Serie: 190 Jahre Börsenverein in 19 Objekten (7/19)

Das Bildnis des Eduard Brockhaus

Er war ein engagierter Verleger und seinerzeit eine treibende Kraft im Börsenverein: Warum die Geschichte der Buchbranche ohne Eduard Brockhaus heute um viele Kapitel ärmer wäre, erläutert Carola Staniek im nächsten Teil unserer Serie.

Heinrich Eduard Brockhaus (1829-1914) übernahm ab 1854 in dritter Generation den 1805 gegründeten Verlag und grafischen Großbetrieb F. A. Brockhaus in Leipzig. Seine Tätigkeiten als Verleger, Redakteur der verlagseigenen „Deutschen Allgemeinen Zeitung“, Verfasser einer Biographie seines Großvaters und Firmengründers Friedrich Arnold Brockhaus, seine herausragende Stellung im Börsenverein der Deutschen Buchhändler, im Verein der Buchhändler zu Leipzig, im Deutschen Buchdruckerverein sowie sein Wirken als Reichstagsabgeordneter wurden in zahlreichen Beiträgen gewürdigt.

Für alle an der Buchhandelsgeschichte Interessierten bleibt der Name jedoch untrennbar mit der Gründung der Historischen Kommission des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler verbunden. Er war es, der mit einem Schreiben vom 8. April 1875 der Hauptversammlung des Börsenvereins die Einrichtung eines Ausschusses anregte, dessen Aufgabe es sein sollte, eine Geschichte des Deutschen Buchhandels zu schreiben. Nach Beratung wurde sein Antrag ein Jahr darauf, am Sonntag Kantate, dem 14. Mai 1876, von der Generalversammlung einstimmig angenommen. Zu den Gründungsmitgliedern der Historischen Kommission gehörten Eduard Brockhaus als Vorsitzender, Eduard Frommann in Jena, Oskar (von) Hase in Leipzig, der Archivar des Börsenvereins Albrecht Kirchhoff in Leipzig und Gustav Schwetschke in Halle/Saale.

Bereits 1878 beauftragte man den Juristen und Historiker Friedrich Kapp mit dem auf zehn Jahre geplanten Projekt einer allgemeinverständlichen Geschichte des deutschen Buchhandels von der Erfindung des Buchdrucks bis zur Gegenwart auf wissenschaftlicher Grundlage. Nachdem Kapp unerwartet im Jahr 1884 mit 60 Jahren starb, musste der noch nicht abgeschlossene erste Band von anderen Wissenschaftlern beendet werden. Erst 1903 konnte Johann Goldfriedrich, der spätere Archivar und Bibliothekar des Börsenvereins, für die Fortsetzung des Vorhabens gewonnen werden. Der vierte und letzte Band lag 1913 im Druck vor. Bis heute gelten die vier Bände, unter Fachleuten als „Kapp-Goldfriedrich“ bekannt, als Standardwerk der Buchhandelsgeschichte.

Im Jahr 1934 wurde die Kommission durch die Nationalsozialisten aufgelöst. Infolge der Teilung Deutschlands entstanden 1953 in Frankfurt am Main und 1962 in Leipzig eigene Historische Kommissionen, die erst 1991 wieder vereinigt wurden.

Heute gehören der Historischen Kommission 40 ordentliche und korrespondierende Mitglieder, sowohl Verleger als auch Wissenschaftler, an. Die Fortsetzung des „Kapp-Goldfriedrich“ ist das wichtigste Langzeitprojekt der Kommission. Ebenfalls maßgebend ist die Betreuung anderer wissenschaftlicher Publikationen über die Geschichte des Buchhandels, zum Beispiel das „Archiv für Geschichte des Buchwesens“.

Das Bildnis von Eduard Brockhaus gehört zu einer Sammlung von über 4.000 druckgrafischen Porträts von Druckern, Buchhändlern und Verlegern. Die erschließenden Beschreibungen und digitalisierten Bildnisse werden über diverse Kulturportale bereitgestellt: im Bildindex Foto Marburg (www.bildindex.de), im Digitalen Porträtindex (www.portraitindex.de) sowie in der Europeana (http://www.europeana.eu).

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