Gerüchte über drohende Zahlungsunfähigkeit

Verlagsgruppe Weltbild vor Insolvenz?

Der Verlagsgruppe Weltbild steht nach Informationen der "FAZ" die Insolvenz bevor. Das Unternehmen mache trotz eines Milliarden-Umsatzes seit längerem Verluste. Als Grund werden die Streitigkeiten der Bischöfe genannt. Weltbild hat umgehend dementiert: "Der Fortbestand des Unternehmens ist in keiner Weise gefährdet", heißt es aus Augsburg.

Stimmt die inhaltliche Ausrichtung? Gehört ein Medienunternehmen dieser Größe ins christliche Portfolio? Die Weltbild-Gesellschafter – zwölf Diözesen, die Soldatenseelsorge Berlin sowie der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) – sind seit Jahren unterschiedlicher Meinung. Jetzt wollen vier Gesellschafter unter Führung des Erzbistums Köln Weltbild nicht mehr in eine Stiftung überführen - wie zuletzt geplant - , sondern verkaufen. In der Folge würden sich laut FAZ die Geschäftsbanken einschließlich der kirchlichen Banken Liga und Pax so verhalten, dass die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens nicht ausgeschlossen sei.

Weltbild mache seit längerem Verluste. "Ein Verkaufserlös wäre mutmaßlich geringer als das Eigenkapital in Höhe von etwa 175 Millionen Euro. Kenner des Unternehmens schließen nicht aus, dass die Gesellschafter Geld nachschießen müssten, sollten sie die Verlagsgruppe als ganze erhalten oder im Zuge eines Verkaufs den Erhalt der meisten Arbeitsplätze sicherstellen. Langfristig sind mutmaßlich nur Unternehmensteile wie die im Aufbau begriffene Online-Handelsplattform rentabel", so die Zeitung.

Erst im Juli hatte der Holtzbrinck-Konzern den 50-Prozent-Anteil am Verlag Droemer Knaur übernommen, den zuvor Weltbild gehalten hat.

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Weltbild sieht die Verlagsgruppe keineswegs in Gefahr, räumt aber eine "vorübergehende Verlustsituation" ein. Hier die Stellungnahme: "Weltbild befindet sich im Umbau zu einem Online- und Digitalgeschäft. Dieser Umbau des Unternehmens führt zu einer vorübergehenden Verlustsituation. Die Verlustsituation entsteht durch den gezielten Rückbau von Altgeschäften im Bereich der Filialen und des Kataloges auf den für das Online- und Digitalgeschäft künftig noch sinnvollen Kern. Die hohen Anlaufinvestitionen in das Digitalgeschäft führen erst zeitversetzt zu entsprechenden Gewinnen. Die Parallelität von Rückbau einerseits und Neuaufbau andererseits stellt in seiner Dimension eine enorme Herausforderung und Anstrengung dar."

Weltbild/DBH gehört zu den größten Buch- und Medienunternehmen in Europa. Nach eigenen Angaben beschäftigt Weltbild 6.800 Mitarbeiter und setzte zuletzt rund 1,59 Milliarden Euro um (Stand 30.06.2012).

Das Unternehmen Weltbild - eine kleine Chronik

1948 Josef Hall und das Katholische Männerwerk Fulda gründen die Winfried-Werk GmbH in Augsburg

1968 Das Winfried-Werk kauft den Titel »Weltbild« vom Verlagshaus Mertens

1975 zwölf katholische Bistümer übernehmen alle Anteile des Winfried-Werks; Carel Halff wird Weltbild-Bücherdienst-Geschäftsführer

1986 Weltbild expandiert ins Ausland

1987 Winfried-Werk und Weltbild-Bücherdienst verschmelzen zur Weltbild Verlag GmbH. Sie erwirbt Pattloch und weitere Verlage

1994 Weltbild eröffnet mit Hugendubel erste Filialen

1997 weltbild.de geht online

1999 Booxtra (heute: buecher.de) und Jokers starten; sieben Weltbild- und fünf Holtzbrinck-Verlage verschmelzen zur Verlagsgruppe Droemer Knaur

2006 Weltbild (damals 300 Filialen) fusioniert das stationäre Geschäft mit Hugendubel unter DBH Buch Handel mit den Marken Hugendubel, Buch Habel, Weiland, Schmorl & von Seefeld, Wohlthat, Weltbild und Jokers

2008 Änderungen des Gesellschafterkreises sowie ein Verkauf werden erwogen

2009 Weltbild strukturiert Filialen um, dünnt das Filialnetz aus und baut Personal ab

Herbst 2011 Medien entrüsten sich, dass Weltbild erotische Literatur anbietet – das Thema schlägt inner-kirchlich Wellen. Aufsichtsratschef Klaus Donaubauer tritt zurück; Bischöfe wollen Weltbild verkaufen

Juni 2012 Die Diözesen beschließen, Weltbild in eine kirchliche Stiftung einzubringen

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4 Kommentar/e

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  • Buchhändler

    Buchhändler

    Warum sollte eine Geschäftsführung, die das stationäre Geschäft an die Wand gefahren hat, im Online-Geschäft erfolgreicher sein? Auf Grund der massiven Investitionen sieht es momentan noch etwas besser aus, aber was, wenn auch hier bald wirtschaftlich gearbeitet werden soll?

    Diese Einschätzung teilen auch einige katholische Bistümer, die dem Unternehmen nicht mehr länger die Stange halten wollen. Aber natürlich kann man Herrn Hugendubel und seine "Spezln" nicht so einfach auswechseln. Und Herr Halff kennt und kann nur das Versandgeschäft, sonst wüßte er, daß E-Zigaretten und Handyverträge im Laden beim Kunden eher weniger gut ankommen.

    Eine verfahrene Situation, ich glaub´ fast, hier ist Hopfen und Malz verloren.

  • Leser

    Leser

    Finale!!!, nach mittlerweile über 7 Jahren Zukäufen,Zentralisierungen wird in der Konsequenz nur noch Onlinhandel in einem gewissen Umfang bestehen bleiben und die Zeit für reine Buchkaufhäuser (ob nun mit
    oder ohne Geschenke "Müll" ist einfach vorbei.

  • farank

    farank

    "Als Grund werden die Streitigkeiten der Bischöfe genannt."

    Die Logik entzieht sich mir hier. Wie ist denn der direkte Beitrag der Bischöfe zu den Verlusten - Konsumieren sie zu wenig.

    Es deutet doch eher auf die wüste Strategie im stationären Handel - und was soll jetzt der Internet-Handel daran bessern. Soll man den Klimbim jetzt nur noch online kaufen können. Die Wahrscheinlichkeit bei der doch eher gemischten Qualität ist auf Dauer sehr gering - wenn man mal zwei Flops gekauft hat, ist der Spass vorbei.

    Tatsächlich bin ich dennoch überrascht, denn die Strategie als "Montanus" fand ich vom Ausgangspunkt her überzeugend. Möglicherweise aber - dies zum Unterschied - knüpft sich an das heutige Mediengeschäft doch eine grössere Breite des Sortiments und mehr Service.

  • wasi

    wasi

    So wie ich gelesen habe, ist der Grund für die Insolvenz der Umsatz- und Ergebnisverluste des ersten Halbjahres des Geschäftsjahres 2013. [Quelle: http://www.finance-magazin.de/geld-liquiditaet/kre dite-und-anleihen/finanzierungen-fresenius-alpiq-b orsig/ ]
    Naja die Insolvenz ist da und jetzt muss da Unternehmen saniert werden. Passt ja, wenn das Unternehmen eh momentan in der Umbauphase ist. Wenn echt der Umbau Grund für die Insolvenz sein soll, da frage ich mich ob man das nicht geschickter anstellen hätte könne, so dass es nicht zur Insolvenz kommt.

    Gruß,
    W.

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