Urheberrecht

Studie zur Digitalen Content-Nutzung: Warnhinweise könnten Piraterie eindämmen

Warnhinweise im Internet sind nach Überzeugung der meisten Nutzer ein effektives Mittel zur Eindämmung des illegalen Filesharings. Dies ist ein zentrales Ergebnis der Studie zur Digitalen Content-Nutzung (DCN-Studie), die der Bundesverband Musikindustrie (BVMI), der Börsenverein und die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) erstmals gemeinsam auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt hat. VON ROE

Die Verknüpfung ans VLB soll Verlagen beim Handel mit Kleinlizenzen Arbeit abnehmen

Die Verknüpfung ans VLB soll Verlagen beim Handel mit Kleinlizenzen Arbeit abnehmen © Fotolia

81 Prozent der illegalen Downloader glauben, dass ein Warnhinweis zu einer Verhaltensänderung führen könnte, 57 Prozent der Bundesbürger sind der gleichen Meinung. Alexander Skipis (Hauptgeschäftsführer Börsenverein), Matthias Leonardy (Geschäftsführer GVU), Florian Drücke (Geschäftsführer BVMI) vertraten gemeinsam die Ansicht, dass Warnhinweise im Netz ein wirkungsvolles Mittel zur Eindämmung der Internetpiraterie sein könnten. Florian Drücke sagte, Warnhinweise seien eine sinnvolle Verbindung von Abschreckung und Aufklärung.

Für die Buchbranche sagte Alexander Skipis: "Die Studie zeigt, dass illegale Downloads von E-Books und Hörbüchern eine erhebliche Marktrelevanz haben." Von 23 Millionen E-Books seien 2010 14 Millionen illegal heruntergeladen worden; und dies, obwohl von Beginn an ein legales Angebot der Verlage existiere.

Auf die Frage, wie sich die Online-Piraterie weiter entwickeln werde, erwiderte Skipis: "Wir befürchten das Schlimmste." Skipis appellierte an Bundeskanzlerin Merkel, ihr vor zwei Jahren gegebenes Versprechen zum Schutz der Urheberrechte endlich einzulösen: "Es müssen rechtsstaatliche Verhältnisse im Internet hergestellt werden." Ein großes Problem sei, dass illegale Plattformen die Suggestion eines legalen Angebots erzeugten. Wenn nichts gegen die Internetpiraterie unternommen werde, sei die kulturelle Vielfalt erheblich gefährdet.

Die Forderung nach veränderten Geschäftsmodellen könne das Problem nicht lösen, so Matthias Leonardy. Die Studie zeige, dass legale Alternativen kein Allheilmittel seien.

Zur Frage des Kopierschutzes erklärte Skipis, Digital Rights Management (DRM) behindere den Kunden. Der Börsenverein vertrete stattdessen die Auffassung, Inhalte mit weichem Kopierschutz zu versehen – digitalen Wasserzeichen.

Florian Drücke, Geschäftsführer des BVMI, sagte, man habe die bisher als "Brenner-Studie" bekannte Untersuchung in DCN-Studie umbenannt; in diesem Jahre habe man erstmals mit der Buch- und Filmbranche zusammengearbeitet.

Bianca Corcoran-Schliemann von den GfK Panel Services führte durch die Präsention der Studie. Hier ausgewählte Ergebnisse:

  • 20 Millionen Bundesbürger ab zehn Jahre laden Medieninhalte herunter oder nutzen sie in anderer Form (beispielsweise durch Streaming); E-Books werden von zwei Millionen Bundesbürgern heruntergeladen oder online genutzt; 49,9 Mio. Bundesbürger haben einen Internetzugang (meist Kabel und DSL)
  • nur 14,3 Millionen Bundesbürger (von 20 Millionen Nutzern) laden Medieninhalte herunter (22 Prozent der Bevölkerung); 74 Prozent davon sind legal unterwegs; 26 Prozent legal und illegal; ein kleiner Teil der Bevölkerung ist sehr intensiv bei Downloads aktiv
  • 23 Millionen E-Books wurden 2010 heruntergeladen, davon 62 Prozent illegal; dabei wurde in der Studie nicht zwischen originären E-Books und eingescannten Printbüchern unterschieden; die Zahlen für heruntergeladenen E-Books liegen daher höher als die der GfK-Studie aus dem Frühjahr (in der zudem keine Lehr- und Schulbücher erfasst wurden)
  • bei Musikinhalten nimmt die Zahl der Downloader zu; die durchschnittliche Zahl der heruntergeladenen Tracks sinkt zwar, dafür ist ein Zuwachs beim Download ganzer Alben zu beobachten
  • ausschließlich illegale Musikdownloader geben nur 18 Euro pro Jahr für Musikprodukte aus

Die DCN-Studie basiert auf einer repräsentativen Stichprobe von 10.000 Personen (Nutzer ab 10 Jahre; Grundgesamtheit: 63,7 Millionen Bundesbürger), die zu Download, Streaming, Speichern und Kopieren, zur Einstellung zu Urheberrechtsverletzungen und zur Hardwareausstattung befragt wurden.

Die Presseversion der Studie steht auf den Websites von Börsenverein, Bundesverband Musikindustrie und GVU zur Verfügung.

Schlagworte:

Mehr zum Thema

4 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Johannes

    Johannes

    "Deutlich werde durch die Studie, dass der Ruf nach neuen Geschäftsmodellen für Verlage nichts anderes als ein billiges Ablenkungsmanö­ver ist." (Skipis in der Pressemitteilung) Ganz schwach, wirklich. Was soll überhaupt das ganze Tralala mit Storydrive, TOC und sonstigen Fbm-Projekten (und anderem), wenn die Branche doch ohnehin von selbst alles richtig macht?

    Ciao
    Johannes

  • Dieter Dausien

    Dieter Dausien

    Kann man diesen Artikel bitte nochmal redigieren? Bei den Zahlen ist offensichtlich einiges durcheinander geraten.

    So heißt es:
    "20 Millionen Bundesbürger ab zehn Jahre laden Medieninhalte herunter" und drei Zeilen weiter:
    "14,3 Millionen Bundesbürger laden Medieninhalte herunter".

    Auch das kann nicht ganz stimmen:
    "49,9 Mio. der Befragten haben Internetzugang" - 49,9 Mio. von 10.000 Befragten? Prozent kann auch nicht gemeint sein, da ja nur Nutzer befragt wurden.

    Und was soll heißen: "bei E-Books: zwei Millionen"?

    Auch diese Zahl lässt stutzen:
    "23 Millionen E-Books wurden 2010 heruntergeladen, davon 62 Prozent illegal". Laut GfK hieß es an dieser Stelle am 18.03.2011:
    "Insgesamt 21 Millionen Euro gaben die Deutschen im letzten Jahr für E-Books (ohne Schul- und Fachbücher) aus und kauften rund zwei Millionen Titel." (http://www.boersenblatt.net/432734/) Was denn nun: 23 Millionen oder 2 Millionen? Letzteres kann ja wohl nur stimmen.

    Da fragt man sich, wie diese Zahlen zustande kommen bzw. erst mal, wie sie denn tatsächlich in der Studie stehen.

  • Michael Roesler-Graichen

    Michael Roesler-Graichen

    Sehr geehrter Herr Dausien,

    danke für Ihre Hinweise. Natürlich muss es heißen: 49,9 Millionen Bundesbürger, und nicht 49,9 Millionen Befragte.

    Bei den anderen Zahlen habe ich versucht, scheinbare Widersprüche (auch zu früheren Studien), zu erläutern.

    Die Zahlen sind so in der aktuellen DCN-Studie nachzulesen.

    Mit besten Grüßen
    Michael Roesler-Graichen

  • René Kohl

    René Kohl

    Als Johannes Gensfleisch von Sorgenloch, genannt Gutenberg, seine neue Maschine fast fertig hatte, zeigte er sie einem befreundeten Mönch.

    »Schau mal, künftig müsst Ihr nicht mehr all Euer Wissen mühsam abschreiben - Ihr könnt es mit dieser Maschine künftig einmal setzen und dann hunderte Male drucken! Als Buch!«

    »Bist Du verrückt geworden - Wissen drucken? Dann wissen wir ja gar nicht, wer es in die Finger bekommt?
    Na ja, wir haben noch ein paar alte Landkarten aus der Zeit, als die Erde noch eine Scheibe war - mit denen könnte man es vielleicht versuchen.
    Und außerdem: Da braucht man ja Lagerhallen, um es aufzubewahren...
    Und wer bewacht die?
    Und wenn jemand die Kutschen überfällt, mit denen die Bücher transportiert werden?
    Vielleicht ginge es, wenn man ein großes Loch in die Seiten bohren könnte und eine dicke Kette durchziehen. Muss aber eine wirklich dicke sein, am besten so schwer, dass man das Buch nicht mehr heben kann.
    Und vielleicht extra Lesestellen für die Bücher einrichten?
    Vielleicht in jedem Kloster einen Raum dafür? Na gut, da müssten die Leser ganz schön was dafür berappen, aber so könnte es klappen.«

    Gutenberg überlegte noch eine Weile hin und her - am Ende sah er ein, dass das alles keinen Sinn hatte mit seiner komischen Druckmaschine, und er baute sie um zu einer neumodischen Pflanzenpresse.

    Diese revolutionierte in den folgenden 100 Jahren die Botanik - wir noch heute in liebevoll angefertigten Hanschriften dargestellt wird.

    • Informationen zum Kommentieren

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    • Mein Kommentar

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

      Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

      (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
      CAPTCHA image
      Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

      * Pflichtfeld