Interview mit Bernd Zanetti, Geschäftsführer der Akademie des Deutschen Buchhandels

"Technikaffinität braucht heute jeder"

Heute beginnt in München die erste Personalentwicklungskonferenz, die die Akademie des Deutschen Buchhandels gemeinsam mit Bommersheim Consulting konzipiert hat. Welche Rolle Fortbildung in Zeiten des Umbruchs in der Medienbranche spielt, erklärt Akademie-Geschäftsführer Bernd Zanetti. VON FRAGEN: SABINE SCHWIETERT

Die Jobprofile in der Medienbranche ändern sich rasant. Ideal für die Akademie des Deutschen Buchhandels, oder?
Grundsätzlich schon. Wir sehen es als unsere Aufgabe, die Fach- und Führungskräfte für die neuen – vor allem im Zuge der Digitalisierung entstandenen – Herausforderungen fit zu  machen. Eine gewisse Technikaffinität braucht heute ja eigentlich jeder im Verlag, egal in welcher Abteilung. Das ist neu. Nicht umsonst heißt der Lektor heute schon häufig Produktmanager und muss wissen, was technisch wie möglich und sinnvoll einsetzbar ist und sich von alten Formen lösen.

Haben sich Schulungsbedarf und Schulungsangebot in gleichem Maße verändert?
Ja, klar, da ist eine Parallelität erkennbar. Der Schulungsbedarf ändert sich gerade im Bereich E-Publishing rasant und laufend – und unser Angebot entsprechend. Die Gründe liegen auf der Hand: Neue Produkte und Angebote zwingen die Verlage dazu, die Strukturen anzupassen. Das betrifft alle Abteilungen. Auch soziale Kompetenzen werden immer wichtiger, da die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen noch intensiver wird. Der Bedarf ist übrigens nicht nur im offenen Programm, sondern auch im Bereich firmeninterner Seminare deutlich gestiegen.

Die Branche ist auf der Suche nach Young Professionals mit Digitalexpertise. Hat sie Chancen?
Die Verlagsbranche hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt und ist noch immer im Wandel begriffen. Das Bild in der Öffentlichkeit und die Wirklichkeit klaffen da weit auseinander. In unserer Branche ist schon eine Menge passiert und eine Reihe innovativer Produkte – Apps, E-Books, Online-Angebote – sind entstanden. Da die Außenwahrnehmung eben noch nicht so weit ist, entsteht bei den Young Professionals aus anderen Bereichen ein falscher Eindruck – und in einer „angestaubten Branche“ wollen sie nicht arbeiten. Die Verlagsbranche ist gut beraten, ihr Selbstbild und die Darstellung nach außen anzupassen. Auch beim Recruiting sollte sie neue Wege gehen und beispielsweise den aktuellen Trend des Social Recruiting verstärkt wahrnehmen. Gerade junge Leute mit Digitalexpertise erreicht man da womöglich besser als auf herkömmlichen Wegen. Nicht zu vergessen ist natürlich: Wer hochqualifizierte Mitarbeiter möchte, kann sich auch den Gehaltserwartungen nicht verschließen.

Die neuen Köpfe sollen das digitale Wissen gleich mitbringen. Wie schult man das vorhandene Personal? 
Die Änderungen in den Verlagen sind struktureller Natur – alle sind betroffen. Beispiel App-Konzeption: Der Produktmanager muss wissen, was technisch geht, welche Kosten in etwa entstehen, welche anderen Angebote, auch von „verlagsfremden“ Anbietern, schon existieren etc. Gegebenenfalls muss er den User einbeziehen – vor allem aber muss er seine Kollegen aus Marketing und Vertrieb frühzeitig einbinden. Für die Weiterbildung heißt das: Alle müssen einbezogen werden. Am besten eignet sich da eine Mischung aus dem Besuch offener Seminare, firmeninterner Programme und E-Learning.

Entscheidend für den Unternehmenserfolg dürfte das Zusammenspiel zwischen Young Professionals und altgedienten Mitarbeitern sein. Kann Fortbildung helfen?
Fortbildung kann immer helfen. Man kann natürlich nicht Digital Native werden, aber durchaus lernen, wie man digitale Produkte konzipiert und vermarktet. Gerade bei firmeninternen Seminaren in Form von Teambuilding-Maßnahmen, die die inhaltlichen Schulungen ergänzen, kann man die Zusammenarbeit zwischen Young Professionals und altgedienten Mitarbeitern fördern. Beide Seiten können hiervon profitieren. Wichtig ist sicher, dass beide unvoreingenommen miteinander umgehen. Nicht nur Digitalexpertise ist wichtig, auch der gekonnte Umgang mit der Zielgruppe und den Inhalten ist entscheidend. Und da haben die altgedienten Mitarbeiter viel Erfahrung.

Akademie, Mediacampus, Landesverbände …. das Fortbildungsangebot ist riesengroß. Gar nicht so einfach, das Richtige zu finden. Was raten Sie?
Ja, das Angebot ist groß. Für jeden ist etwas dabei. Neben der Management-Expertise liegt unser Schwerpunkt, wie erwähnt, im Bereich elektronisches Publizieren, wo wir das Angebot seit sechs Jahren systematisch in unserer E-Publishing Academy aufgebaut haben – abgestimmt auf die neuen Berufsbilder. Mit den so entstandenen Zertifikatskursen versuchen wir auch, Standards für die neuen Jobprofile zu entwickeln. Beispielsweise kann man sich bei uns zum „Projektmanager E-Publishing“, „Online-Marketing-Manager“ und „E-Commerce-Manager“ etc. weiterbilden. Mit 1-Tages-Seminaren ist es in der aktuellen Umbruchsituation meist nicht getan. Es muss mehr Zeit für Weiterbildung eingeplant werden – sowohl bezüglich der Besuche offener Seminare als auch firmenintern. Da sich alles sehr schnell verändert, ist es außerdem wichtig, sich kontinuierlich weiterzubilden. Grundsätzlich lässt sich in Sachen Anbieter sagen: Kürzere Seminare bieten vor allem die Landesverbände an, der Schwerpunkt der Schulen in Seckbach liegt, ursprünglich jedenfalls, im Ausbildungsbereich, wir sind die Spezialisten für Weiterbildung.

Heute findet in München die erste Berufsbildungskonferenz der Branche statt. Wie ist die Resonanz?
Gerade weil wir in der Vergangenheit schon Personalthemen angeboten haben, die nicht vergleichbar erfolgreich waren: Wir sind von der großen Resonanz überrascht – sowohl auf die Personalentwicklungskonferenz, bei der alle wichtigen Verlage vertreten sind, als auch auf den sich anschließenden Recruiting Day, zu dem wir inzwischen den Zugang limitieren mussten. Die Young Professionals reisen aus ganz Deutschland an! Den großen Erfolg der diesjährigen Veranstaltung führen wir darauf zurück, dass das Thema Personal inzwischen so virulent ist, dass man nicht mehr darüber hinwegsehen kann....

Informationen zur Fachkonferenz Personalentwicklung finden Sie hier. 

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