Weltbild-Betriebsrat protestiert gegen Einschnitte

„Die geplanten Schließungen sind grob fahrlässig“

Zu Schließungsplänen bei Weltbild Plus will sich von der Kanzlei des vorläufigen Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz derzeit niemand äußern, die Mitarbeiter sind jedoch längst in Bewegung. Ihr Betriebsrat sammelt Argumente gegen den schnellen Rückzug aus der Fläche – und das nicht nur, weil der Wert des Gesamtunternehmens sinkt: Auch für das Digitalgeschäft entstünden neue Gefahren.

Bei Weltbild plus stehen bis zu 100 Standorte auf der Kippe, wie „Buchreport“ und „Wirtschaftswoche“ berichten. Etwa 60 davon sollen angeblich definitiv aufgegeben werden, weitere 40 stünden auf einer sogenannten Watchlist und würden noch einmal gesondert geprüft. Aus Unternehmenskreisen werden die Pläne zwar bestätigt, offiziell ist dazu aktuell jedoch nichts zu erfahren. Aus der Kanzlei Schneider, Geiwitz & Partner heißt es zum Thema lediglich: „kein Kommentar“.
 
„Weltbild braucht ein flächendeckendes und funktionierendes Filialsystem“

Bestätigt werden die Schließungspläne auch von Seite der Mitarbeitervertreter. Sie mobilisieren bereits ihre Kräfte und sammeln Argumente gegen den Rückzug aus der Fläche. Weil sie befürchten: Dass Weltbild plus sich von dieser Notdiät kaum erholen werde.

Die Filialen seien unverzichtbarer Bestandteil des Geschäftsmodells, sagte der neue Konzernbetriebsratsvorsitzende Timm Boßmann (bisher Verdi-Betriebsgruppensprecher) gegenüber boersenblatt.net.  "Wenn die Gruppe erfolgreich verkauft werden soll, müssen wir ein flächendeckendes und funktionierendes Filialsystem haben." Generell herrsche in diesem Punkt zwar Einigkeit mit Arndt Geiwitz, strittig bleibe jedoch die Zahl. Bevor ein Investor sich geäußert habe, seien die geplanten Schließungen "grob fahrlässig".


Welche Argumente Boßmann vorbringt:

  • Durch Fehlentscheidungen des Managements seien zuletzt immer mehr Filialen in Turbulenzen geraten. Das Gebot der Stunde müsse lauten, aus diesen Fehlern zu lernen - "wenn wir nichts ändern, dann sind die geplanten Schließungen nur der Anfang vom Ende der gesamten Kette."
  • Dazuzulernen bedeute im besten Fall, die Filialen aufzuwerten - indem zum Beispiel die Sortimente angepasst und wieder stärker auf Beratung gesetzt würde. Boßmann: „Es muss uns gelingen, dass Kunden unsere Filialen wieder als Buchhandlungen mit Beratungs-Kompetenz wahrnehmen."
  • Ohne Investor am Start, sollten Schließungen derzeit am besten nachrangig behandelt werden. Und selbst dann seien noch viele Fragen offen. "Das Konzept von Roland Berger für die Gruppe muss bekannt sein und diskutiert werden“, fordert Boßmann.
  • Reden will er mit dem Team um Arndt Geiwitz und Weltbild Plus-Chef Gunter Gerlach aber auch über die Gemeinkosten-Anteile, die die Filialen tragen.
  • Boßmann sieht durch die Schließungspläne die Gesamtgruppe beschädigt – sie verliere an Wert und werde für potenzielle Investoren zusehends uninteressanter.
  • Bessern würde sich die Lage dadurch nur für Wettbewerber, die sich unliebsame Konkurrenz vom Hals schaffen wollten, meint Boßmann. "Wenn die Filialen getrennt vom Rest der Gruppe an einen Mitbewerber verkauft werden, macht der nur eins: den Rest auch noch zu!" In der Folge könnten in Augsburg leicht mehr als 100 Stellen wegfallen (Filialbelieferung, Category-Management, Marketing, IT, Personalabteilung).

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11 Kommentar/e

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  • Düsselbarsch

    Düsselbarsch

    Und wo in dem Artikel sind die Gefahren für das Digitalgeschäft beschrieben

  • Haptiker

    Haptiker

    Seit wann ist Weltbild jemals durch Beratungskompetenz aufgefallen? Weltbild stand immer als Synonym für modernes Antiquariat, Ramschverkauf und Verkauf von "Eigenproduktionen" hart am Rande der Preisbindungs-Legalität.

    Wer E-Commerce mit Buchhandelfilialen verbinden will, benötigt ein ausgereiftes Konzept. Und wer soll bitteschön dieses Konzept liefern, wenn das bisherige Management dieses Ladens mehr durch absahnen auffällt als durch Kompetenz!!

    Im Gegensatz zu Hugendubel hat m.E. Weltbild keinerlei Überlebenschance und gehört abgewickelt so schnell als möglich. Alles andere ist sich selber in die Tasche lügen, Gewerkschaftsmitglieder vor allem von Verdi sind da die Weltmeister.

  • Recht auf freie Meinung

    Recht auf freie Meinung

    Ich sehe das Ganze genauso wie Haptiker (Kommentar Nr. 2). In den Weltbild Filialen arbeiten fast nur noch Minijobber, die nicht qualifiziert sind. Die "Gefahr" für den Kunden, an einen solchen zu geraten, wenn man ein intensives Beratungsgespräch zum Tolino haben möchte, ist sehr groß. Aufgrund der mehr als knappen Personaldecke ist eh nie Zeit für ein adäquates Beratungsgespräch.
    Ich hatte einen längeren Kommentar zu dem Thema an den Weltbild Verdi Blog geschrieben, wo ja jetzt auch laut getrommelt wird, der Konzernbetriebsrat würde jetzt Druck machen. Aber der Kommentar war wohl nicht liniengetreu genug und wurde nicht veröffentlicht.

    Vielleicht behagten auch meine Fragen nicht, ob die 65 Millionen der Gesellschafter für die Mitarbeiter eigentlich nur für die Mitarbeiter in Augsburg bestimmt sind. Denn in allen Pressemitteilungen zu diesem Thema habe ich immer nur von den 2200 Arbeitsplätzen in Augsburg gelesen und das sich die Gesellschafter ihrer Verantwortung gegenüber diesen Beschäftigten bewußt ist.
    Die jetzt zu entlassenden Filialmitarbeiter gehen wohl mal wieder leer aus. Aber das macht sich auf dem Blog wohl auch nicht so gut.
    Hoffe, dass mein Kommentar wenigstens hier veröffentlicht wird.

  • Michael Nardelli

    Michael Nardelli

    @ 3 Ich hoffe Sie füllen Ihr Pseudo mit Leben...

    Auch wenn das jetzt nicht unmittelbar zum Thema hier passt, trotzdem meine Frage: Wie konnten Sie annehmen, dass die linken Gesinnungsterroristen von Ver.di Ihre Fragen zulassen? Für Linke bzw. Ideologen aller Coleur gilt Freiheit nur für die eigene Meinung. Siehe die Randale von Berlin gegen Sarrazin am Wochenende, die dem, gegen den so lauthals protestiert wurde, nur vollumfänglich Recht gaben.

    Im übrigen haben Sie Glück, dass Ihre Fragen wenigstens hier veröffentlicht wurden. Das ist durchaus nicht selbstverständlich, denn auch das Böbla hat mit unangenehmen (ergo den in der Regel richtigen, zumindest berechtigten) Fragen gelegentlich so seine Probleme. Abgelehnt! Vorsorglich, aus "Haftungsverantwortung"

    Aber irgendwie auch gut so, denn derartige Fragen verstehen die meisten Böbla-Leser des hoffnungslos linksgedrehten Buchhandels sowieso nicht. Passt buchstäblich nicht ins gutmenschliche Weltbild (**giggle**) und sorgt daher allenfalls für Verwirrung bzw. Verstörung - mit entsprechenden Reaktionen. Sinnlos, sich dagegen zu wehren...

  • Friseur

    Friseur

    Die Insolvenz sollte die Chance bieten, nicht nur das Unternehmen sondern in erster Linie die Unternehmenskultur zu sanieren. Ansonsten hilft der schönste Schuldenschnitt nicht... Abgeschnitten werden sollten vielmehr die alten Zöpfe...
    Ich bewerb mich schon mal als Friseur

  • Dirk Scholze

    Dirk Scholze

    @ 4 Oh, oh Herr Nardelli,

    Sie sind schon ein großer Meister im verbreiten von grobem Unfug. Ich freue mich aber, dass die Redaktion des Börsenblattes die Souveränität besitzt, auch so einen Unsinn zu veröffentlichen. So schlimm kann es also um dem „linksgedrehten Buchhandel“ und seinem Verband, dem Börsenverein, nicht bestellt sein – er leistet sich immerhin den demokratischen Luxus, auch ausgewiesenen Narren, ein Forum zu bieten.

    Heute ist Aschermittwoch: Ich schlage vor, Sie lesen in der narrenfreien Zeit bis zum 11.11. 2014 einfach mal ein vernünftiges Buch, brauch ja nicht aus Ihrem Verlag zu sein und dieser neue Sarrazin-Quatsch hilft Ihnen auch nicht weiter.

    Suchen Sie doch einfach einmal eine, der vielen und gut sortierten, Buchhandlungen auf, und lassen sich qualifiziert beraten.

    Ab dem 11.11. 2014 dürfen Sie dann wieder Kommentare schreiben und uns alle an Ihrem evtl. Erkenntnisgewinn teilhaben lassen.



    Hoffnungsvoll grüßt

    Dirk Scholze
    Berater für den Sortimentsbuchhandel, Oldenburg

  • ein Dummer?

    ein Dummer?

    @6
    oh, hr scholze,
    woher nehmen sie ihr wissen über den, wie sie es benennen, "sarrazin-quatsch" ???
    bestimmt sind nicht alle äußerungen von hr. sarrazin mehrheitsfähig, aber man sollte auch nicht pauschal alles als "quatsch" diskriminieren; damit disqualifizieren sie sich nur selbst!

  • buchhändlerin

    buchhändlerin

    Woher stammt der Begriff Gutmensch? Waren es nicht
    die Nazis, die ihn gerne benutzten?

  • Betroffener

    Betroffener

    Leute, hier sind ca. 1400 Arbeitsplätze plus 2200 in Augsburg gefährdert und ihr tragt hier irgendwelche Differenzen auf Nebenkriegsschauplätzen aus, bitte mal wieder zurück zum Thema, so viel Respekt sollten wir den Arbeitnehemern gegenüber haben, die da um die Existenz bangen...

  • Schelm

    Schelm

    @ Betroffener

    Passend zur Weltbild Geschichte kommt die Ausbildungoffensive, um viele junge und kluge Köpfe für den Buchhandel zu begeistern. Karriere im Buchhandel inklusive :-)

  • Zukunft Weltbild

    Zukunft Weltbild

    Wir sind als Externe, aber Branchenkenner der Meinung, dass nur ein neues Geschäftsmodell die Basis für einen nachhaltigen Neuanfang für Euch sein kann. Zur Umsetzung unseres Geschäftsmodells „ZUKUNFT WELTBILD“ braucht es nur Euch und einen der GF/ BL, der mit uns ernsthaft darüber diskutieren möchte.

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