Die Sonntagsfrage

"Darf ein Volontariat nur mit Leseexemplaren vergütet werden?"

Die Plattform BuchKarriere will die Kommunikation zwischen Nachwuchs und Arbeitgebern in der Buchbranche verbessern. Die Idee dazu hatten die beiden Buchwissenschaftsstudentinnen Rebekka Kirsch und Norsin Tancik. Aber braucht die Branche so eine Plattform überhaupt, Frau Tancik?

Seit einigen Jahren habe ich immer wieder beobachtet, wie zwei Gruppen aufeinanderprallten, rangelten und eigentlich zu keinem Ergebnis kamen: Auf der einen Seite standen die Arbeitgeber in den Verlagen, die händeringend nach qualifiziertem Nachwuchs suchten, auf der anderen Seite der junge Buchnachwuchs, der wegen den schlechten Arbeitsbedingungen die Branche wechselte. Nicht zuletzt die Marginalglosse übte in einer ihrer letzten Artikel eine deutliche Kritik aus. Auch auf den Stammtischen der Jungen Verlagsmenschen erlebte ich in München und Frankfurt immer wieder frustrierte, verunsicherte Nachwuchskräfte. Der Höhepunkt war das Nachwuchsparlament auf den Berliner Buchtagen, die genau die Themen anprangerten und vermissten, die wir mit unserem Projekt thematisieren wollten: Die fehlende Jobbörse, die unattraktiven Einstiegsbedingungen – und nicht zuletzt die fehlende Anerkennung des Branchennachwuchses.

Als Rebekka Kirsch und ich gemeinsam im November 2011 die Idee entwickelten, die verloren gegangene Kommunikation beider Zielgruppen wieder herzustellen, ahnten wir noch nichts von der Dynamik unseres Projekts. Seit März sind wir auf facebook mit einer eigenen Seite vertreten, die inzwischen über 1.000 Fans hat. Unsere Plattform, seit der Frankfurter Buchmesse online, hat stark steigende Zugriffszahlen und für unser Verlagsranking flattern täglich neue Bewertungen ein – denn hier geben wir dem Branchennachwuchs die Gelegenheit, ihre ehemaligen Arbeitgeber fair und objektiv zu bewerten. Dadurch konnten wir während der Frankfurter Buchmesse zum ersten Mal den BuchKarriere Award 2012 an den Thienemann Verlag für die besten Arbeitsbedingungen verleihen.

Das Thema ist aktuell und die Buchbranche braucht unser Portal, um gemeinsam die Probleme aus dem Weg zu räumen. Was erwarten Arbeitgeber in Zukunft vom Branchennachwuchs? Wie können die Praktikumsbedingungen an die neuen Bachelorstudiengänge angepasst werden? Darf ein Volontariat wirklich nur mit Leseexemplaren vergütet werden? Mit welchen Mitteln lockt man qualifizierte Nachwuchskräfte in die Buchbranche? Das sind alles Fragen, denen wir in Zukunft nachgehen wollen.

Um uns und unsere Plattform zu finanzieren, werden wir Verlagen in Zukunft die Möglichkeit geben, zielgruppengenaue Bannerwerbung zu schalten und Anzeigen zu featuren. Da wir mit der neuen Jobbörse KarrierePlatz und dem Verlagsranking nicht unwichtige Techniken für die Buchbranche bereitstellen, hoffen wir außerdem auf Sponsorenpartner, die unsere Ideen unterstützen wollen, damit wir sie technisch gut umsetzen können.

Letztendlich haben die Arbeitgeber und der Buchbranchennachwuchs es allerdings selbst in der Hand, wie sie sich zueinander entwickeln werden. Weiter voneinander weg oder doch ein paar Schritte aufeinander zu? Alles in allem stimmt mich der gute Zuspruch nach der Frankfurter Buchmesse aber sehr positiv.

Norsin Tancik (26) studiert Buchwissenschaft und Komparatistik an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und arbeitet derzeit an ihrer Magisterarbeit, in der sie sich mit Kommunikationsstrategien von Verlagen in den sozialen Netzwerken beschäftigt. Außerdem ist sie für die Buchmarketing-Agentur bilandia aus München tätig und jobbt seit zehn Jahren als freie Journalistin für verschiedene Lokalzeitungen.

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9 Kommentar/e

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  • H. Kraft

    H. Kraft

    Rebekka Kirsch und Norsin Tancik bringen es doch hier mit ihren guten Aktionen auf den Punkt.
    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass so eine Plattform für die Kommunikation im Bereich Verlage ankommen wird. Aber auch für die Auszubildenden im Sortiment kann ich mir so eine Plattform innerhalb der Fachklassen der Berufsschulen und des Campus in Frankfurt-Seckbach für junge Buchhändler/innen denken.
    In erster Linie wäre so eine Verbindung untereinander ein effizienter Schritt nach vorne. Und die Buchbranche benötigt gerade jetzt neue Akzente, denn junge Auszubildende sollten besser in die Tätigkeitsbereiche in ihrer Ausbildungszeit integriert sein. Und da ist auch ein Wissen um die Berufsziele und die Chancen danach sehr von Vorteil. Nur durch eine bessere Verzahnung lassen sich auch neue Möglichkeiten zu Kontakten innerhalb der Buchbranche entwickeln.
    Also einmal ein dickes Lob an Frau Rebekka Kirsch und Frau Norsin Tancik, die mit ihren ausbaufähigen Ideen einen guten Anstoss auch in Richtung der Landesverbände und des Börsenvereins gegeben haben.
    H. Kraft

  • Rebekka Kirsch

    Rebekka Kirsch

    Da möchte ich mich natürlich im Namen von BuchKarriere herzlich für das Lob bedanken, denn Norsin Tancik und ich geben uns bezüglich BuchKarriere sehr viel Mühe eine gute Plattform zu präsentieren, fair und objektiv zu bleiben und natürlich spannenden Inhalt zu bieten.
    Es ist schön, positives Feedback zu erhalten und wir hoffen, dass Nachwuchs sowie auch die Verlage in BuchKarriere eine Chance sehen und sie ergreifen - der Trend momentan ist äußerst positiv.

  • Holger Behrend

    Holger Behrend

    Es ist schon lange nicht mehr lohnenswert im ökonomischen Sinne, sich den Kulturwissenschaften anzuschließen respektive kulturelle Arbeit zu leisten. Vielmehr muss jeder für sich selbst entscheiden, in welchen Bereichen er oder sie seine Fähigkeiten sieht. Die Quintessenz lautet wie immer: seid zufrieden mit eurer Arbeit, dann braucht man sich keine Gedanken ob der Finanzierung zu machen. Nebenfinanzierungsmöglichkeiten gibt es en masse.

  • H. Kraft

    H. Kraft

    Es werden dringend solche Plattformen in der Buchbranche benötigt, wie sie z. B. Frau Rebekka Koch und Frau Norsin Tancik mit BuchKarriere aufgebaut haben.
    Bedeutungsvoll ist heute in allen Bereichen und dies vor allem in der beruflichen Seite eine richtige Kommunikation. Dabei ist es auch von Vorteil, dass man miteinander spricht, Fehler einsieht und Vorschläge unterbreiten kann. Erforderlich erscheint mir in erster Linie hier ein gutes Miteinander und nicht ein Gegeneinander. Nur in einem gemeinsamen Mittun werden heute auch Ziele erreicht. Gewiss es gibt kein dauerndes Wachstum. Aber die Bereitschaft zu neuen Ideen und Impulsen kann schon manche Dinge bewegen.Und dies ist auch der Sinn einer solchen Plattform. Die Verwirklichung einer Idee im Wissen von allen Beteiligten ist dann ein großer Fortschritt und dies setzt eben dann neue Kräfte frei. Und so etwas lohnt sich auch dann. Der Chef oder die Chefin sieht, dass die Begeisterung für etwas Neues da ist und so etwas gibt eine tolle Motivation.
    Ich wünsche der Plattform BuchKarriere einen Erfolg. Da kann sich, wenn man dies sich genauer durch den Kopf gehen lässt, auch innerhalb der Buchhandlungen etwas gestalten. Notwendig ist jetzt aber nicht nur die Karriere, sondern auch neue Ideen, die den Umsatz in den Buchhandlungen steigern könnten. Und von so etwas, also einer richtigen Schubkraft nach vorne, ist auch manches zu erwarten. Nur sollte da nicht einseitig nur vom Punkt der Karriere ausgegangen werden, sondern es muss gemeinsam überlegt werden, dass Buchhandlungen von innen heraus besser strukturiert werden können und somit auch das Potenzial der Kunden erhalten bleibt. Und deshalb wäre dies vielleicht eben noch in einer Verzahnung einer guten Kommunikation zu verwirklichen. Nur gemeinsam lassen sich auch Ziele erreichen. Und deshalb bringt auch das Schwarzsehen nichts. Auch der Börsenverein und die Landesverbände sind hier jetzt auch einmal gefordert. Eine übergroße Verwaltung in diesen Verbänden nutzt nichts, wenn jetzt nicht auch den kleineren Buchhandlungen eben mehr geholfen wird, um ein Überleben zu sichern. Wie soll das kulturelle Leben in z. B. kleineren Städten erhalten werden, wenn manche Buchhandlungen kurz vor dem Aus stehen? Auch darüber sollte man sich in Zeiten des großen Verdrängungswettbewerbs und der Verlagerung des Buchhandels in das Internet und der E-Books einmal Gedanken machen. Schnelle Lösungen gibt es da nicht. Und deshalb ist aber eine Kommunikation untereinander jetzt auch angesagt.
    H. Kraft

  • Werner F. Schenkel

    Werner F. Schenkel

    Es gibt viele Möglichkeiten sich selbst ruinieren. Volontäre mit Leseexemplaren abzuspeisen ist eine davon. Der Buch-handel diese Verhöhnungstrategie als Nachwuchspersonal-politik ausgibt sollte sich nicht wundern, wenn der buch- händlerische Mittelstand verschwindet. Er hat sich weitgehend schon verflüchtigt. So werden die Reste folgen - und das ist dann gut so!

  • H. Kraft

    H. Kraft

    Ganz allgemein Vorschläge im Buchhandel anzubringen, dauert eine gewisse Zeit.
    Auch dafür bedarf es Geduld.
    Und trotzdem die Überlegungen zu einer guten Kommunikation weiter verfolgen.
    H. Kraft

  • Rebekka Kirsch

    Rebekka Kirsch

    Rebekka Kirsch. Wie die Frucht.
    Soviel Zeit muss sein, wenn wir über Kommunikation sprechen.

  • Anna-Lena

    Anna-Lena

    Tolle Idee - tolle Plattform!

    Aber wie Hr. Kraft schon sagte, vermisse ich etwas die Möglichkeit auch die Ausbildung innerhalb eines Betriebs bewerten / darüber reden zu können. Denke das wäre es wert darüber nachzudenken, ob man das auch in die Plattform BuchKarriere integriert.
    Ansonsten: Hut ab :)

  • Martina Bergmann

    Martina Bergmann

    Ich finde Selbstzuschreibungen von Qualität schwierig, zumal aus dem rein akademischen Feld. Es hat mit der Realität eines Arbeitsplatzes unter betriebswirtschaftlichen Prämissen nichts zu tun. Also - Ich finde solche Plattformen ganz nett. Aber ich sehe nicht, wozu sie konkret führen sollen.

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