Heinrich-Böll-Preis 2015

Herta Müller erhält Kölner Auszeichnung

Der Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln geht in diesem Jahr an die Schriftstellerin Herta Müller. Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 20. November in der Domstadt überreicht.

Herta Müller

Herta Müller © Annette Pohnert / Carl Hanser Verlag

Die Jury schrieb in ihrer Begründung, "man könnte meinen, dass es nach dem Literaturnobelpreis von 2009 keinen Grund mehr gebe, das Werk der seit 1987 in der Bundesrepublik lebenden Schriftstellerin abermals zu würdigen", doch das Gegenteil sei der Fall. Nicht nur, dass die 1953 im deutschsprachigen Banat (Rumänien) geborene Herta Müller in den vergangenen sechs Jahren weitere wichtige Bücher publiziert habe, so zuletzt den Essayband "Hunger und Seide" - auch keine andere Autorin sei in ihrem Schaffen dem künstlerischen und kritischen Geist Heinrich Bölls so verwandt. "Der Grundtrieb des Böllschen Schreibens findet sich darin wieder: das Aufwachsen in einem repressiven Heimatland und dann das Erlebnis der Befreiung in einer neuen Gesellschaft; im Falle Bölls im selben Land nach 1945, im Falle Müllers durch die Ausreise nach Deutschland."

Heinrich Böll wie Herta Müller hätten durch ihre Erfahrungen im Totalitarismus "einen besonders scharfen Blick für die Risiken auch in der freien Gesellschaft gewonnen, was ihre Romane ebenso prägt wie die jeweiligen essayistischen Einlassungen. Sie sind beide große literarische Chronisten der Abgründe des zwanzigsten Jahrhunderts – und beide große Hoffnungsmacher nicht nur der Literatur, sondern der Menschlichkeit als Ganzer", so die Jury weiter. Mit ihren Romanen habe sie eine Poetik entwickelt, "in der sprachliche Originalität und zeitgeschichtliche Durchdringung der Stoffe eine höchst individuelle Stimme schufen, deren Aussagekraft weit über die Banater Wurzeln und auch weit über den deutschen Sprachraum hinausgehen".

Der mit 20.000 Euro dotierte Preis wird am 20. November um 18.30 Uhr im Historischen Rathaus der Stadt Köln verliehen.

Neben dem Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters und Vertretern aus Rat und Verwaltung gehörten der Jury als Fachjuroren Christof Hamann, Guy Helminger, Ulrich Peltzer und Andreas Platthaus an.

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