla. Aufbewahrung in Marbach. J. A. Stargardt verzichtet auf Versteigerung.

Franz Kafka und seine Schwester Ottla

Franz Kafka und seine Schwester Ottla © DLA Marbach

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach und die Bodleian Library in Oxford erwerben die Briefe Franz Kafkas an seine Schwester Ottilie (Ottla) gemeinsam. Eine entsprechende Einigung konnte noch vor der geplanten Versteigerung des Konvoluts am 19. April mit den Erben Ottlas sowie dem Auktionshaus J. A. Stargardt erzielt werden. Mit dem Rückzug von der Auktion und dem gemeinsamen Erwerb ist sichergestellt, dass eines der wichtigsten Handschriftenkonvolute Kafkas geschlossen in öffentlichen Besitz gelangt.

Die Erben von Ottla Kafka begrüßen ausdrücklich diese Vereinbarung und die vorgesehene enge Kooperation zwischen der Bodleian Library und dem Deutschen Literaturarchiv. Zusätzlich zu dem 111 Autographen (Briefe, Postkarten und Bildpostkarten) umfassenden Konvolut der Briefe an Ottla übergeben sie den beiden Institutionen auch 23 Briefe von Julie Kafka an ihre Kinder Franz und Ottla, drei Briefe von Dora Diamant an Ottla sowie neun Briefe von Robert Klopstock an Ottla.

Unter Federführung der Kulturstiftung der Länder konnte in den Verhandlungen eine Einigung mit den Erben von Ottla Kafka erzielt werden. Finanziert wird die Erwerbung auf deutscher Seite aus Mitteln der Zuwendungsgeber des Deutschen Literaturarchivs – dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Land Baden-Württemberg – sowie der Kulturstiftung der Länder und engagierter privater Stifter. Zu diesen gehören die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und das britische Verlagshaus Macmillan Publishers. Das Deutsche Literaturarchiv Marbach und die Bodleian Library tragen die Kaufsumme zu jeweils 50 Prozent und werden dadurch Eigentümer an dem gesamten Konvolut. Möglich gemacht wurde diese Erwerbung nicht zuletzt durch das Entgegenkommen der Firma J. A. Stargardt, die zugunsten dieser Vereinbarung auf die Versteigerung verzichtet.

Die Handschriften werden künftig in Marbach aufbewahrt, Vereinbarungen mit der Bodleian Library über den internen Leihverkehr und die wissenschaftliche Erschließung sind vorgesehen. Bund und Land begrüßen die gemeinsame Erwerbung des Deutschen Literaturarchivs und der Bodleian Library als Auftakt zu einer engen Zusammenarbeit der beiden Institutionen im Bereich der Forschung, der Publikationen und Ausstellungen.In ersten Stellungnahmen zeigten sich insbesondere die deutsche Verlegerin Kafkas, Monika Schoeller (S. Fischer Verlage), und der Leiter der Kafka-Forschungsstelle Wuppertal, Professor Hans-Gerd Koch, hoch befriedigt über die erzielte Lösung. Eine Ausstellung der Dokumente wird von Ende Mai an in Marbach und später in Oxford zu sehen sein. Mit der feierlichen Eröffnung soll das Engagement insbesondere der Erben Ottla Kafkas, der Spender und der Wegbereiter gewürdigt werden.

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