Bericht über "Krise" bei Ganske-Gruppe und HoCa

"Tiefrot" oder "Rekordergebnis"?

Das Magazin "Bilanz" meldet unter Berufung auf "E-Mails aus der Geschäftsführung von Hoffmann und Campe", dass der Publikumsverlag "in ernsten Schwierigkeiten" stecke und "tiefrote Zahlen" schreibe. Auch für 2014 würde ein Verlust erwartet, sowohl beim Mutterkonzern Ganske als auch bei HoCa. Nun widerspricht Hoffmann und Campe: Für 2014 erwarte man "einen der höchsten Umsätze in der Verlagsgeschichte".

Laut "Bilanz" habe die Ganske-Gruppe, zu der Hoffmann und Campe und der Kunstverlag Hatje Cantz gehören, im Geschäftsjahr 2012 einen Jahresfehlbetrag von 9,7 Millionen Euro bei einem Umsatz von 238 Millionen Euro ausgewiesen. Laut bundesanzeiger.de hat die Ganske Gruppe mit Buchverkäufen im Jahr 2012 dabei insgesamt 88 Millionen Euro erlöst.

2013 soll der Fehlbetrag bei Ganske auf über zehn Millionen Euro gestiegen sein. "Bilanz" beruft sich dabei auf das Wissen "von Insidern". Laut Bericht der "Bilanz" soll sich die Ganske-Gruppe in "ernsten Schwierigkeiten" befinden, auch Hoffmann und Campe stecke "in der Krise". Für 2013 habe der Verlag einen Verlust von 3,4 Millionen Euro bei Einnahmen von 8,3 Millionen Euro prognostiziert, heißt es. Auch für 2014 sollen "Verluste" anfallen. 

Bei Hoffmann und Campe sah man sich daraufhin zu einem öffentlichen Widerspruch genötigt. "Es wird mit einem der höchsten Umsätze in der Verlagsgeschichte gerechnet", teilt der Verlag mit. Dass es 2013 im Vorfeld des Wechsels an der Verlagsspitze eine angespannte Lage gegeben habe, bestreiten die Hamburger nicht. Sowohl der Umsatz als auch das Ergebnis hätten im Jahr 2013 "unter den Erwartungen" gelegen. Der Verlag befinde sich aber auf gutem Kurs.

Daniel Kampa hatte im September vom ausgeschiedenen Günter Berg die verlegerische Verantwortung von Hoffmann und Campe übernommen und führt seitdem  gemeinsam mit Markus Klose den Verlag. Seitdem sollen auch die Zahlen wieder stimmen: "Ein Jahr nach dem Wechsel ist Hoffmann und Campe auf Erfolgskurs", heißt es aus Hamburg. Der Verlag verweist auf zahlreiche Bestseller

  • wie Jaron Laniers "Wem gehört die Zukunft?" –  über 50.000 Exemplare des Titels des diesjährigen Friedenspreisträgers habe man verkauft
  • mit der Rückgewinnung von Guinness World Records erscheine "ein gewichtiger Umsatzbringer" mit einer Auflage von 285.000 Exemplaren
  • Aus das im Juni erschienene SportBild WM-Buch war wochenlang auf Platz 1 der Bestsellerlisten – der Verlag habe über 250.000 Exemplare verkauft
  • Mit der Gründung des Atlantik Verlags und der Lancierung der Atlantik-Taschenbücher habe der Verlag sein Programm erweitert und die Zweitverwertung eigener Inhalte ermöglicht. Die Übernahme der kompletten Backlist von Agatha Christie im Atlantik Taschenbuch sei „ein vielbeachteter Coup für den jungen Verlag“ gewesen – aus dem Buchhandel gebe es sehr positive Rückmeldungen
  • "Schmidt / Lenz – eine Freundschaft" steht seit zwei Wochen auf der Sachbuch-Bestsellerliste (aktuell: Platz 25)
  • Erfolgreiche Titel im literarischen Herbstprogramm seien: "Brennerova" von Wolf Haas (100.000 veraufte Exemplare) und "Der ganz offene Brief" mit unveröffentlichten Texten und Bildern von Loriot
  • Schließlich habe durch eine Vertriebskooperation mit dem Karl Rauch Verlag der Longseller "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry eine neue Heimat bei Hoffmann und Campe gefunden.

"'Wem gehört die Zukunft?' fragt Jaron Lanier in seinem preisgekrönten Sachbuch. Für die Verlagsleitung und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist die Antwort klar", sagte Verleger Daniel Kampa. "Die Zukunft gehört dem Hoffmann und Campe Verlag."

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3 Kommentar/e

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  • Bilanziell

    Bilanziell

    Hoher Umsatz sagt ja nichts über das Ergebnis aus, und das man im Plan bzw. auf "gutem Kurs" liegt, bedeutet für die Ergebnisqualität genau so wenig.
    Wenigstens nicht gelogen beim "Dementi" :)

  • Rekordschuldner

    Rekordschuldner

    "Tiefrot" oder "Rekordergebnis"?

    Was für ne Frage.... beides natürlich! Wir haben hier ein tiefrotes Rekordergebnis vorliegen.

    Und implizit hat man das mit dem Gejubel über die tollen Umsätze (die nicht das mindeste über Gewinne oder Verluste aussagen) ja auch bestätigt. Macht man im Geschäftsleben wie in der Politik. Man feiert, dass man ausnahmshalber mal keine neuen Schulden aufnehmen muss, und "vergisst" dabei zu erwähnen, dass man ohnehin schon auf einem Berg Schulden sitzt, der derart krankhaft hoch ist, dass auch das nächste halbe Dutzend Generationen ihn nicht wird abtragen können.

  • Rainer

    Rainer

    Da bekommt das Wort "Schuldenberg" doch gleich eine ganz neue Bedeutung...

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